Auf dieser Seite haben wir die wichtigsten Stilmittel und Redefiguren gesammelt. Die Stilmittel werden kurz erläutert und durch Beispiele ergänzt.
- Akkumulation
- Gehäufte Aneinanderreihung mehrerer Unterbegriffe anstelle des zusammenfassenden Oberbegriffs:
- Nun ruhen alle Wälder, Vieh, Menschen, Städte und Felder
- Allegorie
- Systematisierte Metapher, bildhaft belebte Darstellung eines abstrakten Begriffs oder Gedankens:
- Justitia – Gerechtigkeit
- Fortuna – Glück
- Alliteration
- Stabreim (gleicher Anlaut der betonten Silben aufeinanderfolgender Wörter):
- bei Nacht und Nebel
- bei Wind und Wetter
- der Rubel rollt
- gut und gern
- Haus und Hof
- klipp und klar
- mit Kind und Kegel
- mit Mann und Maus
- mit Schimpf und Schande
- mit Zittern und Zagen
- nicht wanken und nicht weichen
- null und nichtig
- von Pontius zu Pilatus
- Allusion
- Anspielung:
- Sie wissen, was ich meine.
- Es wäre ja nicht das erste Mal.
- Anadiplose
- Wiederholung des Endes eines Satzes am Anfang des folgenden:
- Er ging in den Wald, in den Wald des Romantikers.
- Anakoluth
- Herausfallen aus der Bauart des Satzes; Satzstörung, Satzbruch:
- Es geschieht oft, dass, je freundlicher man ist, nur Undank wird einem zuteil.
- Sie schlägt, die Rüstung ihm vom Leibe reißend, / Den Zahn schlägt sie in seine weiße Brust …
- Anapher
- Steigernde Wortwiederholung am Anfang eines Wortes, eines Verses oder einer Strophe:
- Wir fordern, dass … Wir fordern, dass …
- Das Wasser rauscht, das Wasser schwoll
- Wer nie sein Brot mit Tränen aß, / Wer nie die kummervollen Nächte / Auf seinem Bette weinend saß. (Johann Wolfgang von Goethe)
- Anastrophe
- Umkehrung der geläufigen syntaktischen Wortstellung:
- des Glaubens wegen
- Annominatio
- Auf Ähnlichkeit zweier Wörter beruhendes Wortspiel:
- Der Rheinstrom ist worden zu einem Peinstrom (Schiller)
- Eile mit Weile
- Ankündigung
- Ankündigung kommender Passagen oder Informationen:
- Diese Hintergründe muss ich Ihnen näher erklären …
- Anrede
- Hinwendung an den Adressaten:
- Meine Damen und Herren …
- Antiklimax
- Aneinanderreihung von Wörtern mit abnehmender Gewichtung; Übergang von stärkeren zu schwächeren Ausdrücken:
- Urahne, Großmutter, Mutter, Kind … (Gottfried August Bürger)
- Antithese
- Gegenüberstellung gegensätzlicher Begriffe und Gedanken:
- Freund und Feind
- Heiß geliebt und kalt getrunken
- Himmel und Hölle
- Wasser und Wein
- Antonomasie
- Umschreibung, bei der ein Eigenname für einen Gattungsnamen steht:
- Demosthenes statt großer Redner
- Aposiopese
- Verschweigen des Wichtigen; bewusstes Abbrechen des Satzes vor der wichtigen Aussage:
- Du wirst doch nicht …
- Es war eine Zeit – Lasst mich allein, Kameraden. (Schiller: Die Räuber)
- Apostrophe
- Abwendung vom anwesenden Publikum, Anruf von visionären Gestalten:
- Alter Freund! Immer getreuer Schlaf, fliehst du mich?
- Archaismus
- Veralteter sprachlicher Ausdruck, altertümliches Wort:
- Wams – Jacke
- gülden – golden
- darob – deswegen
- Allianz – Heirat, Ehe
- weiland – einst, früher
- Asyndeton
- Reihung ohne Konjunktion:
- Der König sprach ’s, der Page lief
- Er kam, sah, siegte
- Befehl
- Anordnung, Anweisung, Befehl:
- Geh!
- Beispiel
- Ein Baum, wie beispielsweise die Fichte
- Bild
- Zusammenfassende Bezeichnung für Metapher, Vergleich, bildhafte Ausdrucksweise.
- Chiasmus
- Überkreuzstellung:
- Der Einsatz war groß, klein war der Gewinn.
- Chiffre
- Zeichen, dessen Inhalt rätselhaft und letztlich nicht zu erfassen ist:
- Erkanntes Leben
- Contradictio in adjecto
- Widerspruch zwischen Substantiv und Adjektiv
- schwarze Milch
- Correctio
- Zurücknahme eines Ausdrucks und dessen Ersatz durch einen sachgemäßeren:
- Die Schulaufgabe ist schlecht, nein geradezu miserabel ausgefallen.
- Ellipse
- Auslassung eines Worts, Satzteils:
- Je schneller, desto besser.
- Emphase
- Nachdrückliche Hervorhebung eines Wortes zur Gefühlsverstärkung:
- Menschen! Menschen! falsche heuchlerische Krokodilsbrut!
- Enallage
- Umstellung, bei der das Beiwort nicht beim Beziehungswort steht, sondern beim vorhergehenden/nachfolgenden Hauptwort:
- den besten Becher Weines
- Epanalepse
- Wiederholung eines Wortes/einer Wortgruppe:
- Lass sausen durch den Hagedorn, lass sausen, Kind, lass sausen
- Epanodos
- Wiederholung von Worten in umgekehrter Reihenfolge:
- Wer nicht kann, was er will, der wolle, was er kann.
- Epipher
- Wiederholung der Schlusswendung in aufeinander folgenden Sätzen, Versen, Strophen:
- Nicht jetzt, sagte er, wir sehen uns später, sagte er.
- Epiphrase
- Syntaktisch scheinbar beendeter Satz erhält Nachtrag zur Abrundung:
- Mein Retter seid ihr und mein Engel.
- Epitheton ornans
- Schmückendes Beiwort in formelhafter Verwendung:
- eulenäugige Athene
- Euphemismus
- Beschönigende Bezeichnung:
- vollschlank statt fett
- entschlafen statt sterben
- Exclamatio
- Ausruf:
- Stirb!
- Figura etymologica
- Verb verbunden mit einem stammverwandten Substantiv:
- einen Kampf kämpfen
- eine Schlacht schlagen
- Hendiadyoin
- Verdopplung; zwei Wörte für eines:
- schläfrig und müde
- Homoioteleuton
- Endungsgleichheit, (End-)Reim:
- Viel Rabatz in diesem Satz!
- Hyperbel
- Übertreibung:
- ein Balken im Auge
- eine Ewigkeit warten
- ein Meer von Tränen
- ein Mund wie ein Scheunentor
- himmelhoch
- Ich fühle eine Armee in meiner Faust. (Schiller)
- wie Sand am Meer
- Hysteron proteron
- Verkehrung der richtigen Reihenfolge:
- Ihr Mann ist tot und lässt sie grüßen. (Goethe: Faust I)
- Gleichwohl, als der Knecht schreckenblass, wenige Momente nachdem der Schuppen hinter ihm zusammenstürzte, mit den Pferden, die er an der Hand hielt, daraus hervortrat, fand er den Kohlhaas nicht mehr. (Kleist: Michael Kohlhaas)
- Inversion
- Umstellung der Satzteile:
- In seinen Armen das Kind war tot.
- Ironie
- Das Gegenteil des Gesagten ist gemeint:
- Du bist mir aber ein Schöner.
- Isolog
- Gedankenparallelität
- Katachrese
- Vermengung nicht zusammengehörender Begriffe:
- Der Zahn der Zeit, der schon manche Träne getrocknet hat, wird auch über diese Wunde Gras wachsen lassen.
- Klimax
- Steigerung:
- Er weint, er ist bezwungen, er ist unser!
- […] das ist schlecht; die Welt wird schlecht, sehr schlecht. (Georg Büchner: Woyzeck)
- Kyklos
- Wiederholung des Anfangsworts als Schlusswort des Satzes:
- Ein Pferd, ein Pferd, mein Königreich für ein Pferd!
- Litotes
- Untertreibung, bei doppelter Verneinung nur scheinbare Verkleinerung:
- Er war nicht gerade ein Held.
- Metapher
- Verwendung eines Worts in übertragener Bedeutung:
- Die Sonne lacht.
- Der Fuß des Berges.
- Metonymie
- Eingebürgerte Wortersetzung:
- Leder für Ball
- Goethe lesen
- eine Tasse trinken
- einen Ford fahren
- Neologismus
- Wortneuschöpfung:
- Er kehrte kampfesmüde heim
- Onomatopoesie
- Lautmalerei:
- Es knistert und knastert
- Oxymoron
- Verbindung von zwei sich widersprechenden Ausdrücken:
- alter Knabe
- beredtes Schweigen
- bittere Süße
- Parabel
- Beispielhafte Erzählung.
- Parallelismus
- Gleichlauf der Satzglieder:
- Nacht ist es nun, nun werden … Nacht ist es nun, nun erst …
- Heiß ist die Liebe, kalt ist der Schnee.
- Parenthese
- Einschub:
- Ich möchte Ihnen, ich fasse mich ganz kurz, über die Vorgänge berichten.
- Paronomasie
- Spiel mit gleichlautenden Wörtern:
- Heide – Heide
- Lärche – Lerche
- Periphrase
- Umschreibung eines Begriffs durch Einzelmerkmale:
- der Allmächtige für Gott
- Personifikation
- Vermenschlichung eines Gegenstands:
- Kunst und Naturwissenschaft gehen Hand in Hand
- Pleonasmus
- Hinzufügen eines Wortes, das schon im Substantiv enthalten ist:
- alter Greis (Greis = alter Mann)
- aufoktroyieren (oktroyieren = auferlegen, aufzwingen)
- bisheriger Status quo (Status quo = bisheriger Status)
- einsuggerieren (suggerieren = einflößen)
- Einzelindividuen (Individuum = einzelne Person, Einzelwesen)
- heiße Thermalquellen (Themalquellen = heiße Quellen)
- hinzuaddieren (addieren = hinzuzählen, hinzufügen)
- neu renovieren (revonieren = erneuern)
- weißer Schimmel (Schimmel = weißes Pferd)
- Polysyndeton
- Vielverbundenheit:
- Und es wallet und siedet und brauset und zischt
- Polyptoton
- Wiederholung eines Wortes in verschiedenen Beugungsformen:
- Aug um Auge
- Rhetorische Frage
- Scheinfrage:
- Wer glaubt denn das noch?
- Repetitio
- Wiederholung:
- Bald da, bald dort
- Sustentio
- Überraschung:
- Selbsterkenntnis ist der beste Weg zur Verstellung
-
- Synästhesie
- Vermischung mehrerer Sinnesgebiete:
- Golden wehn die Töne, süß spricht das Herz
- Synekdoche
- Ein Teil steht für das Ganze oder umgekehrt:
- Lenz statt Jahr
- Klinge statt Schwert
- Synonym
- Sinnverwandtes Wort:
- leuchten für scheinen
- Symploke
- Verbindung von Anapher und Epipher:
- Was ist der Toren höchstes Gut? Geld! Was verlockt selbst die Weisen? Geld!
- Tautologie
- Wiederholung des Gesagten mit sinnverwandtem Wort:
- einzig und allein
- im Großen und Ganzen
- immer und ewig
- nackt und bloß
- nie und nimmer
- stets und ständig
- voll und ganz
- Tricolon
- Dreigliedriger Ausdruck:
- veni, vidi, vici
- Vergleich
- Veranschaulichung:
- stark wie ein Löwe
- Wortspiel
- Vgl. Annominatio und Paronomasie:
- Jesuiter – Jesuwider
- Zeugma
- Verbindung zweier Sätze oder Substantive durch ein Verb, das nur zu einem passt; Beziehung eines Prädikats auf verschiedene Satzglieder:
- Er hob die Augen und das Bein gen Himmel.
- Er schlug das Fenster und den Weg zum Bahnhof ein.
- Er schlug die Stühl’ und Vögel tot.
- Ich hatte Kopfschmerzen und unerwarteten Besuch.
- Nimm dir Zeit und nicht das Leben.
- Sie reist mit Ehemann und Regenschirm.
Plural: Zeugmas oder Zeugmata.