Skip to main content

John Maynard

Prüfungsfragen

  • Wie ist die Struktur der Ballade?

    Die Ballade hat eine dreiteilige Struktur aus Prolog, dramatischem Hauptteil und Epilog. Prolog und Epilog stehen in engem Bezug zueinander, denn in beiden Teilen der Ballade wird, mit leichter Abänderung, das von Buffalo gestiftete Epitaph auf den Titelhelden zitiert. Abgesetzt ist außerdem zwischen Hauptteil und Epilog ein Verspaar, das den Ausgang der Katastrophe knapp zusammenfasst.

  • Was ist der Sinn dieser Struktur?

    Prolog und Epilog betten die Erzählung von der Katastrophe in Gesten des Gedenkens: Im Prolog ist es das spontane Gedenken als Antwort auf die Frage eines Menschen, der John Maynard nicht kennt; im Epilog ist es das kollektive Gedenken der Stadt Buffalo anlässlich des Begräbnisses des Steuermanns. Das zweimal zitierte Epitaph fasst die Handlung zusammen und gibt ihr einen Sinn.

  • Was sind die wichtigsten Strukturmomente im Hauptteil?

    Zwei Wiederholungsfiguren prägen den Hauptteil. Das ist zum einen der Refrain: Am Ende jeder Strophe wird die Zeit angegeben, die noch bis zur Ankunft in Buffalo bleibt. Zum anderen ist das der Dialog zwischen Kapitän/Passagieren und dem Steuermann. Beide sind in der ersten Strophe des Hauptteils noch verknüpft und treten dann auseinander.

  • Charakterisiere den Dialog zwischen Kapitän und Steuermann!

    Diejenigen, die vorne am Bug zu überleben hoffen, haben den Sichtkontakt zum Steuermann verloren und können nur noch über Rufe erfragen, ob er noch am Posten stehe, ob sie also noch hoffen dürfen. Der Dialog dient dann nicht mehr der Informationsübermittlung, sondern er erschöpft sich in der phatischen Sprachfunktion (Sicherstellung des sprachlichen Kontakts): Wichtig ist nur, dass Maynard noch antwortet; das Weiterbestehen des Kontakts ist bereits die entscheidende Information. Aus der Reduktion des Dialogs auf diese elementare Sprachfunktion gewinnt die Ballade an Prägnanz und Wirkung.

  • Welche typischen Motive aus Katastrophenerzählungen enthält die Ballade?

    Typischerweise wird vor Einbruch der Katastrophe ein Zustand der Normalität und Unbekümmertheit geschildert. Alltag und existenzielle Not prallen direkt aufeinander. Typisch ist weiter, dass die Betroffenen sich in besonderer Art und Weise und über die sonst bestehenden Unterschiede hinweg vergemeinschaften. Diesen Aspekt deutet Fontane nur an, denn die Passagiere werden schon vor der Katastrophe als Gruppe geschildert, die insgesamt mit dem Steuermann in Dialog tritt.

  • Wie ist es um die Metaphorik der Ballade bestellt?

    Zum volkstümlichen Stil der Ballade gehört der Verzicht auf originelle oder gelehrte, auf irgendwie ausgefallene Metaphern. Die Metaphern, die im Text vorkommen, fallen denn auch kaum auf, so gewöhnlich sind sie: das Fliegen der »Schwalbe«, das Gewinnen des Ufers, das Stehen der Qualmwolke, das Schwellen der Töne.

  • Gibt es eine charakteristische Stilfigur?

    Auffällig sind vielleicht am ehesten die Zwillingsformeln wie »frei und froh«, »Kajüt‘ und Luke«, »Kirchen und Kapell’n«, »Klingen und Läuten«. Auch sie gehören in ein niederes Stilregister und zeugen von keinerlei poetischer Originalität.

  • Welche Rolle spielt das Epitaph in der Ballade?

    Ein Epitaph ist eine Grabinschrift. Die notwendige Kürze (auf dem Grabstein ist wenig Platz) drängt zur äußersten Verdichtung: Der Sinn eines abgeschlossenen Lebens soll sich in wenigen Versen dem Vorübergehenden mitteilen. So kann Fontane sowohl das dramatische Geschehen wie dessen Deutung im Prolog vorwegnehmen und im Epilog rekapitulieren.

  • Welchen Vers nutzt Fontane für die Ballade und weshalb?

    Fontane wählt den Knittelvers als einen einfachen, volkstümlichen, wenig geschliffenen Vers, denn die Ballade soll mit dem Andenken des einfachen Volks, der Stadtbevölkerung von Buffalo, zusammenstimmen. Wer ohne metrische Vorbildung die Aufforderung bekommt, sich reimende Verse zu schreiben, wird am ehesten so etwas wie Knittelverse schreiben. Dass ein jambisches Metrum der Ballade zugrunde liegt, wie man mitunter liest, ist wenig plausibel, wenn auch mitunter jambische Verse vorkommen (»Ein Qualm, dann Flammen lichterloh«).

  • Wie lässt sich die Ballade in Fontanes Balladenschaffen einordnen?

    »John Maynard« gehört in die späte Phase von Fontanes Auseinandersetzung mit der Gattung, der er sein erstes literarisches Emporkommen verdankt. Seit den 80er-Jahren des 19. Jahrhunderts drängt er auf eine Erneuerung der Ballade: Man müsse sie in Inhalt und Form modernisieren, also etwa aktuelles Zeitgeschehen behandeln. Tatsächlich liegt das Ereignis, das »John Maynard« zugrundeliegt, zum Zeitpunkt der Niederschrift bereits über vierzig Jahre zurück.

Veröffentlicht am 25. Januar 2025. Zuletzt aktualisiert am 25. Januar 2025.