Annette von Droste-Hülshoff entstammt einem alten westfälischen Adelsgeschlecht. Sie wurde am 12. Januar 1797 als kaum lebensfähiges Siebenmonatskind auf Burg Hülshoff bei Münster geboren. Sie blieb Zeit ihres Lebens körperlich schwach und von häufiger Krankheit geplagt. Ihre ältere Schwester Jenny (sonst hatte sie noch zwei jüngere Brüder) wurde ihre wichtigste Vertraute. Schon früh erkannte Annette von Droste-Hülshoff ihre schriftstellerische Berufung und nahm ihre Arbeit sehr ernst. Sie stand brieflich im intellektuellen Austausch mit literarischen und philosophischen Größen ihrer Zeit, wie den Brüdern Grimm oder August Wilhelm Schlegel. Bereits mit 21 Jahren vollendete sie den ersten Teil ihres Gedichtzyklus »Das geistliche Jahr«. Ihre berühmtesten Werke jedoch schuf sie erst um 1840, als sie sich, durchaus im Einklang mit einer literarischen Tendenz ihrer Zeit, ihre westfälische Heimat literarisch neu erschloss: so die Novelle »Die Judenbuche« (1842) und der Gedichtzyklus »Haidebilder« (1842).
Die gesellschaftliche Stellung der unverheirateten Dichterin sowie ihr katholischer Glaube führten zu einem äußerlich engen und einförmigen Leben. Dennoch hat sie nie versucht, ihrer adeligen Familie und ihren traditionellen Aufgaben den Rücken zu kehren. Stattdessen brachte sie ihre literarischen Ambitionen und ihre familiären Verpflichtungen in einen sicher oft mühsam errungenen Einklang.
Die Leidenschaftlichkeit und Ruhelosigkeit der Künstlerin werden in ihrem Werk sichtbar. Ihre Gedichte und Erzählungen gehören zu den bedeutendsten Werken der deutschen Literatur. Die berühmte Novelle »Die Judenbuche« von 1842 steht bis heute auf den Leselisten im Deutschunterricht der gymnasialen Oberstufe. Auch Balladen wie »Der Knabe im Moor« oder »Vergeltung« sind von zeitloser Größe.
Westfalen galt Annette von Droste-Hülshoff immer als Heimat. Die Dichterin hat viele prägende Jahre in der Region verbracht. Westfalen mit seiner relativen Weltabgeschiedenheit, die sich nicht zuletzt der Distanz zu tendenziell expansionistisch orientierten Königreichen wie Preußen oder Sachsen verdankte, war Zeit ihres Lebens eine Quelle der Inspiration. Neben »Die Judenbuche« spielen auch viele Gedichte und andere Erzählungen der Autorin in Westfalen.
Annette von Droste-Hülshoffs Schwester Jenny lebte mit ihrem Mann auf der Meersburg am Bodensee. Bei ihnen hat die Droste viele Jahre ihres Lebens verbracht. Am 24. Mai 1848 starb sie dort. Zwei Tage später wurde sie auf dem Friedhof von Meersburg begraben.