Die 1912 erstmals veröffentlichte Novelle »Der Tod in Venedig« erzählt in fünf Kapiteln von den letzten Wochen im Leben des berühmten, allseits anerkannten und mit Preisen ausgezeichneten Schriftstellers Gustav von Aschenbach. Die erzählte Zeit setzt an einem Maitag eines unbekannten Jahres Anfang des 20. Jahrhunderts in München ein und endet im Sommer desselben Jahres in Venedig.
Erzählt wird von einer Reise, zu der sich Gustav von Aschenbach, ganz entgegen seiner Gepflogenheit, sich fast ausschließlich seinem schriftstellerischen Werk zu widmen, plötzlich und unerwartet während eines Nachmittagsspaziergangs entschließt und die ihn über Zwischenstationen bis nach Venedig führt. Dort verfällt er der Faszination für einen polnischen Jungen, der mit seiner Familie im selben Grand Hotel am Lido wohnt. Diese Leidenschaft bedeutet ein so einschneidendes Erlebnis für den alternden Autor, dass sie umfassende Veränderungen in seinem Leben und seinem Denken auslöst und er sich ihr, trotz drohender Gefahr im von der Cholera verseuchten Venedig, nicht mehr entziehen kann und dort schließlich stirbt.
Die Erzählung setzt mit dem Bericht eines allwissenden Erzählers ein, der vom Nachmittagsspaziergang des seit seinem 50. Geburtstag geadelten, an klassizistischem Maß und geregelter Form orientierten, renommierten Schriftstellers Gustav von Aschenbach erzählt. Er befindet sich in einer Schaffenskrise, fühlt sich unruhig und erschöpft und hofft, durch den Spaziergang zu neuen Kräften und Entspannung zu kommen. Dieser führt ihn in den Englischen Garten und bis zum Münchner Nördlichen Friedhof, von wo aus er mit der Straßenbahn zurückfahren möchte. Vor dem Eingangsportal des Friedhofs wird Aschenbach auf einen fremdartig gekleideten Mann aufmerksam, dessen Erscheinung ihm seltsam vorkommt, und der, obwohl zwischen den beiden kein Wort gesprochen wird, einen großen Eindruck auf Aschenbach macht. Er löst in dem Autor Fernweh aus, das sich in einem Tagtraum von einer exotischen Urwaldlandschaft äußert. Zwar ist der fremde Wanderer von einem zum anderen Moment wieder verschwunden, doch bestärkt dieses Erlebnis den Dichter darin, sein gewohntes Umfeld und seinen rein auf sein Werk konzentrierten Alltag für einige Zeit zu verlassen und eine Erholungsreise von einigen Wochen in den Süden anzutreten.
Erst nach dieser Eingangsszene erfährt der Leser Genaueres über das Werk und das Leben des beliebten Autors. In einem gerafften Überblick stellt der Erzähler vor allem das Werk Aschenbachs und seinen Werdegang zum staatlich geadelten Schriftsteller vor, aber auch seine Herkunft und sein privates Leben werden beleuchtet. Aschenbach stammt aus Schlesien, aus einer Familie von Offizieren und Beamten, seine aus Böhmen stammende musikalische Mutter bildet dazu einen Gegensatz.
Seit dem frühen Tod seiner Frau lebt Aschenbach alleine in München, die einzige Tochter ist bereits erwachsen. Er ist Verfasser eines großen Romans, einer bekannten Erzählung sowie einer Abhandlung und sein Wille zu öffentlichem Ruhm und Ehre zeigte sich bereits in seiner Schulzeit. Trotzdem er körperlich eher von schwächlicher Konstitution ist, hat er sein Leben ganz auf Leistung ausgerichtet und es mit großem Durchhaltevermögen und Disziplin dem Werk gewidmet. Nach dem Durchlaufen verschiedener literarischer Strömungen ist er schließlich beim Klassizismus angekommen und befindet sich auf dem Zenit seines Ruhms. Er wird von einem breiten Publikum bewundert und seine Texte sind inzwischen Schulbuch-Lektüre. Die harte geistige Arbeit und die hochgesteckten Ziele fordern jedoch ihren Preis und so fürchtet Aschenbach, zunehmend erschöpft und müde, sein Werk nicht mehr vollenden zu können. Die Erschöpfung durch ein überanstrengtes geistiges Leben hat sich auch in der äußeren Erscheinung Aschenbachs niedergeschlagen, der bereits früh gealtert scheint, dessen Augen müde sind und der den Kopf meist leidend leicht seitwärts neigt.
Seine Urlaubsreise, zu der sich Aschenbach nach der Begegnung am Nordfriedhof entschieden hat, führt ihn über Zwischenstationen in Triest und Pola auf eine Insel in der Adria vor der istrischen Küste, wo er aber noch nicht zur Ruhe kommt und deshalb nach anderthalb Wochen weiter nach Venedig reist. Auf der Überfahrt nach Venedig auf einem alten, düsteren Schiff hat Aschenbach eine Reihe von merkwürdigen, ihn verstörenden Begegnungen, die in ihm ein Gefühl der Entfremdung und der Verwandlung der Welt ins Sonderbare entstehen lassen. Dies sind neben einem buckligen, schmutzigen Matrosen vor allem ein ziegenbärtiger, verschlagen wirkender Fahrkartenverkäufer und ein als Jüngling verkleideter Greis, der sich einer Gruppe junger Leute angeschlossen hat und mit zunehmendem Alkoholkonsum immer unangenehmer auffällt und einen lächerlichen Eindruck hinterlässt.
Angekommen in Venedig, das ihn trotz schlechten Wetters wieder begeistert, möchte Aschenbach sich mit einer Gondel zur Dampferstation in San Marco übersetzen lassen, um von dort das Vaporetto zum Lido zu nehmen. Der Gondoliere setzt allerdings die Reihe der merkwürdigen Begegnungen fort. Auch er ist von befremdlichem Äußeren, macht einen unheimlichen Eindruck auf Aschenbach und verhält sich ihm gegenüber grob und unhöflich. Er widersetzt sich Aschenbachs Wunsch und fährt ihn mit seiner sargähnlichen Gondel direkt zum Lido. Dort angekommen verschwindet er, noch bevor sein Fahrgast ihn bezahlen kann.
Nach der Ankunft in seinem Hotel am Lido fällt Aschenbach beim Abendessen eine polnische Familie auf und er bemerkt die auffallende Schönheit des vielleicht vierzehnjährigen Sohnes. Er ist sogleich fasziniert von der ebenmäßigen, vollkommenen Schönheit des blondgelockten, blassen Knaben, der in ihm Erinnerungen an griechische Statuen aufkommen lässt, und als sich ihre Blicke das erste Mal begegnen, ist Aschenbach tief ergriffen.
Da das Klima in Venedig weiterhin sehr ungünstig ist und er durch die drückende Schwüle und den fauligen Geruch negative Auswirkungen auf seine Gesundheit fürchtet, denkt Aschenbach schon am nächsten Tag wieder an Abreise. Der Anblick des göttlich schönen polnischen Jungen am Strand, von dem er nun auch erfährt, dass er Tadzio gerufen wird, lässt ihn in seinem Entschluss zur Abreise noch einmal schwankend werden. Nach einem Spaziergang im schmutzigen, überfüllten und von widerlichen Gerüchen erfüllten Venedig entschließt er sich dann aber dennoch zu fahren. Die geplante Abreise am nächsten Tag geht schief; Aschenbachs Gepäck wurde irrtümlich nach Como geschickt und so entscheidet sich der Schriftsteller am Bahnhof wieder umzukehren und im Hotel am Lido die Rückkehr seines Gepäcks zu erwarten. Er empfindet große Erleichterung und Freude bei dem Gedanken daran, doch noch in Venedig bleiben zu können, und als er am Strand erneut Tadzio erblickt, wird ihm klar, dass ihm der Abschied seinetwegen so schwer gefallen ist.
Auch nachdem Gustav von Aschenbach sein Gepäck zurückerhalten hat, denkt er nicht mehr an Abreise und verlebt, ganz entgegen seiner sonstigen, von Disziplin und einem festen Arbeitsrhythmus bestimmten Lebensweise, glückliche Urlaubswochen bei unbeschwertem Sommerwetter. Er versucht, so viel wie möglich in Tadzios Nähe zu sein, der ihm immer mehr als Verkörperung des Schönen schlechthin erscheint und ihn an die bildhauerische Perfektion antiker Statuen erinnert. Seine Verehrung des göttlich schönen Knaben erhebt seine Gedanken bei dessen Anblick und seine Wahrnehmung der ihn umgebenden Welt in den Bereich der antiken Mythologie und Ästhetik. Daraus zieht er die Inspiration zu einer kleinen Abhandlung, die er am Strand schreibt und die seinen Ruhm vermehrt.
Dabei bleibt die Beziehung zum Jungen Tadzio rein auf Blicke beschränkt, Aschenbach und der Junge wechseln kein Wort miteinander. Auch als sich einmal eine günstige Gelegenheit ergibt, den Jungen alleine anzusprechen, kann sich Aschenbach nicht dazu durchringen und erkennt schließlich, dass er eine solche Normalisierung des Verhältnisses gar nicht anstrebt. Als Tadzio eines Abends seinen Blick mit einem Lächeln beantwortet, ist Aschenbach von diesem Erlebnis so erschüttert, dass er sich seine Liebe zu Tadzio eingestehen muss.
In der vierten Woche seines Aufenthaltes mehren sich die Anzeichen, dass in Venedig eine Epidemie, die Cholera, ausgebrochen ist. Die Verantwortlichen versuchen dies zu vertuschen, um die Einnahmen aus dem Geschäft mit dem Tourismus nicht zu gefährden. Auch Aschenbach, der die Wahrheit mehr und mehr ahnt und verstärkt Erkundigungen bei Einheimischen einholt, verdrängt die Gefahr, da er sich eine Abreise und Rückkehr in seinen geregelten Arbeitsalltag gar nicht mehr vorstellen kann. Seine Verehrung für Tadzio ist inzwischen zu einer Obsession geworden, bei der er es nicht mehr bei zufälligen Begegnungen mit dem Jungen belässt, sondern diesen regelrecht verfolgt. Selbst als er schließlich das ganze Ausmaß der grassierenden Seuche erfährt, die von den Behörden noch immer vertuscht wird, und eindringlich vor der Gefahr gewarnt wird, die sie für alle sich noch in Venedig aufhaltenden Menschen bedeutet, kann er sich nicht dazu entschließen, Tadzios Familie zu warnen und ihr so zur rechtzeitigen Abreise zu verhelfen. Während einer musikalischen Aufführung im Hotel bemerkt Aschenbach auch an den Sängern einen starken Desinfektionsgeruch, er hat jedoch zunehmend Vergnügen an ihren zweideutigen, derben Volksliedern und fühlt sich mit Tadzio, der sich in seiner Nähe aufhält, verbunden.
Ein einschneidendes Erlebnis in dieser Phase seines Aufenthalts am Lido ist ein furchtbarer Traum von einem orgiastischen, in Rausch und Wahnsinn ausartenden Opferfest, bei dem Aschenbach selbst einem fremden Gott huldigt und der ihn zerrüttet und zerstört erwachen lässt. Danach verändert sich Aschenbachs Verhalten; er verliert jegliche Vorsicht und die Reaktionen seiner Umwelt auf sein Verhalten interessieren ihn nicht mehr. Er unterzieht sich beim Hotelfriseur sogar einer kosmetischen Verjüngungskur, um Tadzio zu gefallen, und verfolgt diesen nun geschminkt, mit gefärbten Haaren und jugendlich gekleidet durch die schmutzigen Gassen Venedigs.
Auf einem dieser Ausflüge verirrt sich der alternde Autor und sinkt schließlich erschöpft auf einem verlassenen Platz an einer Zisterne zu Boden, nachdem er bei einem Straßenhändler überreife Erdbeeren gekauft und durstig gegessen hat. In einer intensiven Reflexion über den Zusammenhang von Schönheit und Kunst und die Gefährdungen des Künstlertums, die er erneut in einen mythologischen antiken Rahmen versetzt, wird sich Aschenbach seines Scheiterns als Künstler und der Selbsttäuschung, der er in seiner Liebe zu Tadzio erlegen ist, bewusst.
Nach seiner Rückkehr ins Hotel fühlt sich Aschenbach nicht wohl und sein Zustand verschlechtert sich in den nächsten Tagen. Als er eines Morgens von der bevorstehenden Abreise der polnischen Familie erfährt, beobachtet er Tadzio ein letztes Mal am Strand, der inzwischen herbstlich und verlassen ist. Während der Junge weit hinaus ins Meer watet, beobachtet ihn der alternde Schriftsteller und meint, von ihm winkend zu sich gerufen zu werden. Während Aschenbach aufstehen und ihm folgen will, sinkt er ohnmächtig zusammen. Er stirbt noch am selben Tag in seinem Zimmer und sein Tod wird weltweit mit Erschütterung betrauert.