Inhaltsangabe

John Steinbecks 1945 verfasster Roman »Die Perle« gründet sich auf eine alte mexikanische Sage. Die Hauptfigur Keno, ein armer Eingeborener, glaubt sich durch den Fund einer wertvollen Perle am Beginn eines neuen Lebens, muss jedoch erfahren, dass er seinem Schicksal nicht nur nicht entkommen kann, sondern dass es ihn für seine Auflehnung hart bestraft.

Der mexikanische Perlenfischer Keno lebt mit seiner Frau Juana und dem Sohn Coyotito in einer armseligen Holzhütte in einer Eingeborenensiedlung am Rande einer kleinen Stadt am Golf von Kalifornien. Sein wesentlicher Besitz ist ein seit Generationen weitervererbtes Boot, das der Familie die Nahrung und damit das Überleben sichert. Von seinen Vorfahren überlieferte Melodien erklingen in seinem Innern, und die Melodie der Familie ist ihm die liebste, weil sie ihn still und zufrieden leben lässt.

Eines Morgens wird der Säugling von einem Skorpion gestochen, und sein Leben ist in Gefahr. Der habgierige und grausame Arzt in der Stadt verweigert die Behandlung, weil Keno ihn nicht bezahlen kann, jedoch gelingt es der heilkundigen Mutter den Sohn zu retten. Unter dem Eindruck der neuerlichen Demütigung durch einen Weißen fährt Keno mit Juana hinaus aufs Meer und findet eine Auster, die eine Perle birgt, die wegen ihrer Größe und Schönheit über jeden Vergleich erhaben ist. Stolz zeigt er seinen Fund den anderen Fischern, und schon verbreitet sich die Nachricht von seinem plötzlichen Reichtum in der ganzen Stadt. Unruhe greift um sich, weil Nachbarn, Geschäftsleute, Bettler, der Priester ebenso wie der Arzt hoffen, vom Fund der Perle zu profitieren.

Keno lässt in Gedanken sein altes Leben hinter sich und macht Pläne für die Zukunft: Er will Juana in einer Kirche heiraten, wünscht sich neue Kleider für die Familie, den Schulbesuch seines Sohnes und schließlich ein Gewehr. Gleichzeitig spürt er, wie sich das Verhalten seiner Mitmenschen zu ihm verändert, und die Melodie des Bösen in seinem Innern ertönt. Schon in der Nacht versucht ein Eindringling die Perle aus der Hütte zu stehlen. Keno vertreibt ihn, wird dabei aber verletzt, und Juana beginnt sich zu ängstigen. Am nächsten Tag legt das Paar seine Sonntagskleider an und zieht in die nahe Stadt, um die Perle zu verkaufen. Ein Zug von Nachbarn, Neugierigen und Bettlern folgt ihnen, denn alle spüren, dass hier etwas geschieht, das in die Geschichte des Volkes eingehen wird.

Die Perlenhändler, die nur scheinbar Konkurrenten, tatsächlich aber Angestellte eines einzigen Händlers sind, bieten Keno entsprechend ihren Anweisungen einen lächerlich niedrigen Preis für die kostbare Perle und versuchen seinen Fund als unverkäufliche Kuriosität abzuwerten. Wütend und stolz nimmt Keno die Perle wieder an sich und fasst den Entschluss, sie in der weit entfernten Hauptstadt zu verkaufen.

Auch in dieser Nacht versucht jemand die Perle zu stehlen. Die Melodie des Bösen mischt sich mit der Melodie des Feindes. Keno wird abermals verletzt, und Juana bittet ihn eindringlich, die Perle zu zermalmen oder zurück ins Meer zu werfen, um das drohende Unheil abzuwenden. Als Keno sich entschieden weigert, schleicht Juana sich leise fort, um die Perle im Meer verschwinden zu lassen. Doch Keno folgt ihr und hindert sie daran. In seinem Zorn über ihr Handeln schlägt er seine sanfte und geliebte Frau zu Boden. Auf dem Rückweg zum Haus wird er erneut von einem Unbekannten angegriffen und tötet ihn im Kampf. Entsetzt beschließt das Paar übers Meer zu fliehen. Doch Keno findet sein schönes Boot zerstört. Als er sich schwer getroffen wieder seinem Haus zuwendet, steht dieses in Flammen.

Kenos Bruder versteckt die kleine Familie einen Tag lang in seinem Haus, und in der Nacht fliehen Keno und Juana mit ihrem Sohn auf dem Landweg Richtung Norden, wobei sie sich bemühen, ihre Spuren sorgfältig zu verwischen. Doch als sie sich erschöpft ein Ruhelager einrichten, entdeckt Keno, dass zwei Fährtensucher und ein dritter Mann, zu Pferd und mit einem Gewehr bewaffnet, sie verfolgen. Sie flüchten in die Berge, doch es gelingt ihnen nicht, ihre Verfolger abzuschütteln. Keno versteckt Frau und Kind in einer Höhle und entschließt sich mit dem Mut der Verzweiflung, die Männer anzugreifen. Während er sich anschleicht, ertönt Coyotitos Weinen in der Nacht, und der wachhabende Mann feuert einen Schuss in Richtung der Höhle, der Coyotito tötet. Außer sich vor Wut und unerbittlich wie eine Maschine tötet Keno nacheinander alle drei Männer.

Erstarrt in Trauer und Schmerz machen sich Keno und Juana mit der Leiche ihres Kindes zurück auf den Weg in ihre Siedlung. Die Menschen am Weg fürchten sich vor dem Grauen, das in ihrer Haltung und in ihren Gesichtern geschrieben steht. Blicklos gehen sie an der Stelle vorbei, an der einst ihr Haus stand, wenden sich zum Meer, ohne ihr zerstörtes Kanu zu beachten, und dann schleudert Keno die Perle mit aller Kraft zurück ins Meer.

Der Literaturnobelpreisträger John Steinbeck hat den Sagenstoff spannend in die Gegenwart übertragen, und bringt den Lesern damit ein Stück des alten mexikanischen Volksglaubens nahe. Keno hat versucht, sich gegen uralte Gesetze und gegen die Worte des Priesters aufzulehnen, nach denen jedem Menschen ein bestimmter Platz auf der Welt zugewiesen ist, an dem er ausharren muss, und den er nicht verlassen darf. Er war entschlossen, für sein Lebensglück und für die hoffnungsvolle Zukunft seines Sohnes zu kämpfen, wurde jedoch erbarmungslos an seinen Platz zurückverwiesen.


Zusammenfassung von Mia Sabinger /  Inhaltsangabe.de.
Veröffentlicht am 25. Januar 2010, zuletzt aktualsiert am 26. März 2017.