Die Mutter (oder eine andere weibliche Bezugsperson) eines fieberkranken Jungen hat ihm ein Glas mit Kirschen ans Fenster gestellt, damit der Kirschsaft kalt bleibt. Der Junge hört von seinem Bett her, wie im Nebenzimmer ein Glas klirrt. Er steht auf und sieht von der Tür her seinen Vater auf der Erde sitzen, die Hand voll mit einer roten Flüssigkeit, die er für den Kirschsaft hält. In Gedanken macht er seinem Vater Vorwürfe: Er habe die Kirschen, die doch für ihn bestimmt waren, aufgegessen. Als der Vater ihn bemerkt, fordert er ihn auf, wegen des Fiebers rasch wieder ins Bett zu gehen. Die vorwurfsvolle, nur geflüsterte Anrede des Jungen hört der Vater nicht. Er kann für den Moment nicht aufstehen. Als er den auf die Hand gerichteten Blick des Sohnes bemerkt, erklärt er die Wunde (denn die Flüssigkeit ist sein Blut) mit einer zu Bruch gegangenen Tasse, die er habe ausspülen wollen, um dem Jungen darin die Kirschen zu bringen; denn aus dem Glas könne man im Bett schlecht trinken. Sie – wohl die Mutter – mochte die Tasse gern. Gleich wolle er ihm die Kirschen bringen. Der Junge geht in sein Bett zurück, und als der Vater mit den Kirschen kommt, hat er den Kopf tief unter die Decke gesteckt.
Die Kirschen
Inhaltsangabe
Veröffentlicht am 7. Januar 2025.
Zuletzt aktualisiert am 7. Januar 2025.