Der Richter und sein Henker

Inhaltsangabe

Friedrich Dürrenmatts »Der Richter und sein Henker« erschien 1950/51 zunächst als Fortsetzungsroman in der Zeitschrift »Der Schweizerische Beobachter«, 1952 dann erstmals in Buchform. Die Handlung spielt im November 1948 in Bern und dem abgelegenen Dorf Lamboing östlich des Bielersees in der Schweiz. Dort gelingt es Kommissär Bärlach in einem raffinierten Spiel einen zeit seines Lebens vergeblich gejagten Verbrecher zwar nicht einer Tat zu überführen, aber zu richten und seinem Henker auszuliefern.


Die Leiche des Polizeileutnants Ulrich Schmied aus Bern wird in seinem blauen Mercedes in der Nähe von Lamboing entdeckt. In Bern wird der von einer tödlichen Krankheit gezeichnete Kommissär Bärlach mir der Lösung des Falls betraut. Der erfahrene Bärlach, der viele Jahre im Ausland gearbeitet hat, ordnet die Geheimhaltung des Falls an. In Schmieds Privaträumen nimmt er eine Mappe mit Unterlagen an sich, die er in seinem Schreibtisch verschließt.

Im Gespräch mit seinem Vorgesetzten Doktor Lucius Lutz spricht Bärlach von einem Verdacht, den er habe, aber nicht konkretisieren wolle. Wegen seines schlechten Gesundheitszustands bittet er darum, ihm den Polizisten Tschanz als Stellvertreter zur Seite zu stellen. Während dieser aus dem Urlaub geholt wird, fährt Bärlach zum Tatort, wo er eine Revolverkugel findet.

Bärlach zeigt Tschanz, der den gleichen Mantel und Hut trägt wie Schmied, die Revolverkugel und spricht von seiner Wertschätzung dem Toten gegenüber. Dazu schweigt Tschanz. Er hat sich inzwischen mit den Einzelheiten des Falls beschäftigt und erläutert Bärlach seine Theorien. Bärlach scheint von den Fakten keine Ahnung zu haben, erwähnt aber erneut seinen geheimen Verdacht.

Aus Schmieds Terminkalender ergeben sich Hinweise auf regelmäßige Begegnungen mit »G«, so auch an seinem Todestag. Tschanz beschließt der Spur zu folgen und plant für denselben Abend, der im Kalender ebenfalls mit »G« gekennzeichnet ist, nach Lamboing zu fahren. Bärlach will ihn begleiten.

Tschanz wählt einen ungewöhnlichen Weg nach Lamboing und versucht zu beweisen, dass Schmied am fraglichen Abend denselben Weg genommen hat. Als sie mehreren vollbesetzten Limousinen folgen, kommen sie zu einem abgelegenen Haus, an dessen Eingangstor ein »G« steht, das Tschanz jetzt als Abkürzung für den Namen Gastmann identifiziert.

Als sie im Dunkeln um das Haus herumgehen, wird Bärlach von einem riesigen Hund angefallen und zu Boden gerissen. Tschanz tötet das Tier mit einem Schuss aus seiner Pistole. Nationalrat und Oberst von Schwendi, Gastmanns Advokat, stellt Bärlach und Tschanz zur Rede. Als er von dem Mord an Schmied erfährt, erklärt er sich bereit mit Gastmann zu reden und am nächsten Tag in der Polizeidienststelle zu erscheinen.

Bärlach und Tschanz verabreden sich für später in einem Gasthof. Weil Bärlach nicht dort ist, begibt sich Tschanz auf den Heimweg nach Bern. An der Stelle, wo Schmied ermordet wurde, lauert Bärlach ihm auf. Tschanz fühlt sich unwohl, und ihm wird bewusst, dass sie beide eben den Mord an Schmied nachstellen. Zu Hause angekommen, wickelt Bärlach seinen Arm aus dicken Tüchern, die ihn vor dem Angriff des Hundes geschützt haben.

Am nächsten Morgen erscheint Nationalrat von Schwendi bei Bärlachs Vorgesetztem. Lutz erfährt, dass Schmied unter dem falschen Namen Doktor Prantl in Gastmanns Haus verkehrt hat, wo große politische Themen behandelt würden. Von Schwendi hält Schmied für einen Spion und erwartet, dass die Polizei dem Verdacht nachgeht. Der eingeschüchterte Lutz sichert von Schwendi zu, Gastmann mit äußerster Diskretion zu befragen.

Die Beerdigung Schmieds im Beisein von Bärlach und Lutz wird durch den Auftritt zweier riesenhafter betrunkener Männer gestört, die einen Kranz mit der Aufschrift »Unserem lieben Doktor Prantl« auf den Sarg werfen.

In seinem Haus wird Bärlach von dem Mann erwartet, der unter dem Namen Gastmann in Lamboing lebt. Bärlach und Gastmann sprechen darüber, dass sie sich seit über vierzig Jahren kennen: Als junger Abenteurer hat Gastmann am Bosporus gegen den Polizisten Bärlach gewettet, dass es Verbrechen gäbe, die sich nicht beweisen lassen. Seitdem ist es Bärlach nicht gelungen, Gastmann eines seiner Verbrechen nachzuweisen, doch er meint jetzt endlich die Gelegenheit dazu zu haben. Gastmann spottet, dass Bärlach sich beeilen müsse, da dieser nur noch ein Jahr zu leben habe, und entwendet die Mappe mit Schmieds Aufzeichnungen.

Bärlach widerspricht seinem Vorgesetzten nicht, als dieser Gastmann als eine über jeden Verdacht erhabene Persönlichkeit darstellt. Im Anschluss an das Gespräch fährt Bärlach mit Tschanz, der inzwischen Schmieds blauen Mercedes gekauft hat, zu einem Schriftsteller, der regelmäßig an Gastmanns Veranstaltungen teilnimmt. Dieser hält Gastmann für einen Nihilisten und zu jedem Verbrechen fähig, ist im vorliegenden Fall aber von der Unmöglichkeit seiner Täterschaft überzeugt.

Tschanz ist in großer Erregung und will trotz des von Lutz verhängten Verbots mit Gastmann sprechen, was Bärlach ihm ausredet.

Bärlachs Hausarzt bestätigt, dass der Kommissär nur noch ein Jahr zu leben habe und eine Operation dringend angeraten sei. In der Nacht wird Bärlach von einem Unbekannten in seiner Wohnung überfallen. Er entgeht dem Anschlag nur knapp und behauptet später Tschanz gegenüber den Täter zu kennen.

Bärlach will sich eine Woche in der Pension erholen, in der Tschanz gewohnt hat, als Schmied ermordet wurde. Auf dem Weg zum Bahnhof droht Gastmann Bärlach ihn umzubringen. Bärlach seinerseits erklärt Gastmann, dass er über ihn gerichtet habe. Der Henker werde heute zu ihm kommen.

Tschanz geht zu Gastmann, um ihn zu stellen. Als einer der beiden Leibwächter Gastmanns auf Tschanz schießt, erschießt dieser in angeblicher Notwehr die drei reisefertigen Männer. Lutz und von Schwendi versuchen die Ereignisse später zu ordnen, während Bärlach dazu schweigt.

In Bärlachs Haus erkennt Tschanz am selben Abend, dass er in eine Falle geraten ist. Bärlach weiß längst, dass Tschanz der Mörder von Schmied ist; Tatmotiv ist seine Eifersucht auf Schmieds Herkunft, Bildung und Erfolg. Die Beweise dafür hat Tschanz im Laufe der Ermittlungen selbst geliefert. Schmied sollte in Bärlachs Auftrag Gastmann überführen. Nach Schmieds Tod hat Bärlach Tschanz als Henker benutzt.

Tschanz nimmt sich in der Nacht das Leben. Am Morgen erklärt sich der schwerkranke Bärlach bereit zu der notwendigen Operation.


»Der Richter und sein Henker« ist die Geschichte eines Mordes, der nur scheinbar aufgeklärt wird. Tatsächlich kennen nur Kommissär Bärlach und der Leser die Wahrheit hinter dem Fall. Mit einem genialen Plan gelingt es Bärlach sowohl den Mörder Schmieds zu überführen als auch seinen lebenslangen Gegner zur Strecke zu bringen. Doch ist dies kein Sieg der Gerechtigkeit, diese wird vielmehr als Mythos entlarvt. Bärlach besiegt Gastmann als die Personifikation des Bösen mit dessen eigenen Waffen, nicht jedoch mit den Mitteln der Justiz.