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Der gute Mensch von Sezuan

Zwischenspiel vor dem Vorhang (81)

Zusammenfassung

Shen Te tritt vor den Vorhang. Sie trägt die Kleidung einer Braut und hält einen Monolog. Darin erzählt sie, dass die alte Teppichhändlerin sie darum gebeten habe, die Schulden sogleich zu bezahlen, weil sie Sun und dem Vetter Shui Ta nicht vertrauen könnten. Shen Te habe eingewilligt, erzählt sie.

Shen Te spricht darüber, dass ihre Gefühle für Sun sie einfach überwältigt hätten. Sie spricht von einem Egoismus liebender Menschen, die Götter hätten gewollt, dass sie auch zu sich selbst gut sei.

Außerdem rechtfertigt sie vor sich, was Sun dem angeblichen Vetter Shui Ta gegenüber geäußert habe. Was ein Mann zu anderen Männern sage, sei nicht ernst zu nehmen. Sie sei im Moment auf dem Weg zur Hochzeit und deswegen aufgeregt, erzählt sie noch. Sie schwebe zwischen Furcht und Freude.

Analyse

Der Monolog ist ein traditionelles Element des Theaters. Es lässt sich zwischen verschiedenen Arten von Monologen, grundsätzlich zwischen dramatischem, epischem und Übergangs-Monolog, unterscheiden (Becker, Hummel & Sander 2018, S. 147ff.).

Beim vorliegenden Monolog handelt es sich um einen epischen Monolog. Der epische Monolog ist eine Technik, um nicht darstellbare Geschehnisse auf die Bühne zu bringen. Oftmals sind epische Monologe Teichoskopien oder Botenberichte. Diese Notwendigkeit ist im Stück Brechts aber streng genommen nicht mehr gegeben.

Es handelt sich zwar um einen Botenbericht, die geschilderte Szene könnte aber genauso gut in Immanenz dargestellt werden. Hier fungiert der Monolog als Vehikel des Verfremdungs- oder kürzer: V-Effektes (Brecht 1967, S. 301). Außerdem wird die vierte Wand durchbrochen. Der Monolog hat das Publikum zum Adressaten und bricht damit mit dem klassischen Monolog, der sich allenfalls an ein implizites Publikum richtet, die vierte Wand aber intakt lässt.

Veröffentlicht am 18. Februar 2025. Zuletzt aktualisiert am 18. Februar 2025.