Stifter zählte die Erzählung zu seinen gelungensten, wiewohl er sie immer noch in einer Revision für verbesserungswürdig hielt (vgl. HKA 2,4, S. 68). Die Zustimmung und der Beifall, die sie fand, sind vielfältig dokumentiert (ebd.). Positive Rezensionen gibt es etwa in den »Österreichischen Blättern für Literatur und Kunst« vom 10. Januar 1853: »In der zweiten der genannten Erzählungen verbringen die beiden Kinder einen Tag und eine Nacht des Winters mitten in den Gletschern, die mit der entschiedensten Kraft des Meisters und einer bis in das Kleinste gehenden Virtuosität geschildert sind.« (zit. nach HKA 2,4, S. 69) Die beiden englischen Rezensionen der »Bunten Steine« widmen sich insbesondere der Erzählung »Bergkristall«.
Der österreichische Schriftsteller und Literaturkritiker Emil Kuh (1828–1876) widmet in seiner 1868 in Wien erschienenen Monographie über Stifter einige Passagen dem »Bergkristall«, die, neben dem Lob, bereits interpretatorische Ansätze aufweisen:
- Die Schilderung des Schneefalls, der die Hügel und Bergspitzen einhüllt, indeß die Kinder, die wie das einzig Lebendige im Himmel und auf der Erde erscheinen, schweigend gehen und gehen und nur hin und wieder ein paar ängstlich zuversichtliche Worte wechseln, diese Schilderung gehört zum Vollendetsten, was die erzählende Dichtung aufzuweisen hat. Künstlerische und realistische Illusion fallen einmal zusammen und Niemand kann beider Elemente scheiden. Die Kinder erregen unsere Theilnahme durch den Schneefall, der sie ereilt und der Schneefall fesselt uns der Kinder wegen. Nicht das geringste persönliche Mitleid des Dichters, das dieser für die Kinder verriethe, lockert die epische Form oder haucht sie auch nur an. Und weil der Dichter kein Mitleid äußert, so äußert es sich in uns. Die Kinder stehen dem Schicksal, das in einem Schneefall hereinbricht, so einfältig gegenüber, wie der Schneefall ihnen, und die rührende Logik des Knaben, die das Unverständliche des Weges sich zurechtlegt, verliert sich vor unserer Anschauung in die Unzulänglichkeit des menschlichen Witzes überhaupt. […] Und diese überraschend reiche Darstellung der Monotonie! Die Stille darzustellen, mit Worten darzustellen, hat gewiß Jeder bisher für eine nicht zu lösende Aufgabe der Poesie gehalten. Stifter hat diese Aufgabe gelöst. (zit. nach HKA 2,4, S. 71)
Noch einmal steigerte die Publikation der illustrierten Ausgabe von 1864 die Popularität der Erzählung, die zu Lebzeiten Stifters dreimal übersetzt wurde – ins Niederländische (1857), ins Englische (1857) und ins Ungarische (1862).
In der literaturwissenschaftlichen Rezeption ist die Erzählung lange auf ihre christliche Symbolik und Metaphorik hin untersucht und als Weihnachtsgeschichte, also als eine den christlichen Gehalt des Weihnachtsfestes im Wesentlichen affirmierende Geschichte gelesen worden. Die Rührung über die Rettung des Kindes verbindet sich mit der dem häuslichen Weihnachtsfest anhaftenden Rührung, die zu Beginn der Erzählung beschworen wird, und einer tiefergehenden theologischen Bedeutung: Die Kinder fallen gerade in der lebensfeindlichen Natur, die sie dem Tode weiht, aus der Gnade Gottes nicht heraus. Das Weihnachtswunder realisiert sich an ihnen in Form des Nordlichts, das ihre Aufmerksamkeit fesselt und ihre Seele beschäftigt, die – jedenfalls geht es Sanna so – das durch die Lüfte fahrende Christkindlein zu sehen glaubt.
Erst im Laufe der 90er-Jahre des 20. Jahrhunderts ergeben sich neue Lektüren der Erzählung, die, strukturalistisch, post-strukturalistisch und semiotisch informiert, im Gegenteil das Erlebnis der Kinder als ein Erlebnis der reinen Immanenz und der Abwesenheit Gottes deuten.