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Der Knabe im Moor

Figuren

Figurenkonstellation

Der Knabe im Moor – Figurenkonstellation
  • Der Knabe

    Als »Kind«, »Knabe«, »Knäblein« bezeichnet, dient zur genaueren Einordnung der Hauptfigur der Ballade einzig die »Fibel«, die sie zitternd festhält. Anzunehmen wäre demnach beginnendes Grundschulalter. Der Knabe ist von Anfang an in rennender, fliehender Bewegung, mal sich hinduckend, mal springend »wie ein wundes Reh«. Seine Sinne sind aufs Äußerste gespannt. Die Deutungen seiner Sinneseindrücke, die im Gedicht wiedergegeben werden, sind seine Deutungen.

  • Der gespenstige Gräberknecht

    Der gespenstige Gräberknecht ist ein Moorgeist, dessen Vergehen darin bestand, dass er bei seiner Arbeit als Torfstecher die besten Torfe nicht seinem Meister geliefert, sondern selbst verkauft hat, um für seine Alkoholsucht genügend Geld zu haben.

  • Die gebannte Spinnenlenor‘

    Auch die Spinnenlenor‘ ist ein Moorgeist. Unklar bleibt, ob der Vorname auf eine wirkliche Person zurückgeht, oder bereits im Kontext des Aberglaubens der Figur hinzugedichtet wurde. Ihr Vergehen bestand wohl darin, gegen das Arbeitsverbot an Sonntagen verstoßen zu haben. Auch hier geht es also darum, sich neben der ehrlichen Arbeit auf unerlaubte Weise einen Nebenverdienst zu verschaffen. Bedenkt man, dass sowohl das Spinnen im Heimgewerbebetrieb als auch das Torfstechen einen Arbeiter der Zeit gerade über dem Existenzminimum hielt, ist die Sünde allemal verzeihlich.

  • Der diebische Fiedler Knauf

    Auch der diebische Geiger hat einen Vornamen. Sein Diebstahl wiegt schwerer als der der beiden anderen Moorgeister, weil er einen symbolischen Gegenstand betrifft, der von vergleichsweise geringem materiellem Wert sein dürfte. Die Übergabe einer Schaumünze war Teil der Hochzeitszeremonie und sollte Treue symbolisieren. Ihr Diebstahl bewirkt also einen Bruch im symbolischen Dekorum der Eheschließung. Auch dieser Diebstahl kann indes leicht auf materielle Notlagen zurückgeführt werden.

  • Die verdammte Margreth

    Das Verbrechen der verdammten Margreth – des letzten der vier Moorgeister, denen der Knabe zu begegnen meint – wird nicht benannt, es muss aber schwerwiegender als der Diebstahl und die Sonntagsarbeit der übrigen drei Moorgeister sein. In der Forschung wurde die Vermutung geäußert, es könne sich um eine Kindsmörderin handeln. Damit würde das Motiv eines von der Gesellschaft geächteten, jedoch anhand einer menschlichen Notlage zu erklärenden Verbrechens noch einmal zugespitzt. Die Margreth ist auch der einzige Moorgeist, der spricht. Das »Ho, ho« wirkt spöttisch und hohl, während zuvor, in der Erzählerrede das Leidensmoment deutlicher wird (»ein Seufzer«, »Weh, weh«).

Veröffentlicht am 10. Dezember 2024. Zuletzt aktualisiert am 10. Dezember 2024.