Charakterisierung schreiben

Was ist eine Charakterisierung?

Bei einer Charakterisierung werden die wichtigsten Eigenschaften und besonderen Merkmale einer Person dargestellt. Neben dem Aussehen (äußere Merkmale) werden auch die Charaktereigenschaften, Gefühle und Gedanken (inneren Merkmale) analysiert.

In der Schule übt man das Charakterisieren anhand von (literarischen) Figuren. Dabei wird ein Text dahingehend untersucht wie sich eine Figur verhält und es werden die typischen Merkmale des Charakters herausgearbeitet. Seine Ergebnisse hält man anschließend schriftlicher Form (Fließtext) fest.

Häufig werden Figuren aus Romanen, Kurzgeschichten, Erzählungen oder Novellen charakterisiert. Eine fiktive (erfundene) Figur aus einem Film oder eine wirkliche Person kann aber auch Gegenstand der Charakterisierung sein.

Abgrenzung zur Personenbeschreibung

Während die Personenbeschreibung eine fiktive Figur oder reale Person nur anhand von äußeren Merkmalen beschreibt, geht die Charakterisierung etwas mehr in die Tiefe. Neben dem Aussehen, der Sprache und Kleidung (Außenbeschreibung), wird auch ein Blick auf die Gefühlswelt, das Verhalten und die Gedanken (Innenwelt) geworfen.

Das ermöglicht anschließende Rückschlüsse auf Charaktereigenschaften der Figur. Um die vorschnelle oder falsche Beurteilung einer Person zu vermeiden, sollte sie in verschiedenen Situationen betrachtet und beschrieben werden.

PersonenbeschreibungBeschreibung von außen
CharakterisierungBeschreibung von außen und innen

Direkte und indirekte Charakterisierung

In einem Text finden sich immer Hinweise, die auf den Charakter einer literarischen Figur schließen lassen. Man unterscheidet dabei zwischen der direkten und indirekten Charakterisierung.

Bei einer direkten Charakterisierung wird die Figur durch den Erzähler oder durch eine andere Figur beschrieben. Dabei grenzen sich innere Handlungen (Gefühle, Wünsche und Motive einer Figur) von äußeren Handlungen (sichtbare Reaktionen auf andere Figuren oder Situationen) ab.

Indirekte Charakterisierung meint alles, was die Figur selbst sagt, denkt, empfindet und tut. Damit sind alle Textstellen gemeint, in denen die Figur sich zu ihrem Verhalten, dem eigenen Aussehen, den Gedanken und Gefühlen äußert.

Direkte Charakterisierung einer Figur erfolgt durch:

  • einen Erzähler, der die Figur vorstellt,
  • eine andere Figur, die über sie spricht,
  • die Figur selbst, die über sich spricht bzw. nachdenkt.

Indirekte Charakterisierung einer Figur erfolgt durch:

  • die Beschreibung des Verhaltens,
  • eine Schilderung des Aussehens und der Sprache,
  • die Veranschaulichung von Beziehungen.

Figurencharakterisierung vorbereiten

Bei der Vorbereitung einer Charakterisierung ist Textkenntnis notwendig. Nur wenn man den Text liest und die Figuren kennt, können diese charakterisiert werden. Vor dem Lesen kann man sich Textmarker in verschiedenen Farben, kleine bunte Klebezettel und ein zusätzliches Blatt Papier bereitlegen.

Mit den unterschiedlichen Textmarkern werden Merkmale der direkten und indirekten Charakterisierungen in verschiedenen Farben kenntlich gemacht. Hinweise zur Figurenkonstellation, zur äußeren Handlung (Beschreibungen von außen) und innere Handlung (Innenwelt, Gefühle, Gedanken) können auch hervorgehoben werden.

Die bunten Klebezettel helfen dabei, die wichtigsten Textstellen schneller wiederzufinden. Zudem können kurze Anmerkungen notiert werden.

Auf dem zusätzlichen Zettel schreibt man Gedanken und Anmerkungen zum Text, die bereits während des Lesens auftauchen. Wichtig ist, sich die passende Seitenzahl und Zeile zu notieren. Sämtliche Aussagen einer Charakterisierung müssen – wie bei einer Interpretation – s mit Textstellen belegt werden.

Exkurs: Figurenkonstellation

Die Figurenkonstellation bezeichnet die Beziehung zwischen den Figuren. Um die Konstellation der Figuren in einem Text zu erfassen, können folgende Fragen bei der Analyse hilfreich sein:

  • Sind die Figuren partnerschaftlich verbunden?
  • Gibt es gemeinsamkeiten, die diese Verbindung begünstigen?
  • Stehen sich Figuren oder Figurengruppen feindlich gegenüber?
  • Aufgrund welcher Interessen besteht diese Feindschaft?
  • Gibt es bestehende Hierarchien und ändern sich diese Machtverhältnisse im Verlauf der Geschichte?

Fakten zur Figur sortieren

Bevor die Charakterisierung schriftlich verfasst wird, werden die einzelnen Fakten zum Charakter einer Figur sortiert. Das kann mithilfe von Stichpunkten erfolgen, die anschließend ausführlicher im Fließtext dargestellt werden.

Figurenmerkmale

Der Autor eines Werkes hat jede Figur mit bestimmten Merkmalen ausgestattet, die man in drei Kategorien unterteilt:

  • soziale Merkmale: Stand, Milieu, Beruf
  • äußere Merkmale: Körper, Kleidung, Gewohnheiten
  • innere Merkmale: Gedanken, Gefühle, Einstellungen

Außensicht:

  • äußere Merkmale: Name, Geschlecht, Alter, Körpergröße, Haarfarbe, Gangart, Mimik und Gestik, Kleidung, äußere Besonderheiten (Narben, besonderer Schmuck etc.)
  • soziale Merkmale: Beruf, Bildung, Herkunft, gesellschaftliches Milieu, Beziehungen

Innensicht:

  • Verhalten: Verhaltensmuster, Gewohnheiten, Sprechweise, Verhalten zu anderen Figuren
  • Denken und Fühlen: Interessen, Wünsche, Ängste, Vorlieben, Einstellung

Aufbau einer Charakterisierung

Eine Charakterisierung setzt sich – wie viele Aufsätze – aus drei Teilen zusammen: Einleitung, Hauptteil und Schluss.

Aufbau einer Charakterisierung im Überblick

EinleitungTextsorte, Autor, Titel, Thema, Erscheinungsjahr (TATTE)
Hauptteilerst Außensicht, dann Innensicht
Hauptteileigene Meinung; Bedeutung der Figur für das Gesamtwerk; Beziehung zu anderen Figuren

Einleitung

In der Einleitung werden alle wichtigen Informationen zum Text genannt. Hilfreich ist hier die Eselsbrücke TATTE (Textsorte, Autor, Titel, Thema, Erscheinungsjahr). Die Figur, die charakterisiert werden soll, wird in der Einleitung ebenfalls ganz kurz vorgestellt. Wichtig: Bei einer Charakterisierung ist die Einleitung immer kurz und knapp.

Hauptteil

Die eigentlich Charakterisierung erfolgt dann im Hauptteil. Beginnen sollte man immer zuerst mit den äußeren Merkmalen, also einer Personenbeschreibung der Figur. Erst danach erfolgt die Betrachtung der Innensicht.

Außensicht

Die Fakten zur Person wie der Name, das Geschlecht, soziales Milieu, das Alter und der Beruf werden zuerst geschildert.

Dann wendet man sich dem äußeren Erscheinungsbild der Figur zu und gibt Körpergröße, Haarfarbe, Augenfarbe und andere Besonderheiten an. Auffälligkeiten in der Sprache und auch Mimik und Gestik werden ebenfalls benannt.

Das Verhalten wird in diesem Abschnitt des Hauptteils ebenfalls thematisiert. Gibt es Auffälligkeiten im Verhalten zu anderen Figuren? Sind Rückschlüsse zum Verhältnis der Figuren zueinander möglich?

Innensicht

Nun wird das Wesen der Figur näher beschrieben, also alle Eigenschaften, die nicht offensichtlich von außen sichtbar sind. Geschildert werden in diesem Teil die Gefühle, Empfindungen, Ideale, Gedanken, Einstellungen und möglichen inneren Konflikte der Figur.

Am Ende des Hauptteils legt man noch ein Augenmerk auf die Entwicklung der Figur. Wie hat sich die Figur im Laufe des Textes verändert? Worin zeigt sich diese Veränderung? Welche Gründe gibt es für diese Entwicklung?

Schluss

Der Schluss einer Charakterisierung erlaubt es, kurz die eigene Meinung abzugeben. Dabei darf die Figur kritisiert werden. Welche Bedeutung der Figur für das Gesamtwerk hat und die Beziehung zu anderen Figuren des Textes, sollte ebenfalls erwähnt werden.

Checkliste: Charakterisierung

  • Die Form einer Charakterisierung ist der Fließtext. Stichpunkte und einfaches Aufzählen (Aufzählungscharakter) gehören nicht in den Aufsatz und sind nur Teil der Vorbereitung.
  • Geschrieben wird in der Zeitform: Präsens (Gegenwart).
  • Verfasst ist die Figurencharakterisierung immer in sachlicher, präziser und objektiver Sprache.
  • Die Einleitung enthält die wichtigsten Informationen (TATTE: Textsorte, Autor, Titel, Thema, Erscheinungsjahr).
  • Die Beschreibung im Hauptteil erfolgt in der Reihenfolge von außen nach innen. Erst liegt das Augenmerk auf den sichtbaren Merkmalen der Figur (Alter, Geschlecht, Beruf, soziale Stellung, Aussehen…). Dann erfolgt die Betrachtung des Innenlebens (Gefühle, Einstellungen, Wünsche, Gedanken…).
  • Jede Behauptung wird mit Zitaten oder passenden Textstellen (Angabe der Seite und Zeile) belegt.
  • Die eigene Meinung wird erst am Schluss abgeben.