Heinrich Heine (1797–1856) ist einer der bedeutendsten deutschen Autoren. Der Lyriker und Schriftsteller gilt als Vollender und Überwinder der deutschen Romantik. Als Journalist begründete er moderne literarische Formen wie das Feuilleton. Seine scharfe Kritik an sozialen und politischen Verhältnissen machte ihn zu einem Hauptvertreter der Literatur des Vormärz. In Deutschland mit strenger Zensur und Publikationsverbot belegt, lebte er ab 1831 im französischen Exil. Zu seinen bekanntesten Werken gehören das »Buch der Lieder« sowie »Deutschland. Ein Wintermärchen«.

Tabellarischer Lebenslauf

1797Geburt am 13. Dezember 1797 als Harry Heine; erstes von vier Kindern; Vater: Salomon Heine; Mutter: Peira (Betty) van Geldern;
1804Israelitische Privatschule; Unterricht in hebräischer Sprache; Wechsel zur städtischen Grundschule dank liberaler Gesetzgebung;
1810–1814Besuch des Lyzeums und Abgang ohne Abschluss; Besuch der Handelsschule;
1815Beginn einer Banklehre in Frankfurt/Main;
1816Wechsel nach Hamburg in das Bankhaus seines Onkels Salomon Heine; unglückliche Liebe zu seiner Cousine Molly;
1819–1825Jurastudium in Bonn, Göttingen und Berlin, finanziert von seinem Onkel;
1821Besuch des literarischen Salons der Rahel Varnhagen in Berlin;
1822Erste Gedichte;
1824»Dreiunddreißig Gedichte« erscheint;
1825Promotion; Wechsel zum evangelisch-lutherischen Glauben: Taufe auf den Namen Christian Johann Heinrich; Streit mit August von Platen (Platen-Affäre);
1826»Reisebilder I« (Harzreise) erscheint;
1827»Reisebilder II« (Ideen. Das Buch Le Grand) erscheint; Gedichtsammlung »Buch der Lieder« wird ein großer Erfolg;
1829»Reisebilder III« (Die Bäder von Lucca; Die Stadt Lucca) erscheint;
1830Wohnsitz auf Helgoland;
1831Übersiedlung nach Paris;
1836»Die romantische Schule« erscheint, Kritik an der politischen Romantik
1841Heirat der achtzehn Jahre jüngeren Augustine Crescence Mirat, genannt Mathilde;
1843»Atta Troll. Ein Sommernachtstraum« erscheint; erste Deutschlandreise (zur Mutter nach Hamburg);
1844Versepos »Deutschland. Ein Wintermärchen« erscheint; zweite Deutschlandreise;
1848Nach einem Zusammenbruch bis zum Ende seines Lebens schwer krank und ans Bett gefesselt, seine »Matratzengruft«;
1856Am 17. Februar 1856 Tod in Paris.

Biografie

Kindheit und Schule

Der Dichter, Schriftsteller und Journalist Christian Johann Heinrich Heine wurde als Harry Heine in Düsseldorf geboren – nach eigener Aussage in der Neujahrsnacht des Jahres 1800. Heute gilt in der Forschung der 13. Dezember 1797 als wahrscheinlichstes Geburtsdatum. Den Namen Heinrich erhielt er erst mit der Taufe im Jahr 1825.

Heines Eltern waren der jüdische Kaufmann Samson Heine und dessen Frau Peira (Betty) van Geldern. Heine wuchs mit drei jüngeren Geschwistern in einer von der Aufklärung geprägten Familie auf. Düsseldorf stand zu jener Zeit unter französischem Einfluss; die dort lebenden Juden hatten weitgehende bürgerliche Rechte. Heine besuchte die Israelitische Privatschule, eine städtische Grundschule und das Lyzeum. Ab 1814 sollte er sich an einer privaten Handelsschule auf die kaufmännische Ausbildung vorbereiten.

Heinrich-Heine-Preis der Stadt Düsseldorf

Der Heine-Preis ist einer der wichtigsten Literatur- und Persönlichkeitspreise in Deutschland. Düsseldorf, Vaterstadt des Dichters, hat ihn 1972 ins Leben gerufen. Anlass war der 175. Geburtstag von Heine. Der Preis ist mit 50.000 Euro dotiert.

Der Preis wird im Zwei-Jahres-Turnus an Menschen vergeben, »die durch ihr geistiges Schaffen im Sinne der Grundrechte des Menschen, für die sich Heinrich Heine eingesetzt hat, den sozialen oder politischen Fortschritt fördern, der Völkerverständigung dienen oder die Erkenntnis von der Zusammengehörigkeit aller Menschen verbreiten«.

Erster Preisträger war Carl Zuckmayer; ebenfalls ausgezeichnet wurden u. a. Walter Jens (1981), Marion Gräfin Dönhoff (1988), Wolf Biermann (1993) Hans Magnus Enzensberger (1998) und Amos Oz (2008).

https://www.duesseldorf.de/kunst-und-kultur/heine-preis.html

Ausbildung und Studium

1815 begann Heine eine Banklehre in Frankfurt/Main. Ein Jahr später wechselte er in das große Hamburger Bankhaus seines Onkels Salomon Heine. Heine erwies sich rasch als ungeeignet für Bank- oder Handelsgeschäfte. Auch seine schwärmerische Liebe für die Cousine Amalie, genannt Molly, blieb unerwidert. Einigen Literaturwissenschaftlern gilt das »Amalien-Erlebnis« als Auslöser für Heines lyrisches Werk. Der wohlhabende Onkel zeigte wenig Verständnis für Heines literarische Neigung. Dennoch unterstützte er ihn finanziell bis zu seinem eigenen Tod im Jahr 1844.

Im Jahr 1819 begann Heine ein Jurastudium, das ihn von Bonn über Göttingen nach Berlin führte. Von Anfang an galt sein Interesse mehr der Literatur als der Juristerei. In Berlin besuchte er 1821 den literarischen Salon der Rahel Varnhagen. Bereits 1822 konnte er den Band »Gedichte« in der Maurerschen Buchhandlung veröffentlichen. Die Tragödien »Almansor« und »William Ratcliffe« erschienen 1823.

Promotion, Taufe und Platen-Affäre

1825 promovierte Heine in Göttingen zum Doktor der Rechte. Seine Absicht war es zunächst, sich als Anwalt niederzulassen. Die Ausgrenzung von Juden gehörte in jener Zeit zum deutschen Alltag. Um seine Berufschancen zu erhöhen, ließ Heine sich am 28. Juni 1825 evangelisch-lutherisch taufen.

Der Taufschein war, seiner berühmten Formulierung zufolge, nichts anderes als »das Entréebillett zur europäischen Kultur«. Möglichen Klienten galt Heine dennoch weiter als Jude und nicht vertrauenswürdig. Schon bald darauf bedauerte er die Konversion zum Christentum. Nach der Platen-Affäre musste er seine Hoffnungen auf eine juristische Karriere endgültig aufgeben.

Aus einem Dichterstreit zwischen Heine und August Graf von Platen war eine persönliche Fehde geworden. In deren Verlauf verhöhnte von Platen Heines jüdische Herkunft. Heine konterte die Anfeindungen, indem er von Platens Homosexualität öffentlich machte. Letztlich gingen beide als Verlierer aus dem Dichterstreit hervor. Von Platen blieb im italienischen Exil. Der »Nestbeschmutzer« Heine scheiterte mit seiner letzten Bewerbung um einen Lehrauftrag an der Universität München.

Dichten und Reisen

Zahlreiche Reisen führten Heine zwischen 1826 bis 1831 quer durch Europa. Er knüpfte Kontakte zu Verlegern wie Julius Campe und Johann Friedrich von Cotta. Viele seiner Erfahrungen verarbeitete er in den »Reisebildern« (1826–1829). Das »Buch der Lieder« wurde 1827 ein großer literarischer Erfolg. Heine war gleichermaßen beliebt und – wegen seiner scharfen Polemik – gefürchtet und in Deutschland verfolgt.

Heines Veröffentlichungen waren seit 1827 der strengen Zensur in Preußen unterworfen. Dazu kamen zunehmende Anfeindungen seiner Person sowie antijüdische Ausschreitungen in Hamburg im Jahr 1830. In ihm reifte der Entschluss, Deutschland zu verlassen. 1831 ging er nach Frankreich. Die Sehnsucht nach seinem Heimatland sollte ihn bis zu seinem Tod begleiten.

In Paris: Journalist und kritischer Beobachter

In Frankreich begann die zweite bedeutende Phase seines Schaffens. Es war die Zeit, in der Zeitungen zum Massenmedium avancierten. Das Berufsbild des Journalisten etablierte sich. Heinrich Heine wirkte maßgeblich daran mit. Er gilt als Begründer des politischen Feuilletons: »Französische Zustände« war eine Artikelserie, die er 1831/1832 als freier Korrespondent der »Augsburger Allgemeinen Zeitung« verfasste.

Die Weltstadt Paris war zu jener Zeit Sehnsuchtsort und Treffpunkt europäischer Künstler und Intellektueller. Unter ihnen war auch Ludwig Börne. Heine genoss das Leben in der französischen Metropole und die literarische Freiheit. Zugleich quälte ihn die Sehnsucht nach Deutschland, dessen zunehmende geistige Enge er mit Schmerz beobachtete.

Längst nicht alle Literaten jener Epoche beschäftigten sich mit politischen oder sozialen Themen. Zu Heines Missfallen waren in Deutschland die Dichter der Romantik vorherrschend. Die »Innerlichkeit« in ihren Werken kam bei den Deutschen gut an, und das ist zum Teil bis heute so. Sie war jedoch nicht »europäisch genug«, wie Marcel Reich-Ranicki es nannte. Erst Heine gelang wieder ein Stück Weltliteratur, das an die Erfolge Goethes und Schillers anknüpfen konnte.

Die großen Versepen

1841 heiratete Heine die 18 Jahre jüngere Französin Augustine Crescence Mirat; er nannte sie Mathilde. Im selben Jahr entstand das Versepos »Atta Troll. Ein Sommernachtstraum«. In dem Titel wird Heines Verehrung für Shakespeare deutlich. Im November 1843 unternahm Heine eine Reise nach Hamburg zu seiner Mutter. Die Eindrücke der Reise verarbeitete er im Versepos »Deutschland, ein Wintermärchen«. Mit beißender Ironie prangerte er darin die politischen Fehlentwicklungen und den geistigen Zustand seines Heimatlandes an.

Nach seiner Rückkehr im Dezember 1843 begegnete Heine in Paris dem jungen Karl Marx. Die beiden blieben sich zeitlebens freundschaftlich verbunden. Diskutiert wird die Frage, inwieweit sie ihre Werke wechselseitig beeinflussten. Im Jahr 1844 reiste Heine wieder nach Hamburg zu seiner Mutter. Es war der letzte Besuch in seinem Heimatland.

Letzte Lebensjahre und Tod

Gelähmt, zeitweise erblindet und von krampfartigen Schmerzen gequält verbrachte Heine seine letzten acht Lebensjahre. Nach einem Zusammenbruch im Jahr 1848 war er ans Bett gefesselt. Er nannte es seine »Matratzengruft«. Heine vermutete, an den Spätfolgen einer Syphilis zu leiden. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse bestätigen dies. Andere Theorien nehmen eine fortgeschrittene Multiple Sklerose oder eine Bleivergiftung an.

Trotz der schweren Krankheit hörte Heine nicht auf, literarisch zu arbeiten. Seine Verse diktierte er einem Sekretär. Die Gedichtsammlung »Romanzero« wurde 1851 veröffentlicht. Heines letzte große Liebe war seine junge Verehrerin Elise Krienitz. Mit ihr führte Heine einen intensiven Briefwechsel. Darin beklagte er seinen körperlichen Zustand, der eine rein platonische Liebe erzwang. Im Nachlass wurden fünf Gedichte an die »Mouche« gefunden, wie er sie zärtlich nannte. Wenige Tage vor seinem Tod besuchte sie ihn ein letztes Mal.

Heinrich Heine starb am 17. Februar 1856. Begraben wurde er drei Tage später auf dem Pariser Friedhof Montmartre. Sein Grab ist zu einem Wallfahrtsort für Liebende sowie für Bewunderer des Dichters geworden.

Inschrift auf Heinrich Heines Grabplatte: »Wo?«

Wo wird einst des Wandermüden
Letzte Ruhestätte sein?
Unter Palmen in dem Süden?
Unter Linden an dem Rhein?

Werd‘ ich wo in einer Wüste
Eingescharrt von fremder Hand?
Oder ruh‘ ich an der Küste
Eines Meeres in dem Sand?

Immerhin! Mich wird umgeben
Gottes Himmel, dort wie hier,
Und als Totenlampen schweben
Nachts die Sterne über mir.

Werke von Heinrich Heine (Auswahl)

1824
»Dreiunddreißig Gedichte«
Gedichtsammlung
1826
»Reisebilder I (Harzreise)«
Reisebericht
1827
»Reisebilder II (Ideen. Das Buch Le Grand
Versepos; Reisebericht
1827
»Buch der Lieder«
Gedichtsammlung
1829
»Reisebilder III (Die Bäder von Lucca; Die Stadt Lucca)«
Reisebericht
1836
»Die romantische Schule (Kritik an der politischen Romantik)«
Kulturgeschichtliche Schrift
1840
»Ludwig Börne. Ein Denkschrift«
1843
»Atta Troll. Ein Sommernachtstraum«
Versepos
1844
»Neue Gedichte«
Gedichtsammlung
1844
»Deutschland. Ein Wintermärchen«
Versepos; Reisebericht
1851
»Romanzero«
Gedichtsammlung

Zitate von Heinrich Heine

»Im wunderschönen Monat Mai,
Als alle Knospen sprangen,
Da ist in meinem Herzen
Die Liebe aufgegangen.«
Heinrich Heine, Buch der Lieder, 1827
»Die Handlungen eines Furchtsamen, wie die eines Genies, liegen außerhalb aller Berechnungen.«
Heinrich Heine, Französische Zustände, Paris, 10. Juni 1832
»Denk ich an Deutschland in der Nacht,
Dann bin ich um den Schlaf gebracht.«
Heinrich Heine, Neue Gedichte, 1844

Inhaltsangaben

Weiterführende Literatur

Heinrich Heine: Die Erfindung des europäischen Intellektuellen
Biographie von Rolf Hosfeld.
Salomon Heine
Biographie des Bankiers Salomon Heines von Susanne und Jan Peter Wiborg, erschienen in der Reihe »Hamburger Köpfe«.
Der Fall Heine
Sammlung von Essays und Vorträgen des großen Literaturkritikers Marcel Reich-Ranicki (1920–2013). Leider nur antiquarisch erhältlich.