Der Text realisiert die typischen Eigenschaften einer Kurzgeschichte beinahe musterhaft. Die Szenerie kann mit den sparsamsten Mitteln evoziert werden, weil es sich um eine allgemein bekannte, ja archetypische Situation handelt. Das Minimalpersonal der Kleinfamilie stellt die Figuren (Vater, Mutter, Kind), die Lokalität ist die der Wohnung. Das Fieber des Jungen führt zu einer Despezifizierung von Raum und Zeit. Das Zimmer, in dem er liegt, reduziert sich sozusagen auf das Krankenbett; und der Nebenraum wird nur als solcher, also in seinem räumlichen Verhältnis zum Krankenzimmer, bestimmt, nicht etwa, was nahe läge, als Küche.
Aufgrund dieser inhaltlichen Vorgaben können Beschreibung und Handlungsbezeichnungen auf das Äußerste reduziert werden, um für den inneren Vorgang der fokalisierten Figur und den Dialog Raum zu schaffen. Die Verknappung dort wird also zur Voraussetzung für die Wiederholung und den Überfluss hier. Die Erzählerrede ist nüchtern – es dominiert der Aussagemodus. Die Gedanken und Reden sind hingegen facettenreicher: In ihnen etwa werden immer Abtönungspartikel, Interjektionen und Adverben gebraucht, die eine expressive Funktion haben und das Gespräch lenken sollen wie »ja«, »doch«, »extra«, »sicher«, »schön«, »buchstäblich«, »wohl« , »ganz«, »so«.
Der Satzbau ist durchweg sehr einfach gehalten. Die einfache Erweiterung des Hauptsatzes durch einen Relativsatz oder durch einen Nebensatz mit finaler Bedeutung (»Sie hat die Kirschen extra vors Fenster gestellt, damit sie ganz kalt sind«) – das ist bereits das Äußerste an syntaktischer Komplexität. Zu der ausgeprägten Parataxe (Reihung von Hauptsätzen) kommt die Neigung zur Ellipse (Auslassung): In vielen Sätzen vor allem der Gedanken- und Redewiedergabe ist das Prädikat gekürzt (»Alles [ist] voll Kirschen.« »Ausgerechnet diese Tasse, die sie so gern mochte, [ist mir kaputt gegangen].«).
Auch die Lexik (das verwendete Vokabular) ist äußerst beschränkt. Es gibt keine Bemühungen, zur Vermeidung von Wiederholungen alternative Bezeichnungen zu verwenden. Kirsche, Kirschsaft, Hand, Bett, Fieber, kalt, Fenster – das sind die wichtigsten Substantive, die den Text durchziehen und wenig Raum neben sich lassen. Selbst die »Tasse«, die in gewisser Weise das »Glas« des Textanfangs ersetzt und also im letzten Viertel eine Neuigkeit darstellt, kommt dann zweimal vor.
Typisch für eine Kurzgeschichte ist außerdem der unmittelbare Einstieg, der die betreffenden Räume, Gegenstände und Figuren als bekannt voraussetzt, mit dem bestimmten Artikel oder gar pronominal (»dachte er«) bezeichnet; auch die uneingeführte Verwendung von Deiktika (Zeigewörtern) wie »hier«, »gerade«, »vorhin«, »nebenan« gehört hierher.