Jane Austen

Jane Austen (1775–1817) war eine englische Schriftstellerin. Berühmt ist sie vor allem für ihre Romane »Stolz und Vorurteil« sowie »Emma«.
Geboren am
16. Dezember 1775
Gestorben am
18. Juli 1817
Jane Austen
Jane Austen
Portrait von Jane Austen (ca. 1810), gemalt von ihrer Schwester Cassandra.

Biografie

Jane Austen erblickte am 16. Dezember 1775 in der südenglischen Ortschaft Steventon das Licht der Welt. Ihr Vater, der Geistliche William George Austen, besaß eine umfangreiche Bibliothek und förderte das literarische Interesse seiner Tochter nach Kräften. So kam die kleine Jane schon früh mit den Werken berühmter Schriftsteller wie Henry Fielding oder Alexander Pope in Kontakt. Bereits mit zwölf Jahren verfasste sie eigene literarische Werke. Hierbei handelte es sich vor allem um Satiren und kurze Prosatexte.

In den Jahren 1811 und 1813 erschienen Jane Austens erste Romane »Verstand und Gefühl« (Sense and Sensibility) und »Stolz und Vorurteil« (»Pride and Prejudice«). Beide Werke begründeten – neben »Emma« aus dem Jahr 1816 sowie der ein Jahr später erschienenen Schauerromansatire »Die Abtei von Northanger« (Northanger Abbey) – ihren literarischen Ruhm. Im Mittelpunkt der Handlung steht bei den Romanen der englischen Schriftstellerin immer eine Liebesgeschichte. Meistens müssen sich dabei junge Damen vom Lande in der städtischen Gesellschaft zurechtfinden. Am Ende wendet sich dann nach diversen Schwierigkeiten mit einer Liebesheirat alles zum Guten. Diesen eher konventionellen romantischen Handlungsablauf verbindet die Autorin jedoch mit einer virtuosen Sprachkunst und einer sehr modern wirkenden Stilistik. Gleichzeitig überzeugen Austens Romane durch gekonnt komponierte dramatische Handlungselemente sowie überaus präzise Gesellschaftsbeobachtungen und -beschreibungen. Alle Werke erschienen unter dem Pseudonym »by a lady«. Bald war dieses Geheimnis allerdings gelüftet. Die Romane von Jane Austen waren schon zu ihren Lebzeiten recht erfolgreich und wurden auch bereits zu dieser Zeit unter anderem ins Deutsche übersetzt. Wirklich große Popularität erreichten die Werke allerdings erst später. So zählt »Stolz und Vorurteil« mit mehr als 20 Millionen verkauften Exemplaren und diversen Verfilmungen heute zu einem der erfolgreichsten Klassiker der englischen Nationalliteratur.

Ihre letzten Lebensjahre verbrachte die Autorin zurückgezogen in einem Landhaus in Chawton. Dort zog sie sich eine schwere Krankheit zu, die sie in Winchester behandeln lassen wollte, jedoch dort am 18. Juli 1817 verstarb. Der Nachwelt bleibt die englische Schriftstellerin nicht nur durch ihre Romane in Erinnerung. So ist das Landhaus, in dem sie die letzten Lebensjahre verbrachte, heute ein der Schriftstellerin gewidmetes Museum. Zudem wird Jane Austens Konterfei anlässlich ihres 200. Todestages auf der britischen Zehn-Pfund-Banknote zu bewundern sein.

Steventon 1775–1801

Jane Austen wurde am 16. Dezember 1775 in Steventon in der südenglischen Grafschaft Hampshire geboren. Ihr Vater war Geistlicher in der dortigen Pfarrei. Jane war das siebte von acht Kindern; sie hatte eine Schwester und sechs Brüder. Der Vater William George Austen (1731–1805) und die Mutter Cassandra Austen, geborene Leigh (1739–1827) stammten aus alten angesehenen Familien. Sie hatten wohlhabende Verwandte.

Die Austens führten ein offenes Haus und die Kinder wuchsen recht unbeschwert auf. Janes literarisches Interesse wurde in vielerlei Hinsicht gefördert. Der Vater besaß eine umfangreiche Bibliothek, und so kam Jane schon früh mit den Werken berühmter Schriftsteller in Kontakt. Die Austens liebten Bücher und vor allem Romane. Alle lasen gern und viel; mitunter führten sie kleine Theaterstücke im Familienkreis auf. Bereits mit elf Jahren verfasste Jane eigene Prosatexte. Dies waren zumeist amüsante Parodien auf zeitgenössische Literatur, die sie zur Unterhaltung der Familie vortrug.

Ein besonders inniges Verhältnis hatte Jane zu ihrer einzigen, drei Jahre älteren Schwester Cassandra (1773–1845). Zwischen ihnen bestand ein lebhafter Briefwechsel, der bis zu Jane Austens Tod andauerte. Keine der Schwestern heiratete; sie wohnten im Elternhaus. Während ihrer jeweiligen Besuche bei den Familien ihrer Brüder schrieben sie sich regelmäßig. Heute liefern die Briefe wesentliche Informationen über das Leben der berühmten Schriftstellerin. Leider hat Cassandra nach Janes Tod viele jener Briefe ganz oder teilweise vernichtet, die ihr zu privat erschienen.

Mit Anfang zwanzig schrieb Jane Austen erste Fassungen ihrer späteren großen Romane. 1797 entstand das Manuskript zu »Stolz und Vorurteil« (»Pride and Prejudice«). Ihr Vater bot das Werk einem Verleger an, der es jedoch ablehnte.

Bath 1801–1805

1801 ging Jane Austens Vater in den Ruhestand und zog mit der Familie in den eleganten Kurort Bath. Jane war schockiert, als sie zum ersten Mal von dem geplanten Umzug erfuhr. Sie hat sich in dem mondänen Seebad nicht wohlgefühlt. 1802 wies sie einen jüngeren Mann ab, der sie heiraten wollte. Geschrieben hat sie in Bath nicht viel. Überhaupt sind nur wenige Zeugnisse aus jener Zeit erhalten. Nach dem Tod des Vaters 1805 verließ die Mutter mit ihren beiden Töchtern den Ort.

Southampton und Chawton 1805–1817

Nach einigen Zwischenstationen, unter anderem in Southampton, ließen sich die Frauen 1809 in Chawton, Hampshire, nieder. Hier verbrachte die Autorin ihre letzten Lebensjahre recht zurückgezogen in einem Landhaus auf dem Herrensitz ihres Bruders Edward.

Erst in den Jahren 1811 und 1813 wurden Jane Austens Romane »Verstand und Gefühl« (»Sense and Sensibility«) sowie »Stolz und Vorurteil« (»Pride and Prejudice«) zum ersten Mal veröffentlicht. »Verstand und Gefühl« ist die Geschichte zweier Frauen, Elinor und Marianne Dashwood. Beide leiden an einer unglücklichen Liebe. Während Elinor sich vernünftig verhält und im Stillen leidet, zeigt ihre Schwester Marianne sich offen und reagiert mit heftigen Gefühlen. In »Stolz und Vorurteil« müssen Elizabeth Bennet und Mr. Darcy Hochmut und Vorurteile überwinden, bevor sie sich ihre Liebe eingestehen können. Die beiden sind neben Romeo und Julia das berühmteste Liebespaar der englischen Literatur.

Im Mittelpunkt von Jane Austens humorvollen Romane stehen starke Frauencharaktere. Meistens suchen junge Damen vom Lande ihren Weg im Leben und – der damaligen Gesellschaftsordnung entsprechend – einen Ehemann. Erzählt wird immer (auch) eine Liebesgeschichte. Am Ende wendet sich nach Schwierigkeiten und Verwicklungen mit einer Liebesheirat alles zum Guten.

Diesen eher konventionellen romantischen Handlungsablauf verbindet die Autorin mit einer virtuosen Sprachkunst und einer sehr modern wirkenden Stilistik. Gleichzeitig überzeugen Austens Romane durch gekonnt komponierte dramatische Handlungselemente. Ihre Gesellschaftsbeobachtungen und -beschreibungen sind überaus präzise. Mit feiner Ironie skizziert sie die englische Klassengesellschaft des frühen 19. Jahrhunderts.

Jane Austens veröffentlichte zu Lebzeiten unter dem Pseudonym »by a lady«. Die Leser waren begeistert von den Romanen – und Austens Autorenschaft wurde bald zu einem offenen Geheimnis.

Winchester 1817

In Chawton erkrankte Jane Auston schwer. Vermutlich handelte es sich um die damals unheilbare Nebenniereninsuffizienz. Im Frühjahr 1817 ging sie zur Behandlung nach Winchester, wo sie am 18. Juli 1817 starb. Jane Austen wurde nur 41 Jahre alt.

Ungebrochener Ruhm

In England zählt Jane Austen zum literarischen Nationalerbe. Das Landhaus in Chawton, in dem sie ihre letzten Lebensjahre verbrachte, ist heute ein ihr gewidmetes Museum. Zum 200. Todestag der Kultautorin im Jahr 2017 wurde im Vereinigten Königreich eine Zehn-Pfund-Banknote mit ihrem Porträt in Umlauf gebracht.

Die Romane von Jane Austen waren schon zu ihren Lebzeiten erfolgreich und wurden auch bereits zu dieser Zeit unter anderem ins Deutsche übersetzt. Wirklich große Popularität erreichten die Werke allerdings erst später. So zählt »Stolz und Vorurteil« mit mehr als 20 Millionen verkauften Exemplaren und diversen Verfilmungen heute zu einem der erfolgreichsten Klassiker der englischen Nationalliteratur.

Werke

  • 1811
    Sense and Sensibility
    Roman
  • 1813
    Pride and Prejudice
    Roman
  • 1814
    Mansfield Park
  • 1816
    Emma
    Roman
  • 1817
    Northanger Abbey
    Roman
  • 1817
    Persuasion
    Roman
  • 1825
    Sanditon
    Roman, unvollendet
  • 1871
    Lady Susan
    Briefroman

Zitate

Je mehr ich von der Welt kennenlerne, desto mehr bin ich überzeugt, dass mir niemals ein Mann begegnen wird, den ich lieben kann. Ich verlange so viel!«



»The more I know of the world, the more I am convinced that I shall never see a man whom I can really love. I require so much!
Jane Austen, Sense and Sensibility
Es bestimmt uns nicht, was wir sagen oder denken, es bestimmt uns, was wir tun.«



»It isn’t what we say or think that defines us, but what we do.
Jane Austen, Sense and Sensibility
Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit, daß ein Junggeselle im Besitz eines schönen Vermögens nichts dringender braucht als eine Frau.«



»It is a truth universally acknowledged, that a single man in possession of a good fortune, must be in want of a wife.
Jane Austen, Stolz und Vorurteil
Ich stelle fest, dass es letztlich nichts Schöneres gibt als zu lesen.«



»I declare after all there is no enjoyment like reading!
Jane Austen, Stolz und Vorurteil
Ist nicht Unhöflichkeit gegenüber dem Rest der Welt der Inbegriff von Liebe?«



»Is not general incivility the very essence of love?
Jane Austen, Stolz und Vorurteil
Glück in der Ehe ist allein eine Sache des Zufalls.«



»Happiness in marriage is entirely a matter of chance.
Jane Austen, Stolz und Vorurteil
Jemand, der keine Freude an einem guten Roman hat, muß unerträglich dumm sein, ganz gleich ob Mann oder Frau.«



The person, be it gentleman or lady, who has not pleasure in a good novel, must be intolerably stupid.«
Jane Austen, Northanger Abbey
Ich verlange von den Leuten nicht, dass sie mir angenehm sind, weil es mich vor dem Problem bewahrt, sie zu mögen.«



»I do not want people to be very agreeable, as it saves me the trouble of liking them a great deal.
Jane Austen, Jane Austens Briefe