Moon Palace

Inhaltsangabe

In Paul Austers 1989 veröffentlichtem postmodernen Roman »Moon Palace« (»Mond über Manhattan«) gibt der Ich-Erzähler Marco Stanley Fogg Einblick in einen besonderen Abschnitt seines Lebens, in dem eine Reihe merkwürdiger Begebenheiten seinen Persönlichkeitswandel provozierten. Die Handlung wird aus einer zeitlichen Distanz von 20 Jahren geschildert und greift in den Nebensträngen biografische Erzählungen anderer Nebenfiguren auf. Den Aufbau des Werks strukturieren die Doppelung von Ereignissen sowie zahlreiche Brüche, sodass der Leser einer fragmentarischen Wirklichkeit begegnet, deren Sinnstrukturen nur aus seiner eigenen Interpretation entstehen.


1. Kapitel

Erzählt wird die Lebensgeschichte des Protagonisten Marco Stanley Fogg bis zum Jahr 1969, der 1947 als einziges Kind der ledigen Emily Fogg in Boston geboren wurde. 1958 verstirbt Emily, der Junge wächst überwiegend bei seinem Onkel Victor in Saint Paul auf. Als Marco zum Studium nach New York geht, bezieht er eine Wohnung, von der aus er direkt auf das chinesische Restaurant »Moon Palace« blickt.

Victor Fogg stirbt 1967 und Marco gerät seelisch wie finanziell aus der Balance. Er verweigert jedes Tätigsein, bestreitet seinen Lebensunterhalt mit dem Verkauf der Bücher, die der Onkel ihm schenkte. Auf der Suche nach seinem früheren Freund David Zimmer lernt er die 20-jährige Chinesin Kitty Wu kennen.


2. Kapitel

Marco lebt vier Wochen als Obdachloser im Central Park. Er erkrankt an Grippe, schließlich finden Kitty und David den fiebernden und halluzinierenden Marco und bringen ihn in Davids Wohnung.


3. Kapitel

Unter Davids Obhut erholt sich Marco; er erfährt von David, dass Kitty in ihn verliebt ist. Anschließend erzählt ihm David Kittys Lebensgeschichte. Marco und Kitty werden ein Paar, außerdem fertigt Marco für David eine Übersetzung an. Die geistige Beschäftigung lässt in ihm zum ersten Mal wieder ein Gefühl der Zufriedenheit aufkeimen.


4. Kapitel

Am 01.11.1969 trifft Marco seinen zukünftigen Arbeitgeber, den 86-jährigen blinden und gehbehinderten Thomas Effing. Er nimmt eine Stelle als Begleiter und Sekretär an und zieht bei Effing ein. David wird er erst 13 Jahre später zufällig wiedertreffen. Nachdem er einige Arbeiten für Effing erledigt hat, erfährt Marco, dass er dessen Nachruf schreiben soll. Effing beginnt, seine Lebensgeschichte zu erzählen. Der Leser erfährt, dass Effing ursprünglich Julian Barber hieß und ein talentierter Maler war. 1946 begab er sich gemeinsam mit dem 18-jährigen Edward Byrne auf eine Expedition in den Westen der USA. Byrne verstarb während der Expedition in der Wüste, Barber musste sich allein durchkämpfen.


5. Kapitel

Barber überlebte, fand in einer Höhle Proviant, aber auch die Leiche von Thomas Effing, dessen Identität er schließlich annahm. Er verließ die Höhle im Mai 1917, nachdem er drei kriminelle Brüder erschossen und ihre Beute an sich genommen hatte. Zurück in Kalifornien ließ er einen bedeutenden Teil seines Geldes beim Glücksspiel und bei Prostituierten. Im August 1919 wurde er im chinesischen Viertel von San Francisco brutal überfallen. Trotz seiner Lähmung siedelte er für 20 Jahre nach Frankreich über, kehrte 1940 in die USA zurück.

Im März 1970 sind die Arbeiten an verschieden langen Versionen des Nachrufs abgeschlossen. Marco findet auf seinem Bett drei Bücher des Wissenschaftlers Solomon Barber vor. Er erfährt, dass Solomon Effings Sohn ist. Nach dem Tod Effings – den dieser selbst für den 12. Mai 1970 vorhersagt – soll er Solomo den ausführlichsten Nachruf übermitteln. Am 12. April verteilt Effing als eine Art Wiedergutmachung seiner früheren Schuld 50-Dollar-Noten an Passanten in Manhattan. Anschließend setzt er sich starkem Unwetter aus, erkrankt und bewahrheitet so die Vorhersage seines Todeszeitpunktes.


6. Kapitel

Marco und Kitty beziehen eine Wohnung in New York. Marco versucht erfolglos, Effings Nachrufe bei Zeitungen unterzubringen. Vier Monate später trifft er sich mit Solomon in einem New Yorker Hotel. Solomons Lebensgeschichte wird erzählt. Der begabte Wissenschaftler wurde von bedeutenden Universitäten abgelehnt, weil er einst eine kurze Affäre mit einer 19-jährigen Studentin namens Emily Fogg hatte – Marcos Mutter. Mit 17 Jahren schrieb Solomon einen Roman mit dem Titel »Keplers’ Blood«, dessen Inhalt in diesem Kapitel ausführlich nacherzählt wird. Sowohl sein Vater als auch eine Gruppe fabelhafter Mondwesen spielen darin eine Hauptrolle. Solomon will mit Marco und Kitty auf die Suche nach der Höhle, in der sein Vater überlebte, gehen. Doch Kitty und Marco trennen sich.


7. Kapitel

Im Juli 1971 brechen Marco und Solomon zur Expedition nach Utah auf. Sie machen Zwischenstation am Grab von Marcos Mutter Emily. Solomon gesteht Marco, dass er sein Vater sei. Im darauffolgenden Streit stürzt er, verbringt zunächst zwei Monate querschnittsgelähmt im Krankenhaus und stirbt dann am 04.09.1971. Marco nimmt die unterbrochene Expedition wieder auf, doch seine Suche bleibt erfolglos. Er wird ausgeraubt und muss seine Reise zu Fuß fortsetzen. Nach drei Monaten erreicht er die kalifornische Pazifikküste.


In Paul Austers Roman entsteht Realität teils aus willentlichem Handeln, teils aus reiner Interpretation. Dabei bleibt es dem Leser überlassen, welche Schlussfolgerungen er zieht. Gibt es eine übergeordnete Wirkmacht, die die Ereignisse anordnet? Oder ist alles nur Zufall, Ergebnis einer Aneinanderreihung von sich wiederholenden Ereignissen, denen nur durch unsere Aufmerksamkeit Bedeutung zukommt? Der Roman gibt hierauf keine Antwort. Aber wie die erste Mondlandung rüttelt er kräftig am Weltbild eines Lesers, der sich in einer gut gedeuteten Welt zuhause wähnt.