»Momo« ist ein Märchenroman von Michael Ende aus dem Jahr 1973. Der Jugendbuch-Klassiker um das Mädchen Momo, das die Menschen vor Zeitdieben rettet, wurde in 46 Sprachen übersetzt und weltweit über 10 Mio. Mal verkauft

Momo

Inhaltsangabe

Der Autor Michael Ende nennt sein Werk »Momo« einen »Märchen-Roman«. Er wurde 1973 veröffentlicht und spielt in einer Großstadt in Südeuropa in der modernen Zeit. Es soll absichtlich nicht deutlich werden, ob die Handlung schon geschehen ist oder noch geschehen wird.

Im Roman kämpft das kleine Mädchen Momo gegen eine Übermacht von Zeitdieben, die grauen Herren. Diese Mächte des Bösen rauben den Menschen ihre Lebenszeit und damit die Freude am Leben. Mit persönlichem Mut und der Hilfe guter Mächte gelingt es Momo die grauen Herren zu vernichten.


Momo und ihre Freunde

Momo ist klein und mager und aus einem Kinderheim weggelaufen. Ihr Alter weiß sie nicht, vielleicht erst acht, oder schon zwölf. Sie besitzt nichts außer den geflickten Kleidern, die sie trägt. Bei aller Armut hat sie aber eine seltene Gabe: Sie kann wunderbar zuhören. Sie lebt in der Ruine des Amphitheater in einer großen, hässlichen Stadt mit Hochhäusern. Die Leute in der Umgebung sind ebenfalls arm, doch sie unterstützen und versorgen das kleine Mädchen.

Momo ist der Welt zugewandt, sie schenkt den Menschen Aufmerksamkeit und hört ihnen teilnahmsvoll zu. Sie tut allen gut und bringt die besten Eigenschaften in ihnen zum Vorschein. Die Kinder der Stadt lieben es bei ihr zu spielen. Erwachsene fühlen sich von Momo beflügelt. Ihre besten Freunde sind Beppo Straßenkehrer und Gigi Fremdenführer. Beppo ist ein weiser Mann. Die anderen halten ihn für wunderlich, weil er lange nachdenkt, bevor er antwortet, um nichts Falsches zu sagen. Momo hat Geduld und lässt ihm Zeit, seine Gedanken entwickeln. Im Gegensatz zu Beppo ist Girolamo, genannt Gigi, leichtsinnig, lustig und ein fantasievoller Geschichtenerzähler. Er träumt davon, reich und berühmt zu werden. Noch wichtiger ist es ihm aber, sich selbst treu zu bleiben.

Zunächst kaum spürbar, legt sich ein Schatten über die Stadt. Graue Herren erscheinen und werden immer zahlreicher. Dabei verhalten sie sich so unauffällig, dass niemand Notiz von ihnen nimmt. Sie rauchen unentwegt kleine graue Zigarren. Von ihnen geht eine eisige Kälte aus, gegen die man sich nicht schützen kann.


Die grauen Herren

Die grauen Herren haben sich unbemerkt von den Bewohnern in der ganzen Stadt ausgebreitet. Sie stellen sich als Agenten der Zeitsparkasse vor. Sie rechnen den Menschen vor, wieviel Zeit sie sparen könnten, wenn sie vermeintlich nutzlose Tätigkeiten aus ihrem Leben streichen würden. Das Zeitsparen soll angeblich gut verzinst werden.

Die Menschen werden Zeitsparer: Sie arbeiten schneller, hetzen durch den Tag und gönnen sich weder Pausen noch Vergnügen. Selbst in ihrer Freizeit kommen sie nicht zur Ruhe. Doch trotz eifrigen Zeitsparens haben die Menschen immer weniger Zeit. Denn in Wahrheit sind die grauen Herren Betrüger und stehlen die Zeit.

Alle verdienen jetzt mehr Geld, nur ist ihr Leben arm und freudlos geworden. Niemand nimmt sich mehr Zeit für den anderen. Besonders die Kinder leiden darunter und fühlen sich im Stich gelassen. Momo erkennt, dass ihre Freunde immer unglücklicher werden. Sie versucht, sie zur Umkehr zu bewegen. Sie sollen sich wieder Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben nehmen.

Damit gerät Momo ins Visier der grauen Herren. Die Diebe sehen sich in ihrer Arbeit behindert. Sie versuchen zunächst, Momo mit raffiniertem Spielzeug zu erpressen. Dafür soll sie ihre Freunde aufgeben. Momo geht jedoch nicht darauf ein.

Sie erzählt Beppo, Gigi und den Kindern von den Dieben, die noch immer unerkannt in der Stadt ihr Unwesen treiben. Eine große Versammlung wird einberufen, bei der die Bewohner der Stadt über die grauen Herren informiert werden sollen. Doch niemand der Erwachsenen erscheint.

Unterdessen erkennen die grauen Herren die große Gefahr, die von Momo ausgeht und beschließen sie gefangen zu setzen. Eine große Verfolgungsjagd beginnt. Doch Momo kann entkommen.

Kassiopeia und Meister Hora

Die Schildkröte Kassiopeia erscheint und führt das Mädchen auf geheimen Wegen aus der Stadt heraus bis an den Rand der Zeit. Dort beginnt das Reich von Meister Hora. Dieser verwaltet die Zeit aller Menschen und teilt jedem die ihm bestimmte Lebenszeit zu. Die Menschen entscheiden dann, wie sie mit ihrer Zeit umgehen. Meister Hora klärt Momo darüber auf, dass die grauen Herren keine menschlichen Wesen sind. Sie sind vielmehr Mächte, von denen die Menschen sich beherrschen lassen.

Da die grauen Herren Momo nicht finden, beschließen sie, Momos Freunde noch weiter von ihr zu entfremden. Bei ihrer Rückkehr soll Momo völlig isoliert dastehen.

Inzwischen legt Meister Hora einen Zauber über Momo. Er führt sie in eine Welt, in der es wundersame Stunden-Blumen gibt. Umgeben von geheimnisvoll schönen Klängen fühlt Momo fühlt sich dort eins mit dem Universum. Später erfährt sie von Meister Hora, dass sie in Wirklichkeit einen Blick in ihr eigenes Herz tun durfte.


Die Stunden-Blumen

Stunden-Blumen wachsen in den Herzen der Menschen und stehen für deren Lebenszeit. Die grauen Herren stehlen die Blumen und drehen aus den getrockneten Blütenblättern ihre Zigarren, mit denen sie sich am Leben erhalten.

Stundenblumen

Es gibt sie tatsächlich, die Stundenblumen. Dabei handelt es sich um eine buschige Pflanze, die im Sommer blüht. Sie liebt die Sonne und hat sehr schöne, silbrig-gelbe Blüten. Jede Blüte öffnet sich im Sommer nur einen einzigen Tag lang – und dann nur für wenige Stunden. So kam die Stundenblume auch zu ihrem Namen. Sie bildet jedoch immer wieder neue Blüten aus.

Die grauen Herren haben jetzt alles unter ihrer Kontrolle. Gigi wird mit seinen Geschichten zu einem gefeierten, aber fremdbestimmten Medienstar. Beppo lässt sich in seiner großen Sorge um die verschwundene Momo einreden, dass er schweigen und arbeiten müsse, um seine Freundin zu retten. Also fegt er pausenlos und wie besessen die Straßen. Alle Kinder werden in sogenannten Depots verwahrt, wo sie Nützliches fürs Leben lernen sollen.

Als Momo nach einem Jahr aus Meister Horas Reich zurückkehrt, gelingt es ihr nicht Kontakt zu ihren Freunden aufzunehmen. Sie ist einsam und verzweifelt. Die grauen Herren nutzen das aus und unterbreiten ihr einen Handel. Momo soll ihnen den Weg zu Meister Hora zeigen, damit sie die vollständige Kontrolle über die Lebenszeit der Menschen übernehmen können. Das wäre zwar das Ende der Menschheit, doch im Gegenzug sollten Momo und ihre Freunde verschont bleiben. Momo lehnt ab.

Noch einmal führt Kassiopeia Momo zu Meister Hora. Diesmal werden die beiden von den grauen Herren in einem sicheren Abstand verfolgt. Das Reich des Meisters können jene zwar nicht betreten, doch sie errichten aus dem Rauch ihrer Zigarren eine kreisförmige undurchdringliche Nebelwand, sodass Meister Hora den Menschen bald keine Lebenszeit mehr schicken kann.

Das Ende der grauen Herren

Momo ist die einzige, die die Menschen retten kann. Dafür hält Meister Hora alle Zeit der Welt für eine Stunde an. Momo macht sich mit Kassiopeia auf den Weg, um das große unterirdische Lager der grauen Männer ausfindig zu machen, in dem sie die Stunden-Blumen aus den Herzen der Menschen aufbewahren.

Als die grauen Herren merken, dass die Zeit angehalten wird, eilen sie in Panik zu ihrem Lager. Sie wollen sich ihren jeweiligen Anteil an den Stunden-Blumen sichern, denn wegen der angehaltenen Zeit wird es bald keinen Nachschub mehr geben. Dabei reißen sie sich gegenseitig die Zigarren aus dem Mund. Am Ende bleiben nur wenige der grauen Herren übrig.

Momo folgt ihnen, findet das Lager mit den Stunden-Blumen und verschließt die Tür. Ohne Stunden-Blumen gibt es keine Zigarren für die grauen Herren, und bald löst sich der letzte von ihnen auf. Die Stunden-Blumen fliegen in einer Art Sturm über die Stadt und kehren als Lebenszeit zurück in die Herzen der Menschen.

Die Menschen finden wieder in ihr altes Leben: Sie haben Zeit füreinander und Freude an ihrer Arbeit. Kinder spielen fröhlich auf Plätzen und Straßen, und im Amphitheater wird ein großes Fest gefeiert.


Der 1974 mit dem Jugendbuchpreis ausgezeichnete Roman lässt sich als Kritik an der modernen Zivilisation verstehen, in der Fantasie und zwischenmenschliche Beziehungen auf der Strecke bleiben. Im Buch lässt Michael Ende einen der grauen Herren sagen: »Das einzige, worauf es im Leben ankommt, ist, dass man es zu etwas bringt, dass man was wird, dass man was hat.« Mit den Figuren der liebenswerten Momo und ihrer Freunde straft der Autor jedoch eben diese Aussage Lügen.

Zusammenfassung von Mia Sabinger / Inhaltsangabe.de.
Veröffentlicht am 27. Januar 2012, zuletzt aktualisiert am 3. Oktober 2019.