Der Fänger im Roggen

Inhaltsangabe

Der Roman »Der Fänger im Roggen« des US-amerikanischen Autors Jerome David Salinger erschien 1951. Protagonist und Ich-Erzähler ist der sechzehnjährige Holden Caulfield. Mit jugendlichem Idealismus begibt er sich auf die Suche nach Anständigkeit und Wahrheit. Holden schildert sein Scheitern an der verlogenen Welt der Erwachsenen und seinen körperlichen und psychischen Zusammenbruch. Ort der Handlung ist New York City an drei Tagen vor Weihnachten im Jahre 1949 (Samstag bis Montag).

Aufbau

In der Rahmenhandlung in Kapitel 1 und 26 wird deutlich, dass Holden Caulfield sich in einer Art Sanatorium aufhält. Dort erzählt er im Sommer 1950 seine Geschichte aus der Rückschau. Der Roman besteht aus 26 Kapiteln und lässt sich in drei Abschnitte gliedern.


Abschied von Prencey (Kapitel 1 – 7)

Der Erzähler Holden Caulfield wurde wegen schwacher Leistung der Schule verwiesen. Nach den am Mittwoch beginnenden Weihnachtsferien darf er nicht mehr an die Pencey Prep in Agerstown, Pennsylvania zurückkehren. Er verabschiedet sich von seinem Geschichtslehrer Mr. Spencer, der Holden fehlenden Einsatz vorwirft. Das Gespräch langweilt Holden. In Gedanken ist er bei den Enten im Central Park. Er fragt sich, wie sie den Winter überstehen.


Holdens Zimmergenosse Stradlater geht am Abend mit Jane Gallagher aus, einer geschätzten Freundin von Holden. Es macht Holden nervös, dass sich das Mädchen dem skrupellosen Stradlater ausliefert. Trotzdem findet er sich bereit, für Stradlater eine Hausaufgabe zu übernehmen. Es ist eine Gegenstandsbeschreibung gefordert und Holden wählt dafür den alten Baseball-Handschuh seines jüngeren Bruders Allie. Allie ist drei Jahre zuvor an Leukämie verstorben; Holden schildert ihn als freundlich und begabt.

Als Stradlater sich später weigert, Details über das Date mit Jane zu erzählen, kommt es zu einer Schlägerei zwischen ihm und Holden. In der Nacht beschließt Holden die Schule vorzeitig zu verlassen, um der unangenehmen Atmosphäre dort zu entkommen. In seinem Elternhaus wird er erst am Mittwoch erwartet. Deshalb plant er, ein paar Nächte allein in einem Hotel in New York zu verbringen.


Zielloses Umherirren in New York City (Kapitel 8 – 20)

Im Zug nach New York begegnet Holden Mrs. Morrow, der Mutter eines Mitschülers. Er gewinnt ihre Sympathie, indem er ihr Lügen über ihren angeblich beliebten Sohn erzählt.

Holden steigt in New York in einem heruntergekommenen Hotel ab. Angewidert beobachtet er Bewohner des gegenüberliegenden Hauses bei seiner Meinung nach perversen Spielen. Er versucht vergeblich, eine ehemalige Stripperin telefonisch zu einem Treffen zu bewegen. Am liebsten würde er mit seiner kleinen Schwester Phoebe reden. Sie ist zehn und er bewundert und liebt sie.

In der Hotelbar tanzt Holden mit drei Frauen, die er zugleich attraktiv und dumm findet. Als sie gegangen sind, erinnert er sich an den Sommer mit Jane und die Vertrautheit zwischen ihnen. Weil er nicht schlafen kann, lässt er sich in den Nachtclub »Ernie’s« bringen. Unterwegs diskutiert er mit dem Taxifahrer über die Enten im Central Park. Sämtliche Leute im Club erscheinen ihm eingebildet, egoistisch und verlogen. Er verachtet und bemitleidet sie.


Holden ist sexuell unerfahren und unsicher. Mit der Prostituierten, die ihm später im Hotel aufgedrängt wird, will er nur reden. Am Ende einer Auseinandersetzung um die Bezahlung wird Holden zusammengeschlagen. Trotzdem fühlt er sich wie der Held in einem Film.

Am nächsten Morgen verlässt Holden das Hotel und packt sein Gepäck in ein Schließfach. Am Bahnhof begegnet er zwei Nonnen, mit denen er sich unterhält. Er findet sie glaubwürdig und spendet ihnen Geld. Während er zum Broadway spaziert, hört er einen kleinen Jungen singen. Das Lied handelt von einem »Fänger im Roggen«. Holden ist zum ersten Mal froh und weniger deprimiert. Er kauft eine Schallplatte für Phoebe. Im Central Park hält er vergeblich nach seiner Schwester Ausschau. Er hofft, sie im Naturkundemuseum zu treffen. Auf dem Weg dorthin sinniert er darüber, dass im Museum alles bleibe, wie es ist. Das wünscht er sich auch für das Leben.

Am Nachmittag ist Holden mit seiner alten Schulfreundin Sally Hayes verabredet. Von seinen Problemen will sie nichts hören. Unvermittelt schlägt er ihr vor, mit ihm durchzubrennen. Sie lehnt ab; daraufhin wird Holden beleidigend. Sally ist erschüttert und nimmt keine Entschuldigung an. Holden versteht sich selbst nicht.
Vergeblich versucht er mehrmals, Jane anzurufen.

Bei einem Kinobesuch deprimiert ihn die Oberflächlichkeit der Branche, der Zuschauer und der Schauspieler. Auch die Begegnung mit Carl Luce von einer früheren Schule scheitert: Carl ist erwachsen geworden und Holdens pubertäre Bemerkungen über Sexualität verärgern ihn. Er geht und überlässt Holden seiner Einsamkeit.

In seiner Verzweiflung betrinkt sich Holden. Erschöpft und mutlos macht er sich auf den Weg zum Central Park, um nach den Enten zu sehen. Er ist völlig verwirrt und friert. Er sehnt sich nach seiner Schwester Phoebe und beschließt nach Hause zu gehen.

Auf dem Weg nach Hause (Kapitel 21 – 26)

Holden schleicht sich in das Haus seiner Eltern und in das Zimmer der Schwester. Phoebe durchschaut die Gründe für sein plötzliches Auftauchen. Doch sie freut sich und die beiden reden und tanzen miteinander. Holden schenkt Phoebe die inzwischen zerbrochene Schallplatte. Er erzählt ihr, dass er gern der »Fänger im Roggen« wäre. Dabei bezieht er sich auf Robert Burns‘ Gedicht »Comin‘ Through the Rye«. Auf einem Roggenfeld voller spielender Kinder, so Holdens Vorstellung, wolle er als Fänger verhindern, dass sie in die Nähe der Klippe geraten und herunterfallen. Phoebe stellt fest, dass er das Gedicht falsch verstanden habe.


Als die Eltern nach Hause kommen, flüchtet Holden unbemerkt zu seinem früheren Englischlehrer Mr. Antolini. Dieser äußert sich sorgenvoll und mitfühlend über Holdens Situation und bietet ihm ein Schlafquartier an. In der Nacht erwacht Holden, als ihm Mr. Antolini über den Kopf streicht. Holden interpretiert dies als sexuellen Annäherungsversuch. Er verlässt überstürzt das Haus.

Übernächtigt, mit Kopfschmerzen und Durchfall streicht Holden am nächsten Morgen durch die weihnachtliche Stadt. Er beschließt in den Westen zu gehen und sich Arbeit zu suchen. Zuvor will er sich von Phoebe verabschieden. Phoebe erscheint am vereinbarten Treffpunkt und will mit ihm gehen. Holden lehnt das ab. Um sie zu versöhnlich zu stimmen, fährt er mit ihr in den Zoo. Glücklich beobachtet er sie beim Spielen auf einem Karussell und geht anschließend mit ihr nach Hause.

Im letzten Kapitel wird deutlich, dass Holden sich in einer psychiatrischen Einrichtung befindet, von wo aus er seine Geschichte erzählt. Das Ende bleibt offen.


»Der Fänger im Roggen« ist einer der populärsten Romane der amerikanischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Seine Hauptfigur Holden ist in vielerlei Hinsicht ambivalent, was am Ende der Pubertät jedoch nicht außergewöhnlich ist. Er leidet an der Oberflächlichkeit seiner Umgebung und stellt den Materialismus seiner Zeit in Frage. Wenn irgend möglich, würde Holden in der Kindheit verharren und der Welt der Erwachsenen eine Absage erteilen. Als Ich-Erzählung gibt der Roman Holdens Redefluss wieder: Er verwendet die Jugendsprache der 1940er Jahre sowie eine eigenwillige Grammatik und schweift immer wieder ab.


Personen

Der Roman hat einen einzigen Hauptcharakter, nämlich Holden. Daneben treten wenige weitere Figuren persönlich auf. Diese lernt der Leser zudem nur aus der Pespektive von Holden kennen.

Holden Caufield

Phoebe Caufield

Allie Caufield

Jane Gallagher


Wissenswertes

Die »Prep«

Die »Prencey Prep« ist eine fiktive Internatsschule. Prep steht als Abkürzung für »Prepratory School«, eine für die Ostküste der USA typische Schulform. Hier sollen die Studenten wohlhabender Eltern auf das College oder die Universität vorbereitet werden. »Prep« wird auch als Synonym verwendet für Teenager, die angepasst, unkritisch und ehrgeizig sind.

Das Wort »phony«

Für Holden sind alle Menschen »phony«, also unaufrichtig, falsch und verlogen. Die einzigen Ausnahmen sind seine Freundin Jane Gallagher, sein verstorbener Bruder Allie und seine kleine Schwester Phoebe.

Holdens Weltsicht

Holdens Weltsicht wird am Ende von Kapitel 12 auf den Punkt gebracht: »People are always ruining things for you« – »Immer machen die Leute einem was kaputt.«

Robert Burns

Robert Burns (1759–1796) war ein schottischer Dichter der Romantik. 1782 verfasste er das Gedicht »Coming Through the Rye«. Es handelt von einer Begegnung im Roggenfeld: Ein enttäuschter Liebhaber versteht nicht, warum das Mädchen Jenny sich nicht küssen lassen will.