- Inhaltsangabe
- Zusammenfassung und Analyse
- Vorspiel: Eine Straße in der Hauptstadt von Sezuan (7)
- Szene 1: Ein kleiner Tabakladen (18)
- Zwischenspiel: Unter einer Brücke (30)
- Szene 2: Der Tabakladen (32)
- Szene 3: Abend im Stadtpark (44)
- Zwischenspiel: Wangs Nachtlager in einem Kanalrohr (53)
- Szene 4: Platz vor Shen Te’s Tabakladen (56)
- Zwischenspiel vor dem Vorhang (65)
- Szene 5: Der Tabakladen (67)
- Zwischenspiel vor dem Vorhang (81)
- Szene 6: Nebenzimmer eines billigen Restaurants in der Vorstadt (83)
- Zwischenspiel: Wangs Nachtlager (93)
- Szene 7: Hof hinter Shen Te’s Tabakladen (96)
- Zwischenspiel: Wangs Nachtlager (109)
- Szene 8: Shui Ta’s Tabakfabrik (111)
- Szene 9: Shen Te’s Tabakladen (118)
- Zwischenspiel: Wangs Nachtlager (130)
- Szene 10: Gerichtslokal (132)
- Epilog
- Figuren
- Zitate und Textstellen
- Historischer Hintergrund und Epoche
- Aufbau des Werkes
- Sprache und Stil
- Interpretation
- Rezeption und Kritik
- Prüfungsfragen
- Glossar
- Quellenangaben
Der gute Mensch von Sezuan
Zwischenspiel: Wangs Nachtlager (93)
Zusammenfassung
Die Götter erscheinen Wang wieder im Traum. Er erzählt ihnen, dass er ein Buch gefunden habe, in dem ein Gleichnis erzählt werde: In Sung wüchsen viele Bäume, die aber alle vor der Zeit abgeschlagen würden. Die dünnen Bäume, damit sie als Käfiggitter dienen können. Die mittleren wiederum würden zu Särgen verarbeitet, die dicksten zu Balken von Luxusvillen. Die Moral der Allegorie zeige das Leiden der Brauchbarkeit, liest Wang.
Die Götter zeigen sich abgestoßen von der im Gleichnis ausgedrückten Ideologie. Wang aber hat das Gleichnis an Shen Te erinnert, denn diese würde auch, so Wang, wegen ihrer Brauchbarkeit von allen Seiten bestürmt, und schließlich drohe, dass sie aufgezehrt werden würde. Er bittet die Götter einzugreifen, doch diese verweigern das.
Der Mensch werde durch Leiden geläutert, sagen sie. Sie seien lediglich Betrachter des weltlichen Geschicks. Wang insistiert darauf, dass Shen Te geholfen werden müsse, die Götter aber beruhigen ihn: Es werde sich alles zum Guten wenden.
Analyse
Das Gleichnis stammt vom klassischen chinesischen Philosophen Zhuang Zi (nach veralteter Transkription noch »Dschuang Dsi«) und findet sich im genauen Wortlaut in Richard Wilhelms Übersetzung von 1912, die Brecht hier zitiert (Jeske 2003, S. 210). Das Leiden von Brauchbarkeit bringt zum Ausdruck, dass es ein Nachteil ist, wenn man anderen Menschen dienlich sein kann.
Im Original geht der Text wie folgt weiter: »In einem alten Opferbuch heißt es, daß Rinder mit weißen Stirnen, Schweine mit langen Rüsseln und Menschen, die an Geschwüren leiden, dem Flußgott nicht geopfert werden dürfen. Alle Priester wissen das und halten jene Eigenschaften darum für unheilvoll. Der Mann des Geistes aber hält gerade sie für segensreich« (Dschuang Dsi 1912, S. 35).
Das Gleichnis liest sich wie eine Interpretation des Stücks: Shen Te leidet daran, dass sie nutzbar ist. Das galt für ihr früheres Leben als Prostituierte, das gilt aber auch für ihr Leben als Geschäftsinhaberin. Die Bedürftigen bauen auf sie, nicht nur weil sie die materiellen Mittel hat, sondern auch, weil sie nicht in der Lage ist, den Menschen etwas abzuschlagen.
Besonders deutlich wird das in Bezug auf Sun. Er will Shen Te nicht nur ausnutzen, sondern auch monopolisieren, indem er sie heiratet. So versucht er sicherzustellen, dass nur er in den Genuss von Shen Tes Freigebigkeit kommt.