Mirjam Pressler (1940–2019) war eine erfolgreiche deutsche Jugendbuchschriftstellerin. Bekannt war sie darüber hinaus als renommierte Übersetzerin von Büchern aus dem Hebräischen ins Deutsche.

Biografie

Kindheit und Schulzeit

Mirjam Pressler wurde am 18. Juni 1940 als Mirjam Gunkel geboren. Das uneheliche Kind einer Jüdin wuchs zunächst bei Pflegeeltern in Darmstadt auf. Dadurch entging sie der Verfolgung durch die Nationalsozialisten. Dass sie jüdisch war, erfuhr Mirjam Pressler erst im Alter von elf Jahren, als sie auf ein Internat kam.

Studium und Leben in Israel

Mirjam Pressler studierte sechs Semester an der Frankfurter Kunst-Akademie, anschließend Sprachen in München. Ihre Auseinandersetzung mit ihren jüdischen Wurzeln führte sie 1962 nach Israel. Dort arbeitete sie in einem Kibbuz. Zwei Jahre später heiratete sie einen Israeli. Zwischen 1966 und 1969 bekam sie drei Töchter. 1970 wurde die Ehe geschieden, und Mirjam Pressler kehrte mit ihren Kindern nach Deutschland zurück.

Neuanfang in München

In München eröffnete Mirjam Pressler einen Jeansladen. Als sie das Geschäft nach acht Jahren schließen musste, jobbte sie halbtags in einem Büro. Daneben lernte sie für den Taxiführerschein – und begann Ende der 1970er Jahre zu schreiben.

Alle Kinder- und später Jugendbücher, die sie für ihre Töchter besorgt hatte, hatte die Büchernärrin stets auch selbst gelesen. Die ungewohnt realistischen Darstellungen in den neuen Werken jener Zeit faszinierten sie, wie sie in einem Interview erzählte: So ein Buch wollte sie auch schreiben.

1980, im Alter von 40 Jahren, stellte Mirjam Pressler der Öffentlichkeit ihren ersten Roman vor: In »Bitterschokolade« bekämpft die Protagonistin Eva ihren Kummer und ihre Einsamkeit mit Fressattacken. Mit diesem Debüt gewann die Schriftstellerin auf Anhieb den Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis.

Schriftstellerin und Übersetzerin

In den folgenden Jahrzehnten wurde Mirjam Pressler zu einer der erfolgreichsten Kinder- und Jugendbuchautorinnen Deutschlands. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Preise, darunter mehrfach den Jugendliteraturpreis. Neben ihrer Tätigkeit als Autorin schuf sie ein viel beachtetes Übersetzungswerk. Sie übersetzte Bücher aus dem Hebräischen ins Deutsche, darunter die großer Autoren wie Amos Oz und Sheiva Zalev.

Die Übersetzung der Tagebücher von Anne Frank bekam für Mirjam Pressler persönlich eine große Bedeutung. In Interviews bekannte sie, erst durch die Arbeit daran habe sie ihre eigene jüdische Identität in Gänze akzeptieren können. Die Beschäftigung mit der Shoah und dem jüdischen Leben in Deutschland sollten zu ihrem Lebensthema werden. 1992 veröffentlichte sie unter dem Titel »Ich sehne mich so« eine Biografie der Anne Frank.

Tod und Vermächtnis

Bis zuletzt schrieb die schwer kranke Schriftstellerin an ihrem letzten Roman, der als ihr Vermächtnis angesehen werden kann. Im März 2019 wird das Werk postum unter dem Titel »Dunkles Gold« erscheinen. Darin spannt Mirjam Pressler einen Bogen vom mittelalterlichen jüdischen Schatz von Erfurt in die Gegenwart. Sie erzählt unter anderem, wie schwer es auch heute wieder ist, als Jude in Deutschland zu leben.

Mirjam Pressler starb am 16. Januar 2019 in Landshut.

Werke von Mirjam Pressler (Auswahl)

1980
»Bitterschokolade«
1982
»Novemberkatzen«
1992
»Ich sehne mich so (Die Lebensgeschichte der Anne Frank)«
1994
»Wenn das Glück kommt, muss man ihm einen Stuhl hinstellen«
1999
»Shylocks Tochter«
2001
»Malka Mai«
2007
»Golem stiller Bruder«
2009
»Nathan und seine Kinder«

Auszeichnungen und Preise (Auswahl)

1980Oldenburger Jugendliteraturpreis für »Bitterschokolade«
1995Deutscher Jugendliteraturpreis für »Wenn das Glück kommt, muss man ihm einen Stuhl hinstellen«
1998Friedrich-Bödecker-Preis für das schriftstellerische Gesamtwerk
1998Bundesverdienstkreuz
2001Kinder- und Jugendbuchpreis »Luchs«
2001Großer Kinderbuch-Akademie-Preis
2001Carl-Zuckmayer-Medaille für Verdienste um die deutsche Sprache
2002Deutscher Bücherpreis (Kinderbuch) für »Malka Mai«
2004Deutscher Bücherpreis für das literarische Lebenswerk
2006Bayerischer Verdienstorden
2009Corine 2009 – Jugendbuchpreis für »Nathan und seine Kinder«
2010Deutscher Jugendliteraturpreis (Sonderpreis für das Gesamtwerk)
2013Buber-Rosenzweig-Medaille
2015Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Übersetzung
2015Internationaler Literaturpreis 2015 für die Übersetzung von Amos Oz
2017Münchner Literaturpreis
2018Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland für die Völkerverständigung insbesondere zwischen Israel und Deutschland und die Erinnerung an das nationalsozialistische Unrecht

Inhaltsangaben