Inhaltsangabe

Mit der »Schachnovelle« hat das eindrucksvolle Lebenswerk von Stefan Zweig seinen Höhepunkt und zugleich leider auch seinen Abschluss erfahren. Da die Novelle während des Zweiten Weltkriegs entstanden ist, gibt es verschiedene Daten der Veröffentlichung (Drittes Reich, Exil etc.). Zunächst wurde das Meisterwerk in Brasilien publiziert, wo Stefan Zweig das Werk zwischen 1938 und 1941 verfasste. Danach erschien die »Schachnovelle« in Stockholm (1943), dann in New York (1944) und die deutsche Ausgabe kam erst 1974 auf den Markt.

Das Werk schildert die Ereignisse an Bord eines Passgierschiffes, das sich auf dem Weg von New York nach Buenos Aires befindet. Einige Rückblenden ereignen sich außerdem vor dem Hintergrund der deutschen Invasion in Österreich (1938). Die Akteure sind im Wesentlichen der Schachweltmeister Mirko Czentovic, der Öl-Millionär McConnor sowie ein gewisser Dr. B.


Die »Schachnovelle« ist in der Ich-Form geschrieben, die Handlung und alle Ereignisse werden also aus der Sicht eines Erzählers dargestellt. Dieser erfährt während der Überfahrt des Schiffes von Amerika nach Buenos Aires, dass sich an Bord der Schachweltmeister Mirko Czentovic befindet. Von Czentovic ist wegen seiner fast schon schüchternen Art nur wenig bekannt. Man weiß nur, dass seine Eltern Donauschiffer waren, aber früh verstorben sind, woraufhin der kleine Mirko zu einem Pfarrer in Pflege kam. Unterrichtsversuche des Pfarrers blieben fast erfolglos und so schöpfte er erst neue Hoffnung, als eher zufällig das Schach-Talent des jungen Mirko entdeckt wurde. Gerade 20 Jahre alt, wird Mirko Czentovic Weltmeister (was wegen seiner Herkunft und der geringen Bildung nicht nur Zustimmung findet) und lernt auf seinen Reisen die ganze Welt kennen.

Während der Überfahrt trifft der Schachweltmeister auf den Millionär McConnor, der seinen Reichtum dem Öl verdankt. Großspurig und selbstbewusst will der unbedingt gegen den jungen Weltmeister spielen, um sein Ego zu pflegen. Czentovic willigt ein und will sogar gegen mehrere Passagiere antreten. Die erste Partie geht an den Schach-Profi, woraufhin McConnor eine Rückrunde fordert. Als auch diese Runde an Mirko Czentovic zu gehen scheint, mischt sich plötzlich ein weiterer Passagier in das Geschehen ein und das Blatt wendet sich. Nach einem Remis weigert sich der mysteriöse Mann, ein gewisser Dr. B., direkt gegen Czentovic anzutreten. Das macht den seltsamen Dr. B. zusätzlich interessant.

Der Erzähler und Dr. B. begegnen sich einen Tag später auf dem Schiff wieder und es kommt zu einem langen Gespräch, in dessen Verlauf Dr. B. berichtet, wieso er ein offensichtlich sehr guter Schachspieler ist. Eigentlich ist er Treuhänder und Buchhalter der Kirchen sowie in den besseren Kreisen Österreichs gewesen. Das lenkte die Aufmerksamkeit der 1938 einmarschierten Nationalsozialisten auf ihn, die sich Informationen über Vermögenswerte von ihm erhofften. Er wird unter Hausarrest gestellt, isoliert und verhört. Um als Folge dieses Martyriums nicht den Verstand zu verlieren oder Informationen zu verraten, stiehlt Dr. B. ein kleines Buch, das er in einer Manteltasche vor dem Befragungszimmer entdeckt. Zunächst ist der Häftling zwar niedergeschlagen, weil es sich »nur« um ein Schachbuch handelt, aber dann beginnt er damit, sich intensiv mit den geschilderten Partien und Zügen zu beschäftigen. So gelingt es ihm, die Isolation und die Verhöre zu überstehen und dabei noch das gesamte Buch auswendig zu lernen. Am Ende bietet das Schachbuch keinerlei Reiz mehr, alle Züge sind gelernt und daher macht sich der Gefangene daran, die in dem Buch beschriebenen Partien gedanklich nachzuspielen. Er wird gleichzeitig zum Spieler und zum Gegner in einer Person, was im Verlauf der weiteren Haft zu erheblichen psychischen Störungen seiner Persönlichkeit führt. Der einstige Vermögensverwalter wird zum »Ich-Weiß« und »Ich-Schwarz« und liegt von da an permanent mit sich selbst in Streit, weil er immer gewinnt, aber auch immer verliert. Bereits dem Wahnsinn nahe, unternimmt er einen Ausbruchsversuch, wird dabei verletzt und trifft im Krankenhaus auf einen einsichtigen Arzt, der ihn für unzurechnungsfähig erklärt. Diese Diagnose beendet schließlich die lange Haft des jetzigen Dr. B.

Nun berichtet der Erzähler seinem Gegenüber, dass er gerade gegen den amtierenden Schachweltmeister Mirko Czentovic gespielt hat. Das verleitet Dr. B. zu der Überlegung, seine umfangreichen Schachkenntnisse gegen den Champion anzuwenden, um seine theoretischen Fähigkeiten auf ihre Praxistauglichkeit hin zu prüfen. Es kommt erneut zu einer Begegnung der Beiden, wobei Dr. B. ausdrücklich nur dieses eine Spiel absolvieren will. Schließlich kann er die Parte deutlich zu seinen Gunsten entscheiden. Der Weltmeister im Schach ist bezwungen und fordert natürlich umgehen eine Revanche. Bei diesem Rückspiel verzögert Czentovic seine Züge absichtlich, weil er merkt, dass dies bei Dr. B. zu massiver Nervosität und Unruhe führt. Mehr und mehr verliert Dr. B. nicht nur seine Figuren, sondern auch die Beherrschung, bis er schließlich zwischen der gelernten Theorie und der Realität auf dem Brett nicht mehr unterscheiden kann.

Erst als der Erzähler den Schach-Theoretiker Dr. B. wieder in die reale Welt des Passagierschiffs zurückholt, lichtet sich das Dunkel in dessen Gedankenwelt. Er entschuldigt sich bei den Zuschauern des Spiels, die er massiv beleidigt hatte, und beschließt, das Schachspielen aufzugeben.


In der »Schachnovelle« treffen mehrere verschiedene Biografien aus unterschiedlichen Gesellschaftsebenen aufeinander. Der Ölmillionär McConnor mit seinem durch Reichtum erworbenen Selbstbewusstsein, der eher unterdurchschnittlich gebildete Mirko Czentovic und Dr. B. mit seinen inneren Dämonen sind Charaktere, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Alle verbindet das Schachspielen, das hier sowohl als elitärer Zeitvertreib (McConnor) wie auch als Rettung und Fluch zugleich (Dr. B.) dargestellt wird.

Neben der besonderen Erzählform durch einen »Ich-Erzähler« setzt der Autor hier vor allem auf Authentizität. Viele der geschilderten Partien sind realen Spielen nachempfunden, wobei sich Stefan Zweig vermutlich an dem Buch »Die hypermoderne Schachpartie« von Savielly Tartakower sowie an einem internationalen Schachturnier aus dem Jahre 1922 in Bad Pistyan orientierte. Dadurch wirken die Ereignisse besonders real, insbesondere der Leidensweg des Dr. B. ist aber auch psychologisch eindringlich und überzeugend dargestellt.

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