Peter Bichsel, Jahrgang 1935, ist ein vielfach ausgezeichneter Schweizer Schriftsteller und Kolumnist. Er gilt als Meister der Kurz- und Kürzestgeschichte. Seine Kurzprosa kreist ebenso wie sein einziger Roman »Die Jahreszeiten« (1967) um menschliche Grunderfahrungen der Moderne: Langeweile, Einsamkeit, Angst und das Scheitern der Kommunikation. Bichsel lebt in Bellach bei Solothurn.

Biografie

Peter Bichsel, Jahrgang 1935, ist ein vielfach ausgezeichneter Schweizer Schriftsteller und Kolumnist. Er gilt als Meister der Kurz- und Kürzestgeschichte. Seine Kurzprosa kreist ebenso wie sein einziger Roman »Die Jahreszeiten« (1967) um menschliche Grunderfahrungen der Moderne: Langeweile, Einsamkeit, Angst und das Scheitern der Kommunikation. Bichsel lebt in Bellach bei Solothurn.

Kindheit und Ausbildung

Peter Bichsel wurde am 24. März 1935 in Luzern geboren. 1941 zog die Familie nach Olten, wo der Vater Arbeit als Maler in einer Eisenbahnwerkstätte gefunden hatte. Peter Bichsel besuchte die Primar- und Bezirksschule. Schon früh entdeckte er seine Liebe zum Schreiben.[1] Am Lehrerseminar in Solothurn ließ Bichsel sich ab 1951 zum Primarlehrer ausbilden.

Tätigkeit als Lehrer

Von 1955 bis 1968 (und ein letztes Mal 1973) arbeitete Bichsel als Primarlehrer in Lommiswil, Zuchwil und Zürich. Daneben war er zu jeder Zeit schriftstellerisch tätig. In einem Interview sagte er, dass die Lehrtätigkeit sein Schreiben nicht beeinflusst habe, eher sei es umgekehrt gewesen. Er hätte auch geschrieben, wenn er Maurer geworden wäre.[2]

Schriftstellerischer Durchbruch

Vor und nach 1960 erschien vereinzelt Lyrik und Kurzprosa von Peter Bichsel in Zeitungen. Seine erste Veröffentlichung in Buchform war der Privatdruck »Versuche über Gino«, 1960. Im Winter 1963/64 nahm Bichsel an einem von Walter Höllerer geleiteten Schreibkurs in Berlin teil. Als Literaturkritiker und -wissenschaftler, Herausgeber und Lehrstuhlinhaber an der Freien Universität war Höllerer zu jener Zeit einflussreich und prägend.

Mit der Sammlung von Kurz- und Kürzestgeschichten »Eigentlich möchte Frau Blum den Milchmann kennenlernen« wurde Peter Bichsel 1964 schlagartig bekannt. Die Gruppe 47 nahm ihn begeistert auf; 1965 verlieh sie ihm ihren Preis für die Lesung von vier Abschnitten aus seinem einzigen Roman »Die Jahreszeiten«. Der Roman erschien 1967 im Luchterhand Verlag, Darmstadt.

Werk und Auszeichnungen

Ab 1968 schrieb Peter Bichsel regelmäßig Kolumnen, u. a. für »Weltwoche«, »Tages Anzeiger Magazin«, »Schweizer Illustrierte«, »Luzerner Neueste Nachrichten«, »Sonntagsjournal« und Gewerkschaftspresse. 1969 erschien die Sammlung »Kindergeschichten«, für die Bichsel 1970 den Deutschen Jugendbuchpreis erhielt. In den folgenden Jahren und Jahrzehnten wurden viele seiner Kolumnen in Buchform veröffentlicht, u. a. »Geschichten zur falschen Zeit«, 1979 und »Gegen unseren Briefträger konnte man nichts machen«, 1995.

Bichsel wurde mit zahlreichen Preisen und Auszeichnungen geehrt. 1981 war er Stadtschreiber von Bergen-Enkheim, 1982 hielt er Poetikvorlesungen in Frankfurt am Main. Seit 1985 ist er Mitglied der Akademie der Künste in Berlin und korrespondierendes Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt. Er lehrte Anfang der 1990er Jahre in New York und war 1996 Stadtschreiber von Mainz.

Im Jahre 2011 erhielt Peter Bichsel den mit 20.000 Franken dotierten »Solothurner Literaturpreis«. In der Jurybegründung hieß es, damit werde »ein Schriftsteller geehrt, der das Schweizer Literaturschaffen der Gegenwart wie kein zweiter prägt«. Er sei, hieß es weiter, »nicht nur Autor eines grossen literarischen Werkes von einzigartiger Vielfalt und Prägnanz. Er ist auch ein Förderer der jungen Schweizer Literatur und ein republikanischer Mahner in der Nachfolge von Max Frisch«.[3] Mit Max Frisch verband Peter Bichsel bis zu dessen Tod im Jahre 1991 eine enge Freundschaft.

Familie

Mit der Theaterschauspielerin Therese Spörri war Peter Bichsel von 1956 bis zu ihrem Tod im Jahr 2005 verheiratet. Aus der Ehe gingen eine Tochter und ein Sohn hervor. Bichsel lebt heute in Bellach bei Solothurn.

[1] Smidt, Miriam: Peter Bichsel. In: Rossipotti-Literaturlexikon; hrsg. von Annette Kautt; http://www.rossipotti.de/inhalt/literaturlexikon/autoren/bichsel_peter.html; Stand: 24.11.2015. ^
[2] Quelle: http://www.sonic-reducer.de/2013-03/peter-bichsel, Stand: 24.11.2015 ^
[3] Quelle: http://www.suhrkamp.de/download/sonstiges/Peter_Bichsel_Solothurner_Literaturpreis.pdf, Stand: 24.11.2015 ^

Auszeichnungen und Preise (Auswahl)

1964 Einzelwerkpreis der Schweizerischen Schillerstiftung
1965 Förderungspreis des Lessing-Preises der Freien und Hansestadt Hamburg
1965 Preis der Gruppe 47
1966 Förderungspreis der Stadt Olten
1970 Deutscher Jugendbuchpreis für die »Kindergeschichten«
1978 Kunstpreis des Kantons Solothurn
1978 Literaturpreis des Kantons Bern
1981 Stadtschreiber von Bergen (von 1981 bis 1982)
1986 Johann-Peter-Hebel-Preis des Landes Baden-Württemberg
1987 Gesamtwerkspreis der Schweizerischen Schillerstiftung
1996 Mainzer Stadtschreiber
1999 Einzelwerkpreis der Schweizerischen Schillerstiftung
1999 Gottfried-Keller-Preis
2000 Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor
2004 Ehrendoktortitel der Universität Basel
2005 Werkbeitrag der Stiftung Pro Helvetia
2011 Solothurner Literaturpreis
2012 Großer Schillerpreis

Inhaltsangaben