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Der gute Mensch von Sezuan

Zwischenspiel vor dem Vorhang (65)

Zusammenfassung

Shen Te singt »Das Lied von der Wehrlosigkeit der Götter und Guten«. Nur mit starken, mächtigen Verbündeten könne man gute Taten vollbringen, heißt es darin. Dabei zieht sie sich die Maske von Shui Ta an. Am Ende der Szene trägt sie das Kostüm des Shui Ta.

Analyse

Erst in dieser Szene wird auf der Bühne gezeigt, dass Shen Te und Shui Ta identisch sind. Allerdings erscheint es unwahrscheinlich, dass die Rezipienten des Stückes nicht schon vorher um die Identität der beiden Figuren wissen sollten.

Knopf hebt hervor, dass Shui Ta durch einen typischen Vorgang des Theaterspiels als »Fiktion zweiter Ordnung« (Knopf 2001, S. 429) erschaffen werde: durch das Soufflieren (25). In der vorliegenden Szene wird ein anderes Theatermittel, das in der Regel tunlichst vor den Zuschauern verborgen wird, auf offener Bühne dargestellt: das Anlegen der Maske (Knopf 2001, S. 429).

Die Demaskierung Shui Tas findet eigentlich erst in der Maskierung Shen Tes statt. Diese paradoxale Wendung zeigt, wie Shui Ta und Shen Te dialektisch miteinander verknüpft sind. Shui Ta ist die nachträglich ermöglichende Antithese, Element der negativen Bestimmung Shen Tes, da diese ohne ihn gar nicht zu existieren vermöchte. Shui Ta ist, was Shen Te in »Das Lied von der Wehrlosigkeit der Götter und Guten«, einfordert: der »starke Helfer« (65), der dem Nützlichen das nötige Glück erkämpft.

Veröffentlicht am 18. Februar 2025. Zuletzt aktualisiert am 18. Februar 2025.