Der Hauptmann von Köpenick

Inhaltsangabe

Carl Zuckmayers Drama »Der Hauptmann von Köpenick« wurde 1931 in Berlin uraufgeführt und ist eine Persiflage auf das deutsche Obrigkeitsdenken und den Bürokratismus. Protagonist ist der sechsundvierzigjährige Schuster Wilhelm Voigt, dem im militaristisch geprägten Kaiserreich nach seiner Haftentlassung jegliche Chancen auf Rehabilitierung versagt bleiben. Mithilfe einer Hauptmannsuniform versucht Voigt deshalb seine Bürgerrechte zu ergaunern. Das Stück spielt zu Beginn des 20. Jahrhunderts und basiert auf einer wahren Begebenheit aus dem Jahre 1906. Orte der Handlung sind Berlin und seine Umgebung.


1. Akt

1. Szene: Uniformladen in Potsdam

Hauptmann von Schlettow probiert in Adolph Wormsers Laden in Potsdam eine neue Uniform an, als der ärmlich gekleidete Wilhelm Voigt eintritt. Dieser ist gerade aus dem Gefängnis entlassen worden, wo er eine fünfzehnmonatige Haftstrafe wegen Urkundenfälschung abgesessen hat. Wormser hält den arbeitssuchenden Voigt für einen Bettler und vertreibt ihn.

2. Szene: Polizeibüro in Potsdam

Im Polizeibüro in Potsdam beantragt Voigt eine Aufenthaltserlaubnis. Dafür benötigt er einen Arbeitsnachweis. Eine Arbeit zu erhalten setzt wiederum eine Aufenthaltserlaubnis voraus. Die Behörde ist nicht bereit, die komplizierte Situation zu klären und schickt den ehemaligen Zuchthäusler Voigt weg.

3. Szene: Café National in der Friedrichstraße

Im Café trifft Voigt seinen ebenfalls obdachlosen Freund Paul Kallenberg, genannt Kalle, der ihn für eine Straftat gewinnen will. Voigt lehnt ab, da er sich für ein ehrliches Leben entschieden hat. Unterdessen betritt Hauptmann von Schlettow in Zivil mit einem Bekannten das Lokal. Als kurz darauf ein Streit zwischen Kallenberg und einem betrunkenen Grenadier ausbricht, schreitet Schlettow ein. Ohne Uniform erkennt der Grenadier ihn nicht und verweigert den Gehorsam. Schließlich wird nicht nur der Grenadier, sondern auch Schlettow von der Polizei festgenommen.

4. Szene: Personalbüro der Engrosschuhfabrik »Axolotl«

Im Personalbüro der Schuhfabrik Axolotl hoffen mehrere Bewerber auf Einstellung. Voigt ist einer von ihnen. Er wird jedoch abgewiesen, da er keine Papiere vorweisen kann und zudem nicht beim Militär gedient hat.

5. Szene: Möbliertes Zimmer in Potsdam

Wegen der Schlägerei im Café sieht Schlettow sich gezwungen seinen Abschied vom Militär nehmen. Die zwischenzeitlich abgeänderte Uniform schickt er dem Schneider Wormser zurück.

6. Szene: Herberge zur Heimat im Berliner Norden

Als Voigt seinen Freund Kalle wieder trifft, erzählt er diesem von seinen neuen Plänen: Er hat vor, Preußen zu verlassen und im Ausland arbeiten. Zuvor will er im Polizeirevier einbrechen, um seine Akte zu vernichten und und einen fremden Pass zu stehlen. Kalle schließt sich Voigt an, um Bargeld zu entwenden.

7. Szene: Uniformladen in Potsdam

Das Unternehmen scheitert; Voigt und Kalle werden verhaftet. Wormser liest darüber in der Zeitung, als Doktor Obermüller den Laden betritt. Dieser hat Ambitionen, Bürgermeister von Köpenick zu werden. Er braucht eine Uniform und Wormser kann die von Schlettow zurückgegebene an ihn verkaufen.


2. Akt

8. Szene: Zuchthauskapelle in Sonnenburg

Zehn Jahre später soll Voigt aus der Haftanstalt entlassen werden. Zuvor wird der Jahrestag des Sieges der Deutschen über die Franzosen und die Gefangennahme Napoleons gefeiert. Dabei spielen die Gefängnisinsassen Armeemanöver nach. Voigt fällt durch seine in der Haft erworbene Kenntnis des preußischen Militärwesens auf. Der Gefängnisdirektor lobt ihn und nennt ihn einen geborenen Soldaten.

9. Szene: Bürgerliche Wohnstube in Rixdorf

Nach seiner Entlassung kommt Voigt bei seiner Schwester Maria und deren Mann Friedrich Hoprecht in Berlin unter. Wieder hat er weder Arbeit noch Papiere und rechnet erneut mit Schwierigkeiten. Deshalb geht er seinen Schwager Friedrich, der Beamter ist, um Hilfe an. Dieser lehnt die illegale Beschaffung eines Passes jedoch entschieden ab.

10. Szene: Schlafzimmer des Bürgermeisters Obermüller in Köpenick

Doktor Obermüller, Bürgermeister von Köpenick und inzwischen zum Hauptmann befördert, muss am Kaisermanöver teilnehmen. Da Wormser die neue Uniform noch nicht geliefert hat, zwängt Obermüller sich notgedrungen in die zehn Jahre alte. Diese reißt. Im letzten Augenblick erscheint der Zuschneider Wabschke mit der neuen Uniform und nimmt die zerrissene mit.

11. Szene: Gang vor dem Polizeibüro in Rixdorf

Im Polizeirevier in Rixdorf versucht Voigt verzweifelt, seinen Wohnsitz bei seiner Schwester anzumelden, da ihm ansonsten die Ausweisung aus dem Bezirk droht. Das Polizeibüro wird jedoch überraschend geschlossen.

12. Szene: Stube mit Bett

Bei der Familie Hoprecht wohnt ein unheilbar krankes Mädchen zur Untermiete; am Tag vor ihrem Tod sitzt Voigt an ihrem Bett, liest vor und fabuliert. Währenddessen werden ihm seine Ausweisungspapiere zugestellt.

13. Szene: Festsouper bei Dressel

Der Kommerzienrat Wormser organisiert den Kaisermanöverball. Zu diesem Anlass trägt Wormsers Tochter Auguste Viktoria in der alten Uniform von Obermüller und Schlettow ein Couplet vor. Durch eine Ungeschicklichkeit von Wormsers Sohn wird die Uniform dermaßen verfleckt, dass sie zum Trödler kommt.

14. Szene: Bürgerliche Wohnstube in Rixdorf

Friedrich Hoprecht ist enttäuscht, weil die erhoffte Beförderung ausblieb. Voigt erzählt Hoprecht von seiner Ausweisung und spottet über die Zustände im Kaiserreich. Voigt hält das Wohl des Menschen für wichtiger als Regeln und Gesetze. Hoprecht dagegen meint, dass der Mensch sich dem Staat unterzuordnen habe. Voigt denkt über den Sinn seines Lebens nach und fragt sich, wie er eines Tages vor Gott dastehen werde.


3. Akt

15. Szene: Kleiderladen in der Kanonierstraße

In »Krakauers Kleiderladen« ersteht Voigt eine gebrauchte Hauptmannsuniform.

16. Szene: Allee im Park von Sanssouci

Voigt sitzt im Park Sanssouci auf einer Bank, beobachtet die Passanten und hört ihren Unterhaltungen zu. Die Gespräche der jungen oder älteren Offiziere, der Kindermädchen und alten Damen drehen sich fast alle um unterschiedliche Aspekte des Militärwesens.

17. Szene: Halle und Gang mit Abort im Schlesischen Bahnhof

Voigt trägt seine neue Uniform und die Dienstmänner auf dem Bahnhof lassen sich davon einschüchtern.

18. Szene: Vorhalle mit Treppen im Rathaus zu Köpenick

Im Köpenicker Rathaus herrscht reger Betrieb. Unterdessen rekrutiert der falsche Hauptmann Voigt auf der Straße einen Trupp Soldaten, mit denen er ins Rathaus eindringt.

19. Szene: Amtszimmer des Bürgermeisters Obermüller in Köpenick

Voigt lässt den Bürgermeister Doktor Obermüller sowie den Stadtkämmerer Rosencrantz verhaften und erteilt dem Polizeiinspektor den Auftrag, die beiden zur Neuen Wache zu bringen. Voigt ist enttäuscht, als er erfährt, dass das Rathaus keine Passabteilung besitzt, die nächste befindet sich in Teltow. Die Ausstellung der dringend benötigten Papiere war das eigentliche Ziel seiner Posse gewesen. Voigt nimmt das Geld aus der Stadtkasse in Verwahrung, entlässt die Soldaten und entfernt sich.

20. Szene: Aschingers Bierquelle in der Neuen Friedrichstraße

Die Geschichte des Hauptmanns von Köpenick macht Schlagzeilen und sorgt für große Heiterkeit. Eine Beschreibung des Täters wird veröffentlicht. Voigt schläft unterdessen in seiner Alltagskleidung in einer Kneipe und wird nicht erkannt.

21. Szene: Im Polizeipräsidium Alexanderplatz

Sogar der Kaiser amüsiert sich über die Geschichte; er sieht darin einen Beweis für die Disziplin der Deutschen und ist stolz auf sein Volk. Unterdessen stellt Voigt sich der Polizei und legt ein Geständnis ab. Er verlangt dafür die Ausstellung eines Passes, sobald er die ihm neuerlich drohende Haftstrafe abgesessen hat. Voigt verrät das Versteck der Uniform und als diese gebracht wird, legt er sie noch einmal an. Der vermeintliche Hauptmann von Köpenick betrachtet sich im Spiegel, fängt heftig und langanhaltend zu lachen an und fasst alles mit einem lauten „unmöglich“ zusammen.


»Der Hauptmann von Köpenick« ist »Ein deutsches Märchen in drei Akten«, wie es im Untertitel heißt. Mit viel Humor und in Berliner Mundart sowie im Kasino-Jargon der Offiziere hält Carl Zuckmayer den Deutschen einen Spiegel vor: Menschliche Werte werden dem Militarismus und der Obrigkeitshörigkeit geopfert. Das Stück war ein gigantischer Erfolg in der Weimarer Republik und wurde noch im Jahr seiner Uraufführung zum ersten Mal verfilmt. Von den Nationalsozialisten wurde das Stück sowie Zuckmayers Werk überhaupt 1933 verboten und erlebte erst nach dem Zweiten Weltkrieg eine Renaissance.


Kurze Zusammenfassung

Hauptmann von Schlettow probiert in einem Potsdamer Geschäft seine neue Uniform an, während der gerade aus dem Gefängnis entlassene Voigt als Bettler hinausgeworfen wird. Voigt, der weder Arbeit noch eine Aufenthaltsgenehmigung hat und das eine nicht ohne das andere bekommen kann, wird aus Verzweiflung wieder kriminell und bricht mit Kalle in einem Polizeirevier ein. Dafür kommt er wieder ins Zuchthaus.

Als er nach zehn Jahren entlassen wird, versichert ihm der Direktor, dass die militärische Ausbildung, die er im Gefängnis erfahren hat, ihm eines Tages noch einmal von Nutzen sein werde. Voigt findet Aufnahme bei seiner Schwester und deren Mann Friedrich Hoprecht, einem kleinen Beamten. Doch Voigts erneuter Versuch, im Leben Fuß zu fassen, scheitert abermals. Voigt wird ausgewiesen.

Nun kauft sich Voigt in Krakauers Kleiderladen eine gebrauchte Hauptmannsuniform, hält einen Trupp Soldaten an, zieht mit ihnen zum Köpenicker Rathaus, nimmt dort den Bürgermeister gefangen und lässt ihn zur Wache nach Berlin befördern. Voigt muss erkennen, dass es in dem Rathaus keine Passabteilung gibt, er sich also die dringend benötigte Bescheinigung dort nicht ausstellen lassen kann. Voigt bedient sich der Gemeindekasse, entlässt die Soldaten und stellt sich der Polizei unter der Bedingung, dass er nach seiner Entlassung einen Pass enthält.

Dies ist ein Auszug aus Königs Erläuterungen zu »Der Hauptmann von Köpenick«.

Hauptpersonen

Wilhelm Voigt:
kein Asozialer, kein Revolutionär, kein erklärter Sozialdemokrat

Hauptmann von Schlettow:
Militarist

Bürgermeister Obermüller:
liberaler, standpunktloser Karrierist

Uniformschneider Adolf Wormser:
will unbedingt Kommerzienrat werden

Zuschneider Wabschke:
durchschaut die Militärkulisse

Friedrich Hoprecht:
typischer Kleinbürger

Dies ist ein Auszug aus Königs Erläuterungen zu »Der Hauptmann von Köpenick«.


Zeitgeschichtliche Einordnung

Dies ist ein Auszug aus Königs Erläuterungen zu »Der Hauptmann von Köpenick«.

Entstehung und Quellen

Über die Entstehung und die Quellen der Komödie liegt ein autobiografisches Zeugnis von Zuckmayer vor. Demnach erhielt er einen Hinweis auf die Geschichte des Schusters Wilhelm Voigt durch seinen Freund Fritz Kortner. Er studiert daraufhin die alten Zeitungsberichte und Prozessakten.

Dies ist ein Auszug aus Königs Erläuterungen zu »Der Hauptmann von Köpenick«.

Interpretationsansätze

Der Hauptmann von Köpenick ist ein Drama

Dies ist ein Auszug aus Königs Erläuterungen zu »Der Hauptmann von Köpenick«.