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Schuld und Sühne

Rezeption und Kritik

Mit »Schuld und Sühne« gelang es Dostojewskij, »sich endgültig einen Platz im Pantheon der Weltliteratur [zu] sichern« (Guski 236) – und tatsächlich stellte sich der Erfolg bereits recht früh ein. Offensichtlich war der Roman für das russische Publikum so spannend, dass die Anzahl der Abonnenten der Zeitschrift, in der der Roman zuerst publiziert wurde, deutlich angestiegen wäre (Guski 246).

Interessant ist, dass Tolstojs »Krieg und Frieden« zur gleichen Zeit in der gleichen Zeitschrift publiziert wurde. Dabei erwies sich der Roman von Dostojewskij als erfolgreicher. Das mag auch damit zusammenhängen, dass der Roman einen Nerv traf: das dargestellte Elend, die Kriminalität, die Prostitution und Orientierungslosigkeit der Städter. Der Roman war also erfolgreich, allerdings hat es den Anschein, als sei er auch eher als Unterhaltungsroman wahrgenommen worden (Cox 13).

Nach der Publikation von »Schuld und Sühne« dauerte es nicht mehr lange, bis Dostojewskij die nächsten erfolgreichen Romane publizierte. Vor allem aber trat er zunehmend als öffentliche Figur auf, die sich für nationalistische und konservative Positionen einsetzte (Cox 14). Nach dem Tod Dostojewskijs schrumpfte sein Ansehen allerdings wieder.

Um die Jahrhundertwende waren in der russischen Kunst insbesondere die Symbolisten eine einflussreiche Gruppe. Diese sahen »Schuld und Sühne« vor allem als Metapher: Sonja stehe demnach für die Erde und für Russland als solches, Raskolnikow sei als Sohn Russlands zu verstehen (Cox 15). Im frühen zwanzigsten Jahrhundert wurde der Roman vor allem als eine Suche nach Gott verstanden. 

Tatsächlich wurde der Roman, der in weiten Teilen ja eine Ähnlichkeit zum Drama aufweist, häufig für die Bühne adaptiert. So wurde ein Stück bereits 1913 in Gera uraufgeführt. Auch heute wird der Roman immer wieder gerne für die Bühne umgeschrieben – auch, weil es relativ einfach sein sollte, da der Roman sich eben stellenweise wie ein Theaterstück liest. 

Die erste Verfilmung stammt von 1919. Die berühmteste Verfilmung dürfte die von Aki Kaurismäki sein, die 1983 in Finnland entstand. Die erste Übersetzung ins Deutsche stammt von 1882, ist also ebenfalls sehr früh umgesetzt worden, was für die Bedeutung Dostojewskijs spricht.

Veröffentlicht am 25. Juni 2025. Zuletzt aktualisiert am 26. Juni 2025.