Postmoderne und Popliteratur (1980–2000)

Postmoderne und Popliteratur (1980–2000)

Was bedeutet Postmoderne?

Postmoderne (vom lateinischen Wort post = nach, hinter) bedeutet soviel wie: nach der Moderne. Wann die Moderne beginnt bzw. wann sie aufhört, lässt sich nicht genau festlegen. Die Bezeichnung Postmoderne bezieht sich meist auf die Zeit nach 1980.

Wichtige Autoren und Werke der Postmoderne

  • Günter Grass (1927–2015):
    • »Die Rättin«
  • Elfriede Jelinek (geb. 1946):
    • »Lust«
  • Sten Nadolny (geb. 1942):
    • »Die Entdeckung der Langsamkeit«
  • Botho Strauß (geb. 1944):
    • »Paare, Passanten«
  • Patrick Süskind (geb. 1949):
  • Christoph Ransmayr (geb. 1954):
    • »Die letzte Welt«
    • »Die Schrecken des Eises und der Finsternis«
  • Umberto Eco (1932–2016):
    • »Der Name der Rose«

Hintergrundwissen zur Postmoderne

Dem Einzelne fehlte am Ende des letzten Jahtausends ein Orientierungsrahmen, der Halt und Sicherheiten bot. Folglich bröckelten alte und bekannte Normen, Werte und Ideologien.

Der Blick auf die Welt wurde durch den Relativismus geprägt. Dieser besagt, dass es nicht nur eine allgemeingültige (objektive) Wahrheit und Sicht auf die Dinge gibt. Jeder Mensch nahm die Welt aus einem eigenen Blickwinkel wahr, der durch verschiedene Umstände/Gegebenheiten bestimmt wurde.

Mit dem Leitsatz »anything goes« (alles geht oder alles in möglich) schlug sich der Zeitgeist auch in der Literatur nieder.

In den Großstädten entstand eine feierfreudige Spaßgesellschaft. Geistige Zustände wie Spaß, Genuss und Sinneslust galten als besonders erstrebenswert. Man spricht auch von einer hedonistischen Gesellschaft (vom griechischen Wort hēdonē = Vergnügen, Freude).

Das postmoderne Geschichtsverständnis besagt, dass Geschichte nicht nur durch Fortschritt vorangetrieben wird, sondern auch Katastrophen und Krisen diese prägen. Die Zukunft der Welt erhielt dadurch einen pessimistischen Blickwinkel.

Vorstellung vom Menschen

  • Kein einheitliches Bild vom Menschen
  • Der Einzelne ist auf der Suche nach der eigenen Identität
  • Die Gesellschaft ist geprägt vom Hedonismus (Spaßgesellschaft)
  • Vorläufige Lebensentwürfe mit einem Fokus auf das Hier und Jetzt anstatt auf die ferne Zukunft

Geschichtliche Ereignisse

Im April 1986 kam es zu einem Unfall im Kernkraftwerk Tschernobyl (Ukraine) infolgedessen sich eine radioaktive Wolke über West- und Mitteleuropa sowie Nordafrika ausbreitete. Diese Katastrophe erzeugte ein Umdenken in der Bevölkerung. Viele Menschen forderten alternative Energiequellen (Windkraft, Solarkraft, Wasserkraft) und einen Ausstieg aus der Kernenergie.

Der Fall der Berliner Mauer und die Wiedervereinigung der Bundesländer war wohl eines der wichtigsten historischen Ereignisse der Postmoderne. Die folgenden Wendejahre waren geprägt von einer Annäherung, aber auch von Unsicherheiten auf beiden Seiten der Bevölkerung.

In den 1990er Jahren bestimmten Arbeitslosigkeit und Folgen der wirtschaftlichen Globalisierung die Gesellschaft. Auch der Wunsch nach einer schnellen Angleichung der Lebensverhältnisse zwischen den beiden ehemals getrennten Staaten (Ost- und Westdeutschland) erfüllte sich nicht. Frustration und Desillusion waren die Folge.

Literatur der Postmoderne

Die Literatur wurde zunehmend zu einer Dienstleistung und sollte vorrangig der Unterhaltung dienen. Bücher wurden zur Ware und Verlage entwickeltn sich zu gewinnorientierten Unternehmen. Demnach war die Literatur abhängig von der Nachfrage der Menschen und dem damit verbundenen Wirtschaftsmarkt. Einzelne Bücher mussten mit viel Geld beworben werden, um die Aufmerksamkeit der Kundschaft zu erlangen.

In den später 1980er und frühen 1990er Jahren kristallisierten sich zwei Literaturströmungen heraus: die postmoderne Literatur und die Popliteratur.

Postmoderne Literatur

Prägendes Merkmal der postmodernen Literatur ist die Intertextualität. Dabei beziehen sich literarische Texte auf ältere Texte oder verweisen (z.B. mithilfe von Zitaten) auf diese.

Traditionelle Erzählmuster wurden in der Postmoderne hinterfragt und aufgelöst. Das Erzählen erfolgte nicht mehr ausschließlich chronologisch (nacheinander), sondern fragmentarisch (bruchstückhaft und unvollendet). Auch der auktoriale Erzähler wurde durch einen unzuverlässigen Erzähler ersetzt. Dieser wechselt häufig die Perspektive und führt dem Lesenden damit den Relativismus beim Blick auf die Welt vor Augen.

Die beliebteste Gattung bei den Autoren der Postmoderne war der Roman. In der Populärität der Schauerromane oder Kriminalromane, zeigte sich die Öffnung der Literatur zu trivialen (gewöhnlichen) Themen. Postmoderne Romane wandten sich erfundenen oder historischen Figuren, Epochen und Ereignissen zu, erzählten deren Geschichte spannungsreich, vermischten das Echte (Reale) mit dem Erfundenen (Fiktionalen) und spielten auf andere Werke an.

In der postmodernen Lyrik thematisierten Autoren die von Zerstörung bedrohte und bereits beschädigte Welt. Technikskepsis war ein ebenfalls häufig genutztes Thema in lyrischen Werken der Postmoderne. Dabei wurde die Technik als Bedrohung für das menschliche Dasein verstanden. Dieses Technikverständnis bildete einen Gegenentwurf zu den vorherigen Jahrzehnten, in denen die Technik heilbringend verehrt wurde.

Popliteratur

Die Popliteratur beschrieb die Wirklichkeit als von Medien, Werbung und Konsum bestimmt. Thematisch standen die Befindlichkeiten der jüngeren Generation im Mittelpunkt. Protagonisten von popliterarischen Werken sind häufig Wohlstandskinder, deren Alltag sich um die Themen: Party, Sex und Selbstinszenierung dreht. Mit der Darstellung von Exzessen wollte die Popliteratur vor allem unterhalten. Die Ich-Bezogenheit und der hedonistische Lebensstil der jungen Generation wurden mit Alltags- und Umgangssprache detailliert beschrieben.

Wichtige Autoren und Werke der Popliteratur

  • Sibylle Berg (geb. 1962):
    • »Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot«
  • Christian Kracht (geb. 1966):
    • »Faserland«
  • Benjamin von Stuckrad-Barre (geb. 1975):
    • »Soloalbum«
  • Alexa Hennig von Lange (geb. 1973):
    • »Relax«
  • Thomas Brussig (geb. 1964):
    • »Helden wie wir«
    • »Am kürzeren Ende der Sonnenallee«
  • Rainald Goetz (geb. 1954):
    • »Irre«
    • »Kontrolliert«
    • »Abfall für alle«