»Effi Briest« ist ein Roman von Theodor Fontane aus dem Jahr 1896. Seine Figuren sind den gesellschaftlichen Werten und Konventionen im Preußen des 19. Jahrhunderts unterworfen. Effi Briest begeht Ehebruch und wird daraufhin von Familie und Gesellschaft verstoßen.

Effi Briest

Inhaltsangabe

»Effi Briest« ist die Hauptfigur in dem gleichnamigen Roman von Theodor Fontane aus dem Jahr 1896. Das Werk ist ein bekanntes Beispiel für die Literaturepoche des Realismus. Die junge Effi Briest betrügt ihren Ehemann und wird fortan gesellschaftlich geächtet. Ihr Ehemann verteidigt seine Ehre in einem Duell. Der Roman spielt zur Zeit seiner Entstehung. Handlungsorte sind das fiktive Hohen-Cremmen in Brandenburg, Kessin in Hinterpommern sowie Berlin.


Verlobung und Hochzeit – Ende einer unbeschwerten Jugend

Effi Briest ist als einziges Kind einer wohlhabenden und angesehenen Familie in Hohen-Cremmen aufgewachsen. Sie ist ein behütetes Mädchen voller Lebenslust und Freiheitsdrang. Siebzehnjährig, erhält sie einen Heiratsantrag von dem mehr als doppelt so alten Baron Geert von Innstetten, einem früheren Verehrer ihrer Mutter Luise Briest. Der Baron ist Landrat im hinterpommerschen Kessin.

Adelig, in sicherer Stellung und von attraktivem Äußeren, gilt von Innstetten als gute Partie. Als er um Effis Hand anhält, zeigt sich Effis Mutter hochzufrieden. Es braucht kaum gutes Zureden ihrerseits, damit Effi der sofortigen Verlobung zustimmt. Schließlich gehe es beim Heiraten nicht nur um Liebe und privates Glück, wie sie ihren Freundinnen gegenüber äußert. Ihrer Ehe sieht sie mit kindlicher Naivität entgegen. Vergeblich versucht ihre Mutter, sie zu einer ernsthafteren Haltung zu bewegen. In den Flitterwochen macht das Ehepaar eine Bildungsreise nach Italien. Effi findet das anstrengend, beklagt sich aber nicht.

Leben im Ostseebad Kessin – Mutterschaft und Ehebruch

Sechs Wochen nach der Hochzeit kommt das Ehepaar im hinterpommerschen Ostseebad Kessin an. Effi schließt Freundschaft mit Rollo, dem großen Hund des Barons. Ihr neues Heim ist ein altes Fachwerkhaus mit etlichen ungenutzten und vernachlässigten Räumen. Von Innstetten und seine Frau machen die von ihnen erwarteten Antrittsbesuche – zunächst in Kessin, dann bei weiter entfernt wohnenden Familien des Landadels. Effi ahnt, dass es schwierig wird, gesellschaftliche Kontakte zu pflegen. Einzig der Apotheker Gieshübler hebt sich angenehm von der überwiegend biederen und auf Äußerlichkeiten fixierten Nachbarschaft ab.

Zwei Wochen nach der Ankunft in Kessin ist Effi zum ersten Mal über Nacht allein im Haus. Der strebsame und auf seine Karriere bedachte Baron von Innstetten ist bei Fürst von Bismarck eingeladen. Effi fühlt sich einsam; Heimweh überkommt sie. Im Schlaf wird sie von Albträumen geplagt. Sie bittet das Hausmädchen Johanna, bei ihr zu schlafen. In dem Haus scheint es zu spuken, was einige Bedienstete bestätigen. Für Effis Angst und ihren Wunsch umzuziehen zeigt ihr Mann kein Verständnis. Er lenkt sie ab, indem er ihr bei einer Schlittenfahrt die Geschichten der Menschen in Kessin erzählt. Diese sind aus vieler Herren Länder zusammengekommen. Effi lauscht begierig.

Der erste Winter in Kessin ist schwer. Effi vermisst anregende Menschen, die es – abgesehen von Gieshübler – nicht gibt. Ihr Mann sorgt für sie, ein guter Gesellschafter ist er indes nicht. Effi fühlt sich einsam an seiner Seite. Im Frühling zieht der Landwehrbezirkskommandeur Major von Crampas mit seiner Familie nach Kessin. Der Major ist Mitte vierzig und gilt als Frauenheld. Er ist aufgeschlossen und fröhlich. Die Melancholie und Eifersucht seiner Frau verhindern einen engeren Kontakt zwischen den Familien Crampas und Innstetten.

Effi ist schwanger und stellt Ende Juni die junge Katholikin Roswitha als Kindermädchen ein. Zwischen den beiden Frauen entwickelt sich ein gutes Verhältnis. Kurz darauf bringt Effi ihre Tochter Annie zur Welt.

Verfilmungen von »Effi Briest«

Kein Roman der deutschsprachigen Literatur wurde häufiger verfilmt als »Effi Briest«. Fünf Regisseure nahmen sich bisher des Stoffs an:

  • Gustaf Gründgens mit »Der Schritt vom Wege«; Deutschland 1939
  • Rudolf Jugert mit »Rosen im Herbst«; BRD 1955
  • Wolfgang Lederer mit »Effi Briest«; DDR 1968
  • Rainer Werner Fassbinder mit »Fontane – Effi Briest«; BRD 1974
  • Hermine Huntgeburth mit »Effi Briest«; Deutschland 2009

Filmgeschichte machte der Streifen in Schwarz-Weiß von Rainer Werner Fassbinder aus dem Jahr 1974 mit Hanna Schygulla in der Hauptrolle. Einerseits hält Fassbinder sich eng an die Buchvorlage. Gleichzeitig geht schon aus dem Filmtitel hervor, dass auch dem Autor Fontane eine Rolle zukommt. Tatsächlich gerät Fontanes künstlerische Haltung in Fassbinders Visier: eine Haltung, die die Gesellschaft, in der er lebt, heftig kritisiert, die ihn aber nicht daran hindert, sich von ihr ernähren und feiern zu lassen.

Von Innstetten erlaubt Effi, ihn und Crampas bei Ausritten in die Dünen zu begleiten. Auf dem Pferderücken ist Effi endlich wieder in ihrem Element. Wenn der Baron nicht anwesend ist, führt Crampas zweideutige Reden. Effi fühlt sich einerseits geschmeichelt von seinen Annäherungsversuchen, andererseits hat sie ein ungutes Gefühl.

Während einer nächtlichen Schlittenfahrt in größerem Kreise ergibt es sich, dass Crampas und Effi allein sind. Effi ist sich der Gefahr bewusst, und tatsächlich nutzt Crampas die Gelegenheit zu einem leidenschaftlichen Kuss. Am nächsten Morgen zeigt Innstetten sich argwöhnisch. Er warnt Effi vor Major Crampas. Dennoch lässt Effi sich auf eine heimliche Affäre mit dem Major ein. Die Treffen belasten ihr Gewissen sehr, trotzdem kann sie sich der Macht des Verbotenen nicht entziehen.

Unterdessen wird Innstetten befördert und erhält einen Posten in Berlin. Effi zeigt ihre Erleichterung darüber nur allzu deutlich, was erneut von Innstettens Misstrauen weckt. Effi schreibt Crampas einen letzten Brief und nimmt Abschied von Grieshübler und dem Ort Kessin.

Glückliche Familienjahre in Berlin

In der Großstadt fühlt Effi sich sehr viel wohler als in dem kleinen Ostseebad. Sie und ihr Mann nehmen mit Freude am gesellschaftlichen Leben der Stadt teil. Doch noch immer bedrückt Effi ihre Leichtfertigkeit. Sie ist in ständiger Sorge, dass ihre Affäre mit Crampas ans Licht kommt. Es soll zwei Jahre dauern, bis die Erinnerung an die Ereignisse in den Ostseedünen langsam verblassen. Einige Jahre später fährt Effi auf Anraten ihres Arztes zur Kur nach Schwalbach im Taunus und nach drei Wochen weiter ins Heilbad Ems. Die Anwendungen sollen die Chancen auf die Geburt eines Sohnes verbessern, da ein Stammhalter bislang fehlt.

Tödliches Duell, Scheidung und Verbannung

In Effis Abwesenheit fallen ihrem Ehemann durch einen Zufall alte Liebesbriefe von Major Crampas aus Effis Nähkästchen in die Hände. Baron von Innstettens Ehre ist verletzt und er muss Crampas zum Duell fordern. Sein Kollege Geheimrat Wüllersdorf versucht vergeblich, ihn davon abzubringen, zumal die Sache schon Jahre zurückliege und von Innstetten seine Frau liebe. Obwohl der Baron keinerlei Rachegelüste spürt, fühlt er sich seiner Moral und seinen Prinzipien verpflichtet. Es kommt also zum Duell, in dem von Innstetten Crampas erschießt.

Von Innstetten leitet die Scheidung in die Wege, ohne Effi noch einmal zu begegnen. Die inzwischen siebenjährige Tochter Annie wird dem Vater zugesprochen. Effis Eltern verweigern ihr die Rückkehr ins Herrenhaus in Hohen-Cremmen, wenngleich sie für Effis Unterhalt aufkommen. Nur Roswitha hält Effi die Treue, und ist bereit, mit ihrer Herrin fortan in relativer Armut zu leben.

Armut, Krankheit und Einsamkeit in Berlin

Effi bezieht eine bescheidene Wohnung in Berlin. Ihr eintöniges und einsames Leben erträgt sie mit Haltung. Doch Effi kränkelt. Drei Jahre später gibt Innstetten einer Bitte Effis nach: Ihre Tochter Annie darf sie besuchen. Annie begegnet ihr kühl und distanziert. Auf Effis Fragen gibt sie einstudierte Antworten. Effi begreift, dass sie zu einer ablehnenden Haltung ihrer Mutter gegenüber erzogen wurde, und erleidet einen Zusammenbruch.

Rückkehr ins Elternhaus und Tod

Auf Anraten von Effis Arzt holen die Eltern ihr krankes Kind zu sich nach Hohen-Cremmen. Effi scheint sich zu erholen. Sie ist viel in der Natur unterwegs; draußen fühlt sie sich wohl. Doch sie bleibt anfällig und zieht sich immer mehr in sich zurück. Roswitha gelingt es, das Herz des Barons von Innstetten zu erweichen: Er schickt Effi den alten Hund Rollo. Von Innstetten hat inzwischen eingesehen, dass es Wichtigeres gibt als Karriere und Ansehen. Er spürt, dass auch er sein Lebensglück verspielt hat.

Der Hund folgt Effi wie früher auf Schritt und Tritt. Effi ist glücklich, wird aber ständig schwächer. Schließlich schafft sie es nicht mehr, sich von einem Infekt zu erholen. Sie sieht ihrem Tod gefasst entgegen. Ruhig und versöhnt mit Gott und den Menschen – auch mit Geert von Innstetten – stirbt sie im Alter von 29 Jahren. Auf ihrem Grabstein ist auf Effis Wunsch ihr Mädchenname eingraviert.


Fontanes Gesellschaftsroman »Effi Briest« ist ein Klassiker der deutschen Literatur. In seinem Roman, der dem poetischen Realismus zugerechnet wird, schildert der Autor die gesellschaftlichen Konventionen, Regeln und Zwänge im Preußen des ausgehenden 19. Jahrhundert. Dazu zählt auch die niedrige gesellschaftliche Stellung der Frau. Den Stoff für seinen Roman fand Fontane in der wahren Geschichte der Elisabeth von Ardenne, genannt Else. Geboren 1853 und aus altem preußischen Adel stammend, wurde sie siebzehnjährig mit einem Baron verheiratet. 1886 deckte ihr Mann ihre Beziehung zu einem bürgerlichen Amtsrichter auf. Wie Effi Briest im Roman, verlor auch Else alle Rechte.

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Kurze Zusammenfassung

Effi wird als 17-Jährige von Innstetten, der schon einmal Bewerber um die Mutter war, geheiratet. Der Altersunterschied sowie große Mentalitätsunterschiede und das Leben im eher hinterwäldlerischen Kessin führen zu einer Krise. Effi lässt sich anscheinend leichtfertig auf eine Affäre mit Crampas, einem Major und Frauenhelden, ein. Jahre später, Effi lebt mit ihrer Familie wieder in Berlin, wird diese Affäre durch einen Zufall aufgedeckt. Obwohl es offenkundig sinnlos ist und er selbst keine persönlichen Rachegelüste verspürt, fordert Innstetten Crampas zum Duell und tötet ihn. Effi wird aus ihrer Familie, auch von ihren Eltern, verstoßen und lebt allein in Berlin. Erst schwer krank darf sie in ihr Elternhaus zurückkehren und stirbt dort.

Dies ist ein Auszug aus Königs Erläuterungen zu »Effi Briest«.

Wichtige Personen

Die Hauptpersonen sind Effi Briest, Geert von Innstetten, Major Crampas sowie Effi Briests Eltern.

Effi Briest:

  • aus brandenburgischem Adel stammend
  • unbeschwert, kindlich
  • unkonventionell

Geert von Innstetten:

  • prinzipientreu
  • ambitioniert
  • steif, konservativ
  • rational denkend

Major Crampas:

  • Frauenheld
  • unterhaltsam
  • eher untypischer Soldat

Vater Briest:

  • lebenserfahren
  • humorvoll
  • gute Menschenkenntnis

Mutter Briest:

  • ambitioniert
  • prinzipientreu
Dies ist ein Auszug aus Königs Erläuterungen zu »Effi Briest«.

Zeitgeschichtlicher Hintergrund

  • Theodor Fontane lebte von 1819 bis 1898, die meiste Zeit in Berlin.
  • Das Deutsche Reich bestand seit 1871. Preußen mit seiner Metropole Berlin hatte darin eine Vormachtstellung.
  • Dem Adel kam, besonders für das Militärwesen, besondere Bedeutung zu.
  • »Effi Briest« ist ein später Roman Fontanes und ist 1894/95 erschienen.
  • Zuvor war Fontane durch seine Gedichte und seine »Wanderungen durch die Mark Brandenburg« berühmt geworden.
  • »Effi Briest« liegt ein historischer Fall – eine seinerzeit spektakuläre Ehebruchsgeschichte – zugrunde, der aber von Fontane stark umgearbeitet wurde.
Dies ist ein Auszug aus Königs Erläuterungen zu »Effi Briest«.

Stil und Sprache Fontanes

Fontane ist ein Vertreter des poetischen Realismus:

  • Er will Menschen in ihren tatsächlichen Lebensverhältnissen darstellen.
  • Er beschreibt auch Details und scheinbare Belanglosigkeiten.
  • Sein wichtigstes Mittel ist der Dialog.
Dies ist ein Auszug aus Königs Erläuterungen zu »Effi Briest«.

Interpretationsansätze

Vier Ansätze zur Interpretation bieten sich an:

  1. Effi Briest ist der Roman einer gescheiterten Ehe.
  2. Das Werk ist eine Kritik an den damals geltenden Konventionen.
  3. Fontanes Roman ist eine kritische Darstellung der adligen Gesellschaft.
  4. Effi Briest ist die exemplarische Darstellung eines Frauenschicksals.

Zitate und wichtige Textstellen

»Gewiss ist er der Richtige. Das verstehst du nicht, Hertha. Jeder ist der Richtige. Natürlich muss er von Adel sein und eine Stellung haben und gut aussehen.«
Effi zu ihrer Freundin Hertha, »Effi Briest«, 3. Kapitel

»So nach meinem eigenen Willen schalten und walten zu können ist mir immer das Liebste gewesen, jedenfalls lieber – Pardon, Innstetten –, als so die Blicke immer nach oben richten zu müssen.«
Der alte Briest zu Innstetten, »Effi Briest«, 3. Kapitel

»[…] jedenfalls wollen wir darüber nicht streiten; es ist ein weites Feld. Und dann sind auch die Menschen so verschieden. Du, nun ja, du hättest dazu getaugt. Überhaupt hättest du besser zu Innstetten gepaßt als Effi. Schade, nun ist es zu spät.«
Der alte Briest zu seiner Frau Luise, »Effi Briest«, 5. Kapitel

»Mir gegenüber hast du’s immer bestritten, immer bestritten, daß die Frau in einer Zwangslage sei.«
»Ja, Luise, das hab ich. Aber wozu das jetzt. Das ist wirklich ein zu weites Feld.«
Luise Briest und ihr Mann, der alte Briest, »Effi Briest«, 5. Kapitel

»[…] aus solchen Widersprüchen kommt man im Leben nicht heraus. Und da hilft auch kein Fürst und keine Größe.«
Innstetten zu Golchowski, »Effi Briest«, 11. Kapitel

»Aber ich kenne dich recht gut; du bist eigentlich […] ein Zärtlichkeitsmensch und unterm Liebesstern geboren […]. Du willst es bloß nicht zeigen und denkst, es schickt sich nicht und verdirbt einem die Karriere.«
Effi zu Innstetten, »Effi Briest«, 15. Kapitel

»Aber jenes […] uns tyrannisierende Gesellschaft-Etwas, das fragt nicht nach Charme und nicht nach Liebe und nicht nach Verjährung. Ich habe keine Wahl.
Innstetten zu Wüllersdorf, »Effi Briest«, 27. Kapitel

»Alles, was uns Freude machen soll, ist an Zeit und Umstände gebunden, und was uns heute noch beglückt, ist morgen wertlos.«
»Effi Briest«, 35. Kapitel

Veröffentlicht am 25. Januar 2010, zuletzt aktualisiert am 19. Dezember 2019.