Inhaltsangabe

Christian Krachts 1995 erschienener Debütroman »Faserland« erzählt die Geschichte einer Reise durch Deutschland von Nord nach Süd, die in Zürich endet. Der Ich-Erzähler ist ein Mittzwanziger, der aus einer reichen Familie stammt und im Roman namenlos bleibt. Die Handlung spielt in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts.

EINS

Auf Sylt trifft der Erzähler bei Fisch-Gosch Karin, die er von Salem kennt. Die beiden trinken, rauchen und reden über Barbourjacken und Designer. Auf dem Weg nach Kampen machen sie einen Abstecher zum Strand, um Sergio und Anne abzuholen. Der Strand weckt beim Erzähler Erinnerungen an Kindertage auf Sylt.

Die vier trinken im Strandkorb Champagner aus Plastikbechern, fahren angetrunken weiter ins »Odin«. Der Erzähler fühlt sich vorübergehend wohl. Später gehen Karin und er getrennte Wege, weil beide betrunken sind. Er beschließt, nicht mehr nach Sylt zu fahren.

ZWEI

Im Zug nach Hamburg-Altona trinkt der Erzähler im Speisewagen am nächsten Tag vier kleine Flaschen »Ilbesheimer Herrlich«. Die fünfte trinkt er auf der Zugtoilette, um seinem Tischnachbarn auszuweichen. Der Erzähler macht sich Gedanken über die Exkremente, die heutzutage in den Zugtoiletten aufgefangen werden, während sie früher in die Landschaft entsorgt wurden.

In Hamburg wohnt er bei Nigel im Stadtteil Pöseldorf, den er nur oberflächlich kennt, zu dessen Wohnung er aber einen Schlüssel hat. Er mag Hamburg. Er fantasiert über den Taxifahrer, der einen Regenbogen-Friedens-Nichtraucher-Ökologen-Sticker am Armaturenbrett hat und vermutlich an Demonstrationen teilnimmt.

Der Erzähler erinnert sich an seine erste Liebe, in deren Elternhaus er sich betrunken im Bett entleert und übergeben hatte.

Nigels Kleidung findet er schäbig, seine Wohnung zwar teuer eingerichtet, aber heruntergekommen. Am Abend begleitet er Nigel zu einer Party, auf der auch Drogen konsumiert werden. Ahnungslos schluckt der Erzähler eine Pille.


DREI

Am frühen Morgen überrascht er Nigel in dessen Wohnung bei Sexspielen mit zwei anderen Partybesuchern. Fluchtartig verlässt er das Haus. Den Wohnungsschlüssel lässt er da. Ein Taxi bringt ihn zum Flughafen, wo er ein Ticket nach Frankfurt kauft. Er stopft sich die Taschen seiner Barbourjacke voll mit Brötchen und Joghurts, die die Lufthansa zur Selbstbedienung zur Verfügung stellt. Damit provoziert er andere Fluggäste, was ihm Spaß macht.

Beim Einstieg sinniert er über Erhabenheit, die er sich für sein Leben wünscht. Während des Flugs fantasiert er über ein Leben mit der Schauspielerin Isabella Rossellini, stellt sich vor, Kinder mit ihr zu haben und auf einer unwirtlichen Insel zu leben. Er trinkt Kaffee und Bourbon und raucht, obwohl er einen Nichtraucherplatz hat. Er sagt von sich, dass er wenig lese, kritisiert aber Hesse und Ernst Jünger ebenso wie später Wim Wenders.

Inzwischen sind die Joghurts in der Jacke ausgelaufen.


VIER

Nach der Landung steckt er die Barbourjacke in der Ankunftshalle in Brand. Von einem Taxi lässt er sich zum Hotel Frankfurter Hof bringen.

Er erinnert sich an seinen Freund Alexander, der mit ihm in Salem war, und mit dem er sich wegen Varna, Alexanders großer Liebe, zerstritten hat. Varna stammt aus dem Osten, in den Worten des Erzählers aus der Zone. Alexanders Eltern sind bei einem Autounfall ums Leben gekommen, und er bringt sein großes Erbe mit Reisen durch.

Der Erzähler übergibt sich im Hotelzimmer, und während er in der Badewanne einschläft, reinigt jemand das Zimmer und seine Sachen, was er rührend findet. Er zieht sich um und fährt ins »Eckstein«, wo überraschend Alexander auftaucht, der achtlos an ihm vorbeiläuft und ihn nicht erkennt. Der Erzähler stiehlt Alexanders Barbourjacke.


FÜNF

Da er Frankfurt abstoßend findet, fährt er weiter mit einem Interregio in Richtung Karlsruhe. Um einem Trendforscher auszuweichen, mit dem er bekannt ist, steigt er in Heidelberg aus. Außerdem habe Nigel oft gesagt, dass es dort schön sei. Entgegen seiner Gewohnheit checkt er in einem abgewohnten Hotel ein. Der Seifengeruch dort erinnert ihn an eine Reise als Elfjähriger mit seinem Vater nach Madeira, wo er als Kind dem Hotelpersonal überlassen wurde.

Der Taxifahrer, der ihn am Abend in die Max Bar bringt, ist Rentner. Der Erzähler behauptet, dass ab einem bestimmten Alter alle Rentner aussehen wie Nazis. In der Max Bar lernt er – stark angetrunken – Eugen und andere Studenten kennen, die ihn zu einer Party mitnehmen. Eugen bringt ihn in ein Zimmer, wo er Kokain nimmt und ihn ebenfalls dazu drängt. Er lehnt ab und Eugen wird sexuell zudringlich.

Im Keller findet der Erzähler seine Partybekanntschaft Nadja, die dabei ist Drogen zu spritzen. Neben ihr liegt Nigel, ebenfalls mit einer Spritze. Der Erzähler sinniert, dass die Gesellschaft im Osten der im Westen überlegen sei. Er stürzt aus dem Haus und wird ohnmächtig.


SECHS

Rollo, ein alter Freund, der auch auf der Party ist, rüttelt ihn wach. Er fährt ihn zu einem Rave am Stadtrand von München, wo die beiden aufgrund ihrer Kleidung auffallen. Sie fahren weiter. Eine Bar in der Innenstadt verlassen sie nach kurzer Zeit, weil dort eine Schlägerei mit Neonazis ausbricht. Der Erzähler übernachtet in Rollos großer Wohnung in Bogenhausen.


SIEBEN

Am nächsten Morgen fahren sie in Rollos Porsche nach Meersburg am Bodensee. Rollo will dort seinen Geburtstag in der elterlichen Villa am See feiern.

Rollo war nicht in Salem, sondern auf einer Waldorfschule. Seine Eltern sind reich und leben »alternativ«. Rollos Vater spendet einem südindischen Aschram seit 20 Jahren 500.000 Mark jährlich. Bei seinen Besuchen dort wird er wie ein Star gefeiert und kommt nicht zu der Ruhe und Besinnung, die er sucht. Seine Mutter erwähnt Rollo selten. Sie lebt in einer Anstalt bei Stuttgart.

In seiner Jugend hat Rollo sich mit brennenden Zigaretten selbst verletzt, jetzt ist er alkohol- und tablettensüchtig. Der Erzähler spürt, dass Rollo einsam ist, und die Gäste auf der Geburtstagsparty keine wirklichen Freunde sind.

Der Erzähler trifft Rollo allein und schwankend am Seeufer an. Betäubt von Alkohol und Tabletten bricht Rollo in haltloses Weinen aus. Der Erzähler erträgt das nicht und geht weg. Er packt seinen Koffer und nimmt Rollos Porsche, um nach Zürich zu fahren. 



ACHT

In Zürich fühlt der Erzähler sich wohl: Er glaubt, Deutschland hinter sich gelassen zu haben. In einer Zeitung liest er, dass Rollo in der Partynacht ertrunken ist. Am Abend sucht er auf dem Friedhof von Kilchberg am Zürichsee vergeblich nach dem Grab von Thomas Mann. Dann lässt er sich von einem Mann in dessen Ruderboot über den See rudern. Er sieht dem Augenblick entgegen, wenn sie sich in der Mitte des Sees befinden.


Der Protagonist in »Faserland« ist Beobachter eines Umfelds, das geprägt ist von Dekadenz, fehlendem Sinn und Hoffnungslosigkeit. Zwischenmenschliche Begegnungen werden ersetzt durch Missbrauch von Alkohol, Nikotin und anderen Drogen. Er selbst scheint innerlich unbeteiligt an den geschilderten Ereignissen. Man mag den Protagonisten traurig, zynisch oder gestört nennen – ob mit diesem Buch das Bild einer Generation gezeichnet wird, darf hinterfragt werden.



Zusammenfassung von Mia Sabinger / Inhaltsangabe.de.
Veröffentlicht am 22. März 2013, zuletzt aktualsiert am 22. März 2013.