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John Maynard

Sprache und Stil

Die sprachliche und stilistische Gestaltung der Ballade zielt auf den Effekt einer als ursprünglich konnotierten Derbheit, Schlichtheit und Volkstümlichkeit.

So finden sich in der Ballade keinerlei gelehrte Anspielungen, keine schwierigen Metaphern oder komplexen Sätze. Die Verehrung, die dem Titelhelden zuteil wird, kommt aus der Mitte der Stadtgemeinschaft, kommt aus dem Volk; die Ballade passt diesem Umstand ihr Register an, wie ja auch das von den Bürgern Buffalos verfasste Epitaph vom Sprecher des Gedichts als Antwort auf die Frage des unbekannten Gesprächspartners im Prolog zitiert wird. Das Gattungsverständnis, das so vermittelt wird, sieht die Ballade nicht als geniale Schöpfung eines einzelnen Dichters, sondern als gleichsam kollektive Dichtung zum Gedenken an Ereignisse, die die Gemeinschaft als Ganzes angehen.

Bereits die Wahl und die Behandlung des Metrums leisten einen guten Teil der hierfür nötigen gestalterischen Arbeit: Es handelt sich um den Knittelvers, also einen paargereimten Vierheber mit Füllungsfreiheit. Der Vierertakt ist der »natürlichste« Takt, der Paarreim das einfachste Reimschema, und die Füllungsfreiheit kommt dem Verseschreiber zugute, der zufrieden ist, wenn er einen ordentlichen Reim gefunden hat und sich um die Regelmäßigkeit der übrigen Zeile nicht groß bekümmern muss. Schon bei der Verwendung im »Faust« (»Habe nun, ach, Philosophie …«) eignet dem Vers eine leicht archaisierende, leicht parodistische Geste, denn seine hohe Zeit hatte er im Mittelalter. Spätestens seit der opitzschen Versreform zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurden in der gehobenen Dichtung alternierende Metren bevorzugt.

Die besondere Art der Verwendung dieses Verses in der Ballade tut nichts, um seine Grobschlächtigkeit auszugleichen oder zu verhüllen – im Gegenteil. Besonders charakteristisch sind syntaktische Umstellungen, die das gewünschte Reimwort an das Ende des Verses zu setzen erlauben: »Ein Qualm aus Kajütt‘ und Luke drang« (V. 21), »Der Kapitän nach dem Steuer späht« (V. 31), »Und die Passagiere, mit Kindern und Frau’n | Im Dämmerlicht schon das Ufer schau’n« (V. 12 f.).

Auffällig ist ferner die einer flüssigen Lektüre eher hinderliche Verteilung der Hebungen. Das betrifft vor allem dreisilbige Wörter, für die wegen der gegebenen Füllungsfreiheit bei der Lektüre zu entscheiden ist, ob auf sie eine oder zwei Hebungen fallen. Weil nur eine Hebung grundsätzlich möglich ist (nach dem Schema Xxx, xXx oder xxX), und weil dreisilbige Wörter meist über einen eindeutigen Hauptakzent verfügen, ist diese Variante im Sinne der Leseflüssigkeit grundsätzlich vorzuziehen (so die »Qualmwolke« in Vers 30, zu lesen Xxx); und so wird die andere, zweihebige Variante tendenziell als Verlangsamung wahrgenommen, als vom Metrum her auferlegter Zwang zur Betonung einer Silbe, die auch unbetont hätte bleiben können.

Betroffen ist, zum Beispiel, in Vers 31 das Wort »Kapitän«, das XxX betont werden muss, betroffen ist sogar das Refrainwort »Buffalo«. Der Versanfang »Und die Passagiere« in Vers 12 und 24 stellt den Leser vor zwei gleichermaßen unglückliche Alternativen: Der Anfang »Und die« wird spontan als Doppelauftakt wahrgenommen, verlangt also nach einer Hebung im Anschluss; dort aber steht die erste Silbe des Wortes »Passagiere«, das den Hauptakzent klar auf der vorletzten Silbe trägt. Entweder man legt die Betonung nun doch auf den bestimmten Artikel, oder man drängt die zwei Hebungen in das Substantiv.

Der Dichter entscheidet sich dafür, nur männliche Kadenzen zu verwenden, an dieser Stelle die Freiheit des Knittelverses also etwas einzuschränken.

Veröffentlicht am 25. Januar 2025. Zuletzt aktualisiert am 25. Januar 2025.