Aldous Huxley (1894–1963) war ein britischer Schriftsteller. Berühmt wurde er als Autor von Romanen und zahlreichen Essays. Sein bekanntestes Werk ist der dystopische Roman »Brave New World« aus dem Jahr 1932.

Tabellarischer Lebenslauf

1894Geburt am 26. Juli 1894 in Godalming, Surrey, England.
1903Einschulung in die Hillside School in Malvern, Worcestershire
1908Aufnahme am Eton College; Tod der Mutter
1911Schwere Augenerkrankung, zeitweilig völlige Erblindung, anschließend dauernde Schwächung des Sehvermögens
1912Studienaufenthalte in Marburg, Deutschland, und Grenoble, Frankreich
1913Immatrikulation am Balliol College in Oxford für Englische Literatur und Philosophie
1914Selbsttötung des Bruders Trevenen am 15. August 1914
1916Abschluss des Studiums mit Auszeichnung; Bekanntschaft mit der Bloomsbury Group um Virginia Woolf, mit Katherine Mansfield und anderen aufstrebenden Schriftstellern seiner Zeit
1917Lehrtätigkeit in Eton; einer seiner Schüler war Eric Sinclair, später: George Orwell
1919Tätigkeit als Journalist; Heirat mit der Belgierin Maria Nys am 10. Juni 1919 und Niederlassung in London
1920Geburt von Sohn Matthew
1921Umzug nach Italien; Veröffentlichung des Debütromans »Crome Yellow« (dt. »Eine Gesellschaft auf dem Lande«).
1925Weltreise nach Asien und Amerika
1926Aufenthalt in den USA; enge Freundschaft mit D. H. Lawrence
1928Umzug nach Frankreich
1930Bezug eines Hauses in Sanary-sur-Mer, Provence, Frankreich
1932Veröffentlichung des Romans »Schöne neue Welt«
1933Tod des Vaters; Weltreise nach Mittelamerika
1934Umzug nach London
1937Reise in die USA und nach Mexiko
1938Niederlassung in Llano, Kalifornien, USA
1948Erste Europareise nach dem Zweiten Weltkrieg
1953Erste Experimente mit der psychedelischen Droge Meskalin, in »The Doors of Perception« und »Heaven and Hell« literarisch verarbeitet; eine Abhängigkeit entwickelte Huxley nicht
1955Tod der Ehefrau Maria Huxley, geb. Nys
1956Heirat mit der Musikerin und Schriftstellerin Laura Archera
1958Reise nach Südamerika
1959 – 1960Lehrtätigkeit und Gastprofessuren an den Universitäten Santa Barbara und Berkeley, Kalifornien sowie Topeka, Kansas und Boston
1963Tod am 22. November 1963 in Los Angeles infolge einer Krebserkrankung

Biografie

Familie und Erziehung

Aldous Leonard Huxley wurde am 26. Juli 1894 in Godalming, Surrey (England) als drittes von vier Kindern geboren. Seine Eltern waren Leonard Huxley, ein renommierter Philologe, und die Lehrerin Julia Arnold. Sie gründete 1901 die von liberalen Idealen inspirierte Prior’s Field School. Beide Eltern legten großen Wert auf eine gute Bildung ihrer Kinder. Sowohl Mutter als auch Vater entstammten Familien, die über Generationen zur intellektuellen Elite Englands gehörten.

Aldous’ Urgroßvater Thomas Arnold (1795–1842) war ein bekannter Pädagoge und Schulreformer; sein Großonkel, der Schriftsteller Matthew Arnold (1822–1888), galt als einer der wichtigsten Kulturkritiker seiner Zeit. Der Großvater väterlicherseits war Thomas Henry Huxley (1825–1895), ein berühmter Naturwissenschafter und Unterstützer der Evolutionstheorie Charles Darwins. Aldous‘ Bruder Julian Huxley (1887–1975) wurde ein einflussreicher Biologe und Schriftsteller, sein Halbbruder Andrew Fielding Huxley (1917–2012) erhielt 1963 den Nobelpreis für Medizin.

Schule und College

Nachdem Aldous zunächst von der Mutter unterrichtet worden war, besuchte er ab 1903 die Hillside School in Malvern (Worcestershire). 1908 wurde er am Eton College in Berkshire aufgenommen. Im selben Jahr starb seine Mutter an Brustkrebs; Mary Augusta Ward (1851–1920), Schriftstellerin und Schwester der Mutter, bot dem vierzehnjährigen Huxley eine Zuflucht.

1911 traf ihn ein weiterer Schicksalsschlag. Er erkrankte an einem schweren Augenleiden (Keratitis superficialis punctata) und musste Eton verlassen. Lange Zeit war er nahezu blind. Er erlernte die Braille-Schrift und setzte seine Studien fort. Nach mehreren Operationen gewann er seine Sehkraft so weit zurück, dass er mit dicken Brillengläsern lesen konnte. Viele Jahre später beschäftigten ihn alternative Heilmethoden für Augenerkrankungen. 1942 erschien unter dem Titel »The Art of Seeing« (dt. »Die Kunst des Sehens«) eine Sammlung von Essays.

Von seinem Plan, Biologe oder Mediziner zu werden, musste er sich allerdings verabschieden. Sein Interesse an Naturwissenschaften blieb bestehen und fand Eingang in sein literarisches Werk (insbesondere in »Brave New World«). 1912 begab Huxley sich zu Studienaufenthalten nach Marburg und Grenoble. Von da an reiste er zeitlebens gern, ohne sich lange an einen Ort zu binden.

Studium und Berufswahl

Im Oktober 1913 immatrikulierte sich Aldous Huxley am Balliol College der University of Oxford. Seine Studienfächer waren Englische Literatur und Philosophie. Am 14. August 1914 traf ihn mit dem Tod des ältesten Bruders Noel Trevenen (1898–1914) erneut ein Schlag: Trevenen nahm sich das Leben, indem er sich erhängte. Über den Verlust sollte Aldous nie ganz hinwegkommen. 1916 schloss Aldous Huxley sein Studium mit Auszeichnung ab; er graduierte zum Bachelor of Arts. Er war 22 Jahre und beschloss, die Schriftstellerei zu seinem Beruf zu machen.

Nach Englands Eintritt in den Ersten Weltkrieg hatte Huxley sich 1914 als Freiwilliger gemeldet, war aber wegen seiner Sehbehinderung ausgemustert worden. Im Anschluss an sein Studium leistete er eine Art Ersatzdienst als Aushilfe auf Garsington Manor. Das Anwesen war der Landsitz von Lady Ottoline Morrell (1873–1938), einer prominenten Kunstmäzenin. Wie zuvor in Oxford traf Huxley auch hier Mitglieder der Bloomsbury Group um Virginia Woolf. Besonders beeindruckt war Huxley von dem Dichter und Schriftsteller D. H. Lawrence (1885–1930), zu dem sich eine enge Freundschaft entwickelte. Auch seine spätere Ehefrau, die Belgierin Maria Nys (1898–1955), lernte Huxley dort kennen.

Familiengründung und literarischer Durchbruch

Ab 1919 verdiente Huxley seinen Lebensunterhalt als Journalist und Theaterkritiker. Unter anderem arbeitete er für die Zeitschrift Athenaeum, einem bekannten Magazin für Literatur und Wissenschaft. Im selben Jahr heiratete er Maria Nys. 1920 wurde Sohn Matthew geboren. Mit der Veröffentlichung seines Debütromans »Crome Yellow« (dt. »Eine Gesellschaft auf dem Lande«) gelang Huxley 1921 der literarische Durchbruch. In den darauf folgenden Jahren konnte er seinen Ruf als Schriftsteller festigen. In rascher Folge veröffentlichte er Romane und Essay-Sammlungen.

Mit Frau und Sohn bereiste er 1925 und 1926 Asien und Amerika. Er traf Intellektuelle aus aller Welt, darunter seinen Freund D. H. Lawrence in den USA. 1930 bezog die Familie ein Haus in Sanary-sur-Mer in der Provence. Maler und Schriftsteller aus ganz Europa hatten sich nach dem Ersten Weltkrieg in und um die Kleinstadt an der Côte d’Azur niedergelassen. In den Jahren nach der nationalsozialistischen Machtübernahme in Deutschland wurde Sanary zum Zentrum deutscher Literaten und Künstler im Exil.

In Sanary entstand 1931 Huxleys bekanntester Roman »Brave New World«. Der Autor verarbeitete darin Eindrücke seiner Reise in die USA. Das Jahrhundert hatte dort mit der Einführung von Fließbandproduktion begonnen. Huxleys zentrales Thema war der Mensch zwischen Massenfertigung und Massenkonsum. In satirischer Überspitzung entwarf der Autor ein beängstigendes Bild der Zukunft. Die Dystopie gilt als Klassiker der Science- Fiction. Für Huxley selbst wurde der Roman zum Wendepunkt. Er streifte seine pessimistische Weltsicht ab und begann seine Suche nach Lösungen für die Probleme der Menschheit.

Pazifist und Visionär

1934 zog die Familie von Frankreich nach London. Wie viele andere Intellektuelle seiner Generation war Huxley zunächst ein glühender Verfechter des Ersten Weltkriegs gewesen. Desillusioniert von der Art der Kriegsführung und der anschließenden Friedenslösung hatte er sich dem Pazifismus verschrieben. Er fragte sich öffentlich, wie eine Welt aussehen müsste, in der die dem Menschen eigene soziale Natur und seine Neigung zum Guten sich entfalten könnten. Huxleys Forderung nach Gewaltlosigkeit entfremdete ihn von Teilen seiner Leserschaft, insbesondere nach dem Machtwechsel in Deutschland und angesichts der heraufziehenden Gefahr eines neuen Krieges.

1937 beschloss die Familie, sich in Llano, Kalifornien niederzulassen. Bis zu seinem Tod lebte Huxley in den USA, überwiegend in Kalifornien. Zunächst schrieb er Drehbücher für die amerikanische Filmindustrie. Unter anderem wirkte er als Co-Autor am Drehbuch zu Jane Austens »Pride and Prejudice« (dt. »Stolz und Vorurteil«) mit. Der Film kam 1940 in die Kinos. Mit dem guten Verdienst in Hollywood konnte Huxley während des Zweiten Weltkriegs Freunde und Familie in England unterstützen. Sein Drehbuch zu »A Woman’s Vengeance« (1948) basiert auf seiner eigenen gleichnamigen Erzählung.

Zu Weihnachten 1944 verfasste Huxley unter dem Titel »The Crows of Pearblossom« (dt. »Die Krähen von Pearblossom«) auch ein Kinderbuch. Geschrieben wurde es für seine Nichte Olivia de Haulleville.

Buddhismus und Drogenexperimente

In Kalifornien fand Huxleys Interesse an spirituellen Fragen einen guten Nährboden. Er wandte sich der Mystik und fernöstlichen Weisheitslehren zu. Im Mayana-Buddhismus fand der einstige Satiriker und scharfzüngige Romancier eine neue geistige Heimat. 1938 begegnete Huxley dem indischen Philosophen und Theosophen Jiddu Krishnamurti (1895–1986). Im Jahr 1945 erschien »The Perennial Philosophy« (dt. »Die ewige Philosophie«), eine Sammlung religiöser und mystischer Texte aus verschiedenen Kulturkreisen, die Huxley zusammenführte.

Auch die Romane »After Many a Summer« von 1939 und »Time must have a stop« von 1944 spiegeln Huxleys persönliche Entwicklung wider. Für »After Many A Summer Dies the Swan« wurde er 1940 mit dem James Tait Black Memorial Prize ausgezeichnet. 1941 thematisierte Huxley die Verquickung von Mystik und Politik in einer Biografie des Kapuziners Père Joseph unter dem Titel »Grey Eminence«. Auf dessen großen politischen Einfluss als Berater und Vertrauter Kardinal Richelieus geht die Wendung graue Eminenz zurück. 1948 erschien mit »Ape and Essence« (dt. »Affe und Wesen«) eine weitere Dystopie. Sie hat die äußere Form eines Drehbuchs.

1948 reisten Huxley und seine Frau zum ersten Mal nach dem Krieg wieder nach Europa; eine zweite Reise nach Europa und durch den Mittelmeerraum fand 1954 statt. In den Jahren dazwischen stellte Huxley erste Selbstversuche mit der Droge LSD an. 1953 nahm er an einem von dem britischen Psychiater Humphry Osmond (1917–2004) geleiteten Experiment teil. Dabei wurde die Wirkung der psychedelischen und halluzinogen Droge Meskalin getestet. Seine Erfahrungen der Bewusstseinsveränderung verarbeitete Huxley 1954 in »The Doors of Perception« (dt. »Die Pforten der Wahrnehmung«) und 1956 in »Heaven and Hell« (dt. »Himmel und Hölle). Eine Abhängigkeit entwickelte Huxley nicht.

Ende als Utopist

Im Jahr 1955 starb Huxleys Frau Maria an Krebs. Nur ein Jahr später heiratete Huxley Laura Archera (1911–2007), eine italienisch-amerikanische Geigerin, Schriftstellerin und Psychotherapeutin sowie gute Freundin von Maria. In den folgenden Jahren unternahm das Paar weite Reisen. 1959 erhielt Huxley die Award of Merit Medal in the Novel der American Academy of Arts and Letters für »Brave New World«.

1961 wurde das Haus der Huxleys in Los Angeles von einem Buschfeuer total zerstört. Die gesamte Bibliothek des Autors, Briefe, Tagebücher und sonstige Schriftstücke fielen den Flammen zum Opfer. Das fast abgeschlossene Manuskript des Romans »Island« (dt. »Eiland«) konnte jedoch gerettet werden. Das Werk kam 1962 zur Veröffentlichung.

»Island« ist eine Art utopisches Gegenstück zu »Brave New World«. Erste Ideen dazu hatte Huxley bereits 1946 in einem Vorwort zu einer Neuauflage des Longsellers formuliert. Die Utopie spielt auf der fiktiven Insel Pala. Empathie und Achtsamkeit bestimmen das Leben der Menschen dort. Die Royal Society of Literature in London ernannte Aldous Huxley 1962 zum Companion of Literature.

Tod

Aldous Huxley starb am 22. November 1963 in seinem Haus in Hollywood an den Folgen einer Krebserkrankung. Am selben Tag fiel John F. Kennedy in Dallas einem Attentat zum Opfer.

Werke von Aldous Huxley (Auswahl)

1920
»Limbo«
(dt. »Cynthia«, 1988)
Kurzgeschichten-Sammlung
1921
»Crome Yellow«
(dt. »Eine Gesellschaft auf dem Lande«, 1977)
Roman
1925
»Those Barren Leaves«
(dt. »Parallelen der Liebe«, 1929)
Roman
1928
»Point Counter Point«
(dt. »Kontrapunkt des Lebens«, 1930)
Roman
1932
»Brave New World«
(dt. » Welt – Wohin? / Wackre neue Welt / Schöne Neue Welt«, 1932)
Roman
1936
»Eyeless in Gaza«
(dt. »Geblendet in Gaza«, 1953)
Roman
1939
»After Many A Summer Dies the Swan«
(dt. »Nach vielen Sommern«, 1954)
Roman
1941
»Grey Eminence«
(dt. »Die graue Eminenz«, 1941)
Biografie
1942
»The Art of Seeing«
(dt. »Die Kunst des Sehens«, 1982)
Essays
1944
»Time Must Have a Stop«
(dt. »Zeit muss enden«, 1950)
Roman
1945
»The Perennial Philosophy«
(dt. »Die ewige Philosophie«, 1948)
Essays
1948
»Ape and Essence«
(dt. »Affe und Wesen«, 1959)
Dystopischer Roman
1952
»The Devils of Loudun«
(dt. »Die Teufel von Loudun«, 1955)
Roman
1954
»The Doors of Perception«
(dt. »Die Pforten der Wahrnehmung «, 1954)
Essay-Sammlung
1955
»The Genius and the Goddess«
(dt. »Das Genie und die Göttin«, 1956)
Roman
1956
»Heaven and Hell«
(dt. »Himmel und Hölle«, 1957)
Essay
1958
»Brave New World Revisited«
(dt. »Wiedersehen mit der Schönen neuen Welt«, 1960)
Essaysammlung
1962
»Island«
(dt. »Eiland«, 1973)
Roman
1967
»The Crows of Pearblossom«
(dt. »Die Krähen von Pearblossom«, 2007)
Kinderbuch
1974
»Collected Short Stories«
(dt. »Meistererzählungen«, 1979)
Sammlung von Kurzgeschichten

Auszeichnungen und Preise (Auswahl)

1940James Tait Black Memorial Prize für »After Many A Summer Dies the Swan«
1959Award of Merit Medal in the Novel der American Academy of Arts and Letters für »Brave New World«
1962Companion of Literature der Royal Society of Literature
1963Zwischen 1938 und 1963 war Huxley neunmal für den Nobelpreis für Literatur nominiert; erhalten hat er die Auszeichnung nie

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