Brave New World (Schöne neue Welt)
Figuren
Figurenkonstellation
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Sigmund Marx (Bernard Marx)
Sigmund Marx ist ein Alpha-plus und Psychologe. Sein Spezialfach ist die Hypnopädie. Allerdings fühlt er sich im System als Außenseiter. Nicht nur sein kleiner Wuchs ist für einen Alpha-plus untypisch, auch seine Denkweise weicht von der Masse ab. Sigmund möchte sich selbst spüren, die Natur ohne Ablenkung wahrnehmen oder Gefühle entwickeln, bevor er mit einer Frau körperlich wird. Bei diesen hat er wenig Erfolg. Lenina Braun bildet eine Ausnahme. Allerdings geraten die beiden wegen ihrer unterschiedlichen Ansichten aneinander. Auch in den Eintrachtsandachten erreicht er nicht die Ekstase wie seine Mitstreiter. Statt Gemeinschaft und Einheit tritt seine Isolation für ihn deutlich hervor. (Peters, 38) Soma lehnt er meistens ab oder bereut die Einnahme. Von seinen Kollegen wird er verspottet und auch der Direktor bemerkt und missbilligt seinen Individualismus. Sigmund unterliegt dem Druck, sich zu beweisen, weshalb er sich vor den unteren Kasten aufspielt. Sein Freund Helmholtz Holmes-Watson sieht seine Schwächen. Dennoch teilen die beiden den Wunsch nach etwas Größerem, außerhalb der vorgelegten Bahnen.
Der Besuch im Reservat Neu-Mexiko führt zum Wandel. Sigmund trifft auf den jungen Michel, mit dessen Einsamkeit er sich identifizieren kann. Als er bemerkt, dass er der Sohn des Direktors ist, wittert er die Chance, nicht auf die Insel versetzt zu werden. Dabei zeigt er sich wankelmütig hinsichtlich seiner Überzeugungen, die in seiner Selbstsucht begründet sind. (ebd., 39) Zurück in der Zivilisation ist Sigmund auf einmal hoch angesehen, dabei aber vollständig von Michel abhängig. Er spielt sich in Berichten an den WAR und in kritisierenden Bemerkungen vor der Bevölkerung auf. Insgeheim genießt er die plötzlich greifbaren Vorzüge. Frauen interessieren sich für ihn und Prominente folgen seinen Einladungen.
Sigmunds Prahlerei und Überheblichkeit führen zum Bruch mit Helmholtz, der von Sigmund bewusst gewählt wird. Als Michel sich seinen Plänen widersetzt, bricht Sigmunds Ansehen ein. Nach dieser Erfahrung fühlt er sich noch schlechter als vorher. Er rutscht in seine alte Rolle des Außenseiters und sucht in Michel und Helmholtz nach Schuldigen. Ihre Freundschaft macht ihn eifersüchtig und obwohl er sich für seine Gefühle schämt, kann er es nicht unterlassen, die beiden zu stören und sich so zu rächen. Dass Helmholtz ihm verzeiht, lässt ihm seine Schwäche noch stärker bewusst werden. Sigmund wird schließlich vor die Wahl gestellt: seinen Freunden beistehen und sie vor einem möglichen Unheil bewahren oder zum Mittäter werden. Vorm Weltaufsichtsrat fällt er seinen Freunden in den Rücken, indem er sie als Schuldige und sich selbst als Unschuldigen darstellt. Er bittet darum, nicht auf eine Insel versetzt zu werden. Sein Aufbegehren gegen das System war nicht in diesem begründet, sondern vielmehr an seinem Außenseitertum. Sigmund kann sein Schicksal jedoch nicht mehr abwenden. Am Ende entschuldigt er sich bei Michel und schämt sich für sein Verhalten. -
Michel (John the Savage)
Michel, auch der Wilde genannt, wächst im Reservat auf. Seine Mutter Filine kommt aus der Zivilisation, wurde unbeabsichtigt schwanger und gebar ihren Sohn in Malpais, woraufhin sie das Reservat nicht mehr verlassen hat. Das Liebesleben seiner Mutter sowie sein äußerliches Erscheinungsbild unterscheiden ihn von den anderen und lassen ihn zum Außenseiter werden. Er wird verhöhnt und darf nicht an Ritualen teilnehmen. Die einzige Zuflucht bieten ihm Bücher, anfänglich über die Züchtung von Embryos. Filine kann ihm seine Fragen nicht beantworten. Sie versucht ihn zu normen, was ihr aufgrund ihrer beschränkten Kenntnisse kaum gelingt. Der Greis Mitsiwa lehrt Michel Handwerk und Sagen der Wilden. Michel wächst mit zwei Kulturen auf und gehört dabei keiner wirklich an. Als Filines Liebhaber Popé ihm eine Ausgabe mit Shakespeares Werken bringt, erschließt sich für Michel eine neue Welt. Diese schult seinen Hass auf Popé, dem gegenüber er gewalttätig wird. Michel fühlt sich einsam, besonders als ein Mädchen, in das er verliebt ist, heiratet. In dieser Einsamkeit sucht er nach Wegen, sich zu beweisen, zum Beispiel durch Selbstverletzung, aber auch in der Suche nach Gott.
Der Weg in die Zivilisation macht Michel hoffnungsvoll auf die Neue Welt, die nach Filines Beschreibung dem Paradies gleichen muss. Seine Erfahrungen weichen allerdings stark von seinen Vorstellungen ab und bringen eine Desillusionierung in Gang. Der Anblick der Dutzendlinge ist für ihn verstörend, ebenso die Gepflogenheiten und moralischen Werte der Gesellschaft. Michel löst sich aus Sigmunds Kontrolle und geht damit einen ersten aktiven Schritt gegen das System. Er findet in Helmholtz einen Freund. Sie teilen ihre Liebe für Poesie, können die Kluft zwischen den Welten aber nicht vollständig überwinden.
Als Michel Lenina das erste Mal (noch im Reservat) erblickt, verliebt er sich in sie. Auch sie fühlt sich zu Michel hingezogen. Während Lenina aber ihr Verlangen stillen möchte, will Michel sich ihr erst beweisen. Er ist mit Leninas Freizügigkeit überfordert, die stark von seinen Werten und dem Idealbild, das er von ihr hatte, abweicht. Er bezeichnet sie als Prostituierte und wird handgreiflich.Filines Tod bringt für Michel das Fass zum Überlaufen. Er will etwas verändern und den Menschen Freiheit und Selbstbestimmung ermöglichen. Sein Aufbegehren wird von der Polizei beendet. Im Gespräch mit Mustafa Mannesmann erhält Michel die Möglichkeit, seine Weltanschauung und Forderungen nach individueller Freiheit, inklusive Glauben, Krankheit, Sünde und Co. in Worte zu fassen. Im System nach Ford haben diese jedoch keine Chance. Anders als Helmholtz und Sigmund darf Michel nicht auf eine Insel. Die einzige Lösung ist für ihn ein Leben in Buße und Abgeschiedenheit, was im Selbstmord endet. Michel bleibt seinen Überzeugungen treu. Eine Entwicklung bleibt aus.
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Helmholtz Holmes-Watson
Helmholtz Holmes-Watson ist ein Alpha Plus und als solcher überdurchschnittlich begabt. Er ist ein erfolgreicher Schriftsteller und Dozent, zu sportlichen Höchstleistungen fähig und die Frauen liegen ihm zu Füßen. Dennoch strebt Helmholtz nach mehr, etwas, das er in dem von der Gesellschaft vorgesehenen Alltag nicht finden kann. Er entzieht sich bewusst Veranstaltungen, um sich in der eintretenden Leere füllen zu lassen. In Sigmund findet er einen Freund. Beide stellen die Gesellschaft infrage und überschreiten die Grenzen ihrer Kaste. Sigmunds Gefühlsschwankungen zwischen Prahlerei und Unsicherheit lehnt Helmholtz jedoch ab. Allerdings erweist er sich ihm gegenüber als treuer Freund, indem er ihm verzeiht. Seine Charakterstärke wird durch den Verzicht auf Soma unterstrichen. Auch Michel wird zu einem guten Freund für Helmholtz. Shakespeares Verse kann er zwar nur zu einem Teil ernst nehmen, dennoch beflügeln sie seinen Drang, die Menschen mit Worten wachzurütteln. Er provoziert mit eigenen Dichtungen über Einsamkeit und unterstützt Michel aktiv bei seinem Komplott bei der Soma-Verteilung. Helmholtz wird als Rebell auf eine Insel versetzt. Er wählt stürmisches Wetter, sodass er sich intensiv seinen Schriften widmen kann.
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Mustafa Mannesmann (Mustapha Mond)
Mustafa Mannesmann hat das Amt des Weltaufsichtsrats für Westeuropa inne und damit eine hochangesehene Führungsposition. Als Alpha-plus ist er gut aussehend, charismatisch und selbstbewusst. Er hat die Macht, Gesetze zu beschließen und sie damit selbst ungestraft zu brechen. So besitzt er beispielsweise einen Schrank voller verbotener Bücher. Mustafa Mannesmann steht hinter den Werten des Systems. Anders als die Bevölkerung kennt er die geschichtlichen Hintergründe. Frühere Systeme lehnt er ab. Er bekennt seine Liebe zur Wissenschaft und zur Wahrheit, wegen der er als junger Mann beinahe auf eine Insel verbannt worden wäre. Mannesmann stellte sein eigenes Glück hinter das der Menschen. Somit wählt er als einzige Figur im Buch seinen Weg bewusst und entscheidet sich für das Angebot, im Aufsichtsrat Karriere zu machen. Manchmal bedauert er diese Entscheidung, behauptet aber, sie nicht zu bereuen. Ihm ist bewusst, dass für die Stabilität der Gesellschaft Opfer gebracht werden, zu denen er beispielsweise Schönheit in Form von Kunst und Religion zählt. Er glaubt, Wissenschaft müsse eingeschränkt werden, um ihre eigenen Errungenschaften nicht zu zerstören. Sein eigener individualistischer Hintergrund lässt ihn milde und verständnisvoll mit den Aufrühren Helmholtz und Michel umgehen. Mannesmann lässt Helmholtz sein Exil selbst wählen und hört Michels Ansichten aufmerksam zu, ohne ihn zu bekehren. Allerdings gewährt er Michels Wunsch, ebenfalls auf eine Insel zu ziehen, nicht. Er ist zu sehr an der weiteren Beobachtung des Experiments interessiert, das allerdings ein tragisches Ende nimmt.
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Lenina Braun (Lenina Crown)
Lenina arbeitet als Beta in der Brut- und Normzentrale und gilt als ausgesprochen hübsch. Anfänglich scheint es, als ob Lenina Zweifel am System hat. Statt häufig wechselnde Liebhaber zu haben, geht sie mehrere Monate nur mit Henry Päppler aus. Sie hat keine Lust auf eine große Auswahl. Nach intensivem Zureden ihrer Freundin Stinni gibt sie dieser aber Recht. Allerdings ist sie an Männern interessiert, die das System infrage stellen, darunter Sigmund Marx und Michel. In der Zweisamkeit mit diesen Männern tritt ihre Systemtreue jedoch deutlich hervor. Sigmunds provozierende Aussagen schockieren sie. Die Lebensumstände im Reservat sind für die junge Beta nahezu traumatisierend, sodass sie sich mit Soma erholen muss. Michel verursacht in ihr Gefühle. Seine Zurückhaltung kann sie nur mit ihrer eigenen körperlichen Unzulänglichkeit erklären. Sein Konzept von Liebe und Ehre versteht sie nicht. Ihre Argumentation beruht auf den verinnerlichten Schlafschul-Weisheiten. Als sie Michel verführen will, wird Michel ihr gegenüber beleidigend und handgreiflich. Auch am Ende bleibt eine Versöhnung aus. Lenina wird ein weiteres Mal Opfer von Michels Aggression.
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Direktor
Der Direktor, auch der Bund genannt, ist für die Brut- und Normzentrale verantwortlich. Begeistert führt er junge Studenten durch die Anlage und ist stolz auf ihre Erfolge. Sein unverhohlener Umgang mit Frauen wie Lenina, der er vor allen Anwesenden einen Klaps gibt, ist in der Neuen Welt völlig normal. Vom Weltaufsichtsrat ist er eingeschüchtert. Gleichzeitig will er gegenüber seinen Mitarbeitenden seine Strenge und Machtposition beweisen. Somit entscheidet er sich, anhand von Sigmund Marx ein öffentliches Exempel zu statuieren und systemwidriges Verhalten zu bestrafen.
Dabei ist der Direktor in Sigmunds Beisein selbst von diesem Kodex abgewichen. Die Erinnerungen an seinen Besuch im Reservat Neu-Mexiko lassen ihn bis heute nicht los. Noch immer muss er an die verschollene Beta denken, als ob er ernsthafte Gefühle für sie gehabt hätte. Als dem Direktor sein Ausrutscher bewusst wird, ist es bereits zu spät. Er versucht, ihn mit Strenge zu übertünchen. Mit dem Besuch von Filine und Michel in den für ihn so bedeutenden Hallen der Zentrale entgleitet dem Direktor alles, was er sich aufgebaut hat. Der einzige Ausweg ist, sein Amt niederzulegen. Der Direktor entzieht sich somit der Situation und der Möglichkeit, Stellung zu beziehen. Auffallend hierbei ist, dass ihm als Mann und Vater nicht die Verachtung entgegengebracht wird, wie es Filine zuteil wird. -
Henry Päppler (Henry Foster)
Henry Päppler arbeitet in der Brut- und Normzentrale. Begeistert und besserwisserisch führt er die jungen Studenten auf Geheiß des Direktors durch die Anlage. Henry legt viel Wert auf Pünktlichkeit, Exaktheit und Fakten. Der Fortschritt und die Erhebung des Menschen über die Grenzen der Natur spornen ihn an. Henry fügt sich vollständig in die Strukturen des Systems ein und genießt seine Privilegien in vollen Zügen. Er besitzt einen eigenen Helikopter, nimmt an den gewohnten Freizeitaktivitäten teil und vergnügt sich wie erwartet mit Frauen, insbesondere Lenina Braun. Dass ihre Verbindung allerdings aus rein sexuellem Interesse besteht, zeigt sich in seinem emotionslosen Umgang mit ihr. Als Lenina von Michel angegriffen wird, rettet er sich selbst, anstatt ihr beizustehen.
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Stinni Braun (Fanny Crown)
Stinni arbeitet wie Lenina in der Brut- und Normzentrale. Die beiden sind Freundinnen und tragen den gleichen Nachnamen, was nicht ungewöhnlich ist. Stinni hat sich aufgrund ihres Unwohlseins zu einem Schwangerschaftsersatz beraten lassen. Sie vertraut dem Arzt und damit den Behörden und Autoritäten. Stinni gilt als vernünftig, gutmütig und systemtreu. Leninas einseitiges Liebesleben schockiert sie. Sie versucht daher, ihre Freundin zur Vernunft zu bringen. Ähnlich bestürzt ist sie über Leninas Interesse an Sigmund Marx. Stinni glaubt den Gerüchten über ihn, lässt sich aber während seiner kurzen Berühmtheit ebenfalls auf ihn ein und wird angenehm überrascht. Sie ist eine Nebenfigur, die das Leben der durchschnittlichen Bevölkerung der Neuen Welt repräsentiert.
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Filine (Linda)
Filine wuchs als Beta in der Neuen Welt auf und wurde entsprechend genormt. Ihr Wissen beschränkt sich auf ihre Arbeit als Befruchterin. Sie ist nicht empfängnisfrei und daher über die Verhütungsmaßnahmen im Bilde. Wie sie trotzdem schwanger werden konnte, ist ihr ein Rätsel. Filines Leben ändert sich schlagartig, als sie sich bei einem Spaziergang im Reservat Neu-Mexiko verletzt und ins Dorf der Indianer gebracht wird. Ihr Begleiter Thomakin, der Direktor und Vater ihres Kindes, sucht vergeblich nach ihr und kehrt allein in die Zivilisation zurück. Filine ist von den Umständen im Reservat erschüttert. Allerdings ist die Schande, Mutter zu sein, zu groß, um in die Neue Welt zurückzukehren. Filine lebt ihr Liebesleben wie gewohnt aus und wird somit heftig von den Frauen verurteilt. Ihre mangelnden Kenntnisse erschweren ihr die Gemeinschaft ebenfalls. Filine gibt sich dem Alkohol hin, der Soma ersetzen soll. Sie wird depressiv und sogar handgreiflich gegenüber ihrem Sohn Michel, dem sie die Schuld an ihrem Unglück gibt. Gleichzeitig ist er der einzige, der sie glücklich macht. Filines Verhältnis zu Männern führt zudem aktiv zu Michels Ausgrenzung.
Das Erscheinen von Sigmund und Lenina ermöglicht Filine die ersehnte Rückkehr. Aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters und veränderten Äußeren wird sie in der Neuen Welt ebenfalls ausgegrenzt. Hier hat sie allerdings Soma zur Verfügung und verfällt einer lebensbedrohlichen Abhängigkeit, mit der sie die Strapazen der vergangenen Jahre vergessen will. Filine stirbt an den Folgen. Michel ist bei ihr, doch sie kann ihn im Delirium kaum ein letztes Mal erkennen.
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Popé
Popé gehört zum Indianerstamm im Reservat. Er ist Filines Liebhaber, der sie mit hochprozentigem Alkohol versorgt. Er ist eifersüchtig auf die anderen Männer, mit denen Filine sich trifft. Michel hasst ihn. Allerdings bringt Popé ihm einen Band mit Shakespeares Werken, woraus sich schließen lässt, dass er die Wünsche des Jungen durchaus erkennt und ihnen entgegenkommt. Auch als Michel ihn umbringen will, bleibt Popé ruhig und entmachtet seinen Anfall mit bloßem Augenkontakt.
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Prädestinationsassistent
Der Prädestinationsassistent hat nur einen kurzen Auftritt im Roman. Er ist ein Freund von Henry Päppler und tauscht sich über alltägliche Belanglosigkeiten mit ihm aus, zum Beispiel welchen Film er gesehen hat oder mit welchem Mädchen er gerade ausgeht. Genau wie sein Freund lehnt er Sigmund Marx ab und hat Spaß daran, ihn aufzuziehen. Seine Kommentare unterstützen Sigmunds Ansicht, dass sie die Frauen, womöglich auch sich selbst, wie ein Stück Fleisch betrachten würden.
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Benito Hoover
Benito ist einer von vielen Männern, mit denen Lenina bereits geschlafen hat. Von Sigmund wird er mit einem roten Mopsgesicht beschrieben. Lenina empfand ihn zu beharrt. Auch die gemeinsame Reise zum Nordpol konnte nur wenig Begeisterung bei ihr entfachen. Benito dient als Randfigur, die das System unterstützt. Er meint es gut mit seinen Mitmenschen und bietet Sigmund bei seinem niedergeschlagenen Anblick Soma an. Anders als zum Beispiel Henry kommt er auf ihn zu. Sigmunds pessimistische Art lässt ihn jedoch zweifeln und den Gerüchten doch Glauben schenken.
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Morgana Rothschild, Monisma Haeckel & weitere Teilnehmende der Eintrachtsandacht
Die beiden Frauen sind, neben ein paar weiteren, Teilnehmende an der Eintrachtsandacht, der auch Sigmund beizuwohnen hat. Dabei wird insbesondere Sigmunds Außenseitertum herausgestellt. Morgana versucht, ihn in ein Gespräch zu verwickeln, dem Sigmund aufgrund seiner mangelnden Freizeitbeschäftigungen nicht folgen kann. Ihre auffälligen Augenbrauen schrecken ihn ab. Während der Veranstaltungen können die anderen sich der Ekstase hingeben. Monisma teilt im Anschluss ihre Begeisterung mit, ihr Gefühl, jetzt Teil von etwas Größerem zu sein. Sie verfallen der Manipulation des Systems, geben sich ihm hin und hinterfragen es nicht.
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Kustos
Der Kustos, ein Alpha-minus, weist Lenina und Sigmund in die Regeln hinsichtlich ihres Besuchs im Reservat ein. Allerdings trifft er auf wenig Verständnis beziehungsweise Gehör für das, was in seinen Augen von großer Wichtigkeit ist. Er versucht bei den beiden durch die Absonderlichkeiten im und um das Reservat Eindruck zu schinden. Lenina und Sigmund sind aber mit den Gedanken ganz woanders.
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Reservationsaufseher/Pilot
Der Reservationsaufseher bringt Sigmund und Lenina zum Reservat. Dafür müssen sie den tödlichen Elektrozaun überfliegen. Der Pilot gibt dabei Kommentare zu den Menschen und Tieren im Reservat ab, die vor allem von sadistischem Humor geprägt sind. Die Tatsachen, dass Tiere an den Elektrozäunen verenden oder die Bevölkerung mit Gasbomben beschossen und bedroht wurde, belustigen ihn. Er gehört der Gamma-Kaste an.
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Doktor Wells und Doktor Shaw
Doktor Wells taucht nur in Stinnis Erzählung auf. Er rät ihr zu einem dreimonatigen Schwangerschaftsersatz, der bei ihrer Statur und in ihrem Alter durchaus angebracht sei. Doktor Shaw spricht mit Sigmund und Michel über Filines Zustand. Er äußert seine Bedenken und erläutert die Gefahren, die ihr übertriebener Soma-Konsum beinhaltet. Allerdings gestattet er diesen, da eine Verjüngung nicht möglich sei. Er hält Filines baldigen Tod in Anbetracht ihrer Lage für das Beste.
Beide Ärzte unterstützen das System vollkommen. Weiterhin zeigen ihre Behandlungsmethoden die Entfernung von Ethik und menschlicher Natur. -
Oberstudienrat Nietzschgel, Oberlehrerin Fräulein Fordsched
Oberstudienrat Nietzschgel und Oberlehrerin Fräulein Fordsched führen Michel und Sigmund durch die Oberschule. Nietzschgel bedauert den Umstand, dass die Schüler jeweils einem eigenen Ei entstammen, was die Erziehung erschweren würde, für ihre berufliche Perspektive aber von Nöten sei. Fräulein Fordsched lässt sich auf Sigmunds Annäherungsversuche während der Besichtigung ein. Beide bedienen das System des Weltstaates und setzen es in ihrem Unterricht um.
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Erzchormeister von Köln
Der Erzchormeister nimmt im Roman die Position einer Berühmtheit ein. Die Parallelen zum Worturspung »Erzbischof« sind auffällig. Er genießt sein Ansehen. Während Sigmunds Höhenfluges folgt er seiner Einladung, wird allerdings enttäuscht und nimmt dies angesichts seines Standes sehr persönlich, was ihn arrogant erscheinen lässt. Er begegnet dem Gastgeber mit einem Ratschlag, was seine erhabene Art untermauert. Die Anrede mit »Eminenz« (177) sowie die Geste, in der er über Sigmund ein T schlägt, machen den Ersatz zu einem Geistlichen deutlich. Wenn er spricht, wird es still im Raum. Wenn er die Feierlichkeit verlässt, folgen ihm alle. Der Erzchormeister lädt Lenina ein, mit ihm die Nacht zu verbringen, worin sich aber eher eine Aufforderung als eine Frage verbirgt. Eine Ehre – wie man annehmen sollte – , die Lenina allerdings in Gedanken bei Michel nur mit Soma ertragen kann.
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Pfelgerin in der Moribundenklinik
Die Pflegerin in der Moribundenklinik ist eines von vielen Beispielen, wie stark sich die Menschen in der Neuen Welt von Gefühlen und sozialen Bindungen entfernt haben. Michels Entsetzen darüber, dass seine Mutter im Sterben liegt, kann sie nicht verstehen. Anstatt die letzten Stunden der Patient*innen zu betreuen, ist sie vor allem um die korrekte Normung der Kinder besorgt. Sie ist von Michels Auftreten eingeschüchtert, setzt sich ihm aber trotzdem entgegen. Die Pflegerin spricht in ihrer Verständnislosigkeit für Michels Verhalten eine der prägenden Auffassungen des Systems aus: dass ein Menschenleben nichts Bedeutendes sei.
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Vorsänger, Hilfsäckelwart, Polizisten, Sergeant, Befruchter, Pflegekräfte und weitere
Figuren dieser Berufsgruppen tauchen zahlreich im Roman auf. Sie dienen als Randfiguren lediglich dazu, die Systemtreue zu untermauern. Sie handeln, wie sie es gelernt haben, und zweifeln ihren Weg nicht an. Gegen Zuwiderhandlungen gehen sie vor und zeigen ihre Verständnislosigkeit.
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Reporter Habibullah Knickerbokker und Darwin Schillings
Die beiden Reporter wagen sich zu Michels Leuchtturm vor. Habibullah Knickerbokker liefert den ersten bahnbrechenden Artikel über den Wilden, den er mit einem schmerzenden Steißtritt bezahlt. Zahlreiche Reporter folgen ihm, bis der Hype verfliegt.
Darwin Schillings trägt nicht nur den Namen des britischen Naturforschers und Entwicklers der Evolutionstheorie Charles Darwin, er ist auch selbst erfolgreicher Großwildfotograf. Er beobachtet Michel bei seiner Geißelung, die er ohne jegliches Mitgefühl als »Glänzend« (247) und »Phänomenal« (248) beschreibt. Aus seinen Aufnahmen entsteht ein Film, der Menschenmassen zum Leuchtturm treibt, um den Wilden in Aktion zu stehen. Es entsteht eine Bußorgie, die für Schlagzeilen und Michels Selbstmord sorgt. -
Studenten
Die Gruppe junger Studenten taucht nur am Romananfang auf. Gierig und unterwürfig verfolgen sie die Worte von Henry Päppler und dem Direktor. Sie alle gehören der Alpha-Kaste an. Dieser Umstand mag den ein oder anderen von ihnen befähigen, eine Nachfrage zu den Inhalten zu stellen. Diese werden entweder gönnerisch oder impulsiv beantwortet, je nachdem wie weit die Grundlagen angezweifelt wurden. Es wird deutlich, dass die Studenten nicht zum eigenständigen Denken, sondern zur Stütze des bestehenden Systems ausgebildet werden.
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Bevölkerung Neue Welt
Zahlreiche Figuren unterschiedlicher Kasten tauchen im Roman auf. Anhand ihrer Beschreibung werden sowohl die Unterteilung in die jeweiligen Kasten als auch die Richtlinien innerhalb des Systems verdeutlicht. Die Bevölkerung folgt blind den ihnen vorgeschriebenen Wegen und hat, teilweise abhängig von ihrer Kaste, kaum eine Chance, diese zu durchbrechen oder gar anzuzweifeln.
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Bevölkerung im Reservat, Greis Mitsima, Kiakimé und Kothlu
Die Bewohner*innen des Reservats in Neu-Mexiko unterscheiden sich stark von denen der Neuen Welt. Statt Promiskuität wird Monogamie gefordert. Brauchtümer, Religion, Bußrituale, Familie und Naturverbundenheit, nicht zuletzt die Gegenwart von Alter und Krankheit bilden einen starken Kontrast zur Zivilisation. Filine und Michel werden aufgrund ihrer Äußerlichkeiten sowie Filines Herkunft und Liebesleben ausgegrenzt. Der Greis Mitsima nimmt sich jedoch Michels an und unterrichtet ihn. Michel war heimlich in Kiakimé verliebt. Als diese Kothlu heiratet, bricht für Michel eine Welt zusammen. Er lernt aber auch, dass er sich die Nähe zu einer Frau erst verdienen muss, was zum Konflikt mit Lenina führt.