Inhaltsangabe

In Johann Nestroys im Dezember 1840 in Wien uraufgeführter Posse »Der Talisman« steigt der rothaarige Außenseiter Titus Feuerfuchs mithilfe seiner Gewitztheit und einer schwarzen Perücke in kürzester Zeit in die sogenannten besseren Kreise auf. Der Protagonist durchschaut die Gesellschaft und sorgt nach seinem erwartungsgemäß rasanten Abstieg selbst für sein Lebensglück. Das Bühnenstück »mit Gesang in drei Akten« spielt zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf dem Gut der Frau Cypressenburg nahe einer großen Stadt.

Erster Akt

Die Gänsehüterin Salome Pockerl wird wegen ihrer roten Haare verspottet und von der Bauernjugend ausgegrenzt, während sie selbst ihre Haare schön findet.

Der rothaarige Titus Feuerfuchs zieht als wandernder Barbiergeselle durch die Welt und hat weder Geld noch Freunde. Er prangert die Dummheit der Menschen an, die meinen, dass mit der Haarfarbe bestimmte Charaktereigenschaften einhergehen.

Als Salome und Titus sich zum ersten Mal begegnen, erzählt Titus Salome von seinem einzigen Verwandten, einem reichen Bierhändler, der ihn wegen seiner roten Haare ablehne und nichts für ihn tue. Salome will Titus eine Arbeit beschaffen und macht sich Hoffnungen auf eine gemeinsame Zukunft.

Unterdessen rettet Titus einem Friseur namens Marquis das Leben, indem er dessen durchgehendes Pferd aufhält. Monsieur Marquis schenkt Titus daraufhin eine schwarze Perücke: Diese solle ein Talisman für Titus sein und ihm Glück bringen.

Mithilfe der schwarzen Haarpracht und kluger Bemerkungen gelingt es Titus schnell, die Gärtnerwitwe von Schloss Cypressenburg, Flora Baumscheer, für sich zu gewinnen. Sie macht ihn zum Gärtnergehilfen und gibt ihm den Anzug ihres verstorbenen Mannes, zu dem auch eine alte graue Perücke gehört. Sie zieht Titus bereits als zweiten Ehemann in Betracht. Doch auch Constantia, verwitwete Kammerzofe der Frau von Cypressenburg und seit langem Geliebte des Friseurs Marquis, findet Gefallen an Titus.

Zweiter Akt

Constantia umwirbt Titus. Sie will ihm den Posten ihres verstorbenen Mannes zuspielen, der als Jäger im Dienst der Frau von Cypressenburg stand. Salome taucht auf und erkennt Titus unter der Perücke, verrät ihn aber nicht. Bei einem Besuch auf dem Schloss trifft Marquis seine Braut mit Titus an, der bereits die Jagduniform von Constantias erstem Mann trägt. Um sich seines Nebenbuhlers zu entledigen, stiehlt Marquis dem schlafenden Titus die Perücke vom Kopf. Als dieser seine Perücke im Dunkeln zurückholen will, greift er versehentlich nach einer blonden.

Damit stellt er sich der Frau von Cypressenburg vor. Titus weiß, dass sie Schriftstellerin ist und kann sie mit seinen kühnen Reden beeindrucken. Die gnädige Frau befördert den blonden Titus zu ihrem Sekretär und stellt ihm die Garderobe ihres verstorbenen Mannes zur Verfügung. Sie fragt sich, warum Constantia daran festhält, dass Titus schwarzhaarig sei. Um von seinem Haar abzulenken, verleumdet Titus Flora und Constantia bei der Frau von Cypressenburg. Diese ist sofort bereit, die beiden aus dem Dienst zu entlassen.

Titus, der von Frauen stets verlacht wurde, kann sein Glück kaum fassen, plötzlich so einflussreich und begehrt zu sein. Während einer festlichen Abendgesellschaft wird er jedoch von Marquis als Betrüger entlarvt. Als Titus die Perücke abnimmt, reagieren die Frauen mit Abscheu auf seine roten Haare. Titus verlässt das Schloss.


Dritter Akt

Der Bierhändler Spund ist seinem Neffen Titus nachgereist. Aus Sorge um den Ruf der Familie will er dem Außenseiter helfen, sesshaft zu werden und ein Geschäft aufzubauen. Spund wird von Salome aufs Schloss geschickt, wo diese Titus noch immer vermutet.

Frau von Cypressenburg bereitet dem Bierhändler einen angemessenen Empfang und schnell spricht sich herum, dass Titus bald vermögend sein wird. Dies weckt erneut das Interesse von Flora und Constantia. Titus wird zurück aufs Schloss geholt. Um sich vor den angewiderten Blicken der Frauen zu schützen, trägt Titus jetzt die alte graue Perücke des toten Gärtners.

Seinem überraschten Onkel erklärt er, dass dessen liebloses Verhalten ihn frühzeitig habe ergrauen lassen. Da der einzige Hinderungsgrund, Titus zu lieben, nämlich dessen roter Haarschopf, weggefallen ist, will der gerührte Spund seinen einzigen Verwandten zum Universalerben einsetzen. Sowohl Flora als auch Constantia berufen sich jetzt auf ein Heiratsversprechen von Titus. Dieser aber will seine Zukunft nicht auf einen Betrug bauen. Bevor er die Wahrheit über seine Haare sagen kann, lüftet Salome unabsichtlich das Geheimnis.

Spund will ihn trotzdem zum Erben einsetzen, was Titus ausschlägt. Er bittet seinen Onkel nur um die Einrichtung eines eigenen Geschäft. Dann umarmt Titus Salome, die seine Haarfarbe von Beginn an nicht gestört hatte: Mit ihr wolle er eine Familie gründen und so viele Kinder zeugen, dass rote Haare keine Ausnahmeerscheinung mehr seien.


»Der Talisman« entstand auf der Grundlage des 1806 in Frankreich spielenden und ebenfalls 1840 uraufgeführten Stücks »Bonaventure« von Dupeuty und de Courey. Dieses gilt als Musterbeispiel der Theatergattung Vaudeville, einer leichten Komödie mit einer Vielzahl von Gesangseinlagen, die als Vorläufer der Operette angesehen werden kann. Nestroys Gesellschaftssatire wurde von der zeitgenössischen Kritik begeistert aufgenommen. Sie ist bis heute sein meistgespieltes Stück und gehört zum Standardrepertoire vieler deutschsprachiger Theater.


Zusammenfassung von Mia Sabinger /  Inhaltsangabe.de.
Veröffentlicht am 16. September 2014, zuletzt aktualsiert am 26. März 2017.