Die Ballade umfasst acht Strophen zu vier Versen, also insgesamt 32 Verse.
Die Verteilung der Sprecher bewirkt eine deutliche Rahmung: Einer Erzählstimme sind nur die erste und die letzte Strophe zuzuordnen. In den Strophen 3 und 5 spricht allein der Erlkönig, in den Strophen 2, 4 und 6 sprechen Vater und Sohn, Strophe 7 teilen sich der Erlkönig und der Sohn. Wenn Vater und Sohn sprechen, ist die übliche Aufteilung 2 Verse Sohn, 2 Verse Vater; nur in der 2. Strophe spricht der Sohn die mittleren zwei Verse und der Vater die äußeren.
In den Strophen 3–6 wird mithin eine regelmäßige Abfolge etabliert: Der Erlkönig macht über vier Verse dem Knaben ein verlockendes Angebot; der Knabe wendet sich darauf in zwei Versen fragend an den Vater, um Bestätigung seiner Wahrnehmung bittend. Der Vater antwortet in zwei weiteren Versen, indem er die Wahrnehmung des Sohnes auf ein Moment der Umwelt zurechnet.
Das Schema franst an den Rändern aus: Die erste Reaktion des Knaben auf das Erscheinen des Erlkönigs ist nur eine Geste (das Bergen des Gesichts), auf die der Vater fragend reagiert. Zum Schluss wird die dramatische Zuspitzung des tätlichen Angriffs auf den Knaben durch die Verknappung des Schemas sinnfällig gemacht: Der Erlkönig spricht nur noch zwei Verse, weil er von der schmeichelnden Überredung zur Gewalt übergeht. Der Sohn fragt nicht mehr, ob der Vater seine Wahrnehmung teile, sondern er berichtet simultan über die ihm angetane Gewalt im einfachen Aussagemodus. Die beschwichtigende Reaktion des Vaters bleibt aus – ihm »grauset’s« (29).
Die Hälfte der Strophen wird durch Frage und Antwort strukturiert (Strophe 1, 2, 4, 6).
Als Wiederholungsmotive dienen die verdoppelten Anreden »Mein Vater, mein Vater« (13, 21, 27) und »Mein Sohn, mein Sohn« (23) – der Erlkönig scheint sich daran zu orientieren: »Meine Mutter« (12), »Meine Töchter« (18 und 19) – sowie die Nennung des Erlkönigs durch den Sohn (6, 7, 14, 22, 28).
Die Ballade folgt streng dem Handlungsmuster der Vorlage:
Es gibt die vorbereitende Schilderung der Ausgangssituation (Strophe 1), die Verführung durch wiederholte Ansprachen und Angebote sowie die Weigerung des Opfers, dem Verführer zu folgen (Strophen 2-6), die Gewaltandrohung und den Angriff des Verführers (Strophe 7) und den versetzt erfolgenden Tod des Opfers (Strophe 8).