Stilmittel sind Ausdrucksmittel, die einen bestimmten Stil kennzeichnen. Dabei kann es sich zum Beispiel um den Stil eines Werks, eines Autors oder Künstlers oder den Stil einer Epoche handeln. Stilmittel finden sich in der Literatur, der bildenden Kunst sowie in der Musik.

Was sind rhetorische Stilmittel?

Rhetorische Stilmittel sind sprachliche Ausdrucksmittel. Rhetorische Stilfiguren weichen – absichtlich oder unabsichtlich – vom alltäglichen Sprachgebrauch ab. Sie heben einzelne Teile eines Textes oder einer Rede hervor: durch Betonung, Veranschaulichung oder besondere Einprägsamkeit.

Funktion und Wirkung rhetorischer Stilmittel

Rhetorische Stilfiguren können:

  • Gefühle transportieren;
  • eine Rede lebendiger und emotionaler machen;
  • Texte unterhaltsamer und kurzweilig machen;
  • die Wirkung und Überzeugungskraft eines Textes oder eines Wortbeitrags erhöhen;
  • mit wenigen Worten eine hohe Aussagekraft erzeugen und dadurch Texte verdichten;
  • überraschen und Aufmerksamkeit erzwingen;
  • Bilder erzeugen, die sich im Kopf festsetzen.

Vor allem der letzte Punkt macht rhetorische Stilmittel für die Werbung zum Beispiel unentbehrlich. Anwendungsgebiete sind also sowohl Literatur und sprachlicher Alltag als auch Politik und Werbung.

Die 5 wichtigsten Stilmittel

  1. Metapher
  2. Alliteration
  3. Oxymoron
  4. Euphemismus
  5. Ellipse

Liste der Stilmittel von A bis Z

Insbesondere für Interpretationen und Textanalysen ist es wichtig, rhetorische Figuren und andere sprachliche Mittel zu kennen und identifizieren zu können. Die Übersicht wichtiger Stilmittel und Redefiguren auf dieser Seite soll dabei helfen. Zu jedem Begriff gibt es eine kurze Erläuterung sowie Beispiele aus unterschiedlichen Bereichen.

Denn Beispiele für den Einsatz sprachlicher Stilmittel lassen sich nahezu überall finden: in den Literaturgattungen Epik, Drama und Lyrik, in politischen Reden, im Journalismus und in der Werbung. Nicht zuletzt in der Alltagssprache verwenden wir regelmäßig sprachliche Mittel, etwa um bestimmte Aussagen zu unterstreichen.

Akkumulation
Eine Akkumulation (auch: Accumulation, Reihung) ist eine Figur der Worthäufung; anstelle des zusammenfassenden Oberbegriffs (in den Beispielen: Glück, Welt, Gestirne und Reichtum) steht die gehäufte Aneinanderreihung mehrerer Unterbegriffe :

  • »Nenn’s Glück! Herz! Liebe! Gott!« (Goethe, »Faust I«)
  • »Nun ruhen alle Wälder, Vieh, Menschen, Städte und Felder« (Paul Gerhardt)
  • »Sonne, Mond und Sterne« (aus einem Kinderlied)
  • »Ich war an Kunst / und Gut / und Stande groß und reich« (Paul Fleming)
Allegorie
Eine Allegorie ist ein bildlicher Ausdruck. Die Allegorie ist das Gemeinte, im Unterschied zum Symbol, welches das Gemeinte bedeutet. Ein abstrakter Begriff oder Gedanke wird bildhaft belebt dargestellt:

  • »Justitia« = Gerechtigkeit
  • »Fortuna« = Glück
  • »Amor« = Liebe

Ausführliche Erklärung zur Funktion sowie zahlreiche Beispiele: Allegorie

Alliteration
Die Alliteration ist eine Klangfigur, bei der die betonten Silben aufeinanderfolgender Wörter den gleichen Anfangslaut (Anlaut) haben:

  • »bei Nacht und Nebel«
  • »bei Wind und Wetter«
  • »der Rubel rollt«
  • »gut und gern«
  • »Haus und Hof«
  • »klipp und klar«
  • »mit Kind und Kegel«
  • »mit Mann und Maus«
  • »mit Schimpf und Schande«
  • »mit Zittern und Zagen«
  • »nicht wanken und nicht weichen«
  • »null und nichtig«
  • »von Pontius zu Pilatus«

Ausführliche Erklärung zur Funktion sowie zahlreiche Beispiele: Alliteration.

Allusion
Eine Allusion ist eine Anspielung oder Andeutung auf etwas, das als bekannt vorausgesetzt werden kann, zum Beispiel ein bestimmter Sachverhalt oder eine Figur aus der Literatur:

  • »Sie wissen, was ich meine.«
  • »Es wäre ja nicht das erste Mal.«
  • »Den Kaffee hat mir der Don Juan aus dem Marketing spendiert.«
Anadiplose
Eine Anadiplose ist die Wiederholung des Endes eines Satzes am Anfang des folgenden:

  • »Er ging in den Wald, in den Wald des Romantikers.«
  • »Fern im Süd das schöne Spanien, Spanien ist mein Heimatland.« (E. Geibel)
  • »Mit dem Schiffe spielen Wind und Wellen, Wind und Wellen spielen nicht mit seinem Herzen.« (Goethe)

Die Anadiplose ist eine Sonderform der Epanalepse.

Anakoluth
Ein Anakoluth ist der Bedeutung nach ein »Mangel an Zusammenhang«. Der Begriff beschreibt das Herausfallen aus der Bauart des Satzes. Die Satzstörung erfolgt z. B. durch einen Einschub oder einen Satzbruch:

  • »Es geschieht oft, dass, je freundlicher man ist, nur Undank wird einem zuteil.«
  • »Sie schlägt, die Rüstung ihm vom Leibe reißend, / Den Zahn schlägt sie in seine weiße Brust …«
  • »– Sie dringen herauf – belagern die Türe – warum zag ich so vor dieser bohrenden Spitze? – Die Türe kracht – stürzt – unentrinnbar! – Ha! So erbarm du dich meiner!« (Schiller, »Die Räuber«)
Anapher
Die Anapher ist eine rhetorische Figur der Wiederholung. Die Eindringlichkeit des Gesagten wird verstärkt, indem dasselbe Wort oder dieselbe Wortgruppe am Anfang mehrerer aufeinanderfolgender Verse, Strophen oder Sätze stehen:

  • »Wir fordern, dass … Wir fordern, dass …«
  • »Das Wasser rauscht‘, das Wasser schwoll« (Goethe)
  • »Wer nie sein Brot mit Tränen aß, / Wer nie die kummervollen Nächte / Auf seinem Bette weinend saß.« (Goethe)
  • »Endlich blüht die Aloe, / Endlich trägt der Palmbaum Früchte.« (Johann Christian Günther)

Ausführliche Erklärung zur Funktion sowie zahlreiche Beispiele: Anapher

Anastrophe
Eine Anastrophe ist die Umkehrung der geläufigen syntaktischen Wortstellung, d. h. des üblichen Satzbaus:

  • »des Glaubens wegen« = wegen des Glaubens
  • »zweifelsohne« = ohne Zweifel
Annominatio
Ein Annominatio ist ein auf der Ähnlichkeit zweier Wörter beruhendes Wortspiel. Siehe: Paronomasie
Ankündigung
Eine Ankündigung ist ein sprachliches Ausdrucksmittel, das auf kommende Passagen oder Informationen hinweist:

  • »Diese Hintergründe muss ich Ihnen näher erklären …«
  • »Woher kommt das? das will ich euch verkünden« (Schiller, »Wallenstein«)
Anrede
Die Anrede ist eine (unerwartete) Hinwendung an den Adressaten. Mit diesem sprachlichen Ausdrucksmittel wird die Aufmerksamkeit der Zuhörer erhöht oder die Eindringlichkeit des Gesagten verstärkt:

  • »Meine Damen und Herren …«
  • »Ach neige, du Schmerzensreiche, dein Antlitz gnädig meiner Not!« (Goethe)
Antiklimax
Die Antiklimax ist eine rhetorische Figur: die Aneinanderreihung von Wörtern mit abnehmender Gewichtung; der Übergang von stärkeren zu schwächeren Ausdrücken im Gegensatz zur Klimax :

  • »Urahne, Großmutter, Mutter, Kind …« (Gottfried August Bürger)
  • »Doktoren, Magister, Schreiber und Pfaffen« (Goethe, »Faust I«)
Antithese
Die Antithese ist ein Stilmittel und eine rhetorische Figur. Es handelt sich um eine Gegenüberstellung logisch gegensätzlicher Begriffe oder Gedanken. Durch Alliteration oder Parallelismus kann diese Redefigur noch verstärkt werden:

  • »Freund und Feind«
  • »Der Wahn ist kurz, die Reu‘ ist lang« (Schiller, Das Lied von der Glocke)
  • »Heiß geliebt und kalt getrunken«
  • »Himmel und Hölle«
  • »Wasser und Wein«
Antonomasie
Die Antonomasie ist eine Umnennung. Man unterscheidet zwei Varianten: 1. Der Eigenname durch charakteristische Eigenschaften oder Zugehörigkeit zu einer Gruppe ersetzt. 2.: Umschreibung, indem der Gattungsname durch einen typischen Vertreter ersetzt wird:

  • »der Gallier« = Jesus
  • »der Dichterfürst« = Goethe
  • »Demosthenes« = großer Redner
  • »Krösus« = reicher Mann
  • »Herkules« = starker Mensch

Die Antonomasie ist ein Sonderfall der Synekdoche.

Aposiopese
Die Aposiopese ist eine rhetorische Figur. Das eigentlich Wichtige wird verschwiegen; es handelt sich um das bewusste Abbrechen des Satzes vor der Hauptaussage. Die Ergänzung wird dem Zuhörer überlassen:

Die Aposiopese ist eine Art der Ellipse.

Apostrophe
Die Apostrophe ist eine rhetorische Gedankenfigur. Sie bezeichnet die Abwendung vom anwesenden Publikum und den Anruf meist abwesender, Personen, oft auch visionärer Gestalten:

  • »Alter Freund! Immer getreuer Schlaf, fliehst du mich?« (Goethe, »Egmont«)
  • »Frisch, Gesellen, seid zur Hand« (Schiller, Das Lied von der Glocke)
  • »Freude, schöner Götterfunken […]« (Schiller, Ode an die Freude)
Archaismus
Der Archaismus ist ein sprachliches Mittel. Er ist die bewusste Nachahmung altertümlicher Worte oder Wendungen, er nutzt Ausdrücke, die zur Entstehungszeit eines Textes bereits veraltet sind:

  • »Wams« – Jacke
  • »gülden« – golden
  • »darob« – deswegen
  • »Allianz« – Heirat, Ehe
  • »weiland« – einst, früher
Assonanz
Die Assonanz ist ein sprachliches Ausdrucksmittel. Es handelt sich um den Gleichklang der Vokale in mindestens zwei Wörtern:

  • Jahr und Tag
  • Rang und Namen
  • Geben und Nehmen

Ausführliche Informationen sowie zahlreiche Beispiele: Assonanz.

Asyndeton
Ein Asyndeton ist eine Reihung gleichgeordneter Wörter oder Satzteile; es gibt keine verbindende Konjunktion (zum Beispiel und oder oder):

  • »Er kam, sah, siegte.«
  • »Alles rennet, rettet, flüchtet. (Schiller, Das Lied von der Glocke)
  • »Er muss auf unsere Fragen / ein Vieh, ein Baum, ein Bild, ein Marmor Antwort sagen.« (Andreas Gryphius)
  • »Der König sprach’s, der Page lief.«

Das Asyndeton bildet den Gegensatz zum Stilmittel Polysyndeton.

Befehl
Ein Befehl kann als sprachliches Ausdrucksmittel verstanden werden. Er beinhaltet eine Anordnung oder eine Anweisung:

  • »Geh!«
  • »Lass es!«
  • »Schweig!«
Beispiel
Ein Beispiel macht eine Aussage deutlicher und verständlicher. In der Rhetorik erhellt ein beispielhafter Einzelfall einen Sachverhalt, eine Lehre oder einen Vorgang:

  • »Ein für Nordeuropa typischer Baum, wie beispielsweise die Fichte, […]«
  • »Vormals eher seltene Wettererscheinungen, wie zum Beispiel Starkwinde oder Starkregen, treten nun gehäuft auf.«
Bild
Das Bild ist eine zusammenfassende Bezeichnung für bildhafte sprachliche und rhetorische Mittel. Dazu zählen u. a. die Metapher oder der Vergleich. Bilder können auch durch starke gefühlsmäßige Anteilnahme (Lyrik) oder Beschreibungen (Prosa) des Dichters entstehen.
Chiasmus
Der Chiasmus ist eine rhetorische Stilfigur. Er meint eine symmetrische Überkreuzstellung von Satzgliedern, die sich entweder in ihrer Anordnung oder ihrer Bedeutung entsprechen:

  • »Der Einsatz war groß, klein war der Gewinn.«
  • »Die Mühen der Gebirge liegen hinter uns / Vor uns liegen die Mühen der Ebenen.« (Brecht, »Wahrnehmung«)
  • »Eng ist die Welt und das Gehirn ist weit.« (Schiller, »Wallenstein«)
Chiffre
Eine Chiffre ist ein rhetorisches Stilmittel, besonders in modernen Gedichten. Chiffren enthalten Zeichen, dessen Inhalt rätselhaft und schwer oder letztlich gar nicht zu erfassen ist:

  • »Erkanntes Leben«
  • »Ich habe zu Hause ein blaues Klavier […]« (Else Lasker-Schüler, Mein blaues Klavier)
Contradictio in adjecto
Contradictio in adjecto ist ein rhetorisches Stilmittel und eine Abart des Oxymoron. Es geht dabei um einen (echten oder scheinbaren) Widerspruch zwischen Substantiv und Adjektiv:

  • »schwarze Milch« (Paul Celan, Todesfuge)
  • »die armen Reichen«
  • »offenes Geheimnis«
Correctio
Die Correctio ist ein beliebtes rhetorisches Mittel; sie ist die Zurücknahme eines schwächeren Ausdrucks und dessen Ersatz durch einen wirkungsvolleren oder sachgemäßeren, eine Selbstberichtigung mit dem Ziel der Ausdruckssteigerung:

  • »Die Schulaufgabe ist schlecht, nein, geradezu miserabel ausgefallen.«
  • »Die Partei hat deutliche Stimmenverluste erlitten, was sage ich, es handelt sich um einen historischen Absturz.«
Diaphora
Als rhetorisches Mittel spielt die Diaphora mit den verschiedenen Bedeutungsarten und Verwendungsmöglichkeiten eines Wortes (Homonym) oder zweier Wörter, die gleich klingen (Homophone):

  • »Weniger Müssen müssen.« (Werbung für ein Arzneimittel gegen häufigen Harndrang)
  • »Wer nichts wird, wird Wirt.« (Redensart)
Ellipse
Die Ellipse ist ein Stilmittel der Auslassung. Die Dringlichkeit oder Konzentration wird erhöht, indem einzelne Wörter oder ganze Satzteile weggelassen werden:

  • »Je schneller (wir handeln), desto besser (ist es für alle).«
  • »Was (können wir) tun?«

Weitere Informationen sowie zahlreiche Beispiele: Ellipse

Emphase
Die Emphase ist ein nachdrückliche Hervorhebung eines Wortes zur Verdeutlichung oder Gefühlsverstärkung:

Enallage
Die Enallage ist eine Verschiebung der Wortbeziehungen; das Beiwort steht nicht beim Beziehungswort, sondern beim vorhergehenden/nachfolgenden Hauptwort:

  • »den besten Becher Weines« = den Becher besten Weines
  • »mit einem blauen Lächeln seiner Augen« = mit einem Lächeln seiner blauen Augen (Heinrich Federer, »Papst und Kaiser im Dorf«)
  • »eine warme Flasche Milch« = eine Flasche warmer Milch
Enumeration/Enumeratio
Die Enumeration ist eine Aufzählung und entspricht der Stilfigur der Akkumulation.
Epanalepse
Die Epanalepse ist Wiederholung eines Wortes oder einer Wortgruppe am Anfang oder am Ende des Satzes:

  • »Mein Vater, mein Vater, jetzt fasst er mich an« (Goethe, »Erlkönig«)
  • »Lass sausen durch den Hagedorn, lass sausen, Kind, lass sausen« (Gottfried August Bürger, Lenore)
  • »Der Nebel steigt, es fällt das Laub;/ Schenk ein den Wein, den holden!/ Wir wollen uns den grauen Tag Vergolden,/ ja vergolden!« (Theodor Storm, »Oktoberlied«)

Eine Sonderform der rhetorischen Figur der Epanalepse ist die Anadiplose.

Epanodos
Das sprachliche Mittel Epanodos ist die Wiederholung eines Satzes, wobei die Worte in umgekehrter Reihenfolge stehen:

  • »Das Ende kommt, es kommt das Ende.« (Altes Testament, Hesekiel 7,6)
  • »Wer nicht kann, was er will, der wolle, was er kann.« (Leonardo da Vinci)
  • »Ich preise den Herrn, den Herrn preise ich.«
Epiphora
Die Epiphora (auch Epipher oder Epistrophe) ist eine Wiederholung desselben Wortes oder der Schlusswendung in aufeinander folgenden Sätzen, Versen oder Strophen:

  • »Nicht jetzt, sagte er, wir sehen uns später, sagte er.«
  • »Ich fordere Moral, du lebst Moral.«
  • »Mit mir verwandt sind wie mein eignes Haar, / So eins mit mir als wie mein eignes Haar.« (Hugo von Hofmannsthal, Gedichte)
  • »Ihr überrascht mich nicht / erschreckt mich nicht.« (Schiller, »Maria Stuart«)
Epiphrase
Die Epiphrase ist eine Stilfigur, die einen scheinbar beendeten Satz mit einem Nachtrag abrundet oder betont.

Epitheton ornans
Ein Epitheton ornans ist ein schmückendes Beiwort, das immer wieder verwendet wird; es ist typisierend und formelhaft:

  • »eulenäugige Athene«
  • »grüne Wiese«
Euphemismus
Ein Euphemismus ist eine rhetorische Figur; das eigentlich Gemeinte wird mildernd formuliert oder erhält eine beschönigende Bezeichnung:

  • »vollschlank« = dick
  • »für immer eingeschlafen« = tot
  • »Seniorenresidenz« = Altenheim
  • »Kundenbetreuer« = Verkäufer
  • »Beitragsanpassung« = Beitragserhöhung
  • »Fehltritt« = Straftat

Weitere Informationen sowie zahlreiche Beispiele: Euphemismus

Exclamatio
Das Stilmittel Exclamation ist ein Ausruf. Er kann auf eine echte Gefühlsbewegung hinweisen oder als rhetorische Figur eingesetzt werden:

Figura etymologica
Die Figura etymologica ist ein Wortspiel, das der Paronomasie ähnelt. Zwei Wörter desselben Stamms, häufig ein und ein Substantiv, werden verbunden, um den Ausdruck zu steigern:

  • »einen Kampf kämpfen«
  • »eine Schlacht schlagen«
  • »Gar schöne Spiele spiel‘ ich mit dir« (Goethe, Erlkönig)
Hendiadyoin
Das Hendiadyoin (griech. = eins durch zwei) ist eine Stilfigur der Rhetorik und Linguistik. Es dient der Verstärkung des Ausdrucks und besteht aus der Verbindung zweier gleichwertiger Begriffe durch und:

  • »Hab und Gut«
  • »Hilfe und Beistand«
  • »Haus und Hof«
  • »Grund und Boden«
  • »schläfrig und müde«
Homoiarkton
Das Homoiarkton ist eine rhetorische Figur und bildet den Gegensatz zum Homoioteleuton. Das Homoiarkton meint den gleichlautenden Anfang zweier aufeinanderfolgender Wörter, Satzglieder oder Sätze. Die Figur entspricht also dem literarischen Stilmittel der Alliteration:

  • »aber ach«
  • »nicht wanken und nicht weichen«
  • »Ene, mene, miste, es rappelt in der Kiste.
    Ene, mene, muh und raus bist du.«
Homoioptoton
Das Homoioptoton ist eine rhetorische Figur und ein Sonderfall des Homoioteleuton. Während die Endsilben beim Homoioteleuton nicht denselben Kasus (Fall) haben müssen, ist dies beim Homoioptoton gegeben:

  • »Gleichheit, Freiheit, Brüderlichkeit«
  • »veni, vidi, vici«
  • »wie gewonnen, so zerronnen«
Homoioteleuton
Das Homoioteleuton ist eine rhetorische Figur und eine antike Vorform des Reimes (in Prosa). Die Klangfigur bezeichnet die Wiederkehr gleichlautender Endsilben in aufeinanderfolgenden Wörtern, Satzteilen oder kürzeren Sätzen:

  • »Viel Rabatz in diesem Satz!«
  • »Klein, aber fein.«
  • »Mitgegangen, mitgefangen, mitgegangen.«
  • »Wie gewonnen, so zerronnen.«

Andere Schreibweisen sind Homoeoteleuton, Omoioteliton sowie Omoioteleton.

Hyperbel
Die Hyperbel ist ein Stilmittel. Sie bezeichnet eine starke Übertreibung im vergrößernden oder verkleinernden Sinne:

  • »ein Balken im Auge«
  • »eine Ewigkeit warten«
  • »ein Meer von Tränen«
  • »ein Mund wie ein Scheunentor«
  • »fuchsteufelswild«
  • »himmelhoch«
  • »todmüde«
  • »Schneckentempo«
  • »wie Sand am Meer«
  • »Ich fühle eine Armee in meiner Faust.« (Schiller: »Die Räuber«)

Ausführliche Erklärung zur Funktion sowie zahlreiche Beispiele: Hyperbel.

Hysteron-Proteron
Das Hysteron-Proteron ist eine rhetorische Figur. Dabei wird der zeitlich spätere oder logisch folgende Vorgang vor dem früheren erwähnt, die eigentlich richtige Reihenfolge wird umgekehrt:

  • »Ihr Mann ist tot und lässt Sie grüßen.« (Goethe: »Faust I«)
  • »Gleichwohl, als der Knecht schreckenblass, wenige Momente nachdem der Schuppen hinter ihm zusammenstürzte, mit den Pferden, die er an der Hand hielt, daraus hervortrat, fand er den Kohlhaas nicht mehr.« (Kleist: »Michael Kohlhaas«)
  • »Ich heiße somit Doris und bin getauft und christlich und geboren« (Keun: Das kunstseidene Mädchen)
  • »Lasst uns sterben und uns in die Waffen stürzen!« (Vergil: Aeneis)
Inversion
Die Inversion bezeichnet die Umstellung der üblichen, regelmäßigen Wortfolge. Damit wird ein Wort an ungewohnter Stelle besonders betont:

  • »In seinen Armen das Kind war tot.«
  • »Weinend stand er vor mir.«
Ironie
Die Ironie ist eine Form der uneigentlichen Rede. Sie meint das Gegenteil von dem, was gesagt wird:

  • »Schöne Bescherung.«
  • »Du bist mir aber ein Schöner.«
  • »Das hast du ja mal wieder toll gemacht!«
  • »Ich habe ja nichts Besseres zu tun.«

Ausführliche Erklärung zur Funktion sowie zahlreiche Beispiele: Ironie

Katachrese
Die Katachrese ist eine Figur der Rhetorik. Sie bezeichnet die Anwendung eines Wortes in uneigentlicher Bedeutung. Man unterscheidet zwei Typen der Katachrese: 1. Die Vermengung nicht zusammengehörender Begriffe, den Bildbruch, und 2. den Gebrauch einer Metapher als Lückenfüller für ein in der Sprache fehlendes Wort:

  • zu 1.: »Der Zahn der Zeit, der schon manche Träne getrocknet hat, wird auch über diese Wunde Gras wachsen lassen.«
  • zu 1.: »Das schlägt dem Fass die Krone ins Gesicht.«
  • zu 2.: »Schlüsselbart«
Klimax
Die Klimax ist eine rhetorische Figur. Sie beschreibt 1. die stufenweise Steigerung des Inhalts einer Aussage (vom weniger Wichtigen zum Wichtigen) oder 2. der Aussagekraft (vom schwachen Begriff zum starken):

  • zu 1.: »[…] das ist schlecht; die Welt wird schlecht, sehr schlecht.« (Georg Büchner, »Woyzeck«)
  • zu 1.: »[…] über manchen schönen, reichen Hof und weiterhin über grüne Hügel und dunkle Täler weg.« (Gotthelf, »Die schwarze Spinne«)
  • zu 2.: »Er weint, er ist bezwungen, er ist unser!«
  • zu 2.: »Ich kam, sah, siegte.« = »Veni, vidi, vici.« (Caesar)

Ausführliche Erklärung zur Funktion sowie zahlreiche Beispiele: Klimax

Kyklos
Der Kyklos (auch: Epanadiplose) ist eine rhetorische Figur der Wiederholung: Das Anfangsworts eines Satzes oder Verses ist identisch mit dem Schlusswort desselben Satzes oder Verses. Der Kyklos ist ein beliebtes Stilmittel der Lyrik:

  • »Ein Pferd, ein Pferd, mein Königreich für’n Pferd!« (Shakespeare)
  • »Entbehren sollst du! sollst entbehren!« (Goethe, Faust I)
Litotes
Die Litotes gehört zu den Wortfiguren. Sie betont einen Begriff durch Untertreibung und Abschwächung, nämlich durch Verneinung des Gegenteils:

  • »Er war nicht gerade ein Held.« (= feige)
  • »Sieht nicht übel aus.« (= sehr gut)

Ausführliche Erklärung zur Funktion sowie zahlreiche Beispiele: Litotes

Metalepsis
Die Metalepsis ist eine Wortfigur der antiken Dichtersprache. Sie ist eine Form der Metonymie . Sie setzt den Begriff der Ursache an die Stelle der Wirkung.

  • »Zunge« für Sprache
Metapher
Die Metapher ist eine rhetorische Figur. Sie findet einen bildlichen Ausdruck für einen Begriff. Dafür wird ein Wort aus dem gewohnten Zusammenhang genommen und auf einen anderen Bereich übertragen:

  • »Lebensuhr«
  • »Wipfelmeer«
  • »Kriegsmüdigkeit«
  • »Mauer des Schweigens«
  • »etwas durch die rosarote Brille sehen«

Ausführliche Erklärung zur Funktion sowie zahlreiche Beispiele: Metapher

Metonymie
Die Metonymie ist eine Wortfigur, die sowohl der Metapher als auch der Synekdoche verwandt ist. Bei der Metonymie handelt es sich um die Ersetzung eines Begriffs durch einen anderen, der aber mit dem eigentlichen Begriff in einer realen Beziehung steht:

  • »Leder« = Ball
  • »Goethe lesen«
  • »eine Tasse trinken«
  • »einen Ford fahren«

Ausführliche Erklärung zur Funktion sowie zahlreiche Beispiele: Metonymie

Neologismus
Ein Neologismus ist eine Wortneuschöpfung. Es handelt sich um ein neu gebildetes oder auch kürzlich aus einer anderen Sprache übernommenes Wort:

  • »Er kehrte kampfesmüde heim«
  • »Aschensaat« (Keller: »Land im Herbste«)
  • »Halbundhalbgott« (Hesse, »Der Steppenwolf«)
  • »Bäckersterben«
  • »chillen«

Ausführliche Erklärung zur Funktion sowie zahlreiche Beispiele: Neologismus

Onomatopoesie
Unter Onomatopoesie versteht man die Klangmalerei oder Lautmalerei, also die sprachliche Nachahmung oder Wiedergabe von nichtsprachlichen Gehörs-Eindrücken wie:

  • »Es knistert und knastert«
  • »wau-wau«
  • »Kuckuck«
  • »Es schreit der Kauz: Pardauz! Pardauz! / Da taut’s, da graut’s, da braut’s, da blaut’s.« (Christian Morgenstern)
Oxymoron
Das Oxymoron ist eine rhetorische Stilfigur. Es ist die sinnreiche Verbindung zweier sich scheinbar widersprechender Ausdrücke zu einer Einheit:

  • »alter Knabe«
  • »beredtes Schweigen«
  • »bittersüß«

Zahlreiche Beispiele und ausführliche Erläuterungen zur Funktion: Oxymoron

Parabel
Eine Parabel ist eine beispielhafte und lehrhafte Erzählung in Vers oder Prosa.
Paradoxon
Ein Paradoxon ist eine scheinbar widersinnige und nicht unmittelbar einleuchtende Verbindung gegensätzlicher Begriffe oder Aussagen:

  • »Weniger ist mehr.«
  • »Im Rückschritt liegt der Fortschritt.«
  • »Das einzig Beständige ist die Veränderung.«
  • »Ich weiß, dass ich nichts weiß.« (Sokrates)
  • »Er nennt’s Vernunft und braucht’s allein, um tierischer als jedes Tier zu sein.« (Goethe, »Faust I«)
Paralipse
Die Paralipse (auch: Praeteritio) ist eine rhetorische Figur, mit der der Redner vorgibt, einen Sachverhalt übergehen zu wollen. Indem er ihn aber trotzdem erwähnt, hebt er ihn hervor und lenkt die Aufmerksamkeit auf ihn:

  • Dies ist sicher nicht der Augenblick, darauf hinzuweisen, dass …
Parallelismus
Im Gegensatz zum Chiasmus meint der Parallelismus die Wiederkehr derselben Wortreihenfolge in aufeinanderfolgenden Sätzen, Satzgliedern oder Versen:

  • »Nacht ist es nun, nun werden … Nacht ist es nun, nun erst …«
  • »Heiß ist die Liebe, kalt ist der Schnee.«
  • »Soll ich reden, soll ich schweigen?«

Zahlreiche Beispiele und ausführliche Erläuterungen zur Funktion: Parallelismus

Parenthese
Die Parenthese ist eine rhetorische Gedankenfigur. Sie unterbricht eine Satzkonstruktion durch den Einschub eines grammatisch selbständigen Gedankens:

  • »Ich möchte Ihnen, ich fasse mich ganz kurz, über die Vorgänge berichten.«
  • »Eine junge Frau, nennen wir sie Anna, tauchte plötzlich neben ihr auf.«
Paronomasie
Die Paronomasie ist eine rhetorische Figur. Es handelt sich um ein Wortspiel, eine Wortumbildung mit gleich oder ähnlich lautenden Wörtern, um einen Nebensinn zu erreichen:

  • »Das Haus war unbezahlt, nicht aber unbezahlbar.«
  • »Eile mit Weile.«
  • »Wer rastet, der rostet.«
  • »Der Rheinstrom ist worden zu einem Peinstrom.« (Schiller: »Wallenstein«)

Eine andere Bezeichnung für diese Klangfigur ist Annominatio.

Pars pro Toto
Pars pro Toto ist eine uneigentliche Redefigur und eine Sonderform der Synekdoche. Pars pro toto bedeutet Teil für das Ganze. Ein Begriff wird durch einen Teil des Ganzen benannt:

  • »unter einem Dach« = in einem Haus
  • »pro Kopf« oder »pro Nase« = pro Person

Weitere Beispiele und ausführliche Erläuterungen zu Pars pro Toto: Synekdoche

Periphrase
Die Periphrase ist eine dichterische und rhetorische Figur. Es handelt sich um die Umschreibung eines Begriffs durch mehrere Wörter, mitunter ganze Sätze, zum Beispiel um anstößige Wörter zu vermeiden, einen Text abwechslungsreich zu gestalten oder poetischer klingen zu lassen:

  • »der Allmächtige« = Gott
  • »das Auge des Gesetzes« = Polizei
  • »jenes höhere Wesen, das wir verehren« = Gott (Heinrich Böll, Dr. Murkes gesammeltes Schweigen)
Personifikation
Die Personifikation ist eine häufige rhetorische Figur und eine Art der Metapher. Die Personifikation meint die Vermenschlichung lebloser Dinge. Tieren, Pflanzen oder Naturerscheinungen zum Beispiel werden menschliche Eigenschaften oder Fähigkeiten zu gewiesen:

  • »Kunst und Naturwissenschaft gehen Hand in Hand«
  • »Die Sonne lacht
  • »Der Wind spielt«
  • »Der Tag verabschiedet sich«
  • »Veilchen träumen schon« (Mörike: »Frühling lässt sein blaues Band«)

Zahlreiche Beispiele und ausführliche Erläuterungen zur Funktion: Personifikation

Pleonasmus
Der Pleonasmus ist eine übertriebene und folglich unnütze Anhäufung von Worten, die eine ähnliche oder dieselbe Bedeutung haben. Häufig wird einem Substantiv ein Attribut hinzufügt, das schon im Hauptbegriff enthalten ist:

  • »alter Greis« (Greis = alter Mann)
  • »aufoktroyieren« (oktroyieren = auferlegen, aufzwingen)
  • »bisheriger Status quo« (Status quo = bisheriger Status)
  • »einsuggerieren« (suggerieren = einflößen)
  • »Einzelindividuen« (Individuum = einzelne Person, Einzelwesen)
  • »harter Diamant« (Diamant = sehr harter Edelstein)
  • »heiße Thermalquellen« (Thermalquellen = heiße Quellen)
  • »hinzuaddieren« (addieren = hinzuzählen, hinzufügen)
  • »leuchtendes Licht« (Licht leuchtet immer)
  • »neu renovieren« (renovieren = erneuern)
  • »runde Kugel« (Kugel = runder Körper)
  • »schwarzer Rabe« (Rabe = schwarzer Vogel)
  • »schwarzer Rappe« (Rappe = schwarzes Pferd)
  • »heiße Flamme« (Flammen sind stets heiß)
  • »weißer Schimmel« (Schimmel = weißes Pferd)
Polyptoton
Das Polyptoton ist eine rhetorische Figur. Es bezeichnet die Wiederholung desselben Wortes im selben Satz in verschiedenen Beugungsformen:

  • »Aug um Auge«
  • »der Mensch ist dem Menschen ein Wolf«
  • »das Beste vom Besten«
Polysyndeton
Das Polysyndeton ist eine rhetorische Figur. Sie bezeichnet die Vielverbundenheit: eine Häufung von Bindewörtern (Konjunktionen) in einer Satzreihe. Ziele können unter anderem die Verstärkung des Ausdrucks oder die Steigerung der Bedeutung einer Rede sein:

  • »Und es wallet und siedet und brauset und zischt.« (Schiller, »Der Taucher«)
  • »und wiegen und tanzen und singen dich ein« (Goethe, »Erlkönig«)
  • »Und jede nimmt und gibt zugleich und strömt und ruht.« (Meyer, »Der römische Brunnen«)

Das Polysyndeton bildet den Gegensatz zur Stilfigur Asyndeton.

Rätsel
Ein Rätsel ist die sprachlich-bildhafte Umschreibung eines nicht genannten Gegenstandes. Dies kann eine Person, eine Sache oder ein Vorgang sein. Der Leser oder Hörer ist aufgerufen, seine Denkfähigkeit oder seinen Scharfsinn einzusetzen, um die vom Fragesteller gemeinte Beziehung zur Wirklichkeit zu erkennen. Die Lösung ist dem Fragesteller also bekannt. Rätsel ist der Oberbegriff für verschiedenartige Fragestellungen, die sich in der Art der Umschreibungen unterscheiden, beispielsweise:

  • Buchstabenrätsel
  • Zahlenrätsel
  • Silbenrätsel
  • Homonym
  • Anagramm
Rhetorische Frage
Eine rhetorische Frage ist eine Scheinfrage, das heißt eine Frage, auf die keine Antwort erwartet wird:

  • »Wer glaubt denn das noch?«
  • »Wer möchte nicht in Frieden Leben?«
  • »Was ist schon normal?«
  • »Machen wir nicht alle mal Fehler?«
  • »Habe ich das nicht gesagt?«
Repetitio
Repetitio ist ein Mittel der Sprachgestaltung. Der lateinische Begriff bedeutet Wiederholung. Gemeint sein kann eine Wortwiederholung, die Wiederholung von Satzteilen oder ganzen Sätzen:

  • »Bald da, bald dort«
  • »Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?«
  • »Sir Mortimer, Ihr überrascht mich nicht, erschreckt mich nicht.« (Schiller, »Maria Stuart«)
  • »Mein Vater, mein Vater«, »Mein Sohn, mein Sohn« (Goethe, »Erlkönig«)

Sonderfälle der Repetitio sind die Anadiplose, die Anapher sowie die Epipher.

Sarkasmus
Sarkasmus ist beißender, verletzender Hohn und Spott, der höchste Grad bitterer Ironie:

  • »Goethe hat keinen anderen Schmerz empfunden, als den beleidigter Eitelkeit.« (Wolfgang Menzel)
  • »Wer eine gute, verständige und schöne Frau sucht, sucht nicht eine, sondern drei.« (Oscar Wilde zugeschrieben)

Mehr Informationen zu diesem Stilmittel: Sarkasmus

Stabreim
Der Stabreim ist ein Sonderfall der Alliteration: Die betonten Stammsilben eines Verses werden durch denselben Anlaut hervorgehoben:

  • »Eines weiß ich, das ewig lebet: der Toten Tatenruhm« (Edda)
Sustentio
Mit der Sustentio löst ein Redner Überraschung bei seinen Zuhörern aus, indem er ihre Erwartung hinsichtlich der nächsten Wörter nicht erfüllt. Er kann zum Beispiel eine bekannte Redewendung so abwandeln, dass ihr Anfang erkannt wird, das Ende aber anders als erwartet ist:

  • »Selbsterkenntnis ist der beste Weg zur Verstellung« (eigentlich: Besserung)
  • »Der frühe Vogel kann mich mal« (eigentlich: fängt den Wurm)
Symbol
Ein Symbol ist ein verständliches und bildkräftiges Zeichen, das veranschaulicht und verdeutlicht und auf einen höheren abstrakten Bereich verweist:

  • »weiße Taube« – Frieden
  • »Kreuz« – Christentum
  • »blaue Blume« – in der Romantik Sehnsucht nach unendlicher Hingabe und Verschmelzung
Symploke
Die Symploke ist eine rhetorische Figur. Sie ist die Verbindung von Anapher und Epipher. Das gleiche Wort steht in einer Gruppe von Sätzen oder Versen jeweils am Anfang, und ein anderes, ebenfalls gleiches Wort, am Ende:

  • »Was ist der Toren höchstes Gut? Geld! Was verlockt selbst die Weisen? Geld!«
Synästhesie
Die Synästhesie ist ein »Zugleichempfinden«: verschiedenartige Sinneseindrücke werden zugleich wahrgenommen. Es werden mehrere Sinne gleichzeitig angesprochen, die Reizung eines Sinnesorgans schließt die Reizung eines weiteren Sinns mit ein:

  • »Süß spricht das Herz.« = Schmecken + Hören
  • »schreiendes Rot« = Hören + Sehen
  • »Golden wehn die Töne nieder.« (Brentano, »Abendständchen«) = Sehen + Hören
  • »Ihr Duft war wie herrlicher Gesang von tausend Flötenstimmen.« (Hoffmann: »Der goldne Topf«) = Riechen + Hören
  • »Süßer die Glocken nie klingen« = Schmecken + Hören

Beispiele für die Verwendung der Synästhesie finden sich insbesondere in der Dichtung der Romantik und des Symbolismus.

Synekdoche
Die Synekdoche ist ein rhetorisches Stilmittel. Dabei steht ein engerer Begriff für einen umfassenden – oder umgekehrt:

  • »siebzig Lenze« – gemeint sind Lebensjahre
  • »Klinge« – steht für das ganze Schwert
  • »den Weihnachtsbaum anzünden« – gemeint sind die Kerzen

Sonderfall: Antonomasie
Siehe auch: Metonymie

Eine ausführliche Definition, Abgrenzungen, Sonderfälle und zahlreiche Beispiele: Synekdoche

Synonym
Synonyme sind sinnverwandte Wörter, deren Bedeutung weitgehend, jedoch nie ganz übereinstimmt. Sie weisen kleinere oder größere Unterschiede auf, zum Beispiel im Sprachniveau oder im Gefühlsgehalt:

  • »leuchten; scheinen; strahlen«
  • »eilen; hasten; die Beine in die Hand nehmen«
Tautologie
Eine Tautologie ist eine stilistische Doppelaussage. Das Gesagte wird durch ein sinnverwandtes Wort (Synonym) wiederholt. Ziel ist die Verstärkung und größere Eindringlichkeit der Aussage:

  • »einzig und allein«
  • »im Großen und Ganzen«
  • »immer und ewig«
  • »nackt und bloß«
  • »nie und nimmer«
  • »stets und ständig«
  • »voll und ganz«
  • »sauber und rein«
  • »hinter Schloss und Riegel«
Trikolon
Ein Trikolon ist ein Satzgefüge, das aus drei (griech. tria = drei) aneinandergefügten Kola (griech. Kolon = Glied, Plural Kola) besteht. Es stammt aus der antiken Rhetorik, war besonders auch im Barock beliebt und wird heute gern in der Werbung benutzt:

  • »veni, vidi, vici«
  • »Er weint, er ist bezwungen, er ist unser!« (Schiller, »Die Jungfrau von Orleans«)
  • »quadratisch, praktisch, gut« (Werbung für Schokolade)
Vergleich
Der Vergleich ist ein Stilmittel und gehört als rhetorische Figur zu den Gedankenfiguren. Ein Vergleich erhöht die Anschaulichkeit einer Sache oder einer Vorstellung oder deren Bedeutung. Neben ein Bild wird ein analoges Gegenbild gestellt. Zwischen den beiden Bildern gibt es eine ausgesprochene oder unausgesprochene Gemeinsamkeit. Typisch für den Vergleich ist die Verknüpfung mit »wie« oder »als«:

  • »stark wie ein Löwe«
  • »ein Mann wie ein Baum«
  • »flink wie ein junges Reh«
  • »finster wie die Nacht«
  • »er rannte, als sei der Teufel hinter ihm her«
Wortspiel
Ein Wortspiel nutzt auf geistreiche Weise sprachliche Vieldeutigkeiten, um einen witzigen Effekt zu erzielen. Das kann zum einen durch Doppeldeutigkeiten eines Ausdrucks geschehen. Die andere Möglichkeit basiert auf dem gleichen oder ähnlichen Klang zweier Wörter:

  • »Eifersucht ist eine Leidenschaft,
    Die mit Eifer sucht, was Leiden schafft.« (Franz Grillparzer)
  • »Jesuiter – Jesuwider«
  • »Der Sommer kann Stadt finden.« (Werbung der Fluggesellschaft easyjet)

Die Paronomasie ist eine Form des Wortspiels.

Zeugma
Das Zeugma ist eine rhetorische Figur der Worteinsparung. Dabei werden meistens zwei Hauptwörter oder Satzteile durch ein Verb verbunden, das eigentlich nur zu einem der Hauptwörter passt.Die Einsparung ist häufig gewollt und kann einen witzigen Effekt haben:

  • »Er hob die Augen und ein Bein gen Himmel.«
  • »Er schlug das Fenster und den Weg zum Bahnhof ein.«
  • »Er schlug die Stühl und Vögel tot.« (Heinrich Hoffmann)
  • »Ich hatte Kopfschmerzen und unerwarteten Besuch.«
  • »Nimm dir Zeit und nicht das Leben.«
  • »Sie reist mit Ehemann und Regenschirm.«

Plural: Zeugmas oder Zeugmata

Zynismus
Der Zynismus ist keine rhetorische Figur im eigentlichen Sinne. Darum lässt er sich nicht auf der Ebene der Grammatik oder durch den Nachweis bestimmter sprachlicher Gestaltungsmittel definieren. Vielmehr spricht man von Zynismus, wenn der Redner bzw. Autor eine dafür charakteristische Weltanschauung oder Redehaltung vertritt.

  • »Geh mir nur aus der Sonne.« (Diogenes)

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Kategorisierung von Stilmitteln

Die meisten Stilfiguren lassen sich einer der folgenden vier Gruppen zuordnen:

  1. Wortfiguren (Abweichung von der üblichen Wortwahl)
  2. Satzfiguren (Abweichung vom üblichen Satzbau)
  3. Gedankenfiguren (Abweichung vom Gedankengang)
  4. Klangfiguren (Abweichung von der üblichen Klanggestaltung)

Eine weitere Kategorisierung in der Stilistik bezieht sich auf die Gruppe der Tropen. Ein Tropus ist eine bildliche Stilfigur. Er ersetzt das Gemeinte durch eine andere sprachliche Wendung. Unterschieden wird zwischen sogenannten Grenzverschiebungs-Tropen (Wendung stammt aus dem näheren Umfeld, wie zum Beispiel beim Euphemismus) und Sprung-Tropen (Wendung entstammt einem anderen bildlichen Vorstellungsbereich, wie zum Beispiel bei einer Metapher).

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Quellen und weiterführende Literatur:
Basiswissen Schule Deutsch Abitur, Duden Schulbuchverlag Berlin, Mannheim, Zürich, 2011.
Gero von Wilpert, Sachwörterbuch der Literatur, Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2013.