Inhaltsangabe

Der Jugendroman »Löcher – Die Geheimnisse von Green Lake« (»Holes«) von Louis Sachar, 1998 in den Vereinigten Staaten und 1999 in Deutschland veröffentlicht, schildert die Vorkommnisse in einem Lager für straffällig gewordene Jugendliche in Texas. Im Mittelpunkt steht der Junge Stanley Yelnats, der sich vom Außenseiter zu einem mutigen und tatkräftigen Menschen entwickelt und zunehmend Verantwortung für sich und andere übernimmt. Mit Herz und Verstand gelingt es ihm, eine schicksalhafte Wende für alle Beteiligten einzuleiten.


Das Camp Green Lake liegt an einem ausgetrockneten See in der texanischen Wüste, weitab jeglicher Zivilisation. Hier sollen kriminelle Jungen durch schwere körperliche Arbeit zu nützlichen Mitgliedern der Gesellschaft erzogen werden. Jeden Tag müssen sie in sengender Sonne Löcher in vorgegebener Größe in den ausgetrockneten Boden graben. Wenn sie dabei auf interessante Dinge stoßen, sind diese bei der Chefin des Lagers, einer gefühllosen und brutalen Frau, abzugeben.

Stanley Yelnats ist ein Pechvogel, dick und unglücklich, und wird von seinen Mitschülern gemobbt. Eines Tages wird er für einen Diebstahl verurteilt, den er nicht begangen hat, und nach Camp Green Lake gebracht.

Stanley erkennt sehr schnell, dass er sich der bestehenden Hackordnung im Lager unterwerfen muss, um zu überleben. Unter ihm steht nur noch ein kleiner Schwarzer, der von allen Zero genannt wird, weil er angeblich geistig zurückgeblieben und ohne Zukunftsaussichten ist. Sehr bald bittet Zero Stanley ihm abends das Lesen beizubringen, während er ihm dafür tagsüber beim Graben hilft.

In einem zweiten Erzählstrang wird die Geschichte von Stanleys Vorfahren erzählt. Sein Ururgroßvater hat vor langer Zeit in seiner Heimat Lettland das Versprechen gegenüber einer Madame Zeroni nicht eingehalten, sie einen Berg hinauf zu einer Quelle zu tragen. Er ist stattdessen überstürzt nach Amerika ausgewandert. Seitdem liegt eine Art Fluch über der Familie. Stanleys Urgroßvater, der ein Vermögen an der Börse verdient hat, wird auf dem Weg von New York an die Westküste von Kissin‘ Kate Barlow ausgeraubt. Die berüchtigte Banditin überlässt ihn in der Wüste seinem Schicksal, und sein Überleben auf dem »Daumen Gottes« gilt bis heute als Wunder. Stanleys Vater ist als Erfinder ebenso glücklos wie Stanley selbst.

Stanley durchschaut sehr bald die Absichten der Lagerleitung: Das Graben ist keine Erziehungsmaßnahme, sondern die Jungen suchen nach etwas Wertvollem. Als Stanley eine Lippenstifthülle mit den Initialen KB findet, die von großer Bedeutung für die Chefin zu sein scheint, vermutet er eine Verbindung zu Kissin‘ Kate Barlow.

Mehr als hundert Jahre zuvor hat Kate Barlow als Lehrerin am Green Lake gelebt, als dieser noch ein See war, eingebettet in eine fruchtbare Landschaft. Sie verliebte sich heftig in den Schwarzen Sam, der seinen Lebensunterhalt mit dem Verkauf von wilden Zwiebeln verdiente, die als Heil- und Stärkungsmittel gelten.

Als die beiden sich zum ersten Mal küssen, werden sie beobachtet. Für den Schwarzen Sam zieht der Kuss die Todesstrafe nach sich, die Weiße Kate rächt den Tod ihres Geliebten, indem sie den Sheriff erschießt und anschließend raubend und mordend
durchs Land zieht. Dreißig Jahre später kommt sie zurück nach Green Lake und vergräbt ihren Besitz, bevor sie stirbt.

Die anderen Jungen in der Gruppe neiden Zero und Stanley deren Freundschaft und erreichen, dass Zero nicht mehr lesen und schreiben lernen darf. Dieser flüchtet daraufhin in die lebensfeindliche Wüste. Stanley zögert zunächst, dann macht er sich auf die Suche nach Zero.

Er findet seinen Freund, dem Verdursten nah und geschwächt, doch Zero weigert sich ins Camp zurückzukehren. Beide Jungen fühlen sich magisch angezogen von einem Felsen, der wie ein großer Daumen in den Himmel ragt. Mit Mut und Willenskraft erreichen sie gemeinsam den Fuß des Berges, wo Zero entkräftet zusammenbricht. Stanley lädt Zeros ausgemergelten Körper auf seine Schultern und trägt ihn den Berg hoch. Er weiß nicht, dass er damit Generationen später das Versprechen seines Ururgroßvaters einlöst, denn Zeros richtiger Name ist Hector Zeroni. Er ist der Urururenkel der Madame Zeroni aus Lettland.

Auf einem Felsplateau stolpert Stanley mit seiner Last in ein lehmiges Wasserloch. In der Luft liegt ein penetranter Geruch, der von wilden Zwiebeln herrührt, die auf dem Berg wachsen. Mithilfe des schmutzigen Wassers und der Zwiebeln überleben die Jungen, kommen langsam wieder zu Kräften und schmieden schließlich einen Plan.

Sie schleichen zurück zum Camp und orten das Loch, in dem Stanley die Lippenstifthülle gefunden hat. Im Schutz der Dunkelheit beginnen sie zu graben. Tatsächlich finden sie einen Koffer mit dem Namen von Stanleys Großvater, in dem sie den Schatz vermuten.

In dem Augenblick, als sie den Koffer herausziehen, werden sie von der Lagerleitung gestellt. Hilfe naht in Person eines hohen Justizbeamten und einer Anwältin, die Stanley vertritt. Man hat inzwischen herausgefunden, dass Stanley zu Unrecht verurteilt und ins Lager gebracht worden ist. Stanley besteht darauf, das Camp nur in Begleitung von Zero zu verlassen.

Der Inhalt des Koffers macht beide Jungen wohlhabend. Stanleys Vater hat endlich Erfolg mit einer Erfindung, nämlich einem Mittel gegen Fußschweiß. Der Familienfluch ist gebannt. Kurze Zeit später wird auch das Lager geschlossen.


Dieser tragikomische Roman ist unterhaltsam und heiter, ohne die Realität zu beschönigen. Der ehemalige Rechtsanwalt Louis Sachar beleuchtet in »Löcher« auch die Schattenseiten des Rechtsstaats USA, wo schon Kinder in die Mühlen des Strafvollzugs geraten können. Zudem kann sein Buch als Kritik am amerikanischen Rassismus in Vergangenheit und Gegenwart verstanden werden. Trotzdem bleibt vor allem der liebenswerte Charakter Stanley Yelnats in Erinnerung, der zwar an die Macht des Schicksals glaubt, sich diesem aber nicht ausliefert, sondern es in die Hand nimmt. »Löcher« (»Holes«) ist ein äußerst lesenswertes Buch.

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