Inhaltsangabe

Das Trauerspiel »Maria Stuart« von Friedrich Schiller wurde am 14. Juni 1800 im Hoftheater zu Weimar uraufgeführt. Schauplatz der Tragödie ist England im 16. Jahrhundert. Im Jahre 1568 musste Maria Stuart, Königin von Schottland, aus ihrem Land fliehen und suchte Schutz bei ihrer Verwandten Elisabeth, Königin von England. Da diese unter anderem fürchtete, Maria könnte ihre Ansprüche auf den englischen Thron geltend machen, ließ sie Maria verhaften. Die Handlung des Dramas setzt wenige Tage vor Marias Hinrichtung im Jahre 1587 ein. Wegen Hochverrats hat ein Gericht Maria zum Tode verurteilt. Um ihr eigenes Ansehen besorgt, zögert Elisabeth die Unterzeichnung des Urteils hinaus.


Maria Stuart ist auf Schloss Fotheringhay inhaftiert. Trotz ihrer unwürdigen Haftbedingungen, die ihre Amme Hanna Kennedy beklagt, ist Marias Stolz ungebrochen. Sie bittet ihren Bewacher Paulet, der Königin Elisabeth ein Schreiben zu überreichen, in dem sie um eine Unterredung mit ihr nachsucht.

Mortimer, der Neffe Paulets, ist wie Maria ein Anhänger des Katholizismus. Er hält Maria zudem für die rechtmäßige Königin und will sie aus dem Kerker befreien. Statt Mortimers verwegenen Fluchtplänen zu folgen, bittet Maria ihn, dem Grafen von Leicester einen Brief zu überbringen.

Gegenüber Lord Burleigh, Großschatzmeister von England, empört Maria sich über das unfaire Verfahren, aufgrund dessen sie wegen Hochverrats verurteilt wurde. Sie beteuert ihre Unschuld. Ihr zu erwartender Tod sei ein Akt der Machtausübung durch Elisabeth und damit Mord.

Elisabeth ist bereit, sich dem Willen ihres Volkes zu beugen und gibt dem Werben des französischen Prinzen nach. Sie verbittet sich jedoch jegliche Einmischung der Franzosen in den Fall Maria Stuart. Burleigh rät Elisabeth, das Todesurteil zu unterzeichnen und Maria hinrichten zu lassen. Graf Talbot Shrewsbury zweifelt Elisabeths Recht an, über eine Königin zu richten und befürwortet Milde. Graf Leicester, Elisabeths engster Vertrauter, will das Urteil zwar aufrechterhalten, aber nicht vollstreckt sehen.

Als Elisabeth Marias Brief liest, ist sie anscheinend gerührt. Ohnehin zögert sie, die Vollstreckung des Urteils anzuordnen, weil sie die Reaktionen im Volk fürchtet. Elisabeth vertraut Mortimer und drängt ihn, Maria schon im Kerker umkommen zu lassen. Mortimer geht zum Schein darauf ein.

Mortimer gibt Leicester den Brief von Maria. Leicester gesteht, dass er nicht Elisabeth, sondern Maria liebe. Beide Männer wollen Maria helfen: der junge Mortimer auf ungestüme Art, während Leicester ruhig und besonnen vorgehen will. Er überredet Elisabeth, Maria während einer Jagd – scheinbar zufällig – zu treffen.

Die lang ersehnte Begegnung mit Elisabeth kommt für Maria unvorbereitet. Sie bemüht sich um Fassung, zeigt aber nicht die erwartete Unterwürfigkeit, sondern verweist auf ihrer beider Ebenbürtigkeit. Elisabeth reagiert mit Verachtung. Marias Katholizismus bedeute eine Gefahr für ihr eigenes Volk. Als Maria an Elisabeths Edelmut appelliert und stattdessen von ihr verhöhnt wird, bricht sich der Zorn in Maria Bahn. Sie gerät außer sich und wirft Elisabeth deren Herkunft vor. Shrewsbury trennt die Frauen und Leicester führt Elisabeth weg.

Während Mortimer Maria einen Plan für die Flucht unterbreitet, der viele Menschenleben kosten kann und den Maria entsetzt zurückweist, begeht einer von Mortimers Gefolgsleuten ein Attentat gegen Elisabeth. Graf Shrewsbury rettet die Königin. Die Verschwörer werden verfolgt, doch statt zu fliehen, will Mortimer in Marias Nähe bleiben.

Da der Attentäter ein französischer Katholik ist, widerruft Elisabeth das Bündnis mit Frankreich, das Burleigh vorangetrieben hatte. Mortimer warnt Leicester davor, dass Burleigh sein doppeltes Spiel durchschaut und einen Brief von Maria an ihn als Beweis habe. Während Mortimer eine neue Taktik vorschlägt, ruft Leicester die Wachen und lässt den überraschten Mortimer verhaften. Dieser stürzt sich daraufhin in seinen eigenen Dolch.

Elisabeth zeigt sich tief verletzt über Leicesters Verrat. Leicester gibt den Kontakt zu Maria zu, behauptet aber, dass er sie nur habe aushorchen wollen, um Elisabeth zu schützen. Es gelingt Leicester nicht, Elisabeths Zweifel gänzlich auszuräumen. Sie beauftragt ihn deshalb, Marias Hinrichtung gemeinsam mit Burleigh durchzuführen.

In einem Monolog erkennt Elisabeth in Maria die Wurzel allen Übels. Hasserfüllt unterschreibt sie das Todesurteil und händigt es dem Staatssekretär Davison aus. Dieser soll damit nach seinem Gutdünken verfahren. Sie weigert sich, ihm eine klare Anordnung zu geben. Gegen Davisons Willen nimmt Burleigh das Urteil an sich um es zu vollstrecken.

Vor ihrem Tod beichtet Maria und bereut den Hass auf Elisabeth, die sündige Liebe zu Leicester und die Mittäterschaft am Tod ihres Gatten. Den angeblichen Hochverrat bestreitet sie und bezichtigt ihre Schreiber der Falschaussage. In einem Monolog erkennt Leicester den Verrat an seiner Liebe. Er sieht sich außerstande Marias Hinrichtung beizuwohnen und verfolgt ihre Enthauptung als Ohrenzeuge.

Während Elisabeth unruhig auf die Nachricht von der erfolgten Vollstreckung wartet, erscheint Shrewsbury mit der Nachricht, dass die Zeugen ihre Aussagen widerrufen haben. Elisabeth ordnet die Wiederaufnahme des Verfahrens an und verlangt von Davison das unterschriebene Todesurteil zurück, das ihm ausdrücklich zur Verwahrung anvertraut worden sei. Vergeblich versucht Davison sich zu rechtfertigen.

Elisabeth verbannt Burleigh und lässt Davison in den Tower werfen. Als sie Shrewsbury zu ihrem führenden Berater ernennen will, lehnt dieser resigniert ab. Elisabeth verlangt nach Leicester und erfährt, dass er nach Frankreich abgereist ist.


»Maria Stuart« ist ein perfektes Beispiel für den Aufbau eines klassischen Dramas. Genau in der Mitte des dritten Akts – der in der Regel die Zuspitzung des Konflikts beinhaltet –lässt Schiller die Begegnung der beiden Widersacherinnen stattfinden. Neben eindrücklichen Schilderungen von Personen wie Graf Leicester oder Burleigh arbeitet Schiller besonders die unterschiedlichen Charaktere der beiden Königinnen und Frauen heraus: einerseits die charismatische Maria, die über ihren Stolz zu innerer Freiheit findet, andererseits Elisabeth, die ihre politische Macht mit Abhängigkeiten bezahlt.

© Inhaltsangabe.de. Es gelten unsere Nutzungs- und Lizenzbedingungen.

Szenenübersicht

Maria Stuart – 1. Aufzug – im Schloss zu Fotheringhay

1. Auftritt Hanna Kennedy. Paulet. Drugeon Drury.

Paulet lässt seinen Gehilfen Drury Maria Stuarts Schränke aufbrechen. Er sucht nach Wertgegenständen, mit denen Maria ihre Bediensteten bestechen könnte. Marias Amme Hanna Kennedy beklagt die Härten der Haft, die Maria zu erdulden hat, kann aber die Männer nicht von ihrem Tun abhalten. Paulet beschuldigt Maria, selbst vom Kerker aus gegen England zu sabotieren.
2. Auftritt Maria. Die Vorigen.

Auch angesichts dieser neuen Demütigungen bleibt Marias Stolz ungebrochen. Sie bittet Paulet der Königin Elisabeth einen Brief zu übergeben, in dem sie um eine persönliche Unterredung mit ihr nachsucht. Zudem wünscht sie einen katholischen Priester zu sehen. Sie beklagt, dass man ihr keinen fairen Prozess gemacht habe und bedrängt Paulet, ihr den Stand des Verfahrens mitzuteilen. Paulet weicht aus.
3. Auftritt Die Vorigen. Mortimer.

Paulets Neffe Mortimer erscheint. Er ignoriert Maria und wendet sich an seinen Onkel. Als er gegangen ist, beschwert Maria sich über Mortimers Unhöflichkeit. Paulet dagegen lobt dessen Härte und Unbestechlichkeit.
4. Auftritt Maria. Kennedy.

Maria fühlt sich mitschuldig am Tod ihres zweiten Ehemanns Darnley und sieht in ihrer aktuellen Bedrängnis die Strafe dafür. Kennedy versucht Maria zu ermutigen. Sie schreibt die frühere Tat Marias jugendlicher Leichtfertigkeit zu und versichert, dass Maria vor englischen Gerichten unschuldig sei.
5. Auftritt Die Vorigen. Mortimer.

Mortimer erscheint und überreicht Maria eine Karte. Bestürzt bittet Maria Hanna, sie mit Mortimer allein zu lassen und vor der Tür Wache zu halten.
6. Auftritt Mortimer. Maria.

Mortimer kommt mit einer Empfehlung von Marias Onkel, dem Kardinal von Lothringen. Mortimer hält Maria für die rechtmäßige Königin und will sie um jeden Preis vor der Vollstreckung des Urteils gegen sie retten. Maria hält Mortimers Fluchtpläne für undurchführbar und versucht Mortimer davon abzubringen. Stattdessen bittet sie ihn, dem Grafen von Leicester einen Brief zu überbringen.
7. Auftritt Maria. Lord Burleigh. Ritter Paulet.

Lord Burleigh, Großschatzmeister von England, will Maria in Begleitung von Paulet das Urteil mitteilen, das Maria bereits von Mortimer gehört hat. Maria entrüstet sich über die unzuständigen Richter, die sie wegen angeblichen Verrats verurteilt haben, und über das Verfahren an sich: Man hat ihr die Gegenüberstellung mit den Belastungszeugen, ihren Schreibern, verweigert. Sie beteuert ihre Unschuld. Das Problem liege vielmehr in der tief verwurzelten Feindschaft zwischen England und Schottland. Ihr zu erwartender Tod sei nicht der Gerechtigkeit geschuldet, sondern ein Akt der Machtausübung durch Elisabeth und damit Mord.
8. Auftritt Burleigh. Paulet.

Im Gespräch mit Burleigh setzt Paulet sich für einen ordnungsgemäßen Prozess ein. Burleigh lehnt dies ab. Er versucht Paulet dazu zu bringen, Elisabeth von der Qual zu befreien, das Todesurteil vollstrecken zu müssen. Paulet solle die ihm anvertraute Maria töten oder zulassen, dass ein anderer sie töte. Paulet verwehrt sich entschieden dagegen.

Maria Stuart – 2. Aufzug – der Palast zu Westminster

1. Auftritt Graf von Kent. Sir William Davison.

Kent versichert Davison, dass die englische Königin die Brautwerbung des französischen Prinzen akzeptiert habe.
2. Auftritt Die Vorigen. Elisabeth. Leicester. Graf Aubespine. Bellievre. Graf (Talbot) Shrewsbury. Lord Burleigh.

Gegenüber den Gesandten des französischen Königshofes macht Elisabeth deutlich, dass, wenn sie dem Werben nachgebe, sie sich damit dem Willen des englischen Volkes beuge. Sie selbst würde lieber unverheiratet sterben. Sie gibt dem drängenden Bellievre schließlich einen Ring für den König. Aubespine erwähnt daraufhin das Schicksal von Maria. Elisabeth verbietet sich jegliche Einmischung.
3. Auftritt Elisabeth. Leicester. Burleigh. Talbot.

Burleigh rät Elisabeth, Maria hinrichten zu lassen. Talbot dagegen zweifelt ihr Recht an, über Maria zu urteilen, da diese keine Untertanin sei. Er rät Elisabeth zur Milde und verteidigt Maria wortreich. Elisabeths Günstling Leicester ist der Meinung, dass das Urteil bestehen bleiben, aber nicht vollstreckt werden solle.
4. Auftritt Die Vorigen. Ritter Paulet. Mortimer.

Paulet stellt seinen Neffen der Königin vor und überreicht ihr Marias Brief. Burleigh versucht erfolglos ihn an sich zu bringen. Elisabeth liest und ist gerührt. Während Talbot sie in ihren Gefühlen bestätigt, ermahnt Burleigh sie zu Härte. Leicester spricht sich für eine Begegnung der Königinnen und dem gleichzeitigen Festhalten am Urteil aus.
5. Auftritt Elisabeth. Mortimer.

Elisabeth zögert, die Vollstreckung des Urteils über Maria anzuordnen, weil sie die Reaktionen im Volk fürchtet. In Mortimer wähnt sie einen mutigen Verbündeten. Maria soll von seiner Hand sterben. Mortimer sagt es ihr zu.
6. Auftritt Mortimer.

In einem Monolog klagt Mortimer Elisabeth der Falschheit an und rechtfertigt damit seinen eigenen Betrug. In Maria verehrt er das Weibliche, Elisabeth wirft er vor, niemals einen Mann geliebt zu haben.
7. Auftritt Mortimer. Paulet

Paulet erahnt die Übereinkunft zwischen der Königin und Mortimer. Er warnt seinen Neffen vor der Willkür der Herrschenden. Leicester erscheint und gibt bekannt, dass die Königin Maria in Mortimers Obhut befehlige. Paulet durchschaut Elisabeths Absichten.
8. Auftritt Leicester. Mortimer.

Mortimer überreicht Leicester Marias Brief. Die beiden Männer offenbaren sich einander. Leicester liebt Maria seit Jugendtagen. Angeblich aus Machtkalkül hatte er sich Elisabeth zugewandt, die ihn zehn Jahre hingehalten hat. Während der junge Mortimer abenteuerliche Fluchtpläne schmiedet, will der besonnene Leicester abwarten und nach einer Lösung suchen. Mortimer wendet sich enttäuscht von ihm ab.
9. Auftritt Elisabeth. Leicester.

Da Elisabeth sich wegen ihrer Heiratspläne mit dem Prinzen von Frankreich Leicester gegenüber schuldig fühlt, geht sie auf seine Pläne ein: Er will ein Treffen mit Maria arrangieren, das wie ein zufälliges wirken soll.

Maria Stuart – 3. Aufzug – Gegend in einem Park

1. Auftritt Maria. Hanna Kennedy.

Maria ist es erlaubt worden, sich im Park aufzuhalten. Sie ist außer sich vor Glück, sieht die ihr gewährte Gunst als Vorbotin der Freiheit. Hanna dagegen ist skeptisch und mahnt Maria zur Ruhe.
2. Auftritt Paulet. Die Vorigen

Paulet kündigt an, dass als Folge des überbrachten Briefes Elisabeth auf dem Weg zu Maria sei. Maria ist bestürzt und fühlt sich nicht vorbereitet auf die Begegnung.
3. Auftritt Graf Shrewsbury. Die Vorigen.

Talbot erscheint, um Maria Mut zuzusprechen. Maria empfindet Hass gegen Elisabeth und fürchtet, dass die lang ersehnte Begegnung in einem Fiasko enden wird. Talbot rät ihr zu Gefasstheit und Demut.
4. Auftritt Die Vorigen. Elisabeth. Graf Leicester. Gefolge.

Elisabeth trifft bei Maria nicht die erwartete Demut an. Maria verweist auf ihrer beider Ebenbürtigkeit. Elisabeth reagiert mit Verachtung. Marias Katholizismus bedeute eine Gefahr für ihr eigenes Volk. Als Maria an Elisabeths Edelmut appelliert und stattdessen von ihr verhöhnt wird, bricht sich der Zorn in Maria Bahn. Sie gerät außer sich und wirft Elisabeth deren Herkunft vor. Shrewsbury trennt die Frauen und Leicester führt Elisabeth weg.
5. Auftritt Maria. Kennedy.

Maria ist noch immer erregt und fühlt sich erleichtert. Hanna macht ihr ihren Ausbruch zum Vorwurf, doch Maria ist stolz darauf, Elisabeth in Anwesenheit ihres Geliebten gedemütigt zu haben.
6. Auftritt Mortimer. Die Vorigen.

Mortimer ist für Maria in Leidenschaft entfacht, die nahe dem Wahnsinn ist. Er entwirft einen wilden Fluchtplan, der viele Menschen, darunter seinen Onkel Paulet und notfalls auch Elisabeth, das Leben kosten soll. Vergeblich gebietet Maria ihm innezuhalten, dann wendet sie sich entsetzt von ihm ab.
7. Auftritt Mortimer. Paulet. Drury.

Paulet behauptet, dass die Königin auf Londons Straßen ermordet worden sei. Er beschuldigt Maria der Tat.
8. Auftritt Mortimer. Okelly.

Okelly berichtet, dass der Mordversuch an Elisabeth gescheitert sei. Verantwortlich sei ein Einzelgänger unter den Verschwörern, weshalb sie alle jetzt in Gefahr seien und fliehen müssen. Mortimer will Maria nicht verlassen.

Maria Stuart – 4. Aufzug – der Palast zu Westminster

1. Auftritt Graf Aubespine. Kent. Leicester.

Im Gespräch stellt sich heraus, dass der Attentäter ein französischer Katholik ist.
2. Auftritt Vorige. Burleigh. Davison.

Burleigh beauftragt Davison, den Befehl zu Marias Hinrichtung aufzusetzen und der Königin zur Unterschrift vorzulegen. Infolge des Attentats hat die Königin das Bündnis mit Frankreich widerrufen. Aubespine wird der Mittäterschaft verdächtigt und des Landes verwiesen.
3. Auftritt Leicester. Burleigh.

Leicester verspottet Burleigh wegen des Scheiterns seiner Pläne mit Frankreich. Burleigh dagegen wirft Leicester sein doppeltes Spiel vor.
4. Auftritt Leicester. Mortimer.

Leicester fühlt sich von Burleigh durchschaut. Mortimer bestätigt das: Bei Maria ist ein Brief gefunden worden, der an Leicester gerichtet war, und sich in Burleighs Besitz befindet. Mortimer will Leicester warnen und auf die neuen Strategien einschwören. Zu Mortimers Erstaunen ruft Leicester die Palastwache, um ihn festnehmen zu lassen. Mortimer wirft Leicester dessen Unehrenhaftigkeit vor. Er selber will als freier Mann sterben und tötet sich mit seinem Dolch.
5. Auftritt Elisabeth. Burleigh.

Elisabeth zeigt sich tief verletzt über Leicesters Verrat. Sie befiehlt, dass Maria hingerichtet und Leicester in den Tower gebracht werde. Als Leicester sie sehen will, kommen ihr Zweifel an seiner Schuld.
6. Auftritt Vorige. Leicester.

Leicester dringt gegen den Willen der Königin zu ihr vor. Er gibt den Kontakt zu Maria zu, behauptet aber, dass er sie nur habe aushorchen wollen. Tatsächlich sei es ihm geglückt, die Verschwörung aufzudecken und Mortimer verhaften zu lassen. Leider könne dieser nach der Selbsttötung nicht mehr zu seinen Gunsten aussagen. Es gelingt Leicester nicht, Elisabeths Zweifel gänzlich auszuräumen. Sie beauftragt ihn deshalb gemeinsam mit Burleigh mit der Hinrichtung Marias.
7. Auftritt Graf von Kent. Vorige.

Der wütende Pöbel belagert den Palast. Um ihn zu beruhigen, soll Elisabeth das Todesurteil unterzeichnen. Elisabeth zögert.
8. Auftritt Burleigh. Davison. Die Vorigen.

Davison bringt Elisabeth das vorbereitete Urteil. Diese weicht erschrocken zurück. Sie fürchtet, dass sich nach Marias Tod der Volkszorn gegen sie richten werde.
9. Auftritt Graf Shrewsbury. Die Vorigen.

Shrewsbury unterstützt Elisabeths Bedenken: Die tote Maria werde gefährlicher für sie sein als die lebende. Burleigh dagegen drängt auf entschiedenes Handeln um des Volkes willen.
10. Auftritt Elisabeth.

In einem Monolog beklagt Elisabeth die Last ihres Amtes. Sie zählt ihre Feinde im In- und Ausland auf, darunter den Papst. Sie erkennt Maria als die Wurzel allen Übels und von Hass erfüllt unterschreibt sie das Todesurteil.
11. Auftritt Elisabeth. Davison.

Elisabeth übergibt Davison das Todesurteil und stellt es ihm anheim, nach seinem Gutdünken damit zu verfahren. Davison wehrt sich heftig gegen die Verantwortung, die ihm aufgebürdet wird. Elisabeth wendet sich ab.
12. Auftritt Davison. Burleigh.

Gegen Davisons Willen nimmt Burleigh ihm das Urteil ab, um es zu vollstrecken.

Maria Stuart – 5. Aufzug – im Schloss zu Fotheringhay

1. Auftritt Hanna Kennedy. Melvil.

Die trauernde Amme berichtet Melvil, Marias Haushofmeister, dass Maria dem Tod stolz und gefasst entgegenblicke.
2. Auftritt Margareta Kurl. Die Vorigen.

Marias Kammerfrau Kurl erkundigt sich bei Melvil nach ihrem Gatten, der Maria verraten hat. Sie verflucht ihn.
3. Auftritt Burgoyn. Die Vorigen. Hanna Kennedy.

Marias Arzt Burgoyn verordnet, ihr Wein zu bringen um sie zu stärken.
4. Auftritt Die Vorigen. Zwei andere Kammerfrauen der Maria.

Weinend berichten die Kammerfrauen, dass Maria bei ihrem letzten Gebet sei.
5. Auftritt Margareta Kurl. Die Vorigen.

Kurl erzählt den anderen, dass sie die Guillotine und die Blutgier in den Augen der Umstehenden gesehen habe.
6. Auftritt Die Vorigen. Maria.

Maria nimmt Abschied von ihren Untergebenen und verteilt Vermächtnisse. Sie nimmt allen das Gelöbnis ab, dass sie nach ihrem Tod England verlassen und nach Frankreich gehen.
7. Auftritt Maria. Melvil.

Maria sehnt sich nach Versöhnung mit ihrer Kirche und erfährt, dass Melvil zwischenzeitlich zum Priester geweiht worden und bereit ist, ihr die Beichte abzunehmen. Maria beichtet und bereut den Hass auf Elisabeth, die sündige Liebe zu Leicester und die Mittäterschaft am Tod ihres Gatten. Melvil bedrängt sie, den Hochverrat an England zuzugeben, doch Maria erklärt sich für unschuldig und bezichtigt ihre Schreiber der Falschaussage. Melvil erteilt ihr die Absolution und reicht ihr die Kommunion.
8. Auftritt Die Vorigen. Burleigh. Leicester. Paulet.

Burleigh fragt nach Marias Wünschen. Sie verweist auf ihr Testament und trägt ihm Grüße für Elisabeth auf: Sie verzeihe der Schwester ihren Tod.
9. Auftritt Die Vorigen. Hanna Kennedy. Frauen. Sheriff. Gewaffnete Männer.

Maria setzt durch, dass Hanna sie auf dem letzten Weg begleiten darf. Als Marias Augen die von Leicester treffen, strauchelt sie und er fängt sie auf. Maria spottet, dass er sie – wie versprochen – aus dem Kerker führe. Sie wirft ihm vor, Elisabeths stolzes Herz ihrem zärtlichen vorgezogen zu haben und wünscht ihm ein glückliches Leben, sofern ihm das möglich sei.
10. Auftritt Leicester.

In einem Monolog erkennt Leicester, dass er seine Liebe verraten hat. Er sieht sich außerstande Marias Hinrichtung beizuwohnen, aber verfolgt ihre Enthauptung als Ohrenzeuge.
11. Auftritt Elisabeth.

In großer Unruhe wartet Elisabeth auf Burleigh und Leicester um zu erfahren, ob die Vollstreckung erfolgt sei.
12. Auftritt Elisabeth. Ein Page.

Ein Page berichtet, dass Burleigh und Leicester die Stadt verlassen haben.
13. Auftritt Elisabeth. Graf Shrewsbury.

Marias Schreiber haben Graf Shrewsbury gegenüber zugegeben, Maria durch ein falsches Zeugnis belastet zu haben. Elisabeth ordnet eine neue Untersuchung an.
14. Auftritt Davison. Die Vorigen.

Elisabeth verlangt von Davison das unterschriebene Todesurteil zurück, das ihm ausdrücklich zur Verwahrung anvertraut worden sei. Vergeblich versucht Davison sich zu rechtfertigen.
Letzter Auftritt Die Vorigen. Burleigh. Kent.

Elisabeth verbannt Burleigh und lässt Davison in den Tower werfen. Als sie Shrewsbury zu ihrem führenden Berater ernennen will, lehnt dieser resigniert ab. Elisabeth verlangt nach Leicester und erfährt, dass dieser nach Frankreich abgereist ist.