»Gut gegen Nordwind« ist ein erfolgreicher Roman von Daniel Glattauer aus dem Jahr 2006. Der Bestseller wurde in 28 Sprachen übersetzt und für das Theater adaptiert. Im September 2019 kommt er als Film in die deutschen Kinos.

Inhaltsangabe

Der Roman »Gut gegen Nordwind« von Daniel Glattauer erschien 2006. Zwischen den Protagonisten Emmi Rothner und Leo Leike entspinnt sich ein intensiver E-Mail-Austausch. In dessen Verlauf verlieben sich die beiden ineinander, ohne sich persönlich zu begegnen. Der moderne Briefroman ist in der Gegenwart angesiedelt; die erzählte Zeit dauert von Januar bis zum Juli des Folgejahres. Handlungsort ist vermutlich Wien.


Emmi Rothner will ein Zeitschriften-Abonnement kündigen. Wegen eines wiederholten Tippfehlers in der Adresse kommen die E-Mails bei dem Sprachpsychologen Leo Leike an. Dieser weist Emmi auf ihr Versehen hin. Monate später steht Leo auf Emmis privater Mailingliste für Weihnachtsgrüße. Leo wehrt sich dagegen. So entwickelt sich ein temporeicher Gedankenaustausch. Im Abstand von Minuten oder wenigen Stunden schreiben Leo und Emmi von nun an einander E-Mails. Leo mag Emmis Offenheit ebenso wie ihre pointierte Sprache.

Leo und Emmi, die Homepages gestaltet, wohnen in derselben Stadt. Leo erzählt Emmi von seiner mehrfach gescheiterten Beziehung zu einer Frau namens Marlene; Emmi behauptet, glücklich verheiratet zu sein. Die E-Mails werden vertraulicher und beschäftigen sich zunehmend mit der Frage, inwiefern das äußere Bild, das sich jeder vom anderen macht, mit der Realität übereinstimmt. Leo und Emmi verabreden ein Treffen im Café Huber. Sie wollen versuchen, sich gegenseitig zu erkennen, jedoch keinen persönlichen Kontakt aufnehmen. Beide sind zur vereinbarten Zeit im gut besuchten Kaffeehaus.

In den darauffolgenden E-Mails spekulieren sie, wer der jeweils andere gewesen sein könnte. Sie erwägen ein zweites, persönliches Treffen. Zwischenzeitlich kommt Leo anlässlich der Beerdigung seiner Mutter wieder mit Marlene in Kontakt. Emmi reagiert eifersüchtig. In der Folge schaffen sich Emmi und Leo eine virtuelle Insel fern ihrer beider Alltagsleben. Dort tauschen sie Gedanken, Gefühle, Ängste und Befindlichkeiten aus. Emmi beharrt darauf, dass ihr Familienleben mit dem deutlich älteren Bernhard und den zwei Kindern, die dieser mit in die Ehe gebracht hat, erfüllend sei. Dennoch scheint ihr etwas zu fehlen.

Unter dem Einfluss von Alkohol gesteht Leo Emmi eines Abends seine Sehnsucht nach Nähe. Er habe sie weder bei Marlene noch bei seiner Mutter gefunden. Er wünscht sich, dass Emmi zu ihm kommt. Emmi lehnt zwar ab, macht Leo aber bald darauf ihrerseits ein Geständnis: Sie fühle sich von ihm angenommen. Bei ihm könne sie die sein, die sie ist, müsse keine Rolle spielen.

Leo berichtet vom gescheiterten Versuch eines Neuanfangs mit Marlene. Emmi will Leo daraufhin mit ihrer Freundin Mia verkuppeln. Sie hofft, auf diese Weise Leo indirekt nahe sein zu können. Eine unbefangene Beziehung zwischen Leo und Mia wird damit quasi unmöglich. Dennoch freunden sie sich an. Beide haben Emmis Absicht von Anfang an durchschaut und hüllen sich in Schweigen über das, was zwischen ihnen ist. Unterdessen gesteht Emmi Leo, dass sie bei Nordwind nicht schlafen könne. Leos E-Mails würden ihr durch diese Nächte helfen.

Nach dem Intermezzo mit Mia nähern sich Leo und Emmi zögernd wieder an. Am Ende einer zweiwöchigen Schreibpause erzählt Leo Emmi von einem erotischen Traum. Emmi drängt ihn daraufhin, ein Treffen zu verabreden, nur um eine echte Vorstellung voneinander zu bekommen. Bernhard sei mit den Kindern verreist, und sie habe mehr Zeit als sonst. Leo reagiert zurückhaltend, fürchtet sich vor Ernüchterung, dann wieder hält er ein Treffen für unvereinbar mit Emmis Familienstand. Dennoch wächst beim unermüdlichen Schreiben die Vertrautheit und beiderseitige Sehnsucht nacheinander. Um ihre Stimmen kennenzulernen, sprechen sich Leo und Emmi wechselseitig auf ihre Anrufbeantworter. Beide finden ihre Stimmen erotisch, und die virtuelle Verliebtheit erreicht einen Höhepunkt.

Unvermittelt wendet sich Bernhard Rothner in einer E-Mail an Leo Leike. Er habe die gesamte Korrespondenz zwischen seiner Frau und Leo gelesen. Er könne verstehen, dass die 34-jährige Emmi sich nach einem Abenteuer sehne. Da dieses sich aber zur Zeit in der Virtualität abspiele, könne er sich seinem Widersacher nicht entgegenstellen. Er bittet Leo deshalb, sich mit Emmi in der physischen Welt zu treffen und mit ihr zu schlafen. Danach hätte er, Bernhard, die Möglichkeit um Emmi zu kämpfen.

Leo ist bestürzt. Seine E-Mails werden spürbar distanziert, was Emmi sich nicht erklären kann. Leo zieht sich tagelang zurück und teilt Emmi dann eine Entscheidung mit: Er habe eine befristete Stelle an der Universität in Boston angenommen. Mit seinen 36 Jahren wünsche er sich, eine Frau auf normalem Wege kennen und lieben zu lernen. Dafür müsse er sich zuvor von Emmi befreien. Er werde den E-Mail-Kontakt unwiderruflich beenden. Zuvor wolle er sich gern mit ihr treffen.

In den folgenden Tagen versucht Emmi verzweifelt Leo umzustimmen. Leo zwingt sich unterdessen zur Vernunft und hält an seiner Entscheidung fest. Schließlich verabreden sie einen Besuch in Leos Wohnung. Die Begegnung wird visualisiert und bis in Einzelheiten geplant. Leo will im dunklen Zimmer auf Emmi warten und sie küssen, ohne sie zuvor gesehen zu haben.

Als Emmi sich vor dem Treffen mit Leo von Bernhard verabschiedet, nennt dieser sie »Emmi« statt wie gewöhnlich »Emma«. Emmi ist schockiert. Eine unbestimmte Ahnung und die Angst, die Kontrolle zu verlieren, halten sie davon ab, zu Leo zu gehen. Am nächsten Tag erklärt sie Leo den Sachverhalt in einer E-Mail. Umgehend erhält sie eine automatisch generierte Antwort des Systemmanagers: Das Postfach des Empfängers existiere nicht mehr. Eingehende Nachrichten würden gelöscht.


Mehr als 2,5 Millionen Exemplare von »Gut gegen Nordwind« wurden bereits verkauft. Im September 2019 kommt die Verfilmung des Bestsellers in die deutschen Kinos. Dabei bleiben die Hauptfiguren im Buch seltsam blass; bis zuletzt wird das Bild von ihnen nicht rund. Was könnte also den anhaltenden Erfolg des Werks ausmachen? Vielleicht, dass alles Wesentliche zwischen den Zeilen der E-Mails zu stehen scheint. Somit bleibt viel Raum für die eigene Fantasie, und finden sich unzählige Möglichkeiten zur Identifikation. Ein Happy End, das sich der Leser dieser romantischen Liebesgeschichte vermutlich wünscht, gibt es nicht. Erst im Folgeband »Sieben Wellen« kommen Emmi und Leo schließlich zusammen.

Zusammenfassung von Heike Münnich / Inhaltsangabe.de.

Zitate aus »Gut gegen Nordwind«

Ist Ihnen schon aufgefallen, dass wir absolut nichts voneinander wissen? Wir erzeugen virtuelle Fantasiegestalten, fertigen illusionistische Phantombilder voneinander an.
Leo, »Gut gegen Nordwind«, Seite 19

Wer ein Abenteuer sucht, erlebt gerade keins.
Leo, »Gut gegen Nordwind«, Seite 67

Ich denke viel an Sie, in der Früh, zu Mittag, am Abend, in der Nacht, in den Zeiten
dazwischen und jeweils knapp davor und danach – und auch währenddessen.
Leo, »Gut gegen Nordwind«, Seite 84

Für mich ist es eine Art »Familienauszeit«, wenn ich Ihnen schreibe und von Ihnen lese. Ja, es ist ein kleines Inselchen außerhalb meiner Alltagserlebniswelt, ein Inselchen, auf dem ich ganz gern mit Ihnen allein verweile.
Emmi, »Gut gegen Nordwind«, Seite 86

Schreiben ist wie küssen, nur ohne Lippen. Schreiben ist küssen mit dem Kopf.
Leo, »Gut gegen Nordwind«, Seite 88

Ständig passt man seine Gefühle der Umgebung an, schont die, die man liebt, schlüpft in die hundert kleinen Alltagsrollen, balanciert, tariert aus, wiegt ab, um das Gesamtgefüge
nicht zu gefährden, weil man selbst ein Teil davon ist.
Emmi, »Gut gegen Nordwind«, Seite 98

Wir sind alte innige Freunde, gegenseitige Alltagsstützen, ja manchmal sind wir sogar ein Liebespaar. Und bei all dem fehlt uns der natürliche Anfang der Begegnung.
Leo, »Gut gegen Nordwind«, Seite 103

Leo, ich hab Sie sehr, sehr gern. Sie sind fantastisch gut gegen Nordwind.
Emmi, »Gut gegen Nordwind«, Seite 142

Wir starten von der Ziellinie weg, und es gibt nur eine Richtung: zurück. Wir können das nicht leben, was wir schreiben. Wir können die vielen Bilder nicht ersetzen, die wir uns voneinander ausmalen.
Leo, »Gut gegen Nordwind«, Seite 161

Die Seitenangaben beziehen sich auf die 2006 im Deuticke Verlag erschienene gebundene Ausgabe.

Veröffentlicht am 18. Juni 2019, zuletzt aktualisiert am 25. Juni 2019.