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Der gute Mensch von Sezuan

Inhaltsangabe

Drei Götter kommen auf die Erde, weil sie gehört haben, es gebe keine guten Menschen mehr. Um sich selbst zu überzeugen, ziehen sie nun von Region zu Region und versuchen, mindestens einen guten Menschen zu finden. In der chinesischen Provinz Sezuan scheinen sie zunächst auch kein Glück zu haben, doch bald treffen sie auf die Prostituierte Shen Te. Weil diese die einzige ist, die den Göttern Obdach für eine Nacht gewährt, schenken ihr die Götter zum Dank 1000 Silberdollar. Von diesem Geld kauft sich Shen Te einen kleinen Tabakladen.

Shen Te wird bereits beim Kauf des Ladens betrogen und kurz nach Eröffnung kommen die ersten Menschen, die von ihr ein Almosen verlangen. Sehr bald hat sich eine komplette Familie in ihrem Laden einquartiert und verlangt neben dem Obdach auch Speise. Shen Te ist unfähig, den Bedürftigen etwas abzuschlagen und schon in kurzer Zeit steht sie vor ernsthaften finanziellen Problemen. Hinzu kommt, dass die Miete fällig wird und die Vermieterin Shen Te wegen ihrer Vergangenheit keinen Kredit einräumt. Es scheint, als müsse Shen Te den Laden aufgeben.

Angeregt von einem der Bedürftigen kommt sie auf die Idee, sich als jemand anderes auszugeben. Sie verkleidet sich als Mann und wird zu Shui Ta, ihrem angeblichen Cousin, der sich durch zwar rücksichtsloses, dafür aber wirtschaftlich erfolgreiches Verhalten auszeichnet. Als Shui Ta schickt sie die Bedürftigen weg und ist in der Lage, die Wünsche anderer zurückzuweisen. Ihr Plan ist zunächst, dass der vermeintliche Shui Ta nur einmal ihre Stelle einnimmt. Sie will, dass sich ihr Laden konsolidiert. Die Maskierung soll keine dauerhafte oder auch nur regelmäßige Lösung sein. Und zunächst hat sie damit auch durchaus Erfolg.

Eines Abends trifft Shen Te den arbeitslosen Piloten Sun, der sich in einem Stadtpark erhängen will. Sie hält ihn vom Selbstmord ab und verliebt sich in ihn. Fortan bilden die beiden ein Paar und beabsichtigen sogar zu heiraten. Einige Zeit später erhält Sun ein Angebot, dass er sich eine Stelle als Pilot durch Schmiergeldzahlungen erkaufen könne. Es geht dabei um 500 Silberdollar, die er von Shen Te bekommen möchte. Diese aber ist dazu übergegangen, ihr Alter Ego Shui Ta die Geschäfte führen zu lassen, sodass Sun mit diesem verhandeln muss. Zunächst hat es den Anschein, als würde es Sun gelingen, dass der Laden verkauft wird, damit er das Schmiergeld erhält. Allerdings verrät er Shui Ta gegenüber, dass er Shen Te nicht wirklich liebt. 

Es hat den Anschein, als würde aus der Hochzeit nichts werden. Shui Ta möchte Shen Te – also sich selbst – in einer Vernunftehe mit dem reichen Barbier Shu Fu verheiraten. Der Laden würde so gerettet werden. Allerdings liebt Shen Te Sun und erliegt ihm, als er sie konfrontiert. Die Vernunftehe wird nicht stattfinden, stattdessen soll es wie ursprünglich geplant eine Ehe zwischen Sun und Shen Te geben. Allerdings soll Sun nicht die Stelle als Pilot antreten, da sich Shen Te weigert, das Schmiergeld zu bezahlen.

Auf der Hochzeitsfeier warten Sun und seine Mutter – also Shen Tes Schwiegermutter in spe – auf Shui Ta. Sun spekuliert darauf, dass Shui Ta ihn eher als Shen Te bei seinen Plänen, wieder als Pilot zu arbeiten, unterstützt. Shen Te merkt, dass Sun sie nicht heiraten will, solange Shui Ta ihm keine positive Antwort gegeben hat. Da Shui Ta aber naturgemäß nicht dort sein kann, wo Shen Te ist, erscheint er nicht auf der Hochzeit. Die Ehe wird nicht geschlossen.

Es scheint, als sei Shen Te nun ohne Laden und ohne Ehemann. Allerdings tritt der reiche Barbier Shu Fu unvermittelt auf und überreicht ihr einen Blankoscheck. Er sagt, er sei beeindruckt von ihrem selbstlosen Engagement den Bedürftigen gegenüber. Die finanziellen Sorgen sind passé. Kurz danach wird Shen Te allerdings bewusst, dass sie schwanger ist. Als Vater kommt nur Sun in Frage. Shen Te entschließt sich, sich von nun an nur noch für ihr Kind einzusetzen. Doch wieder gibt sie einem Bedürftigen nach. In einem unbeobachteten Moment zieht sie sich zurück und verkleidet sich wieder als Shui Ta. Von nun an bleibt sie bis zum Schluss in der Verkleidung. Nur so gelingt es ihr, die Bedürftigen abzuweisen.

Bald eröffnet sie eine Tabakfabrik, in der die Bedürftigen, für die sie bisher unentgeltlich gesorgt hat, arbeiten müssen. Auch Sun ist bei Shen Te/Shui Ta beschäftigt. Mit der Zeit bemerkt er allerdings, dass etwas mit Shui Ta nicht stimmt. Shui Ta verlässt den Raum, in dem er sich mit Sun bespricht. Aus dem Nebenraum hört Sun einen Seufzer, der nach Shen Te zu klingen scheint. Die Polizei wird geholt und schließlich werden Kleidungsstücke von Shen Te gefunden. Shui Ta gerät unter Entführungs- und sogar Mordverdacht.

In der Gerichtsverhandlung treten die Götter als Richter auf. Zunächst leugnet Shui Ta, etwas mit dem Verschwinden Shen Tes zu tun zu haben. Schließlich aber erklärt er den Göttern gegenüber, ein Geständnis ablegen zu wollen. Als der Gerichtssaal geräumt ist, gibt sich Shui Ta als Shen Te zu erkennen. Die Götter sind zunächst schockiert. Doch um sich keine Blöße geben zu müssen – schließlich sind die Umstände ja von ihnen beeinflussbar – erlauben sie Shen Te, hin und wieder Shui Ta zu sein und entschweben auf einer rosa Wolke.

Dieses vermeintliche Happy-End wird durch einen Epilog gebrochen, der sich direkt an das Publikum wendet. Darin werden die Zuschauenden aufgefordert, ihre eigenen Schlüsse aus dem Stück zu ziehen. Der Epilog appelliert an den Willen, die gesellschaftlichen Umstände radikal zu ändern.

Veröffentlicht am 18. Februar 2025. Zuletzt aktualisiert am 18. Februar 2025.