Es handelt sich bei »Der gute Mensch von Sezuan« um eines der meistgespielten Stücke Brechts (Knopf 2001, S. 437). Die Uraufführung fand nur wenige Tage nach der Schlacht in und um Stalingrad statt: am vierten Februar 1943. Brecht sollte insgesamt etwa zwanzig Inszenierungen seines Stückes erleben (Knopf 2001, S. 437).
Die erste Inszenierung wurde von Rezipienten eher als wenig politisch wahrgenommen. Elisabeth Brock-Sulzer etwa verstand »Der gute Mensch von Sezuan« als Stück, das sich mit »ewigen Werten« (nach Jeske 2003, S. 173) primär beschäftigt. Was sie in Staiger’scher Diktion geradezu feiert: »Dieser Rückzug auf das Ewige kann würdig oder feige sein, je nachdem, und oft auch beides zugleich. Welche Resignation ihm aber immer zugrunde liegt, wird erst spürbar, wenn das Wunder geschieht, daß ein Kunstwerk der Gegenwart einspringt, aus ihr genährt, sie umfassend, sie überschreitend« (nach Jeske 2003, S. 173).
Andere frühe Kritiker sind weniger begeistert. Ein nur mit den Initialen P. H. benannter Rezensent nannte das Stück angelegentlich der westdeutschen Erstaufführung eine »sozialrevolutionäre Hurenballade« (nach Jeske 2003, S. 193), und überhaupt »billig« (nach Jeske 2003, S. 193).
Überhaupt kam das Stück in Westdeutschland nicht sehr gut an. Schon bald wurde aus den Reihen der CDU die Absetzung des Stücks in Frankfurt gefordert. Und daran beteiligte sich sogar ein bekannter Sozialdemokrat wie der West-Berliner Oberbürgermeister Ernst Reuter, der sich ebenfalls für die Absetzung – in Frankfurt – einsetzte (Knopf 2001, S. 438).
Im Osten derweil erfreute sich das Stück großer Beliebtheit. Viele Inszenierungen sollten folgen. Bis heute wird das Stück gespielt. Es gibt eine Verfilmung, mindestens eine Hörspielfassung und sogar eine Opernadaption (Knopf 2001, S. 438).