Momo
3.Teil:Kapitel 19+20
Zusammenfassung
Die grauen Herren umzingeln die Gasse und umgeben sie mit ihrem dichten Zigarrenqualm. Meister Hora erklärt das seltsame Verschwinden der grauen Herren beim Betreten der Niemals-Gasse und damit ihr Wesen: In der Gasse muss man alles rückwärts tun, da die Zeit rund um das Haus umgekehrt läuft. Zeit gehe normalerweise in den Menschen hinein, so altere er. In der Gasse jedoch gehe die Zeit aus dem Menschen heraus. Und da die grauen Herren keine Menschen seien, und nur aus gestohlener Zeit bestehen, lösen sie sich im »Zeit-Sog« auf.
Er hat einen Plan, um die Herrschaft der grauen Herren zu beenden. Er wird für eine gewisse Zeit die gesamte Zeitversorgung der Welt anhalten - das bedeutet, dass niemand mehr Zeit erhält. Ohne frische Zeit werden die grauen Herren ihre Reserven schnell aufbrauchen und verschwinden.
Doch es gibt eine Herausforderung: Wenn die Zeit still steht, fällt Meister Hora in einen tiefen Schlaf. In der Zeit der Stille kann nur Momo, durch eine Stunden-Blume von Meister Hora, noch aktiv handeln. Ihre Aufgabe ist es, sich innerhalb von einer Stunde, in das geheime Versteck der grauen Herren zu begeben, in der sie die gestohlene Zeit in Form gefrorener Stunden-Blumen lagern, aus denen sie sich später Zigarren drehen und von denen sie sich ernähren. Dort muss Momo die Zeit befreien, bevor die grauen Herren merken, was geschieht, sodass diese zu den Menschen zurückkehren kann und die Welt aufhört, stillzustehen.
Nachdem Meister Hora die Zeit für alle Menschen angehalten hat, scheint die ganze Stadt in einem einzigen Moment eingefroren zu sein - nichts und niemand bewegt sich.
Die grauen Herren bemerken nach dem Eindringen in Meister Horas Haus mit Schrecken, dass etwas nicht stimmt. Sie stellen fest, dass der Vorrat an gestohlener Zeit nicht mehr nachgefüllt wird. Da die Zeit angehalten wurde, kann keine neue Zeit gestohlen werden und das bedeutet, dass ihr gesamtes System zusammenzubrechen droht. Ohne ihre Zigarren beginnen sie, sich aufzulösen.
Die Zeitdiebe geraten in Aufruhr. Sie wollen einen Plan schmieden, um die Kontrolle zurückzugewinnen. Sie versuchen, sich gegenseitig die letzten Zigarren zu stehlen, doch es hilft ihnen nichts - nach und nach lösen sie sich in Nichts auf. Ihre Lage wird immer verzweifelter.
Momo sucht nach dem geheimen Versteck der grauen Herren, um deren Zeitvorräte zu finden und die gestohlene Zeit zu befreien. Schließlich entdecken sie das Hauptquartier der grauen Herren.
Analyse
Dieses Kapitel stellt einen entscheidenden Wendepunkt in der Geschichte dar. Es hebt die Rolle von Momo als Auserwählte hervor.
Meister Horas Plan ist faszinierend: Indem er die Zeit anhält, nimmt er den grauen Herren ihre Existenzgrundlage, denn »von solcher toten Menschenzeit fristen sie ihr Dasein« (268). Dies unterstreicht die Idee, dass Zeit nichts ist, das man einfach besitzen oder konsumieren kann - sie ist ein lebendiger Fluss, der nur durch bewusstes Erleben Bedeutung erhält.
Darüber hinaus wird der Kälte, die die grauen Herren stetig umgibt, weiter auf den Grund gegangen. Sie frieren die Stunden-Blumen der Menschen in ihren »Vorratskellern« (268) ein. Verdorren sie und werden grau, wie sie selbst, drehen die grauen Herren Zigarren aus ihnen. Auf diese Weise konsumieren sie die Zeit und können mit dem Zigarrenqualm gleichzeitig die Menschen vergiften und sie mit »tödlicher Langeweile« (269) und so dem Verlust jeglicher Lebensqualität infizieren.
Momos Mut und die Stunden-Blume von Meister Hora sind essentiell für den Erfolg des Plans. Momo ist das Gegenstück zu den Menschen, die der Zeitfalle der grauen Herren erlegen sind.
Kapitel 20 zeigt, was geschieht, wenn das System der grauen Herren ins Wanken gerät. Indem Meister Hora die Zeit für alle Menschen anhält, entzieht er den Zeitdieben ihre Lebensgrundlage. Sie geraten in Panik (vgl. 278) und verlieren sich in einem »Handgemenge« (278), wodurch erneut die fehlende Loyalität in den eigenen Reihen deutlich wird.
Dies ist eine tiefgreifende Metapher dafür, dass Systeme, die auf Ausbeutung und Kontrolle basieren, zusammenbrechen, sobald sie nicht mehr aufrechterhalten werden können. Es zeigt auch, dass diejenigen, die andere unterdrücken, letztlich selbst von ihrer eigenen Abhängigkeit gefangen sind. So werden die mächtig erscheinenden grauen Herren satirisch Momo als »kleines Mädchen mit einer Blume in der Hand und einer Schildkröte unter dem Arm« (280) gegenübergestellt. Leiser und unscheinbarer ist sie die wahre Heldin der Geschichte. Die Menschlichkeit siegt so über Gier und Egoismus.
Das Hauptquartier der grauen Herren (vgl. 284) steht darüber hinaus symbolisch für die Anhäufung von Reichtum und Macht durch Ausbeutung.