Anne Frank: Tagebuch

Figuren

  • Anne Frank

    Anne Frank offenbart sich in ihrem Tagebuch als mutiges, originelles, selbstbestimmtes und charakterstarkes Mädchen, das ihre Meinung und Ansichten selbstbewusst vertritt. Von den Erwachsenen werden ihr deshalb oftmals Schwatzhaftigkeit oder mangelnde Erziehung vorgeworfen. In ihrem Tagebuch reflektiert Anne über sich selbst und kommt zu dem Schluss, dass es zwei Annes gibt: an der Außenseite die übermütige, lärmende, fröhliche Anne, die andere mit Späßen unterhält, und im Inneren, vor anderen verborgen, eine verletzliche, nachdenkliche Seite, die Anne als ihre bessere Seite betrachtet, die sie der Welt jedoch nicht zeigen kann. Diese zwei Seiten ihres Charakters werden auch in ihrem Tagebuch deutlich, wenn sich humoristische Passagen und nachdenkliche, ernste Einträge abwechseln. 

    In Bezug auf das Kriegsgeschehen zeigt Anne eine realistische und abgeklärte Haltung und spricht sich selbst immer wieder Mut zu. Auffällig sind Annes Reife und ihre ausgeprägte Gabe zur Selbstreflexion.

    In ihrer Familie und der Hinterhausgemeinschaft eckt Anne oftmals an und fühlt sich unverstanden, weshalb sie stets auf der Suche nach einer Person ist, die sie versteht und unterstützt und der sie sich voll und ganz anvertrauen kann. 

    Anne liest gern und widmet sich in ihrer Freizeit dem Schreiben von kurzen Geschichten. Sie ist fasziniert von Geschichte, Mythologie, Stammbäumen und Filmstars und möchte Journalistin und Schriftstellerin werden.

  • Otto Frank

    Annes Vater Otto Frank ist ihre engste Bezugsperson und zeichnet sich in der Familie Frank und im Umgang mit den anderen durch Bescheidenheit, Geduld und Güte aus. Bei Streitereien wirkt er ausgleichend und bildet das respektierte Zentrum der Hinterhausgemeinschaft.
    Otto Frank fördert die Bildung seiner beiden Töchter und nimmt auch von ihnen Hilfe an, beispielsweise erteilt Anne ihm Nachhilfe in Niederländisch.
    Für Anne nimmt ihr Vater, den sie Pim nennt, eine Schlüsselrolle ein: „Vater ist mein Alles, er ist mein großes Vorbild, und ich liebe niemanden auf der Welt außer Vater.“ (30.10.43) Dennoch kann auch er nicht die Rolle des Vertrauten erfüllen, den Anne sich so sehr wünscht. Sie bemängelt, dass er sie wie ein Kind behandelt, das typische Phasen der Kindheit und Jugend durchläuft, während sie als Individuum, als „Anne-für-sich-allein“ ernst genommen werden möchte (30.10.43; 15.07.1944).

 

Edith Frank:

Zu ihrer Mutter hat Anne kein gutes Verhältnis. Sie vermisst an ihr Freundlichkeit, Einfühlungsvermögen und Geduld und wirft ihr Härte, Sarkasmus und mangelndes Feingefühl vor: „Eine Mutter stelle ich mir als eine Frau vor, die vor allem viel Takt an den Tag legt, besonders für Kinder in unserem Alter. Nicht wie Mansa, die mich laut auslacht, wenn ich wegen etwas weine“ (06.01.44). Am 30. Oktober 1943 notiert Anne in ihrem Tagebuch „Ich klammere mich an Vater, weil ich jeden Tag verächtlicher auf Mutter hinunterschaue“ und fügt hinzu „Für mich ist sie eben keine Mutter. Ich selbst muss meine Mutter sein.“ Anne vermisst eine Mutter, die sie versteht und der sie sich anvertrauen kann, und sieht diese Möglichkeit bei Edith Frank nicht: „Ich bin das genaue Gegenteil von ihr, und deshalb prallen wir natürlich aufeinander.“ (30.10.43) Edith Frank versteht sich gut mit Margot und leidet unter der offenkundigen Ablehnung ihrer jüngeren Tochter.

Im Jahr 1944 zeigt sich Anne erschrocken über frühere hasserfüllte Tagebucheinträge über ihre Mutter, kritisiert nun auch ihr eigenes Verhalten gegenüber der Mutter und zeigt teilweise Verständnis für deren Handlungen. Dennoch kann sie die Mutter auch jetzt nicht lieben. Sie empfindet keine Bewunderung und keinen Respekt für ihre Mutter und fühlt sich ihr in vielen Dingen überlegen; beispielsweise befindet Anne, dass sie einen objektiveren Blick hat als ihre Mutter, besser debattieren kann und geschickter und ordentlicher ist (17.03.44).

Über ihre Eltern berichtet Anne, dass es sich um eine Ehe ohne Streit, jedoch auch ohne wahre Liebe handelt. Ihr Vater habe ihrer Mutter nie den ersten Platz in seinem Herz eingeräumt, was ihre Mutter, die ihn aufrichtig liebt, hart und verbittert gemacht habe (08.02.44).

Margot Frank:

Im Gegensatz zu ihrer jüngeren Schwester Anne ist Margot von ruhigem Charakter. Sie arbeitet fleißig, ist anpassungsfähig und vermeidet Konflikte. Anne notiert in ihrem Tagebuch, dass Margot sich bei den gemeinsamen Mahlzeiten still verhält und „wie ein Mäuschen“ isst (09.08.43). Im Gegensatz zu Annes Wunsch, nach der Zeit im Versteck die Welt zu bereisen und zu studieren, möchte Margot Säuglingsschwester in Palästina werden. Während Anne mit ihrer Art bei den Erwachsenen im Hinterhaus oftmals aneckt und ihr die van Daans und Dussel eine mangelhafte Erziehung vorwerfen, gilt Margot als Vorbild. „Margot ist nun mal die Klügste, die Liebste, die Schönste und die Beste“, schreibt Anne am 30. Oktober 1943. Sie gibt an, nicht neidisch auf ihre ältere Schwester zu sein, da sie sie als zu wenig charakterfest, als zu langweilig und still und nachgiebig empfindet (05.02.43). Zur Mutter hat Margot im Gegensatz zu ihrer Schwester ein gutes Verhältnis und Anne stört sich daran, dass beide stets zusammenhalten. „Ich habe eine ganz andere Natur als Margot und Mutter, sie sind so fremd für mich“, vermerkt Anne am 27. September 1942. Die Beziehung zu ihrer großen Schwester verbessert sich jedoch im Laufe der zwei Jahre im Versteck und Margot wird für Anne „eine wirkliche Freundin“ (12.01.44). 

Herr van Daan:

Hermann van Daan ist ein guter Bekannter des Vaters und Teilhaber der Firma, deren Leiter Otto Frank war. Er bleibt von allen beschriebenen Personen im Versteck am blassesten und wird von Anne nur wenig erwähnt. Bei Tischgesprächen spricht er viel, „gibt immer seine Meinung zum Besten, und wenn er das getan hat, gibt es nichts mehr daran zu rütteln.“ (09.08.1943) Anne hält ihn für einen „gescheiten Kopf“, findet ihn aber auch selbstgefällig (ebd.). Als Raucher ist seine Laune vom verfügbaren Tabakvorrat im Versteck abhängig.

Frau van Daan:

Anne hat insgesamt keine hohe Meinung von Frau van Daan. Von Anne wird sie als unbescheiden, dumm, egoistisch, schwatzhaft und eitel charakterisiert. „Sie ist, daran ist nichts zu rütteln, eine ausgesprochen unangenehme Person“, notiert Anne am 29. Juli 1943 nach einem Streit mit Frau van Daan. Ihre Angewohnheit, Annes Erziehung zu kritisieren, ihre Flirtversuchen mit den männlichen Erwachsenen des Hinterhauses und ihre Angewohnheit, zu jammern und gegen andere zu hetzen, findet Anne störend. Im Laufe der zwei Jahre relativiert Anne das gezeichnete Bild jedoch, indem sie Frau van Daan auch positive Eigenschaften zuweist. So charakterisiert sie Frau van Daan als fleißig, ordentlich, fröhlich, nachgiebig und bereit, ihre Fehler zuzugeben.
Frau van Daan verhält sich bei Bombardierungen am ängstlichsten und sucht Schutz bei ihrem Mann oder Dussel. Die Beziehung zu ihrem Ehemann ist einerseits von wiederholten heftigen Streitigkeiten als auch von darauffolgenden Versöhnungen und der liebevollen Verwendung der Kosenamen Putti und Kerli geprägt.

 

Peter van Daan:

Als der fünfzehnjährige Peter zu der Gruppe der Untergetauchten stößt, beeindruckt er die dreizehnjährige Anne zunächst wenig. Sie hält ihn für einen langweiligen und schüchternen „Lulatsch“ (14.08.42) und einen zimperlichen Hypochonder, schätzt jedoch seinen Sinn für Späße. Peter ist ein stiller Charakter, der sich häufig zurückzieht und viel Zeit mit seiner Katze verbringt, die er ins Versteck mitgebracht hat.

Zu Beginn des Jahres 1944 beginnen Anne und Peter, ein zunehmendes Interesse aneinander zu entwickeln. Sie führen lange Gespräche und die anfängliche Zuneigung steigert sich zu einer Romanze. Bald zeigt sich Anne jedoch enttäuscht von Peter. Sie bemängelt, dass er noch zu sehr Kind sei, zu wenig Charakter und Willenskraft besitze, kein Ziel im Leben habe und sich selbst für minderwertig halte. Zudem stört sie sich an seiner Verschlossenheit und an seiner Abkehr von der Religion. 

Albert Dussel:

Der 53-jährige Zahnarzt, der im November 1942 hinzukommt, teilt ein Zimmer mit Anne, was dieser missfällt. Schon bald nach seinem Einzug beklagt sich Anne in ihrem Tagebuch über dessen mangelnde Rücksichtnahme und Egoismus. Er hingegen beschwert sich bei Edith Frank über die mangelnde Erziehung Annes und hält Anne „Standpauken und Ermahnungen“ (28.11.42). „Dussel sinkt in meiner Achtung immer tiefer“, notiert Anne am 3. August 1943, „er ist schon unter Null. Was er auch sagt über Politik, Geschichte, Erdkunde oder andere Themen, es ist so ein Unsinn, dass ich es fast nicht zu wiederholen wage.“ Bereits der Deckname „Dussel“, den Anne für den Zahnarzt wählt, gibt Aufschluss über ihre Meinung von seiner Person.
Auch bei den anderen Untergetauchten genießt der Zahnarzt kein hohes Ansehen. Trotz Ermahnungen von Otto Frank schreibt Dussel Briefe und lässt sich von Miep Gies ein verbotenes Buch bringen, wodurch er die Untergetauchten in Gefahr bringt. Zudem hortet er Lebensmittel, von denen er nichts abgibt, verspricht Besserung, hält diese Versprechen jedoch nicht. Auf die Klage über seine Außenseiterposition entgegnet Edith Frank, dass er die anderen Hinterhausbewohner enttäuscht und mehrfach Anlass zu Ärger gegeben habe (29.09.43).

Annes Großmutter:

Annes Großmutter ist bereits vor der Zeit im Versteck, im Januar 1942, verstorben. In ihrem Tagebuch erinnert sich Anne an sie, wobei sie ihr die Rolle eines Schutzengels zuweist: „Oma ist es auch, die mich behütet und beschützt und mich wieder froh macht.“ (03.03.44)

Peter Schiff: Kindheits- und Jugendliebe Annes

Hanneli: frühere Freundin Annes, von der sie in ihrer Zeit im Versteck träumt

 

Die Helfer/-innen: 

Die nichtjüdischen Angestellten, die weiterhin im Firmengebäude arbeiten, unterstützen die Untergetauchten während der Zeit im Versteck, besorgen Lebensmittel und Bücher und leisten den Untergetauchten Gesellschaft.

Miep und Jan Gies:

Die Sekretärin Miep ist eine gute Freundin der Familie Frank und unterstützt die Untergetauchten zusammen mit ihrem Mann Jan Gies. Nach der Entdeckung und Verhaftung der Versteckten rettet Miep Annes Tagebuch sowie lose beschriebene Seiten aus dem Versteck und bewahrt sie auf. Als Anne nicht zurückkehrt, übergibt sie das Tagebuch Otto Frank.

Bep Voskuijl:

Die junge Bürogehilfin Bep, die die Untergetauchten ebenfalls versorgt und besucht, wird von Anne als fröhlich, gutmütig, und unkompliziert beschrieben. Anne sorgt sich, dass Bep durch die zahlreichen Versorgungsgänge für die Untergetauchten zu sehr belastet wird.

Johan Voskuijl:

Beps Vater arbeitet als Lagerarbeiter für die Firma, er baut die drehbare Tür ins Versteck ein und unterstützt die Versteckten. Nachdem er im Jahr 1943 die Diagnose Magenkrebs erhält, muss er seine Arbeit im Lager aufgeben.

Johannes Kleimann:

Er übernimmt die Leitung der Firma, nachdem Otto Frank diese als Jude nicht mehr selbst führen darf. Kleimann hilft bei der Lebensmittelversorgung der Untergetauchten und hat wiederholt mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. 

Victor Kugler:

Er arbeitet seit 1933 für die Firma Opekta und versorgt die Untergetauchten mit Lebensmitteln und Lesestoff. 

Als das Versteck entdeckt wird, werden auch Johannes Kleimann und Victor Kugler verhaftet. Während Kleimann 1944 entlassen wird, kann Kugler 1945 aus einem Arbeitslager fliehen.

Veröffentlicht am 19. August 2022. Zuletzt aktualisiert am 21. September 2022.