- Inhaltsangabe
- Zusammenfassung und Analyse
- 1. Teil: Kapitel I & II (9–40)
- 1. Teil: Kapitel III & IV (40–72)
- 1. Teil: Kapitel V & VI (72–101)
- 1. Teil: Kapitel VII (101–115)
- 2. Teil: Kapitel I & II (119–155)
- 2. Teil: Kapitel III & IV (155–187)
- 2. Teil: Kapitel V & VI (187–228)
- 2. Teil: Kapitel VII (228–251)
- 3. Teil: Kapitel I & II (255–288)
- 3. Teil: Kapitel III & IV (288–321)
- 3. Teil: Kapitel V & VI (321–361)
- 4. Teil: Kapitel I & II (365–398)
- 4. Teil: Kapitel III & IV (398–430)
- 4. Teil: Kapitel V & VI (430–466)
- 5. Teil: Kapitel I & II (469–508)
- 5. Teil: Kapitel III & IV (508–549)
- 5. Teil: Kapitel V (550–567)
- 6. Teil: Kapitel I & II (571–602)
- 6. Teil: Kapitel III & IV (602–629)
- 6. Teil: Kapitel V & VI (629–666)
- 6. Teil: Kapitel VII & VIII (666–691)
- Epilog: Kapitel I & II (695–716)
- Figuren
- Zitate und Textstellen
- Historischer Hintergrund und Epoche
- Aufbau des Werkes
- Sprache und Stil
- Interpretation
- Rezeption und Kritik
- Prüfungsfragen
- Glossar
- Quellenangaben
Schuld und Sühne
4. Teil: Kapitel I & II (365–398)
Zusammenfassung
Swidrigajlow erklärt Raskolnikow, dass er seine Bekanntschaft habe machen wollen. Er zeigt sich bestens über den Aufenthaltsort von Awdotja und Pulcherija unterrichtet, was Raskolnikow vor dem Hintergrund der Geschehnisse um Swidrigajlow stark beunruhigt. Swidrigajlow macht einen unsteten Eindruck, während seiner Rede widerspricht er sich immer wieder selbst.
Swidrigajlow ist seit kurzem Witwer, gerüchteweise ist er an dem Tod seiner Frau schuld. Swidrigajlow weist dies aber gegenüber Raskolnikow zurück. Durch den Tod habe er etwas Geld übrig. Dunja solle zehntausend Rubel von ihm bekommen. Er versichert, keine Gegenleistung dafür zu verlangen.
Erratisch nimmt das Gespräch seinen Verlauf. Neben vielen anderen Dingen verrät Swidrigajlow auch, dass seine verstorbene Frau ihm als Geist erscheint. Diese habe Awdotja zusätzlich 3000 Rubel vermacht. Swidrigajlow verrät den Wunsch, Awdotja nochmals zu sehen, was Raskolnikow ablehnt. Als Swidrigajlow Raskolnikow verlässt, tritt Rasumichin auf.
X
Rasumichin und Raskolnikow machen sich auf zum Hotel, um dort mit Pulcherija, Awdotja und Luschin zusammenzutreffen. Schon im Korridor treffen die beiden auf Luschin, der sich den Auftritt Raskolnikows schriftlich verbeten hat. Luschin beginnt das Gespräch. Er verrät, dass Swidrigajlow nach Petersburg gekommen ist. Pulcherija und Awdotja erschrecken darüber. Im Gespräch wird Swidrigajlow von Luschin als Mörder und Lüstling beschrieben. Awdotja nimmt Swidrigajlow aber teilweise in Schutz. Schließlich berichtet Raskolnikow von seinem Erlebnis mit Swidrigajlow.
Nach dem Gespräch über Swidrigajlow will sich Luschin verabschieden, Awdotja aber bittet ihn, zu bleiben, um den Streit zwischen ihm und Raskolnikow beizulegen. Luschin weigert sich, aber Awdotja insistiert. Sie sagt, dass Raskolnikow sich entschuldigen werde, wenn er der Schuldige an dem Streit sei. Luschin aber verweigert das. Er fordert, in Awdotjas Hierarchie über ihrem Bruder zu stehen, alles andere sei ehrenrührig. Im Übrigen trage er es Pulcherija nach, dass diese eine Äußerung von ihm entstellt gegenüber Raskolnikow reproduziert habe.
Der Streit eskaliert zusehends, bald schon wird über Sonja gesprochen, über die sich Luschin ebenfalls abfällig schriftlich geäußert hat. Schließlich nimmt Luschin seinen Hut und möchte gehen. Doch der Streit geht noch weiter, bis Luschin schließlich beklagt, er habe durch die Verlobung mit Awdotja Unkosten gehabt, die ihm niemand ersetzen wolle. Daraufhin können Awdotja und Pulcherija nicht mehr an sich halten und komplementieren Luschin hinaus. Rasumichin droht ihm sogar Prügel an.
Analyse
Die beiden Kapitel dienen offensichtlich dazu, verschiedene Spannungsbögen zu integrieren. Im ersten der zwei Kapitel stellt sich die Lage wie folgt dar: Swidrigajlow ist den Lesenden ausschließlich aus dem Brief Pulcherijas an ihren Sohn bekannt. Swidrigajlow ist der Mann, der Awdotja nachgestellt und sie fast um ihren guten Ruf gebracht hat. Dass er nun in Petersburg erscheint, eröffnet eine neue Situation. Seine Motive sind unklar, es ist aber sehr wahrscheinlich, dass Awdotja nun in eine neue Handlung involviert sein wird.
Swidrigajlow wurde – typisch für den Roman – bereits am Ende des vorangehenden Abschnitts eingeführt. Dort wurde er freilich nur genannt, sodass seine Einführung an jener Stelle als Anagnorisis, als Moment der Wiedererkennung, fungiert. Diese Anagnorisis trifft auf Raskolnikow zu, weil er Swidrigajlow als Protagonisten des mütterlichen Briefes erkennt. Gleichzeitig erkennen die Lesenden Swidrigajlow ebenfalls wieder. Direkt auf die Anagnorisis folgt der Umbruch zwischen drittem und viertem Teil. Die Anagnorisis wird zum Cliffhanger.
Das zweite Kapitel der beiden wiederum widmet sich der Handlung rund um Luschin. Die Situation ist bereits als andere entworfen worden, Luschin hatte sich schließlich ausgebeten, dass Raskolnikow nicht zugegen sein solle. Dass er nun aber auftritt, charakterisiert die Szene vorab als krisenhaft. Die Lesenden erwarten die Entfaltung des Konfliktes, der bisher nicht offen zum Ausbruch gelangen konnte.
Dass am Ende des Gespräches die Auflösung der Verlobung steht, wurde so bereits von Anfang an vorgezeichnet. Allein schon, dass Raskolnikows Forderung vollends ausschließend angelegt war – entweder Luschin oder er –, trägt dazu bei, die Spannung im Vorfeld der Aussprache aufzubauen. Tatsächlich eskaliert die Aussprache dann auch schnell, was nicht zuletzt an Luschins Verhalten liegt.
Luschin stellt tatsächlich sehr hohe Ansprüche, gleichwohl ist er der Meinung, dass er für seine Vorleistung ein gewisses Entgegenkommen auch erwarten dürfte. Seine angebliche Vorleistung bezeichnet er bald als »Unkosten« (397). Damit zeigt er, dass er die Beziehung zu Awdotja vor allem nach ökonomischen Prinzipien gedacht hatte. Unklar bleibt jedoch, was Awdotja überhaupt innerhalb dieser Beziehung zu erreichen hoffte. Insgesamt bleibt Awdotjas Motivation meistens im Unklaren.