Die Judenbuche öffnet mit einem Gedicht aus der Feder der Autorin. Das Gedicht hat zwölf Verse und operiert mit einem simplen Paarreim. Beim Metrum handelt es sich um einen fünfhebigen Jambus.
Von diesem poetischen Prolog aber einmal abgesehen, zeichnet sich die Sprache des Textes vor allem durch ihre Nüchternheit aus. Auch wenn der Text zur Zeit des Biedermeiers entstand, so weist die Sprache doch nicht die für die Epoche konstitutive, poetische Durchformtheit auf. »Die Judenbuche« ist hinsichtlich der Sprache eher nüchtern und wenig artifiziell.
»Als sprachliche Merkmale der Erzählung lassen sich aufzählen: der Verzicht auf wertende Adjektive, Sparsamkeit in der Verwendung rhetorischer Figuren, eine Vielzahl asyndetischer Reihungen« (Korten 2017: 520). Asyndetische Reihungen liegen dann vor, wenn auf die Verbindung von Sätzen mithilfe von Konjunktionen verzichtet wird. Als Effekt entsteht der Eindruck einer schnelleren Handlung.
Gleichzeitig ist es auffällig, wie viele Toponyme, also Ortsnamen, auftauchen. Das verstärkt den Eindruck von Authentizität, sorgt aber auch dafür, die Region deutlicher hervortreten zu lassen (vgl. Neuhaus 2017: 170).
Das erlaubt den Schluss, »Die Judenbuche« sei ein hochgradig durchkomponierter Text. So verdanken sich die vielen Leerstellen des Textes nicht einer etwaigen Oberflächlichkeit, sondern sind konstitutiv für den Text selbst. Der sprachlichen Gestaltung korrespondiert dabei die über weite Strecken intern fokalisierte Erzählanlage: »Die durchgehende Bindung der Figuren einschließlich der Erzählinstanz an individuelle Perspektiven macht deutlich, dass alles Wissen relativ und begrenzt ist« (Grywatsch 2021: 137).