Die Weber

Inhaltsangabe

Gerhart Hauptmanns Drama »Die Weber« wurde 1892 veröffentlicht und 1893 in Berlin uraufgeführt. Thema des Stücks sind Ausbeutung und die unmenschlichen Lebensbedingungen in Folge der Industrialisierung. Im Juni 1844 setzten sich die schlesischen Weber mit einem Aufstand dagegen zur Wehr. Orte der Handlung sind Peterswaldau (1., 3., und 4. Akt), Kaschbach (2. Akt) und Langenbielau (5. Akt), die heute zu Polen gehören.


Erster Akt

Abgehärmte Weber warten zusammengepfercht im Haus des Fabrikanten Dreißiger. Sie wollen ihre Gewebe abliefern. Von Dreißigers Angestellten Pfeifer, Neumann und dem Lehrling werden sie demütigend behandelt. Vergeblich betteln die Weber um Vorschüsse und protestieren gegen Lohnabzüge. Sie beklagen Armut, Hunger und Krankheit. Der alte Baumert hat schon seinen Hund schlachten lassen, um zu essen zu haben.

Eine Ausnahme unter den erbärmlichen Gestalten ist der junge und kräftige Weber Bäcker: Lautstark und selbstbewusst klagt er die Ausbeutung an. Daraufhin erscheint Dreißiger: Anfang vierzig, fettleibig und asthmatisch. Als Bäcker ihn verbal angreift und verspottet, gerät Dreißiger außer sich vor Wut. Er entlässt Bäcker.

Ein achtjähriger Junge bricht ohnmächtig zusammen. Dreißiger wirft den Eltern vor, ihre Kinder zu hart arbeiten lassen. Als der Junge zu sich kommt, bittet er leise um Essen. Dreißiger verweigert es ihm. Er beklagt sein eigenes Los und verweist auf sein unternehmerisches Risiko.

Dreißiger hetzt gegen Bäcker und versichert sich der Loyalität der anderen Weber. Er teilt mit, dass er zweihundert arbeitslose Weber neu einstellen wolle. Dies werde Lohnkürzungen zur Folge haben. Die Ankündigung führt zu Unruhe unter den Webern.


Zweiter Akt

In der niedrigen Webstube des Hausbesitzers Ansorge sind Mutter Baumert, die erwachsenen Töchter Emma und Bertha und der behinderte Sohn August bei der Arbeit und warten auf die Rückkehr des alten Baumert. Emmas vierjähriger Sohn Fritz weint vor Hunger.

Der alte Baumert erscheint in Begleitung des Reservisten Moritz Jäger. Dieser ist gut gekleidet und genährt und bringt Branntwein mit. Die Baumerts und auch Ansorge klagen ihm ihre hoffnungslose Lage: Früher hatten alle ihr Auskommen. Jetzt hungern die Arbeiter, während die Unternehmer gut leben.

Jäger bestätigt das und stellt seine Ideen vor: Abschaffung der Monarchie und alle Gewalt dem Volke. Er erzählt, dass er und der »rote Bäcker« einen Gerichtsbeamten verprügelt und anschließend das sogenannte Weberlied gesungen hätten. Das »Lied vom Blutgericht« prangert die grausame Unterdrückung der Arbeiter an.


Dritter Akt

In einer Schenke in Peterswaldau sind der Gastwirt Welzel, seine Frau, ihre Tochter Anna, der Tischler Wiegand und ein Reisender im Gespräch. Letzterer wundert sich über die aufwändigen Begräbnisse in der Gegend. Trotz ihrer grauenhaften Armut unterstützt die Kirche die Weber darin.

Der Lumpensammler Hornig erscheint, danach Baumert und Ansorge. Weil Wiegand mit seinem gut gehenden Geschäft prahlt, gerät er in Streit mit Hornig. Ein Förster, ein Bauer und weitere Weber erscheinen. Die Weber beklagen die Ausbeutung durch die Feudalherren. Diese nähmen ihnen das wenige ab, was die Unternehmer ihnen lassen. Der Bauer verteidigt die Herrschaft und wirft den Webern Faulheit vor. Bauer und Förster verlassen die Schenke. Während Hornig die Armut der Weber bestätigt, beruft sich der Reisende auf anders lautende Regierungsberichte.

Draußen ertönt das Weberlied: Jäger, Bäcker und andere Weberburschen kommen lärmend ins Wirtshaus. Die Stimmung erinnert den Schmied Wittig an Robespierre und die Französische Revolution. Jäger fordert von Wittig Solidarität. Als Gendarm Kutsch erscheint, wird er von Jäger, Bäcker und Wittig verspottet. Kutsch warnt Wittig, doch der steigert sich in eine verbitterte Wut. Er will auf den Gendarm losgehen, doch die Weber halten ihn zurück.

Im Weggehen überbringt Kutsch die Nachricht, dass der Polizeiverwalter das Weberlied verboten habe. Dagegen aufbegehrend beginnen die Weber das Lied zu singen und machen sich auf den Weg zu Dreißiger.


Vierter Akt

Im Wohnzimmer des Fabrikanten Dreißiger sind das Ehepaar Dreißiger, Pastor Kittelhaus mit Frau und der junge Hauslehrer Weinhold versammelt. Sie sehen vom Fenster aus den Zug der Weber näher kommen. Weinhold verteidigt die Anliegen der Weber und wird daraufhin von Dreißiger entlassen.

Dreißigers Färbereiarbeiter haben Jäger gefangen genommen. Jäger weigert sich, dem herbeigerufenen Polizeiverwalter seinen Namen zu nennen. Pastor Kittelhaus, der Jäger schon getauft hat, versucht ihm gut zuzureden. Jäger wird von der Polizei abgeführt.

Im Hause Dreißiger will man zum geselligen Teil des Abends übergehen. Pfeifer erscheint mit der Nachricht, dass die Weber Jäger befreit haben. Die Weber verlangen, dass Pfeifer herauskommt. As dieser sich weigert, bereiten sie den Sturm auf das Haus vor.

Pastor Kittelhaus kann den Mob nicht aufhalten: Während die Familie von Dreißiger durch den Hinterausgang flieht, stürmen vorn die Weber ins Haus – plündernd und demolierend, da sie weder Pfeifer noch Dreißiger vorfinden. Bäcker fordert die Weber auf, als nächstes den Unternehmer Dittrich in Bielau anzugreifen.


Fünfter Akt

In Langenbielau beginnt die Weberfamilie Hilse ihr Tagwerk, als Hornig erscheint und von dem Aufstand in Peterswaldau berichtet. Ungläubig folgen die alten Hilses und die jungen Luise und Gottlieb seinen Schilderungen. Luises Tochter Mielchen, die in Peterswaldau Spulen abliefern sollte, bringt einen silbernen Löffel mit, den sie vor Dreißigers Haus gefunden hat.

Auch Chirurgus Schmidt bestätigt Hornigs Aussagen: Die Weber seien kurz vor Langenbielau, gefolgt vom Militär. Luise hat infolge der Armut mehrere Kinder verloren. Als einzige der Familie will sie sich den Aufständischen anschließen. Ihr Schwiegervater dagegen setzt seine Hoffnung auf ein Leben nach dem Tode.

Unterdessen greifen die Weber Dittrichs Haus in Langenbielau an. Dieser macht den Webern ein Friedensangebot. Doch die gehen darauf nicht ein, denn sie haben es auf die Zerstörung seiner mechanischen Webstühle abgesehen. Jäger, Bäcker und ein paar junge Weber versuchen den alten Hilse auf ihre Seite zu bringen. Doch weder er noch sein Sohn Gottlieb lassen sich überreden.

Erst als das nachrückende Militär beginnt, Hilses Haus zu beschießen, packt Gottlieb die Wut und er stürmt aus dem Haus, um sich den Webern anzuschließen. Der alte Hilse missachtet die Warnungen und wird beim Fenster von einer Kugel getroffen. Unterdessen treiben die Weber die Soldaten zum Dorf hinaus.


Gerhart Hauptmanns weltberühmtes Drama wurde 1892 von der Zensurbehörde in Berlin zunächst verboten. Dies weist auf die anhaltende Brisanz des Themas – knapp 50 Jahre später – hin. Hauptmann zeichnet ein erschütterndes Bild der Lebensbedingungen in Westeuropa als Folge der Industrialisierung und des beginnenden Kapitalismus. »Die Weber« gilt als Drama des Naturalismus, ihr Inhalt demnach als dokumentarisch belegt und objektiv. Davon wird allerdings im letzten Akt abgewichen, denn tatsächlich wurde der Aufstand wenig später niedergeschlagen.