Ernest Hemingway (1899–1961) war einer der populärsten und erfolgreichsten US-amerikanischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts; er gilt als moderner Klassiker. Zu seinen bekanntesten Werken zählt der 1940 erschienene Roman »Wem die Stunde schlägt«. Für die Novelle »Der alte Mann und das Meer« wurde Hemingway 1953 mit dem Pulitzer-Preis und 1954 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet.

Tabellarischer Lebenslauf

1899 Geboren am 21. Juli 1899 als zweites Kind des Arztes Dr. Clarence Edmonds Hemingway und seiner Frau Grace Hall in Oak Park/Illinois.
1913 – 1917 Besuch der High School in Oak Park.
1917 Reporter beim »Kansas City Star«.
1918 Freiwilliger für das amerikanische Rote Kreuz an der italienischen Front; schwere Verwundung; Begegnung mit Agnes von Kurowsky.
1919 Rückkehr nach Oak Park; erste erfolglose literarische Versuche.
1920 Tätigkeit als Journalist, zunächst beim »Toronto Star«, dann in Chicago. In Chicago Beginn der Freundschaft mit Sherwood Anderson. Bekanntschaft mit Hadley Richardson.
1921 Eheschließung mit Hadley. Einschiffung nach Europa als Korrespondent des »Toronto Star«.
1922 – 1927 Aufenthalt in Paris; Freundschaft mit der Mäzenin Gertrude Stein; zahlreiche Reisen in Europa; Arbeit als Journalist und Schriftsteller.
1923 Geburt des Sohnes John Hadley Nicanor (Bumby).
1925 Erste Begegnung mit Pauline Pfeiffer. Freundschaft mit F. Scott Fitzgerald.
1926 Literarischer Durchbruch mit dem Stierkampf-Roman »Fiesta«.
1927 Scheidung von Hadley; Hochzeit mit Pauline.
1928 Rückkehr in die USA nach Key West, Florida. Geburt des Sohnes Patrick. Suizid des Vaters. Literarischer Durchbruch mit dem Antikriegsroman »In einem anderen Land«.
1931 Geburt des Sohnes Gregory.
1933 – 1934 Großwildsafari in Afrika in Begleitung von Pauline.
1934 Erwerb der hochseetüchtigen Motoryacht »Pilar«.
1936 – 1938 Unterstützung der Republikaner im Spanischen Bürgerkrieg.
1936 Bekanntschaft mit Martha Gellhorn, seiner späteren dritten Frau.
1939 Arbeit an »Wem die Stunde schlägt« auf Kuba; der 1940 veröffentlichte Roman wird ein grandioser Erfolg.
1940 Scheidung von Pauline; Eheschließung mit Martha Gellhorn; Kauf der Finca Vigiá auf Kuba.
1943 Mit Martha als Reporter für »Collier's« an Kriegsschauplätzen in Asien.
1944 Mit Martha als Kriegsberichterstatter für »Collier's« in London und Paris. In London Bekanntschaft mit Mary Welsh, seiner späteren vierten Frau.
1945 Rückkehr nach Kuba; Scheidung von Martha.
1946 Hochzeit mit Mary Welsh in Havanna.
1948 – 1950 Italienreise mit Mary; Begegnung mit Adriana Ivancich; weitere Reisen in Europa.
1952 Veröffentlichung von »Der alte Mann und das Meer« im LIFE-Magazin, ein triumphaler Erfolg.
1953 Reisen in Europa und Afrika; Pulitzerpreis.
1954 Überleben von zwei Flugzeugabstürzen in Afrika. Nobelpreis für Literatur.
1957 Arbeit an »Paris – Ein Fest fürs Leben«
1959 Revolution auf Kuba und Machtübernahme durch Fidel Castro. Kauf eines Hauses in Ketchum, Idaho.
1960 Körperliche Leiden; schwere Depressionen; Elektroschock-Behandlung in der Mayo-Klinik.
1961 Suizid am 2. Juli 1961 durch einen Gewehrschuss im Haus in Ketchum.

Biografie

1899 – 1920

Ernest Miller Hemingway wurde am 21. Juli 1899 in Oak Park/Illinois geboren. Er war das zweite von sechs Kindern des angesehenen Arztes Dr. Clarence Edmonds Hemingway und seiner musisch begabten Frau Grace Hall. Die puritanisch strenge Erziehung des Vater prägten Hemingway ebenso wie dessen Naturverbundenheit und die langen Sommer in der Wildnis des Walloon Lake. Dort lehrte sein Vater ihn jagen und fischen sowie mit Werkzeug und Waffen umzugehen. In dieser »männlichen Welt« fand Ernest einen Ausgleich zu dem von Mutter und Schwestern weiblich dominierten Alltag.

Die High School verließ Hemingway 1917 vorzeitig, um als Lokalreporter in Kansas City zu arbeiten. Den Anforderungen des Blatts entsprechend entwickelte er dort seinen schlichten und knappen Stil. 1918 ging er als Freiwilliger zum Sanitätskorps des amerikanischen Roten Kreuzes. Er wurde an der italienischen Front schwer verwundet. Im Lazarett begegnete er seiner ersten großen Liebe, der amerikanischen Krankenschwester Agnes von Kurowsky.

Anfang 1919 kehrte Hemingway in die USA zurück, wo er sich als Held feiern ließ. Tatsächlich aber hatten die Erfahrung der Todesnähe und die Zurückweisung durch Agnes ihn tief verunsichert. Ab 1920 bekam er die Chance für den »Toronto Star« zu schreiben. Die Bezahlung war schlecht, aber immerhin sah er seine Texte veröffentlicht. Im Herbst 1920 ging er nach Chicago, um zu schreiben. Dort begegnete er dem Schriftsteller Sherwood Anderson (1876–1941), der zu Hemingways Freund und Förderer wurde.

1921 – 1927

Am 3. September 1921 heiratete Hemingway die acht Jahre ältere Elizabeth Hadley Richardson; drei Monate später schiffte sich das Paar nach Europa ein. Als freier Europa-Korrespondent für den »Toronto Star« lebte er mit Hadley in Paris. Über die Mäzenin Gertrude Stein lernte Hemingway die Avantgarde der europäischen und amerikanischen Moderne kennen, darunter James Joyce, Ezra Pound und F. Scott Fitzgerald sowie die Maler Pablo Picasso oder Joan Miró. Seine Reportagen aus dem Europa der 1920er Jahre waren scharfzüngig und entlarvend. Das Ziel, literarisch zu schreiben, verlor Hemingway jedoch nicht aus den Augen.

1923 wurde der Sohn John Hadley Nicanor (Bumby) geboren. Trotz harter Arbeit verdiente Hemingway noch immer wenig; die Familie lebte in Armut. Dieser Belastungsprobe zeigte sich die Ehe nicht gewachsen. Hemingways Verhältnis mit der reichen und attraktiven Pauline Pfeiffer war für ihn ein Ausweg, während seine Frau Hadley darunter litt. 1927 ließ er sich von ihr scheiden und heiratete Pauline.

Unterdessen gelang ihm 1926 mit seinem Roman »Fiesta« der Durchbruch als Schriftsteller. In dem Werk thematisierte Hemingway seine Begeisterung für den Stierkampf. Zudem traf die Grundstimmung des Romans den Nerv jener Zeit: die Helden waren jeder auf seine Art Opfer des Krieges und Opfer ihrer Zeit.

1927 – 1934

1928 zog Hemingway mit Pauline nach Key West, Florida, wo er neben dem Schreiben zum leidenschaftlichen Fischer wurde. Dort wurde sein zweiter Sohn Patrick geboren. In dem Antikriegsroman »In einem anderen Land« hatte Hemingway seine eigenen Kriegserlebnisse verarbeitet. Das Werk machte ihn 1928 endlich berühmt. Im selben Jahr wurde er vom Freitod seines Vaters schwer erschüttert.

1934 kaufte Hemingway eine hochseetüchtige Motoryacht, die er auf den Namen »Pilar« taufte. Hemingway war Abenteurer und Einzelgänger und fasziniert vom Leben in der Natur, vom Jagen und Hochseefischen; in Afrika nahm er an Großwildsafaris teil. Gemäß seinem Bild eines Mannes suchte er Herausforderungen, um sich ihnen zu stellen. Jahrelang schrieb und reiste er zwischen Amerika, Afrika und Europa. Seine Erfahrungen und Erlebnisse hat er in Reportagen, Erzählungen und Romanen verarbeitet.

Hemingway und Hollywood

Hollywood erkannte früh das Geschäftspotential, das in Verfilmungen von Hemingways Werken lag. Die Stoffe wurden noch zu Hemingways Lebzeiten – teilweise mehrfach – erfolgreich adaptiert, dabei mitunter jedoch bis zur Unkenntlichkeit verändert. Der einzige von Hemingway akzeptierte Film war Robert Siodmaks »Tod eines Killers«.

  • »In einem anderen Land« mit Gary Cooper, Helen Hayes (1932)
  • »Wem die Stunde schlägt« mit Gary Cooper und Ingrid Bergman (1943)
  • »Haben und Nichthaben« mit Humphrey Bogart und Lauren Bacall (1944)
  • »Tod eines Killers« mit Burt Lancaster und Ava Gardner (1946)
  • »Die Macomber-Affäre« mit Gregory Peck und Joan Bennett (1947)
  • »Schnee am Kilimandscharo« mit Gregory Peck und Ava Gardner (1952)
  • »Der alte Mann und das Meer« mit Spencer Tracy (1958)

1934 –1940

Alkoholexzesse und Prügeleien festigten in der Öffentlichkeit ein Bild des Schriftstellers, das im Widerspruch stand zu dem einsamen, zweifelnden und suchenden Mann dahinter. Seine plötzlichen Wutausbrüche und ein kaum verhohlener Narzissmus führten zum Bruch mit alten Freunden und Wegbegleitern.

1931 wurde Hemingways dritter Sohn Gregory geboren. Die Rolle als Familienvater lehnte Hemingway jedoch ab, was das Verhältnis zu Pauline zunehmend belastete. Lange Trennungen aufgrund von Hemingways Teilnahme am Spanischen Bürgerkrieg und der Berichterstattung darüber beschleunigten das Ende der Beziehung. Die Ehe wurde 1940 geschieden. Im Oktober erschien der Roman »Wem die Stunde schlägt«; er wurde ein grandioser Erfolg.

1940 – 1945

1940 heiratete Hemingway die selbstbewusste und unabhängige Journalistin Martha Gelhorn und ließ sich mit ihr auf Kuba auf der Finca Vigiá nieder. Seine Erlebnisse und Eindrücke dort hat er in die Novelle »Der alte Mann und das Meer« einfließen lassen. Der kubanische Fischer Santiago gewinnt darin zunächst den Kampf gegen einen riesigen Marlin; Haie machen ihm den Fang jedoch streitig.

Auf Initiative seiner Frau Martha ging Hemingway mit ihr als Kriegsberichterstatter im Zweiten Weltkrieg zur chinesisch-japanischen Front; ab 1944 berichteten sie aus Europa. Weihnachten 1944 trennte sich das Paar; ein Jahr später wurde es geschieden.

1946 – 1961

In London hatte Hemingway Mary Welsh kennengelernt, die 1946 seine vierte Frau wurde; die Ehe hielt bis zu Hemingways Tod im Jahre 1961.

Der 1950 erschienene Roman »Über den Fluss und in die Wälder« wurde von der Kritik äußerst gemischt aufgenommen. An seine großen Erfolge konnte Hemingway 1952 noch einmal anknüpfen, als der Kurzroman »Der alte Mann und das Meer« veröffentlicht wurde. 1953 erhielt er dafür den Pulitzerpreis und 1954 den Nobelpreis für Literatur. Hemingways Stil gilt als epochemachend.

Zeitlebens war Hemingway eine schillernde Figur des öffentlichen Lebens, woran er selbst unermüdlich mitarbeitete. Der »Mythos Hemingway« bekam 1954 neue Nahrung, als der Schriftsteller in Afrika innerhalb von 24 Stunden zwei Flugzeugabstürze überlebte. Über dem Interesse an dem Abenteurer ging in der Öffentlichkeit das Interesse an dem Schriftsteller Hemingway verloren; der Künstler selbst verlor zudem das Gespür für die Gratwanderung zwischen Fiktion und Selbstinszenierung.

Als nach der Machtübernahme durch Fidel Castro auf Kuba politische Veränderungen absehbar wurden, kaufte Hemingway 1959 ein Haus in Ketchum, Idaho. Ab 1960 verschlechterte sich der Gesundheitszustand des Schriftstellers zusehends. Er litt an körperlichen Gebrechen sowie schweren Depressionen. Am 2. Juli 1961 erschoss er sich – kurz vor seinem 62. Geburtstag – in seinem Haus in Ketchum.

Werke von Ernest Hemingway (Auswahl)

1926
»The Sun Also Rises«
(dt. »Fiesta«)
Roman
1927
»Men Without Women«
(dt. »Männer ohne Frauen«)
1929
»A Farewell to Arms«
(dt. »In einem andern Land«)
Roman
1932
»Death in the Afternoon«
(dt. »Tod am Nachmittag«)
Essay
1935
»Green Hills of Africa«
(dt. »Die grünen Hügel Afrikas«)
Jagdgeschichte/Tatsachenbericht
1936
»The Short Happy Life of Francis Macomber«
(dt. »Das kurze glückliche Leben von Francis Macomber«)
Short Story
1936
»The Snows of Kilimanjaro«
(dt. »Schnee auf dem Kilimandscharo«)
Short Story
1937
»To Have and Have Not«
(dt. »Haben und Nichthaben«)
Roman
1938
»The Fifth Column and the First Forty-Nine Stories«
Short Stories
1940
»For Whom the Bell Tolls«
(dt. »Wem die Stunde schlägt«)
Roman
1952
»The Old Man and the Sea«
(dt. »Der alte Mann und das Meer«)
Novelle
1964
»A Moveable Feast«
(dt. »Paris – Ein Fest fürs Leben«)
Erinnerungen (postum veröffentlicht)
1970
»Islands in the Stream«
(dt. »Inseln im Strom«)
Roman (postum veröffentlicht)
1986
»The Garden of Eden«
(dt. »Der Garten Eden«)
Romanfragment (postum veröffentlicht)
1985
»The Dangerous Summer«
(dt. »Gefährlicher Sommer«)
Bericht über den Stierkampf in Spanien (postum veröffentlicht)

Zitate von Ernest Hemingway

»Ein Kontinent altert schnell, sobald wir kommen. Die Eingeborenen leben mit ihm in Harmonie. Aber der Fremde zerstört, fällt Bäume, zieht das Wasser ab, so dass die Wasserversorgung eine andere ist, und in kurzer Zeit ist der Boden, wenn die Scholle erst einmal umgewendet ist, ausgelaugt, und das nächste ist, dass er wegzuwehen beginnt. […]«
Ernest Hemingway, »Die grünen Hügel Afrikas«, 1935
»Man kann vernichtet werden, aber man darf nicht aufgeben.«
Ernest Hemingway, Santiago in »Der alte Mann und das Meer«, 1940
»Alles, was du tun musst, ist, einen wahren Satz schreiben. Schreib den wahrsten Satz, den du weißt.«
Ernest Hemingway, »Paris, ein Fest fürs Leben«, 1964

Inhaltsangaben

Weiterführende Literatur

Hans-Peter Rodenberg: Ernest Hemingway
In der Reihe Rowohlts Monographie porträtiert Hans-Peter Rodenberg, Professor unter anderem für Kulturgeschichte der USA an der Universität Hamburg, den Schriftsteller und sein Werk.
Kenneth S. Lynn: Hemingway. Eine Biographie
Ausführliche und einfühlsame Biografie Hemingways von Kenneth Lynn; ins Deutsche übertragen von Werner Schmitz, der auch die Werke Hemingways übersetzte.
Paul Hendrickson: Hemingway's Boat – Everything He Loved in Life, and Lost
Das Buch von Paul Hendrickson konzentriert sich auf die Jahre 1934–1961, eine Schlüsselperiode zum Verständnis des Schriftstellers.