Die Epoche der Romantik

Als die literarische Epoche der Romantik begann, vollzog sich in den europäischen Gesellschaften gerade ein fundamentaler Wandel. 1806 löste sich das Heilige Römische Reich Deutscher Nation auf und der Rheinbund wurde gegründet. Einschneidende historische Ereignisse waren außerdem die Preußischen Reformen 1807 bis 1814, die Befreiungskriege von 1813 bis 1815 sowie die Völkerschlacht bei Leipzig. 1815 unterlag nicht nur Napoleon in der Schlacht von Waterloo. Der Wiener Kongress sollte im selben Jahr den Grundstein für die politische Neuordnung Europas legen.

In ganz Europa fand ein Übergang von der feudalen zur bürgerlichen Gesellschaft statt. Gleichzeitig bildete sich ein bürgerliches Selbstbewusstsein heraus. Den Romantikern ging es weniger um Gesellschaftskritik als um eine Ablehnung der Wirklichkeit mit ihrem Fokus auf die Regeln der Vernunft. Sie werteten Intuition und Ahnungen höher als die aufblühenden Naturwissenschaften und stellten die Schönheit und Rohheit der Wildnis über die vorindustrielle Ästhetik des Nützlichen. Die Vertreter der Romantik sehnten sich nach der Bedeutung der Religion zurück und idealisierten deshalb das Mittelalter als beste Zeit der Menschheitsgeschichte.

Wichtige Autoren der Romantik
  • Achim von Arnim (1781-1831)
  • Bettina von Arnim (1785-1859)
  • Clemens Brentano (1778-1842)
  • Joseph von Eichendorff (1788-1857)
  • Jacob Grimm (1785–1863) und Wilhelm Grimm (1786–1859)
  • E. T. A. Hoffmann (1776-1822)
  • Friedrich Hölderlin (1770-1843)
  • Novalis (1772-1801)
  • August Wilhelm Schlegel (1767-1845)
  • Friedrich Schlegel (1772-1829)
  • Gustav Schwab (1792-1850)
  • Ludwig Tieck (1773-1853)
  • Rahel Varnhagen von Ense (1771-1833)
  • Friedrich de la Motte Fouqué (1777-1843)

Der Epochenbegriff

Der Begriff Romantik entstammt dem Französischen und bezeichnet alle Schriften, die in den Volkssprachen der romanischen Länder verfasst wurden. Es geht in der Romantik somit auch um einen Gegensatz zur vor dem Spätmittelalter auf Latein verfassten Literatur. Aus der lingua romana (»romanische Sprache«) entwickelte sich das Wort Roman. Beim Romantikbegriff stehen stets das Sinnliche, Phantastische, die Abwendung von den Klassikern und der Antike sowie die Hinwendung zur Natur, zur Empfindsamkeit und die Kritik an der Vernunft im Zentrum des Schaffens.

Die verschiedenen Phasen der Romantik

Insgesamt dauerte die Epoche der Romantik von 1798 bis 1835. In der Literaturwissenschaft werden drei Hauptphasen unterschieden, deren Namen ihren literarischen Zentren entlehnt sind.

Die Frühromantik/Jenaer Romantik

Die sogenannte Frühromantik, auch Jenaer Romantik genannt, dauerte von 1798 bis 1804. Als wichtigste Vertreter dieser Epoche gelten Novalis und August Wilhelm Schlegel. In Literaturzeitschriften publizierten diese Autoren nicht nur ihre eigenen Texte, sondern auch Übersetzungen der Weltliteratur. So wurden unter anderem die Werke Shakespeares einer großen deutschsprachigen Öffentlichkeit zugänglich.

Die Hochromantik/Heidelberger Romantik

Die Hochromantik dauerte von 1804 bis 1818. Ihr Zentrum war Heidelberg, wo der Dichterkreis um Joseph von Eichendorff, Bentano und Arnim maßgeblich die Volkspoesie förderte. Neben Heidelberg gelten Berlin und München als Nebenzentren der Hochromantik. Die Hochromantiker schrieben Sagen, Märchen und Fabeln nieder und erreichten mit ihren Texten ein großes Publikum.

Spätromantik/Berliner Romantik

Ihren Abschluss fand die literarische Epoche der Romantik mit der Berliner Romantik, die auch Spätromantik genannt wird und von 1816 bis 1835 andauerte. In den Salons der heutigen Hauptstadt versammelten sich neben Rahel Varnhagen, E.T.A. Hoffmann, Bettina von Arnim und Ludwig Tieck zahlreiche weitere, noch heute bekannte literarische Größen dieser Zeit zu Diskussionen und Debatten. München, Wien und Schwaben gelten als Nebenzentren der Spätromantik.

Die romantische Lyrik

Viele lyrische Werke der Romantik gehören heute zu den Klassikern der deutschen Literatur. Zu den bekanntesten Lyrikern zählen Uhland, Eichendorff, Mörike und Chamisso, die eher volkstümlich orientiert waren. Eine volksliedhafte Einfachheit prägte ihre Werke, die bei einem breiten Publikum Anklang fanden. Auch die »Geistlichen Lieder« sowie die »Hymnen an die Nacht« von Novalis werden als wichtige lyrische Werke der deutschen Romantik noch heute gelesen. Die Texte von Novalis zeichnen sich durch ein Höchstmaß an sprachlicher Kunst aus.

Das Drama in der Romantik

Die strengen Gesetzmäßigkeiten der Textgattung Drama ließen sich nur schwer mit den Vorstellungen der Romantiker vereinbaren. Brentano, Ludwig Tieck und Joseph von Eichendorff setzten sich dennoch mit dem Drama auseinander und verfassten umfangreiche Lesedramen, die jedoch kaum zur Aufführung kamen. An Shakespeare fanden die Romantiker jedoch gefallen, sie schätzten seine Methode, geschichtliche Stoffe als Komödien zu inszenieren. »Der gestiefelte Kater« von Ludwig Tieck gilt als eine der wichtigsten Komödien der deutschen Romantik. In den Dramen, aber auch in der Prosa der Romantik findet sich immer wieder das Motiv der Ironie, die als eigenständige literaturtheoretische Position von Friedrich Schlegel vertreten wurde.

Romantische Prosa

Schon Ende des 18. Jahrhunderts wurde Volksdichtungen immer beliebter. Bekannte Romantiker griffen hierin Volkslieder, Sagen und Märchen auf, erzählten sie neu und dichteten die alten Texte um. So entstanden in dieser Zeit beispielsweise die Märchensammlung der Gebrüder Grimm sowie die Liedersammlung des Knaben Wunderhorn von Arnim und Brentano.

Der romantische Roman fand sein literarisches Vorbild in den Meisterwerken von Goethe. Allerdings mischten die Romantiker gern die Gattungen und brachten Gedichte, Lieder und Erzählungen in einem Text unter. Während der Romantik entwickelte das Publikum ein gesteigertes Interesse an Trivialliteratur – der Schauerroman wurde geboren. In der Romantik waren epische Kurzformen oft beliebter als lange Romane. So fanden Märchen, Novellen und Erzählungen großen Anklang bei den Lesern.

Der große Verdienst der romantischen Schriftsteller war die Überwindung traditioneller Denkmuster und klassischer Grenzen. So setzten sich die Autoren über wissenschaftliche Erkenntnisse und starre Regeln einfach hinweg und ließen ihrer Fantasie freien Lauf. Noch heute hat die deutsche Romantik Auswirkungen auf die zeitgenössische Literatur, aber auch auf die Kunst. Zahlreiche Liedtexte zeitgenössischer Pop- und Wavesongs knüpfen direkt und indirekt an romantische Werke und Motive an.