Die Leiden des jungen Werther

Inhaltsangabe

Der Briefroman »Die Leiden des jungen Werthers« von Johann Wolfgang von Goethe erschien 1774 in einer ersten Fassung. Protagonist ist Werther, ein junger Mann, der in der bereits verlobten Lotte die Verkörperung seiner Ideale sieht. Werther verliert sich in einer schwärmerischen und hoffnungslosen Liebe, die ihn in den Selbstmord treibt.

Werthers Briefe an seinen Freund Wilhelm werden von einem fiktiven Herausgeber veröffentlicht. Angaben zu Schauplätzen bleiben vage: eine nicht namentlich genannte Stadt und ihre Umgebung mit dem fiktiven Ort Wahlheim sowie das Schloss eines Fürsten. Die Handlung umfasst knapp 20 Monate. Sie beginnt mit dem ersten Brief vom 4. Mai 1771 und endet mit Werthers Tod am 23. Dezember 1772.


Titel der ersten sowie der zweiten Fassung

Die erste Fassung des Romans, deren Text der Inhaltsangabe zugrunde liegt, erschien 1774, wie seinerzeit üblich anonym. Ebenso wie die von Goethe überarbeitete und veröffentlichte zweite Fassung aus dem Jahre 1787 verwendete sie im Titel die Genitivform des Namens, also »Werthers«. Bei einer Ausgabe von 1824 entschied Goethe sich für die moderne und undeklinierte Form des Namens: »Die Leiden des jungen Werther«. Dieser Titel wurde seither für alle Ausgaben der zweiten Fassung beibehalten.

Erster Teil

Ein fiktiver Herausgeber von Werthers Briefen an seinen Freund Wilhelm leitet den Roman ein: Er habe alles verfügbare Material zusammengetragen.

Briefe vom 4. Mai bis 27. Mai 1771

Werther, ein junger Mann, soll in einer nicht namentlich genannten Stadt für seine Mutter einen Erbschaftsstreit beilegen. Er nutzt die Gelegenheit, um sich aus einer lästig gewordenen Liebschaft zu lösen. Die Stadt gefällt ihm nicht und er hält sich am liebsten in der im Frühling erblühenden Natur auf. Tägliches Ziel seiner langen Spaziergänge ist der eine Stunde entfernte, fiktive Ort Wahlheim an einem nahen Hügel. Dort fühlt er sich zuhause.

Briefe vom 16. Juni bis 26. Juli 1771

Auf dem Weg zu einem Tanzball fährt Werthers Kutschgesellschaft verabredungsgemäß bei dem Jagdhaus des verwitweten Amtmanns S… vorbei, um dessen Tochter Lotte abzuholen. Das Mädchen ist umringt von ihren acht jüngeren Geschwistern, an denen es Mutterstelle vertritt. Werther ist tief gerührt von Lottes Natürlichkeit. Während des Balls faszinieren ihn Lottes Unbefangenheit und die Anmut ihrer Bewegungen. Sie ist spontan und gefühlvoll und Werther findet in ihr alles, was er sucht.

Allerdings ist Lotte bereits mit Albert verlobt, der zur Zeit in Dienstgeschäften unterwegs ist und von dem sie mit Wärme spricht. In den folgenden Wochen kommt Werther häufig in das Haus des Amtmanns, um in Lottes Nähe zu sein. Von Wahlheim aus ist es nur eine halbe Stunde dorthin und wie unter Zwang besucht er Lotte schließlich jeden Tag. Hoffnungsvoll glaubt er Anzeichen dafür zu erkennen, dass er ihr etwas bedeutet.

Briefe vom 30. Juli bis 3. September 1771

Albert ist zurück. Werther und er pflegen einen freundschaftlichen Umgang miteinander. Albert ist ruhig und gelassen, während Werther sich ruhelos und getrieben fühlt. Unterdessen setzt er seine Besuche bei Lotte fort; seine Sehnsucht nach ihr wird übermächtig. Im Wissen um die Aussichtslosigkeit seiner Liebe ist er dabei sich selbst zu verlieren. Die Natur, die er zuvor als Quell von Lebensfreude wahrgenommen hat, erscheint ihm jetzt als Raum der Zerstörung und des Todes. Krank vor Liebe verlässt er Lotte ohne Abschied und begibt sich im Wunsch nach Ablenkung in den Dienst eines Gesandten.

Briefroman

Eine Gegenbewegung zur Aufklärung im 18. Jahrhundert war die Empfindsamkeit, die sich bemühte, Verstand und Gefühl im Gleichgewicht zu halten. Der Briefroman wurde in jener Zeit zu einer verbreiteten literarischen Form. Neben dem Tagebuch eignen sich vor allem Briefe zur Selbstbeobachtung und unmittelbaren Wiedergabe von Empfindungen.

Während allerdings der klassische Briefroman die (fiktive) Korrespondenz zweier Figuren wiedergibt, hat Werther keinen Briefpartner, der in Erscheinung tritt. Damit rückt Goethe allein seinen Protagonisten und dessen narzisstische Gefühlswelt in den Mittelpunkt. Der Ausdruck der Empfindsamkeit wird auf diese Weise enorm verstärkt. Insbesondere in seiner ersten Fassung ist der Roman damit ein Klassiker des Sturm und Drang.


Zweiter Teil

Briefe vom 20. Oktober 1771 bis 19. April 1772

Die Arbeit als Gehilfe des Gesandten bringt Werther keine Erfüllung. Er leidet an der Überkorrektheit seines engstirnigen Dienstherrn ebenso wie unter den ständischen Strukturen und der Enge der bürgerlichen Gesellschaftsordnung. Am 20. Januar 1772 schreibt Werther an Lotte, er fühle sich wie eine Marionette und vermisse seelenvolle Empfindungen. Wieder ergreift er die Flucht und quittiert den Dienst.

Briefe vom 5. Mai 1772 bis 18. Juni 1772

Werther sucht die Stadt seiner Kindheit auf und schwelgt in Erinnerungen. Desillusioniert vergleicht er seine Jugendträume mit der erwachsenen Realität. Dann folgt er der Einladung eines Fürsten auf seine Güter. Im Gegensatz zu Werther stellt der Fürst den Verstand über die Seele und Werther fühlt sich in seiner Einzigartigkeit nicht erkannt. Erneut plant er seine Abreise. Er will Lotte wiedersehen.

Briefe vom 29. Juli 1772 bis 17. Dezember 1772

Inzwischen sind Lotte und Albert verheiratet. Werther kann die Vorstellung kaum ertragen, dass ein anderer die geliebte Frau berührt. Trotzdem nimmt er den intensiven Kontakt zu Lotte wieder auf. Er fühlt sich ihr ausgeliefert und ist monatelang hin- und hergerissen zwischen Zweifel und Hoffnung. Schließlich glaubt er sich von bösen Geistern beherrscht und am Ende seiner Kraft. Die Natur erscheint ihm düster und feindselig und sein Geist ist verwirrt. Werther kann nicht aufhören zu weinen und sehnt sich nach dem Tod.

20. bis 23. Dezember 1772

In der Absicht Werthers letzte Tage ausführlich zu schildern, ergänzt der fiktive Herausgeber dessen zunehmend fragmentarische Briefe durch Erzählung: In Albert und Lottes Ehe war der Alltag eingekehrt und der Beruf stand für Albert an erster Stelle. Werther hingegen blieb gewohnt aufmerksam gegen Lotte. So wurde ein Keil zwischen die Eheleute, aber auch zwischen Albert und Werther getrieben. Die beiden gehen sich aus dem Weg und der verzweifelte Werther besucht Lotte nur noch in Abwesenheit ihres Mannes. Unterdessen nimmt die Idee der Selbsttötung bei Werther immer mehr Gestalt an.

Am 20. Dezember 1772 bittet Lotte den aufgewühlten Werther um Mäßigung und erteilt ihm ein viertägiges Besuchsverbot bis zum Weihnachtstag. Ungeachtet ihrer Bitte kommt Werther am folgenden Abend zu ihr. Bei diesem Besuch liest er ihr aus den »Gesängen Ossians«, einem traurigen Heldenpos, vor. Am Ende wird er von seinen Gefühlen übermannt und küsst sie. Lotte weist ihn unerbittlich ab.

Am nächsten Morgen glaubt Werther sicher, dass Lotte ihn liebe, und will im Jenseits auf sie warten. Er schickt seinen Bedienten zu Albert, um sich eine Pistole auszuleihen. Werther schießt sich damit in den Kopf und erliegt am nächsten Tag seinen Verletzungen.

Unterschiede zwischen der ersten und zweiten Fassung des Romans

Für die zweite Fassung des Romans musste Goethe 1787 auf eine Ausgabe der ersten Fassung (1774) zurückgreifen, die zwischenzeitlich mehrfach ergänzt und verändert worden war. Die entstandenen Unterschiede – bewusst oder ungewollt – sind Thema zahlloser literaturwissenschaftlicher Abhandlungen. Allgemein lässt sich sagen, dass die überarbeitete Fassung von 1787 objektivierende Elemente enthält. Dem Leser wird die Identifikation mit der Figur des Werther erschwert. Der Herausgeber meldet sich an anderer Stelle und früher zu Wort. Berichte und neue Briefe mit der sogenannten »Bauernburschenepisode« wurden eingefügt. In ihr spiegelt sich das Schicksal des Werther wider. Unter anderem wurde die Figur des Albert positiv verändert und entspricht dem Ideal der Aufklärung.


Kurze Zusammenfassung

Der Roman spielt 1771/72, zumeist in einer kleinen Beamtenstadt. Werther, ein Jurist, ist in Erbschaftsangelegenheiten unterwegs und verliebt sich dabei in Lotte, die bereits »vergeben« ist. Er erlebt Höhen und Tiefen, wird als Bürgerlicher durch Adlige sozial diskriminiert und begeht, um einer Verbindung der geliebten Frau mit ihrem Partner nicht im Weg zu stehen sowie aus Enttäuschung über die Erniedrigung, die er erfahren musste, Selbstmord.

Dies ist ein Auszug aus Königs Erläuterungen zu »Die Leiden des jungen Werther«.

Zeitgeschichtliche Einordnung

Johann Wolfgang von Goethe lebte von 1749 bis 1832, vorwiegend in Weimar, der Hauptstadt des Herzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach. Bis 1771 wurde er in Leipzig und Straßburg zum Juristen ausgebildet und erfuhr in Wetzlar vom Schicksal Karl Wilhelm Jerusalems.

Parallel zur unglücklichen Liebe zwischen Werther und Lotte brechen die Widersprüche zwischen Aristokratie und Bürgertum auf, die sich in der vorrevolutionären Zeit von 1789 zuspitzten.

Goethe hatte Gedichte sowie 1771 das Schauspiel »Götz von Berlichingen« geschrieben und 1773 veröffentlicht; durch »Die Leiden des jungen Werthers« (1774) wurde er weltberühmt. 1787 erschien die zweite Fassung, an der Goethe seit 1782 gearbeitet hatte. Unter dem Titel »Die Leiden des jungen Werther« erschien erstmalig die Jubiläumsausgabe von 1824.

Der historische Werther war ein Jurist in Wetzlar; Vorbild war Goethes unglückliche Liebe zu Charlotte Buff und Maximiliane von La Roche.

Dies ist ein Auszug aus Königs Erläuterungen zu »Die Leiden des jungen Werther«.


Aufbau des Romans

Der Briefroman spielt 1772 als Gegenwartsroman. In seinem Ablauf ähnelt er einem Monolog; die letzten Texte stammen von einem fiktiven Herausgeber. Der Gliederung in zwei Bücher im Verhältnis 3 zu 4 stehen eine steigende und eine fallende Handlung gegenüber, gruppiert um den Brief vom 15. März 1772, die sich wie 1 zu 1 verhalten. Parallelhandlungen illustrieren die Haupthandlung.

Dies ist ein Auszug aus Königs Erläuterungen zu »Die Leiden des jungen Werther«.

Personen

Im Roman geht es um einen Dreieckskonflikt zwischen Werther, Lotte und Albert.

Dies ist ein Auszug aus Königs Erläuterungen zu »Die Leiden des jungen Werther«.

Stil und Sprache im Werther

Dies ist ein Auszug aus Königs Erläuterungen zu »Die Leiden des jungen Werther«.

Interpretationsansätze

Dies ist ein Auszug aus Königs Erläuterungen zu »Die Leiden des jungen Werther«.

Rezeptionsgeschichte

Dies ist ein Auszug aus Königs Erläuterungen zu »Die Leiden des jungen Werther«.