Das Schloss

Inhaltsangabe

Franz Kafkas Roman »Das Schloss« entstand 1922 und erschien posthum 1926. Schauplatz ist ein Dorf, das zu Füßen eines Schlosses ohne nähere geografische Bestimmung liegt und von dort aus beherrscht wird. Im Mittelpunkt der nur sechs Tage umfassenden Handlung steht ein Fremder namens K. Er folgt einer angeblichen Einladung aus dem Schloss und ist von weither angereist, um als Landvermesser zu arbeiten, doch alle Versuche, mit der Schlossbehörde in Kontakt zu kommen, scheitern. Allmählich beginnt K., sich wie die anderen Dorfbewohner der undurchsichtigen Macht des Schlosses zu beugen.


K. erreicht am späten Abend das Dorf, wo er im »Gasthaus zur Brücke« ein bescheidenes Nachtquartier findet. Er ist von der Schlossbehörde als Landvermesser eingestellt worden. Vergeblich sucht er am nächsten Morgen einen Weg, der zum Schloss führt. Die Dorfbewohner wollen nichts mit ihm zu tun haben und weichen seinen Fragen aus.

Am Ende des Tages stellen sich zwei Männer als seine Gehilfen vor: Artur und Jeremias, die ihm von nun an auf Schritt und Tritt folgen und sogar über seinen Schlaf wachen. Kenntnisse in Landvermessung haben sie nicht. Ein Bote namens Barnabas bringt K. einen Brief, der von Kanzleivorstand Klamm stammen soll, und der K. in seinem Amt bestätigt.

Im Gasthaus »Herrenhof«, in dem ausschließlich Schlossbeamte verkehren, begegnet K. der Geliebten Klamms, dem Schankmädchen Frieda. Zwischen K. und Frieda entwickelt sich eine Liebesbeziehung und Frieda trennt sich von Klamm. Damit werden K.s Hoffnungen zunichte, Frieda könne ihm den Weg zu den Schlossbehörden ebnen.

Von seiner Gastwirtin erfährt K., dass Klamm grundsätzlich für niemanden aus dem Dorf zu sprechen sei. Auch die Brückenwirtin ist vor vielen Jahren Klamms Geliebte gewesen und leitet daraus für sich – ebenso wie für Frieda – eine erhabene Stellung ab. Der Dorfvorsteher, K.s direkter Vorgesetzter, behauptet, dass ein Landvermesser nicht gebraucht werde und die Ausschreibung ein Missverständnis gewesen sei.

K. besteht auf einer Anstellung im Dorf und darf schließlich als Schuldiener arbeiten. Er wird mit Frieda und den Gehilfen behelfsmäßig in einem der beiden Klassenzimmer der Dorfschule untergebracht. Neben seinen Aufgaben als Schuldiener sucht K. weiterhin beharrlich den Kontakt mit Klamm und wartet im Herrenhof viele Stunden vergeblich auf ihn. Ein Verhör durch Klamms Dorfsekretär Momus lehnt er ab und ignoriert dessen Warnungen ebenso wie die der Brückenwirtin. Über den Boten Barnabas will K. eine Unterredung mit Klamm erzwingen. Die lästigen und undurchsichtigen Gehilfen werden von K. entlassen.

Von Barnabas’ Schwester Olga erfährt K. zu seinem Entsetzen, dass Barnabas im Schloss selbst nur ein Bittsteller sei und über keinerlei Rechte verfüge. Olga vertraut K. das dunkle Familiengeheimnis an: Seit Olgas und Barnabas’ Schwester Amalia vor drei Jahren einen Schlossbeamten, von dem sie sich gedemütigt fühlte, abgewiesen hat, versucht die ganze Familie, im Schloss den Fehler wieder gutzumachen. Da der Fall dort aber nicht aktenkundig sei, könne man nichts für die ehemals angesehene Familie tun, die vom Dorf inzwischen mit Verachtung gestraft wird.

Als K. von Olga kommt, teilt sein früherer Gehilfe Jeremias ihm mit, dass Frieda K. verlassen habe und jetzt mit ihm im Herrenhof wohne und arbeite. Barnabas erscheint mit der Botschaft, dass Klamms Sekretär Erlanger ihn im Herrenhof erwarte. K. eilt in das Gasthaus und während er nächtens darauf wartet, dass der schlafende Erlanger aufwacht, kommt es zu einer Aussprache zwischen ihm und Frieda. Frieda entscheidet sich für Jeremias, der ihr aus Kindertagen vertraut ist.

Auf der Suche nach Erlanger betritt K. versehentlich das Schlafzimmer des Sekretärs Bürgel. Dieser erklärt ihm, warum es für einen Hilfesuchenden günstig sei, einem scheinbar nicht zuständigen Sekretär und insbesondere in der Nacht sein Anliegen anzuvertrauen. K. schläft während Bürgels Ausführungen ein und wacht erst auf, als Erlanger am frühen Morgen nach ihm ruft.

Nach einer kurzen Unterredung, in der es um Frieda und Klamm geht, verlässt Erlanger den Herrenhof. K. bleibt zurück und schläft bis zum Abend im Schankraum. Beim Aufwachen trifft er das Zimmermädchen Pepi an, das Frieda vorübergehend im Ausschank vertreten hat. Pepi versucht, Frieda zu verleumden, doch K. widerspricht. Vor der Tür wartet der Fuhrmann Gerstäcker auf K., um ihn als Pferdeknecht einzustellen.

Hier endet der Roman, der ebenso wie »Der Verschollene (Amerika)« und »Der Prozess« als Fragment in Kafkas Nachlass erhalten blieb.


Kafka schildert eine trostlose und skurrile Welt, die von einer undurchschaubaren Macht gesteuert wird. Der Autor problematisiert und wirft in seinem Werk Fragen auf, die der Leser anhand eigener Erfahrungen und Lebenswirklichkeiten beantworten kann. Eine eindeutige Interpretation ist unmöglich. Allein für die Institution des »Schlosses« finden sich in der Sekundärliteratur unterschiedlichste Interpretationsansätze, je nachdem ob man sich dem Roman unter einem soziologischen oder politischen Blickwinkel, einem philosophischen oder einem theologischen nähert.

Textgrundlage für die Inhaltsangabe ist:
Franz Kafka, »Das Schloss«, Kritische Ausgabe,
herausgegeben von Malcolm Pasley,
Frankfurt am Main: S. Fischer Verlag 1981