»Schöne neue Welt« ist ein Zukunftsroman von Aldous Huxley aus dem Jahr 1932. Geschildert wird ein Staat mit einem totalitären System, in dem alle Menschen glücklich sein sollen.

Brave New World (Schöne neue Welt)

Inhaltsangabe

Der Roman »Schöne neue Welt« von Aldous Huxley erschien 1932. Geschildert wird ein futuristischer Staat mit einem totalitären System, in dem alle Menschen glücklich sein sollen. Schauplätze sind London und Surrey im Weltstaat sowie ein Reservat in Neu-Mexiko. Handlungszeit ist das Jahr 632 nach Ford (2540 n. Chr.). Hauptfiguren sind der Controller Mustapha Mond, einer der zehn mächtigsten Menschen im Weltstaat, der im Reservat aufgewachsene John Savage, die Außenseiter Bernard Marx und Helmholtz Watson sowie die systemtreue Lenina Crowne. Die Dystopie mit satirischen Zügen gehört zur literarischen Moderne.


Der dystopische Roman spielt im Jahr 632 nach Ford (2540 n. Chr.). Die neue Zeitrechnung beginnt im Jahr 1908, dem Jahr, als der erste Ford Model T in Detroit produziert wurde. Der Fordismus hat sich als Wirtschaftssystem in einem totalitären Staat etabliert. Zehn Controller regieren den futuristischen Weltstaat. Seit dem Neunjährigen Krieg (141–150 n. F.) sind Religion, Kunst und Wissenschaft verschwunden. Armut und Krieg, Altern und Krankheit gelten als ausgerottet.

Embryos werden künstlich erzeugt, konditioniert und prädestiniert. Dadurch entsteht eine rigide Sozialstruktur mit fünf Kasten von Alpha bis Epsilon. Ziel ist die soziale Stabilität, die Ruhigstellung aller Wünsche und allen Begehrens. Erreicht wird dies durch exakt auf die Kasten ausgerichtete totale Bedürfnisbefriedigung. Konsum und Promiskuität (Geschlechtsverkehr mit häufig wechselnden Partnern) sind Pflicht. Zudem erstickt die euphorisierende Droge Soma jeden Anflug von Unzufriedenheit im Keim.

Somit wird jegliche Frustration verhindert, und es kommt nicht zum Nachdenken über die eigene Situation. Auch Alleinsein ist verpönt. Selbstbewusstsein oder Eigeninitiative können sich gar nicht erst ausbilden und zur möglichen Gefahr für das System werden.

Der Alpha Plus Bernard Marx gilt als Außenseiter. Körperlich weicht er von der Norm ab. Der Promiskuität steht er ebenso ablehnend gegenüber wie der Droge Soma. Marx’ einziger Freund, der Alpha Plus Helmholtz Watson, gibt sich gelegentlich subversiven Gedanken über den Lebenssinn hin.

Mit der attraktiven Beta Lenina Crowne unternimmt Bernard einen Ausflug in ein Reservat in Neu-Mexiko. Unter den Eingeborenen treffen sie Linda und ihren Sohn John. Linda ist Bürgerin des Weltstaats und war fünfundzwanzig Jahre zuvor im Reservat spurlos verschwunden. Bernard Marx bringt die beiden nach London. John Savage, der Wilde, wird zur Sensation in der Stadt und darüber hinaus. Marx benutzt John, um sein eigenes gesellschaftliches Ansehen zu verbessern. Dies gelingt nur vorübergehend.

John fühlt sich abgestoßen von der Kulturlosigkeit im Weltstaat. Begegnungen mit Massen exakt identischer Zwillinge der unteren Kasten lösen Brechreize bei ihm aus. Er ist verliebt in Lenina, doch ihre unverhüllte Sinnlichkeit und sexuelle Begierde schockieren ihn. Nach dem Tod seiner Mutter infolge von Soma-Missbrauch revoltiert er gegen die Verteilung der Droge. Marx und Watson kommen dazu. Alle drei werden festgenommen und dem Controller Mustapha Mond vorgeführt. Dieser schickt Marx und Watson in die Verbannung.

In einer Diskussion mit Mond hält John an einem althergebrachten Wertesystem fest. Seine Vorstellungen von Freiheit und Würde des Menschen verfangen jedoch nicht gegen Monds überzeugende Argumentation. John zieht sich auf einen einsamen Leuchtturm zurück. Er will büßen und bestraft sich, indem er sich geißelt. Dabei wird er von einigen Gammas beobachtet.

Johns Verhalten erregt öffentliches Aufsehen und Ströme von Schaulustigen treffen am Leuchtturm ein. John verliert die Kontrolle über sich: Was mit Peitschenhieben für Lenina und ihn selbst beginnt, artet in eine Massenschlägerei und Orgie aus. Voller Scham und Schuldgefühle nimmt John sich daraufhin das Leben, indem er sich erhängt.


Der Buchtitel »Schöne neue Welt« ist zu einem geflügelten Wort geworden. Wenn neue Entwicklungen in der Biotechnik ethisch fragwürdig oder beängstigend erscheinen, wird Aldous Huxley zitiert. Dabei hat der Autor sein Werk weniger als Zukunftsroman, denn als Satire auf die gesellschaftlichen Verhältnisse seiner Zeit verfasst. Er schrieb unter dem Eindruck einer Reise durch die USA. Industrielle Massenproduktion sollte damals zu Wachstum und Konsum für alle führen. Darauf basierte die Wirtschaftsethik des amerikanischen Großindustriellen Henry Ford (1863–1947).

Zusammenfassung von Inhaltsangabe.de.

Kapitelübersicht

Kapitel I – Alphas, Betas und das Bokanowski-Verfahren

Es ist das Jahr 632 nach Ford. Eine Gruppe neuer Studenten wird durch das City-Brüter und Konditonierungscenter (Central London Hatchery and Conditioning Centre) geführt. Der Direktor, DCK London, informiert die Studienanfänger über den Produktionsprozess von Menschen. Auf der Dekantierstation wird er dabei von dem jungen und ehrgeizigen Henry Foster unterstützt.

Fünf Gruppen von Menschen werden im Center hergestellt: Alphas, Betas, Gammas, Deltas und Epsilons. Alphas und Betas entstehen aus je einer befruchteten Eizelle. Die anderen drei Gruppen werden im Bokanowski-Verfahren hergestellt, einer Art Massenproduktion identischer Menschen. So entstehen beliebig viele Zwillinge. Während der Reifezeit in Gläsern auf Fließbändern werden die Embryonen unterschiedlich konditioniert. Diese körperlichen Manipulationen ermöglichen ihren späteren Arbeitseinsatz unter extremen Bedingungen, zum Beispiel in den Tropen oder in der Raumfahrt.

Kapitel II – Konditionierung und Hypnopädie

Der DCK bringt die Studenten zur Frühlernstation. Neopawlowscher Konditionierungstrakt (Infant Nurseries. Neo-Pavlovian Conditioning Rooms). Hier wird Kindern der Delta-Kaste mithilfe höllischen Lärms und Elektroschocks Angst vor Büchern und Blumen eingepflanzt. In einer anderen Etage werden Kinder der Beta-Kaste mithilfe von Hypnopädie konditioniert: Im Schlaf wird ihnen die Moral des Systems eingeflüstert, zum Beispiel, dass sie Alphas zu achten und andere Kasten zu verachten haben. – Der Gebrauch von Begriffen wie Geburt (statt Dekantierung) oder Mutter und Vater sind für die Studenten mit Peinlichkeit verbunden.

Kapitel III – Das Fordistische Weltsystem

Im Garten sind Hunderte von nackten Kindern im Alter zwischen sieben und acht Jahren mit erotischen Spielen beschäftigt. Selbst für simple Ballspiele kommt eine Maschine zum Einsatz, denn Konsum ist ein Hauptziel des Fordismus. Mustapha Mond, der Weltbereichscontroller Westeuropa gesellt sich zu der Gruppe. Von Studenten und DCK gleichermaßen hofiert, erläutert er das Fordistische Weltsystem:

Nach dem Neunjährigen Krieg (141–150 n. F.) wurden zunächst Kultur, Religion und Geschichtsbewusstsein abgeschafft. Mond zitiert Henry Ford, für den Geschichte Unsinn war (»History is bunk.«).

Das neue System basiert auf sozialer Stabilität. Bedürfnisse werden sofort befriedigt, bevor es zu Frustration oder anderen Gefühlen kommen kann. Diese könnten schlimmstenfalls Selbstbewusstsein und Eigeninitiative nach sich ziehen. Konsum, die allgemeine Verfügbarkeit von Sex und die euphorisierende Droge Soma sind die wichtigsten Säulen des Systems. Das prä-fordistische Familienleben mit lebend gebärenden Müttern wird als obszön und ekelerregend dargestellt.

Zur gleichen Zeit führen die Betas Lenina Crowne und Fanny Crowne ein Gespräch unter Freundinnen. Fanny rügt Lenina, weil sie zu wenig Promiskuität lebt (Geschlechtsverkehr mit häufig wechselnden Partnern). Seit Monaten gehe sie nur mit Henry Foster aus. Lenina erwägt eine Affäre mit dem unbeliebten Bernard Marx, einem Alpha-Plus, der als Außenseiter gilt. Fanny fühlt sich zur Zeit nicht gut. Deshalb unterzieht sie sich einer Graviditätssubstitution, einer medikamentösen Behandlung, die eine Schwangerschaft ersetzt.

Unterdessen empört sich Marx über ein Gespräch zwischen Foster und seinem Kollegen. Ihr Thema ist Leninas besondere Eignung als Sexpartnerin. Marx sieht die Frauen herabgewürdigt. Während der drei parallel verlaufenden Szenen bewegen die Förderbänder die Embryonen unentwegt weiter.

Kapitel IV – Lenina und Bernard

Die attraktive Lenina und Bernard begegnen sich im überfüllten Aufzug zum Dachgeschoss. Lenina spricht Bernard auf die gemeinsame Reise nach Neu-Mexiko an. Bernard ist das intime Gespräch in der Öffentlichkeit peinlich, was Lenina nicht versteht. Bernard bleibt verunsichert zurück, als Lenina zu dem forschen Henry in den Helikopter steigt und mit ihm zum Obstacle Golf fliegt. Für ein Alpha-Plus ist Marx zu klein und schmächtig. Selbst im Umgang mit niederen Kasten leidet er unter dem körperlichen Makel.

Bernard holt seinen Freund Helmholtz Watson mit dem Helikopter vom Propagandahaus ab. Helmholtz Watson arbeitet dort in der Hochschule für Emotionales Engineering. Wie Bernard ist auch Watson unzufrieden im System. Mit dem Schreiben oder Erfinden von Slogans für die Hypnopädie bleibt er hinter seinen Möglichkeiten zurück. Er würde gern wirklich Wichtiges veröffentlichen, wofür das System jedoch keinen Raum lässt.

Kapitel V – Solidaritätsmesse

Nach dem Golfspiel überfliegen Lenina und Henry die Türme des Londoner Krematoriums. Henry erläutert, wieviel Phosphor aus dem Verbrennen der Leichen gewonnen wird. Berauscht von Soma gehen sie später zu einem Konzert, das zugleich Duft- und Lichteindrücke bietet. Nach der Massenveranstaltung haben sie in Henrys Wohnung Sex.

Unterdessen nimmt Bernard an der Solidaritätsmesse teil, einer zweiwöchentlichen Pflichtveranstaltung. In Zwölfer-Gruppen werden Hymnen gesungen und wird geweihtes Soma geschluckt. Ziel ist die Vereinigung mit einem Höheren Wesen. Als die Teilnehmer in Extase geraten, bleibt Bernard innerlich unbeteiligt, heuchelt aber Begeisterung.

Kapitel VI – Reisevorbereitungen und Ankunft im Reservat

Bernard lehnt Soma ab, meidet Massenveranstaltungen und ist am liebsten mit Lenina allein. Er gesteht ihr, frei sein zu wollen und mehr als nur ein Teil des Gesellschaftskörpers. Er träumt davon, seiner Konditionierung zu entkommen. Lenina ist schockiert. Sie antwortet mit Parolen, die ihr in der Hypnopädie eingepflanzt wurden. Die seltene Chance einer Reise nach Neu-Mexiko und in das Eingeborenenreservat will sie sich jedoch nicht entgehen lassen.

Als Marx sich vom DCH den Urlaubsschein abzeichnen lässt, wird dieser ungewohnt persönlich. Er erzählt von einer Reise in dasselbe Reservat vor knapp fünfundzwanzig Jahren. Damals sei die ihn begleitende Frau spurlos verschwunden, was ihn noch heute belaste. Marx zeigt Empathie, was den DCH verärgert. Er verlangt von Marx ein seiner Kaste entsprechendes Verhalten. Zudem kündigt er Marx dessen Versetzung nach Island an. Marx ist erfreut über die Beachtung, die er findet.

Lenina und Bernard werden von Santa Fé aus mit einem Helikopter in das Reservat gebracht. Sie erfahren, dass die dort lebenden Wilden harmlos seien.

Kapitel VII – Lenina und Bernard begegnen John und Linda

Am nächsten Tag werden Lenina und Bernard zu einem Dorf gebracht. Dunkelhäutige Menschen hausen dort unter erbärmlichen hygienischen Bedingungen und vollziehen blutige Riten. Lenina ist schockiert, und auch Bernard fühlt sich abgestoßen.

Unter den Indianern begegnen sie dem blonden John, Sohn von Linda. Linda ist die Frau, die einst vom DCH im Reservat zurückgelassen wurde. Verirrt und verletzt war sie von den Indianern gefunden worden. Inzwischen ist sie unförmig dick, ungepflegt und in schlechtem Zustand. Ihre Promiskuität hat sie zur Ausgestoßenen unter den Frauen gemacht. Sie ist überglücklich, Menschen aus dem Weltstaat zu begegnen. Der Englisch sprechende John fühlt sich zu Lenina hingezogen.

Kapitel VIII – Johns Geschichte

Auf Wunsch von Bernard erzählt John seine Geschichte: Die Kindheit des Jungen war von Lindas wechselnden Geliebten bestimmt. Die Frauen im Dorf haben sie deshalb ausgepeitscht und John wurde von Gleichaltrigen verhöhnt. Unter den vielen Männern war Popé, der regelmäßig kam und auch Alkohol mitbrachte. Linda verschlief viel Zeit im Rausch, während John heranwuchs. Dennoch brachte sie ihm Lesen bei und erzählte von dem Anderen Ort.

Einerseits sehnte John sich nach den Verheißungen der Schönen neuen Welt, andererseits wäre er gern ein Teil der Dorfjugend gewesen. Der Dorfältere Mitsima brachte ihm Stammeswissen bei, doch John blieb stets ein Außenseiter. Von den Initiationsriten wurde er ausgeschlossen. Trost fand John in einem uralten Band von Shakespeares gesammelten Werken. Das von John beschriebene Alleinsein ist Bernard vertraut. Er lädt John und Linda nach London ein.

Kapitel IX – John und Linda sollen nach London reisen

Nach dem anstrengenden Tag nimmt Lenina ausreichend Soma, um achtzehn Stunden tief zu schlafen. Unterdessen fliegt Bernard nach Santa Fé, um die Reise für John und Linda zu organisieren. Aus Angst, Bernard wäre ohne ihn abgereist, dringt John in die Unterkunft ein, wo Lenina schläft. Verzückt betrachtet er die Schlafende, wagt aber nicht sie zu berühren. Stattdessen durchwühlt er ihren Koffer und atmet den Duft ihrer Sachen ein.

Kapitel X – Linda und John begegnen dem DCK

Der DCK fürchtet, dass Bernard Marx mit seinen unorthodoxen Ansichten die Moral untergräbt. Um ein Exempel zu statuieren, stellt er ihn vor der gesamten Fertilisationsabteilung bloß: Marx soll nach Island strafversetzt werden. Marx spielt seinen Trumpf aus und holt Linda und John in den Raum. Die verlebte und ungepflegte Frau schmiegt sich an ihren früheren Geliebten. John kompromittiert den Direktor, indem er vor ihm niederkniet und ihn Vater nennt.

Kapitel XI – Der Wilde in der Zivilisation

Der Direktor ist zurückgetreten. Linda stellt sich selbst mit hohen Dosen Soma ruhig. John Savage dagegen, der Wilde, wird in London zur Sensation. Marx tritt als Vermittler zwischen Mr Savage und der Londoner Gesellschaft auf. Er nutzt seine neue Rolle maßlos aus: lässt sich von wichtigen Leuten hofieren und hat täglich neue Frauen. Nicht nur in in seinen Berichten an Weltcontroller Mond kritisiert er dabei weiterhin das System. Seine Selbstüberschätzung droht zur Gefahr zu werden.

Unterdessen fühlt sich John von der Schönen neuen Welt immer mehr abgestoßen. Beim Anblick der großen Arbeitertrupps, die aus exakt identischen Zwillingen der unteren Kasten bestehen, muss er sich übergeben; den Unterricht am Eton College findet er befremdlich; der pornografische Fühlfilm, in den ihn die verliebte Lenina führt, schockiert und ekelt ihn. Er flüchtet sich nach dem Besuch im Fühlorama in die Lektüre von Shakespeares Othello.

Kapitel XII – John widersetzt sich

John verweigert seine weitere Zurschaustellung durch Bernard. Dadurch wird Bernard gesellschaftlich bloßgestellt; ihm wird wieder die frühere Verachtung zuteil. Er klagt seinem Freund Helmholtz sein Leid. Durch die Veröffentlichung eines Gedichts ist dieser zwischenzeitlich selbst in Ungnade gefallen: Verse vom Alleinsein unterwandern das System. Bei ihrer ersten Begegnung entdecken Helmholtz und John viele Gemeinsamkeiten. Als Helmholtz jedoch später den von John verehrten Shakespeare als genialen Propagandisten (marvellous propaganda technician) lobt, ist John verstört.

Unterdessen wird Mond ein wissenschaftlicher Aufsatz vorgelegt. Dieser zieht Glücklichsein (maintenance of well-being) als einzigen Lebenssinn in Zweifel und fordert die Erweiterung von Wissen und Bewusstsein (intensification and refining of consciousness). Obwohl Mond die subversive These unterstützt, muss er die Veröffentlichung verbieten.

Kapitel XIII – John und Lenina lieben unterschiedlich

Lenina ist krank vor Liebe zu John. Sie geht zu ihm und beide gestehen sich ihre Zuneigung. Doch während Lenina Sex will, zitiert John leidenschaftliche Verse von Shakespeare. Als Lenina sich auszieht, stößt er sie angstvoll entsetzt von sich. Vor seinen Schlägen verbarrikadiert sie sich im Badezimmer. Nach einem Anruf, dass Linda im Sterben liegt, verlässt John eilig das Haus. Lenina kann entkommen.

Kapitel XIV – Lindas Tod

Im Hospiz Park Lane stirbt Linda an den Überdosen Soma. Verzweifelt sitzt John an ihrem Bett, doch sie nimmt ihn nicht wahr. Da sie andauernd von Popé faselt, buhlt John um ihre Aufmerksamkeit, indem er sie schüttelt. Dadurch scheint er ihren Tod zu beschleunigen. Sie stirbt und John fühlt sich schuldig. Horden von Gamma-Zwillingen, die die Station stürmen, machen den Trauernden zudem wütend. Die Kinder werden konditioniert, den Tod als heiter und selbstverständlich zu akzeptieren, erklärt die Krankenschwester. Johns Schluchzen sei unverständlich und kontraproduktiv.

Kapitel XV – John startet eine Revolte gegen Soma

Noch im Hospiz gerät der verwirrte John in die Verteilung der Soma-Ration für zwei große Gruppen jeweils identischer Deltas. Unter dem Eindruck von Lindas Tod will er die Ausgabe der Droge verhindern. Damit bringt er den Mob gegen sich auf. Unterdessen sind Bernard und Helmholtz eingetroffen, um ihn abzuholen. Helmholtz versucht John vor den Angreifern zu schützen; Bernard hält sich im Hintergrund. Einsatzkräfte mit Spezialausrüstung machen der grotesken Situation ein Ende. John, Helmholtz und Bernard werden festgenommen.

Kapitel XVI – John, Helmholtz und Bernard bei Mustapha Mond

John, Helmholtz und Bernard werden zu Mustapha Mond gebracht. Mond überrascht John, indem er Shakespeare zitiert. Die Lektüre sei jedoch heutzutage aus gutem Grund verboten, erläutert Mond. Die Welt sei stabil und die Menschen glücklich. Alte Tragödien würden nicht verstanden und für neue gebe es keinen Bedarf.

John will wissen, warum nicht nur Alphas produziert würden. Mond erzählt von einem derartigen Experiment auf der Insel Zypern, das in einem Bürgerkrieg endete. Das Leben für jede Kaste im System sei genau austariert: ein passendes Verhältnis zwischen Arbeit und Vergnügen und Soma gegen leichtes Missbehagen. Langeweile dürfe nicht aufkommen; Kunst und Wissenschaft seien potentiell subversive Kräfte.

Mond selbst sei einst Wissenschaftler gewesen. Als Gefährder des Systems habe man ihn vor die Entscheidung gestellt: Verbannung oder Controlling. Er habe den Dienst für die Allgemeinheit gewählt. Diese Wahl haben Helmholtz und Marx nicht. Beide werden auf die Falkland-Inseln verbannt. Während Marx vor Selbstmitleid zusammenbricht, freut Helmholtz sich auf die geistige Freiheit unter Gleichgesinnten fernab des Systems.

Kapitel XVII – Eine Welt ohne Gott

Als Bernard und Helmholtz gegangen sind, diskutieren Mond und John über Gott. Mond schließt die Existenz Gottes nicht aus. Doch bräuchte man ihn in der heutigen Zeit nicht. Die moderne Gesellschaft sei stabil und jeder Mensch glücklich. John widerspricht, dass der Mensch auch Ungewissheit und Gefahr brauche. Mond erwidert, dass es dafür die obligatorische monatliche HLS, gebe: Die Heißleidenschaftssubstitution (Violent Passion Surrogate) flute den Körper mit Adrenalin. John besteht auf ein Leben in Freiheit, will Gott ebenso Raum geben wie der Kunst und der Wissenschaft. Er ist bereit, den Preis dafür zu zahlen: Krankheit, Schmerzen, Zweifel und Sorge. Souverän lässt Mond ihm die Wahl.

Kapitel XVIII – Johns Rückzug und Tod

Da Mond John verbietet, Bernard und Helmholtz zu begleiten, zieht John sich auf einen einsamem Leuchtturm in Surrey zurück. Dort will er sich vom Schmutz der Zivilisation reinigen und läutern. Um sich für seine Sünden zu bestrafen, geißelt er sich mit einer Peitsche. Gammas beobachten ihn dabei. Dies ruft Reporter auf den Plan, die er verjagen kann. Als er sich das nächste Mal wegen einer erotischen Fantasie von Lenina geißelt, wird er heimlich gefilmt.

Nach der öffentlichen Filmvorführung machen sich Horden von Menschen auf den Weg zum Leuchtturm, um den Wilden zu sehen. Unter ihnen ist auch Lenina. John verliert die Kontrolle und schlägt mit der Peitsche zunächst auf sie, dann auf sich ein. Der Mob ahmt John nach und es kommt zu einer orgiastischen Massenschlägerei. Aus Scham darüber erhängt John sich am nächsten Tag.

Hauptpersonen

Bernard Marx

  • Alpha-Plus und Psychologe in der Hypnopädie-Abteilung;
  • ist als Alpha-Plus unterentwickelt, kleiner und schmächtiger als die anderen;
  • hat Minderwertigkeitskomplexe und bemitleidet sich selbst;
  • propagiert Alleinsein und Freiheit (opponiert damit gegen das System, um seine Außenseiterrolle zu kompensieren);
  • missbraucht John für seine Zwecke;
  • zeigt sich systemkonform und prahlerisch, als er seine Außenseiterrolle kurzzeitig verlassen kann;
  • egozentrisch und illoyal im Verhältnis zu seinem einzigen Freund Helmholtz;
  • beklagt im Gegensatz zu Helmholtz seine Verbannung. 

John the Savage, der Wilde

  • Sohn von Linda und etwa 25 Jahre alt;
  • infolge der Promiskuität seiner Mutter als Außenseiter im Reservat in Neu-Mexiko aufgewachsen;
  • naiv und idealistisch: geprägt von mütterlichen Erzählungen aus der Schönen neuen Welt, vom Christentum und Naturreligion und den Werken Shakespeares;
  • hat kein natürliches Verhältnis zu Sexualität entwickelt, wehrt Leninas sexuelle Avancen ab, kennt aber auch keine andere Art, Nähe zu erzeugen;
  • erlebt eine zunehmende Desillusionierung im Weltstaat und muss auch dort zum Außenseiter werden;
  • zeigt sich im Diskurs mit Mond dessen Argumenten nicht gewachsen;
  • will an Gott, die Würde des Menschen und Werte glauben und scheitert zuletzt.

Lenina Crowne

  • außergewöhnlich attraktive Beta, von vielen Männern begehrt;
  • erscheint als vollkommenes Produkt der Konditionierung und der Hypnopädie;
  • reagiert auf ungewöhnliche Situationen mit der unkritischen Wiederholung der im Schlaf erlernten Grundsätze;
  • ist systemkonform und erscheint zunächst als ideale Bürgerin des Weltstaats;
  • neigt zu unpassender Treue (Henry Foster) und wird von ihrer Freundin Fanny Browne an die Pflicht zur Promiskuität erinnert;
  • zeigt Mitleid und Verständnis für Bernard Marx;
  • entwickelt Gefühle für John, die über sexuelles Verlangen hinausgehen.

Mustapha Mond

  • Weltbereichscontroller Westeuropa, eine der zehn mächtigsten Personen im Weltstaat;
  • charismatischer Alpha mit tiefer Stimme, Adlernase, vollen, roten Lippen und dunklen, durchdringenden Augen (Kapitel III);
  • souveränes Auftreten;
  • intelligent und belesen, kennt sämtliche Argumente gegen das System und kann ihnen  gelassen begegnen (Kapitel XVI und XVII)
  • hat eine freie Entscheidung über sein Leben getroffen: gegen die Verbannung als Wissenschaftler und für das Amt des Controllers;
  • überlässt John sich selbst: Der Wilde in der Zivilisation ist für ihn ein Experiment.

Helmholtz Watson

  • Alpha-Plus und Dozent am College for Emotional Engineering;
  • beruflich erfolgreich;
  • attraktiv (»every centimetre an Alpha-Plus«), ein guter Sportler und Frauenheld (»indefatigable lover«);
  • ist dem wehleidigen Bernard ein loyaler Freund und verteidigt selbstverständlich auch John gegen den Gamma-Mob;
  • ein eher stiller Rebell, der spürt, dass Menschsein mehr umfasst als das, was der Weltstaat vorsieht (Kapitel IV);
  • wendet sich der Lyrik zu und schreibt Gedichte, ist aber (noch?) nicht in der Lage, den Wert eines Dichters wie Shakespeare zu erkennen;
  • geht frohen Herzens und hoffnungsvoll in die Verbannung.

Zeitgeschichtlicher Hintergrund

Der dystopische Roman entstand im Jahr 1931 in Frankreich. Den zeitgeschichtlichen Hintergrund in »Brave New World« bildet der Totalitarismus als politisches System und der Fordismus als Wirtschaftssystem.

Totalitarismus
Seit Ende der 1920er Jahre hatte sich die UDSSR unter Josef Stalin zu einem totalitären Staat entwickelt. Schon bald nach der Regierungsübernahme 1922 begann Stalin mit den sogenannten »Säuberungen«, der Verhaftung und späteren Ermordung von Gegnern. Darunter befanden sich auch Künstler und Wissenschaftler. In Kapitel III spricht Weltcontroller Mond vom »berühmten Massaker am British Museum«, bei dem »zweitausend Kulturfans starben«.

Zur selben Zeit etablierte sich auch in Italien ein totalitäres System mit Benito Mussolini als quasi Alleinherrscher an der Spitze. In der Wahl zum deutschen Reichstag 1930 war die NSDAP zweitstärkste Partei geworden; 1933 gelang Adolf Hitler die Machtübernahme.

Fordismus
Der Großindustrielle Henry Ford (1863–1947) hatte 1903 mit der Produktion von Kraftwagen begonnen. 1908 kam das Model T auf den Markt, ein berühmter Kleinwagen mit dem Spitznamen Tin Lizzie. Bereits 1914 stellte Ford die Produktion auf eine vollautomatische Fließbandfertigung um. Dies gilt als Einstieg in die Massenproduktion.

Der Massenfertigung auf der einen Seite stand die Schaffung von Massenabsatzmärkten gegenüber. Dafür will das Wirtschaftssystem des Fordismus die Bedingungen schaffen, zum Beispiel durch sichere Arbeitsverhältnisse, ausreichende Bezahlung und Krankengeld.

In seinem Roman verarbeitete Huxley seine Erfahrungen und Gedanken während einer USA-Reise 1926 auf satirische Weise. So nimmt Ford im System eine gottähnliche Stellung ein. (»Unser Ford«; »Fordseidank«; »O Ford!«)

Zitate

Geschichte ist Humbug. (History is bunk.)
Henry Ford, zitiert von Weltcontroller Mond, Seite 43

Das Räderwerk dreht sich, dreht sich und muss sich drehen – immer und ewig. Stillstand ist Tod.
Weltcontroller Mond, Seite 51

Lieber ausmustern als ausbessern. Sind Flicken drin, fehlt’s am Gewinn.
Slogan in der Hypnopädie, Seite 60

Ohne gesellschaftliche Stabilität keine Zivilisation. Ohne individuelle Stabilität keine gesellschaftliche Stabilität.
Weltcontroller Mond, Seite 51

Fordseidank! (Thank Ford!)
Bernard Marx, Seite 92, 118

Wenn beim Einzelnen Gefühle wanken, gerät das ganze System ins Schwanken.
Lenina Crowne, Seite 107

Die Menschen glauben an Gott, weil sie dazu konditioniert wurden, an Gott zu glauben.
Weltcontroller Mond, Seite 268

Veröffentlicht am 21. Juli 2018, zuletzt aktualisiert am 21. Juli 2018.