Inhaltsangabe

Der 2003 erschienene Roman »Drachenläufer« von Khaled Hosseini gibt Einblick in die afghanische Geschichte und Kultur. Im Mittelpunkt steht der Ich-Erzähler Amir, der in seiner Jugend die Freundschaft zum gleichaltrigen Hassan verraten hat. Als Erwachsener erhält Amir die Chance, das Unrecht wiedergutzumachen. Der Zeitraum der größtenteils in Rückblenden erzählten Handlung umfasst knapp vierzig Jahre: von den 1960er Jahren in Kabul bis März 2002 in Kalifornien. Weitere Schauplätze sind der Hazarajat im Norden Afghanistans sowie Peshawar und Islamabad in Pakistan.

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Dezember 2001: Der in San Francisco lebende Amir erzählt vom Anruf eines alten Freundes. Das Telefonat liegt wenige Monate zurück. Es hatte Amir die Erinnerung an seine Kindheit zurückgebracht. Die Schuld, die er 1975 als Zwölfjähriger auf sich geladen hatte, hat ihn all die Jahre begleitet.

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Amirs Familie gehört zur Bevölkerungsgruppe der Paschtunen. Seine Mutter ist im Sommer 1963 bei seiner Geburt gestorben. Amir fühlt sich verantwortlich für ihren Tod. Sein Vater, genannt Baba, lässt ihn gemeinsam mit dem ebenfalls mutterlosen Hassan aufwachsen. Hassans Vater Ali stammt aus dem diskriminierten Volk der Hazara und ist Babas Diener. Hassan ist Amir von klein auf treu ergeben.

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Der starke Baba ist ein erfolgreicher und geachteter Mann. Amir dagegen ist sensibel, unsportlich und interessiert sich für Literatur. Er leidet unter dem Unverständnis seines egozentrischen Vaters. Hassan verteidigt Amir vor den Angriffen Gleichaltriger. Baba sorgt sich, dass ein Junge, der nicht für sich selbst eintrete, zu einem Mann werde, der für gar nichts eintritt.

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Während Amir zur Schule geht, arbeitet Hassan wie sein Vater als Dienstbote im Haus und bleibt Analphabet. Amir verlacht Hassan wegen seiner Ungebildetheit. Beide lieben Geschichten und der kluge und empfindsame Hassan ermutigt Amir, selbst eine zu schreiben. Babas bester Freund Rahim Khan unterstützt Amirs Begabung.

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Im Sommer 1973 wird die Monarchie in Afghanistan gestürzt und eine Republik ausgerufen. Als Amir von seinem brutalen Mitschüler Assef angegriffen wird, stellt Hassan sich vor seinen Freund. Er bedroht Assef mit einer Steinschleuder. Dieser lässt von Amir ab und schwört Rache. Zum Geburtstag im Winter schenkt Baba Hassan eine Operation, bei der seine angeborene Hasenscharte entfernt wird.

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Der Winter ist in Afghanistan die Zeit des Drachensteigens. Besonders beliebt ist der Wettkampf des Drachenlaufens. Dabei wird mit dem eigenen Drachen in der Luft die Schnur der anderen durchtrennt. Die abstürzenden Drachen werden gejagt und gelten als Trophäen. Hassan ist der beste Drachenläufer. Er hat ein Gespür für die Absturzstelle und ist dort, bevor der Drache trudelnd herunterfällt.

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Im Winter 1975 will Amir Sieger beim Drachensteigen werden, um von seinem Vater die ersehnte Anerkennung zu bekommen. Es gelingt Amir, die Drachenschnüre aller Konkurrenten durchzuschneiden. Dann läuft Hassan los, um den letzten abgestürzten Drachen zu holen. Assef und seine Helfershelfer fangen Hassan ab, schlagen und vergewaltigen ihn. Amir ist Hassan gefolgt und wird Zeuge der brutalen Szene ohne einzugreifen. Schweigend nimmt er später von dem verletzten Hassan den Drachen entgegen. Baba ist stolz auf Amir und schließt ihn in die Arme.

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Amir fühlt sich schuldig und kann Hassans Gegenwart und Loyalität nicht mehr ertragen. Bei dem großen Fest, das Baba im Sommer 1976 zu Amirs dreizehnten Geburtstag ausrichten lässt, ist auch Assef unter den Gästen. Er flößt Amir Furcht ein und erniedrigt Hassan. Amir spürt, dass der vertraute Rahim Khan etwas von seinem Geheimnis ahnt.

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Am nächsten Morgen bezichtigt Amir Hassan eines fingierten Diebstahls. Von Baba zur Rede gestellt, ist Hassan geständig. Obwohl Baba die vermeintliche Tat verzeiht, verlassen Ali und Hassan das Haus und ziehen in den Hazarajat.

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Fünf Jahre später, im März 1981, gelingt Baba und Amir die Flucht über die pakistanische Grenze nach Peshawar. Seit dem sowjetischen Einmarsch in Afghanistan 1979 waren die Lebensbedingungen in Kabul unerträglich geworden.

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Nach einigen Monaten in Peshawar ziehen Baba und Amir nach Kalifornien. Baba lebt sich nur schwer ein und sehnt sich nach der Heimat. Amir dagegen ist froh, in Amerika seine Erinnerungen begraben zu können. Zwanzigjährig beendet er 1983 die Highschool und geht danach aufs College. Er verliebt sich in Soraya Taheri, die Tochter eines afghanischen Generals, der ebenfalls im Exil lebt.

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Bei Amirs Vater wird ein unheilbares Lungenkarzinom festgestellt. Vor seinem Tod hält er bei General Taheri für Amir um Sorayas Hand an.

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Bald nach der Hochzeit stirbt Baba. Amir studiert Literatur und veröffentlicht 1989 seinen ersten Roman. Er wird ein Erfolg. Als der Kinderwunsch des jungen Paares sich nicht erfüllt, vermutet Amir darin eine Strafe für seine Schuld.

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Im Juni 2001 ist Babas alter Freund Rahim Khan schwer erkrankt. Er lebt in Peshawar und will Amir sehen und ihm die Möglichkeit einer Wiedergutmachung aufzeigen. Amir sieht seine Ahnung bestätigt, dass Rahim Khan sein Geheimnis kennt. Er reist nach Pakistan.

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Rahim Khan hat nicht mehr lange zu leben. Er erzählt Amir von der Herrschaft der Mujahidin in Afghanistan von 1992 bis 1996 und der Machtübernahme durch die Taliban. Diese haben 1998 ein Massaker an den Hazara verübt. Im Glauben, dass seine Abwesenheit von Afghanistan nur vorübergehend sei, hatte Baba seinem Freund vor der Flucht sein Haus überlassen. Dort hat Rahim Khan bis vor kurzem mit Hassan zusammengelebt.

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Rahim Khan schildert, wie er 1986 in den Hazarajat gereist ist, um Hassan zu suchen. Dessen Vater Ali war 1984 umgekommen, als er auf eine Landmine getreten war. Hassan und seine Frau Farzana zogen zu Rahim nach Kabul. Als Farzana 1990 schwanger war, erschien plötzlich Sanaubar, Hassans Mutter. Hassan hat ihr verziehen, dass sie ihn nach der Geburt verlassen hatte, und sie in die Familie aufgenommen. Im Sommer kam Farzanas Sohn Suhrab zur Welt. Er und seine Großmutter Sanaubar wurden unzertrennlich. Vier Jahre später starb Sanaubar.

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Rahim Khan ist nach Pakistan gekommen, um sich ärztlich behandeln zu lassen. Er gibt Amir einen sechs Monate alten Brief von Hassan, in dem dieser Amir seiner Freundschaft versichert. Nach Rahim Khans Abreise hatten die Taliban Hassan und Farzana erschossen. Suhrab lebe jetzt in einem Waisenhaus in Kabul. Rahim Khan bittet Amir, den Jungen für ihn nach Pakistan zu holen. Als Amir sich weigert, erfährt er von Rahim Khan die Wahrheit über die Vergangenheit: Ali war steril und Hassan in Wirklichkeit Babas Sohn und Amirs Halbbruder.

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Amir erkennt, dass Lügen das Leben seines Vaters wie auch das seine bestimmt haben. Er sieht die Chance, aus dem Teufelskreis auszubrechen und sich mit sich selbst zu versöhnen, indem er den Jungen holt.

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Amir engagiert den Chauffeur Farid, der ihn nach Afghanistan bringt. Unterwegs übernachten sie im Haus von Farids Bruder. Die Familie ist arm, aber gastfreundlich, und Amir spürt seine Verbundenheit zu dem Land seiner Kindheit.

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Kabul besteht nur noch aus Trümmern und Bettlern und Amir erkennt seine Heimatstadt kaum wieder. Er und Farid finden das Waisenhaus, in dem Suhrab leben soll. Er wurde jedoch einen Monat zuvor von einem Taliban-Funktionär mitgenommen. Der Direktor des Waisenhauses verrät, dass dieser Mann im Fußballstadion anzutreffen sei.

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Amir besucht sein zerstörtes Vaterhaus und Erinnerungen an die behütete Kindheit steigen auf. Im Fußballstadion müssen Farid und Amir zusehen, wie ein Mann und eine Frau von dem Mann hingerichtet werden, den sie suchen. Sie arrangieren ein Treffen mit ihm.

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Der Taliban-Funktionär ist Assef, der Amir sofort erkennt. Suhrab ist in Assefs Gewalt und wird von ihm missbraucht. Zwischen Assef und Amir kommt es zu einer Schlägerei um den Jungen; Suhrab muss zuschauen. Obwohl Amir Assef körperlich unterlegen ist, spürt er ein Gefühl von Befreiung und Heilung. Der Kampf auf Leben und Tod wird dadurch beendet, dass Suhrab mit einer Steinschleuder eine Metallkugel in Assefs Auge schießt. Amir und Suhrab können fliehen.

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Der schwerverletzte Amir wacht in einem Krankenhaus in Peshawar auf, wohin ihn Farid gebracht hat. Amir erfährt, dass Rahim Khan gegangen sei, um die wenige Lebenszeit, die ihm bleibt, allein zu verbringen. Er hat Amir Geld und einen Brief hinterlassen. Darin wirbt er um Verständnis für Baba, der ein Leben lang eine Schuld abgetragen hätte, da er sich nicht zu Hassan als seinem Sohn bekennen konnte. Farid bringt Amir und den schweigsamen Suhrab vor den Taliban in Sicherheit nach Islamabad.

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Suhrab ist traumatisiert und es gelingt Amir nur sehr langsam, Vertrauen zu ihm aufzubauen. Schließlich ist Suhrab bereit, Amir nach Amerika zu begleiten. Am Telefon erzählt Amir seiner Frau seine Lebensgeschichte, die unauflöslich mit Hassan verbunden ist. Für Soraya ist es selbstverständlich, Suhrab als Kind anzunehmen. Die geplante Adoption gestaltet sich jedoch schwierig. Als erwogen wird, Suhrab entgegen Amirs Versprechungen vorübergehend noch einmal in ein Heim zu geben, versucht der Junge, sich das Leben zu nehmen.

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Suhrab wird gerettet und nach Amerika gebracht. Amir und Soraya bemühen sich um ihn, doch der Junge bleibt apathisch und redet kein Wort. Im März 2002 veranstalten die afghanischen Exilanten an der kalifornischen Küste zum Neujahrsfest ein Drachensteigen. Als es Amir gelingt, einen gegnerischen Drachen zu schneiden, lächelt Suhrab zum ersten Mal. Amir läuft los, um den abgestürzten Drachen für Suhrab zu holen.

Der Roman wurde in 34 Sprachen übersetzt und millionenfach verkauft. Khaled Hosseini ist es zu verdanken, dass Afghanistan nicht mehr nur als Krisen- und Kriegsgebiet wahrgenommen wird, sondern als ein Land mit einer eigenen Kultur und Vergangenheit. Damit macht der Autor Schwächen der Handlung oder die fehlende Ausarbeitung mancher Charaktere wett. Im Jahre 2007 hat Marc Forster den Bestseller erfolgreich verfilmt.


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