Die erste Publikation erregte nur geringes Echo. Wirkmächtiger war die Aufnahme des Textes in den »Deutschen Novellenschatz« im Jahre 1876. Gleichsam geadelt, konnte »Die Judenbuche« fortan als Klassiker der deutschsprachigen Literatur gelten.
Über viele Jahrzehnte hielt sich die stereotype Interpretation, bei Annette von Droste-Hülshoff habe es sich um eine gleichsam »männliche« Schriftstellerin gehandelt. Das war stellenweise durchaus als Kompliment gemeint, bleibt aber ein sexistisches Vorurteil, dass »weibliche« Personen als zweitrangig impliziert.
Davon abgesehen, ist der Text von Annette von Droste-Hülshoff allerspätestens im 20. Jahrhundert voll zu seinem Recht gekommen. Allerdings weist Korten auf die dürftige wissenschaftliche Aufarbeitung der späteren Rezeption hin (vgl. Korten 2017: 508). Gesichert ist allerdings, dass allein die »Reclam-Ausgabe 6 Millionen Mal zwischen 1884 und 2016 verkauft worden« war (ebd.).
Hinzu kommen kommen über einhundertfünfzig weitere »Einzelausgaben in diversen Auflagen« (ebd.). Auch wenn Droste-Hülshoffs Ruhm zu Lebzeiten eher auf ihren lyrischen Produkten beruht, konnte sich »Die Judenbuche« nach und nach als Klassiker etablieren. Schullektüre ist der Text regelmäßig. Außerdem gibt es eine Verfilmung, die auf 1980 datiert.
Nicht ohne Relevanz dürfte sein, dass das Dorf Bellersen, im Text als Dorf B. bezeichnet, sich zu einem wichtigen Tourismusstandort in Nordrhein-Westfalen gemausert hat. Der Text ist also, mindestens unter den Vorzeichen der Kulturindustrie, nach wie vor wichtig.